Ausflug zu den Bergseen
der Vogesen
(Lac Blanc und Lac Noir)

In westlicher Richtung, etwa 45 Autominuten entfernt von Colmar, liegt in den Vogesen eine eiszeitliche Landschaft mit verschiedenen Gletscherseen. Zwei davon, der Lac Blanc und der Lac Noir, sind mit dem Auto direkt erreichbar.
Von Colmar folgen wir zunächst den Schildern in Richtung Nancy, später Orbey. Die beiden Seen sind dann ausgeschildert. Immer höher führt die Landstraße hinauf ins Gebirge. Schließlich erreichen wir auf etwa 1000 Meter Höhe einen Parkplatz, hinter dem sich umrahmt von bis zu 1300 Meter hohen, schroffen Berghängen der „Weiße See“ ausbreitet.


Wenige Besucher haben sich eingefunden, picknicken, fotografieren, sitzen am Ufer, spazieren herum, führen ihre Hunde aus oder machen sich bereit für eine größere Wanderung. Obwohl der See zunächst recht unspektakulär anmutet, starten auch wir zu einem Spaziergang in der Hoffnung auf die Möglichkeit einer Umrundung. Doch nach wenigen Metern schon findet der schöne Weg, auf dem sich sogar noch Schneereste befinden, ein Ende. Dort im Berg befand sich wohl das durch ein größeres Gefälle mit dem Schwarzen See auf der anderen Bergseite verbundene Pumpspeicherkraftwerk, das im 19. Jahrhundert errichtet wurde, mittlerweile aber stillgelegt ist.








Oberhalb dieses Weges führen Wanderwege, für die man allerdings gutes Schuhwerk braucht. Die Region wirbt sogar mit Seen-Wander-Touren. In der freien Natur kommen Wanderfalken (einen haben wir tatsächlich gesehen) und Gämsen vor.

Natürlich möchten wir uns auch das Pendant, den Schwarzen See anschauen. Dieser liegt tatsächlich nur wenige Minuten entfernt, einmal um den Berg herum.




Dieser See präsentiert sich aufgrund des Untergrundes tatsächlich wesentlich dunkler. Auch hier ein vorgelagerter Parkplatz. Ein stetes Rauschen lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die gegenüber liegende Seeseite, wo sich sich ein Wasserfall hinab in den See ergießt.






Am Rand des Parkplatzes steht ein Denkmal aus dem Jahr 2000, das den Opfern des Unglücks vom 4. Januar 1934 gewidmet ist, als eine Leitung brach, eine meterhohe Wasserfontäne große Zerstörung im Kraftwerk verursachte und neun Menschen in den Tod riss.

Auch von hier starten verschiedene Wandertouren in die Umgebung.


Vielleicht ist es die dunkle, undurchdringliche Farbe des Lac Noir, die Kraft des Wasserfalls und die schroffen und zum Teil mit dunklen Nadelbäumen bestandenen Hänge, die mich die Gewalt der Natur hier noch mehr spüren lassen als beim Lac Blanc.
Grundsätzlich darf man in den Seen, Flüssen und Bächen auch angeln, jedoch nur mit einem Erlaubnisschein, zu kaufen im Restaurant „1000 Meter“ und in der „Auberge du Lac Noir“. 6 Fische pro Angler und Tag sind erlaubt; es gibt auch noch weitere Einschränkungen. Das Baden ist in beiden Seen allerdings streng verboten.
Schließlich nehmen wir in der Auberge direkt am See Platz. Das Angebot ist rudimentär, die Preise aber auch unerwartet günstig. Gesprochen wird Französisch, sonst nix.

Da wir schon mal hier sind, reizt uns eine Fahrt über die angrenzende Route des Crêtes, eine Kammstraße, die von Nord nach Süd über die Vogesen führt. Ich freue mich auf die Aussicht, nach Westen hinein nach Frankreich, denn die Straße verläuft auf dieser Seite knapp unterhalb des Gebirgskamms.
Zunächst müssen wir wieder zurück zum Lac Blanc. Von hier führt die Route des Crêtes nach Norden zum Col des Bonhomme auf knapp 950 Meter und darüber hinaus. Wir möchten jedoch nach Süden (D 61), zum Col de la Schlucht, und dann über die Route de Fromage, das Münstertal (D 417), zurück nach Colmar.
Ausblicke in tiefe Täler, an deren grasbewachsene Berghänge sich kleine Dörfchen schmiegen, einsame Gehöfte auf satten Wiesen, sanft gerundete Hügelkuppen, die sich aus den Niederungen erheben und dazwischen das Maiengrün des Frühlings, aufspringende Knospen von Büschen und Bäumen, so berauschend, dass wir mehrmals austeigen und den Blick schweifen lassen. Was für eine schöne Landschaft! Allein, die Route des Crête finden wir trotz mehrmaliger Versuche nicht. Auch anderen geht es so. Es bleibt nur zu vermuten, dass die Straße noch gesperrt ist, was bis April oder Mai tatsächlich der Fall sein kann.









Auf dem höchsten Punkt bemerken wir eine sich in Betrieb befindliche Seilbahn, die im Winter vermutlich Skifahrer hierher bringt.


Für kein Geld der Welt wollte ich jetzt damit fahren, zu kalt bläst der Wind schon beim puren Stehen durch die Kleider. Bin ich froh, eine Daunenjacke dabeizuhaben. Auch der Himmel verdunkelt sich langsam. Also fahren wir wieder über die Straße unserer Herfahrt (über Orbey und Kaysersberg) zurück. Am Ende sind wir sehr froh, dass wir die Route des Crête nicht gefunden haben und zurück gefahren sind, denn mit Einfahrt nach Colmar schwebt eine riesige, schwarze Gewitterzelle über unseren Köpfen, die schließlich ihre Schleusen öffnet und unser Auto mit dicken Hagelkörnern bombardiert.




Macht nichts, unser Gefährt ist einiges gewöhnt. Letztens ist uns bei einem Sturm ein Baum darauf gefallen, zum Glück gab es nur auf einer Seite Beschädigungen, ein paar Wochen später knallte ein Stein gegen die Windschutzscheibe, die natürlich zerbrach. Die paar Hagelkörner von heute werden den Kohl auch nicht mehr fett machen. Bei strömendem Regen und den Auswirkungen der Kaltfront des Gewitters kommen wir schließlich wieder in unserer Unterkunft an. Schnell raus aus den Sommerklamotten und warm einpacken, das wird auch für den Rest des Urlaubs gelten.

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