Besichtigung der Haut-Koenigsbourg und zurück über Ribeauvillé und Hunawihr nach Colmar

Schon Mitte des 12. Jahrhunderts wird an dieser Stelle eine Burg erwähnt. Wechselnde Besitzer bewohnten sie bis zu ihrer Zerstörung im 30jährigen Krieg. Erst Ende des 19. Jahrhunderts fand sie in Kaiser Wilhelm II. einen neuen Besitzer, der sie durch den Berliner Architekten Bodo Ebhardt nach dem Vorbild ihres Aussehens von 1479 (zu der Zeit schon einmal erneuert) restaurieren ließ. Bis zu 200 Arbeiter waren auf der Baustelle beschäftigt.


Während der Arbeiten wurden insgesamt 2,5 Tonnen Überreste und 32.000 Steinbrocken aus dem Zeitraum zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert im Bereich der Festungsanlage gesammelt, darunter Gegenstände des täglichen Lebens, Kriegswerkzeug, Eisenbeschläge, Glasscherben, geschliffene Steine und vieles mehr, die dem Architekten als Muster und Vorlage diente. Wichtige Funde sind in einem der Räume ausgestellt.
Nach Fertigstellung im Jahr 1908 fand ein pompöses Einweihungsfest statt, zu dem die Gäste als Gag in mittelalterlichen Kostümen erscheinen sollten. An dem Tag schüttete es wie aus Eimern, doch dem dekadenten Treiben tat dies keinen Abbruch.
Der Wiederaufbau dieses niedlichen Nebenwohnsitzes kostete die elsässische Bevölkerung schlappe 700.000 Reichsmark (lt. Dumont-Reiseführer „Elsass“).
Seit 1919 befindet sich die Burg in französischem Eigentum und zählt mit zu den am meisten besuchten Kulturdenkmälern Frankreichs. Als Museum dem Publikum geöffnet zeigen sich die Räumlichkeiten in herrschaftlichem Glanz.

Um die Burg zu betreten schreitet der Besucher zunächst durch einen „mittelalterlichen Garten“ mit mächtigen Laubbäumen, zum Teil mehrere hundert Jahre alt, die den Spazierweg begrenzen. Schon von diesem unterhalb der Burg gelegenen Weg kann man ihre Dimensionen erkennen.




Rechts führen dann ein paar Stufen hinauf zum Eingangsbereich, nicht ohne einen Security-Posten zu passieren. Taschen werden geöffnet und der Inhalt befühlt, dann geht es weiter. Alles natürlich videoüberwacht.
Neben einer Toilettenanlage gibt es auch Spinde, in denen man alles Überflüssige für die Dauer der Besichtigung einschließen kann. Die Tickets kosten (Stand 2019) 9,00 EUR pro Person, Audioguide oder sonstiges Zubehör gehen extra. Wenn man möchte, kann man sich auch einer Führung durch das Gemäuer anschließen. Wir jedoch betreten die Burg auf eigene Faust. Man folgt einfach dem vorgegebenen Rundweg und wird am Ende wieder heraustreten, ohne einen Raum verpasst zu haben. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Burg.








Etwas zugig ist es im Gemäuer, und ich denke mir, für kein Geld der Welt hätte ich hier im Winter sein wollen. Kalt und klamm stelle ich es mir vor, als mir die riesigen Kachelöfen auffallen, die in jedem Raum aufgestellt sind und wohl doch für eine behagliche Wärme sorgten.



In der Küche hielt man wahrscheinlich den ganzen Tag über das Feuer an verschiedenen Kochstellen am Brennen.



Mit wuchtigen Möbeln aus Holz waren die Räume bestückt.





Der Kaisersaal war natürlich der prunkvollste Raum der Burg, in dem man Besucher empfing und Feierlichkeiten ausrichtete.








Auch der Waffensaal mit Lanzen und Ähnlichem aus dem späten Mittelalter konnte den Besucher beindrucken. Wappen aus der Burggeschichte schmücken Wände und Fenster.






Am Ende schließt sich eine Treppe zur großen Bastion an, einer Artillerieplattform, die zur Vogesenseite hin ausgerichtet ist. Tonnenschwere Geschütze stehen hier, die mithilfe eines Aufzugs nach oben gehievt wurden.






Schließlich neigt sich unser Rundgang dem Ende zu. Zur Erfrischung könnten wir in einem Tee-Salon oder Restaurant Platz nehmen. Wir ziehen jedoch die rustikale Plattform neben einem Kiosk gegenüber dem Eingang vor und genießen bei einem erfrischenden Minztee die spektakuläre Aussicht.


Obwohl ich kein ausgewiesener Burgenfan bin, hat mich der Rundgang dennoch beeindruckt und lässt mich einigermaßen kopfschüttelnd über die großspurige Dekadenz des damaligen Machthabers zurück, der sich eine Burg dieses Ausmaßes als reines Prestigeobjekt hielt. Was allein der Unterhalt wohl verschlungen haben mag! In der heutigen Zeit wäre sowas undenkbar, oder?

Nach einer längeren Pause möchten wir auf dem Rückweg nach Colmar noch zwei Dörfchen besichtigen: Ribeauvillé und Hunawihr, die auf unserer Karte hervorgehoben sind. Dieses Mal fahren wir nicht über Thannenkirch, sondern direkt nach Saint-Hypolyte hinunter, zurück zur Weinstraße.
Ribeauvillé liegt nur wenige Kilometer weiter südlich. Wir stellen unser Auto in der Nähe des zentralen Platzes ab, von dem die fachwerkgesäumten Straßen und Gässchen abzweigen. Auch der Charakter dieses Dorfes ist, wie in Riquewihr, vom Weinbau geprägt, nur dass zumindest am späten Nachmittag wesentlich weniger Touristen den Ort verstopfen und man gemütlich daher schlendern kann.










Im benachbarten Winzerdorf Hunawihr machen wir uns noch nicht mal mehr die Mühe auszusteigen, so geschafft sind wir von all den Eindrücken, obwohl der Ort eine genauere Besichtigung Wert ist. Bis auf wenige Gebäude noch weniger für den Tourismus herausgeputzt vermittelt das Dorf eher ein Alltagsflair mit landwirtschaftlicher Prägung. Andere Touristen begegnen uns überhaupt keine.








So neigt sich dieser Tag voller verschiedener Eindrücke ebenso wie unser Aufenthalt in Colmar langsam dem Ende zu. Es gäbe noch viel zu entdecken: Eine Fahrt über die Kammstraße der Vogesen, eine Wanderung im Seengebiet, den Isenheimer Altar im Museum Unterlinden, weitere Örtchen entlang der Weinstraße, das Münstertal südwestlich von Colmar, Einkehr auf einer Vogesen-Alm mit deftiger Brotzeit, eine Besichtigung des Ortes Eguisheim (wie uns von mehreren Besuchern empfohlen wurde) und vieles mehr, auf jeden Fall genug, um bald einmal wieder zu kommen.

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