Der Chor

Wie es vor der Pause aufgehört hatte, ging es danach wieder weiter. Alle sangen mit, und Giórgos forderte dazu auch immer wieder auf. Auch wenn man nicht alle Texte kannte, summte und brummte man halt mit. Ein manchmal schwer dissonanter Klangkörper, aber schööööön!


„Gib auf dein Schicksal acht und pass auf, wie du durch’ s Leben gehst. Während du schläfst, schreibt ein anderer Geschichte und verzockt deine Seele. (…) Egal wie viel du für die Liebe gibst, es ist zu wenig. Und wissen sollst du: Es gibt keine Gegenleistung. Gib und geh. Versäume die Gelegenheit nicht. Stelle deine Seele nicht am Rande ab.“
„Nimm den Weg und kehre zurück. Gold habe ich dir mitgebracht und Myrrhe, Sonne und Fest. Jemand hat an die Tür geklopft, es war der Nordwind. Die Lichter des Trostes verdunkeln sich. Das Kerzenlicht der Geduld geht aus. Ich aber habe die Glut in der Blechwanne entzündet. Vielleicht kommst du ja doch?“
Und ein weiteres fröhliches Lied zum Mitsingen: „Ob du mich willst, ob ich dich will? Es kommt nichts dabei heraus. An den mittleren Mast sind wir gefesselt...“ Wie Odysseus!


Einen der ganz Großen würdigte Giórgos durch das Lied Me éna parápono: „Ich wollte dir etwas sagen. Ich werde an deinen Tisch kommen. Mit Wehmut, mit bitterer Wehmut werde ich dir „Guten Abend“ sagen. Du hast eine Seele in der eisigen Kälte und im Regen verlassen. Mit Wehmut, mit bitterer Wehmut werde ich dich daran erinnern. Wenn du ein Mann mit Herz bist, bringe sie einen Abend mit. Mit einem Lächeln, mit einem warmen Lächeln werde ich dich begrüßen.“ Grigóris Bithikótsis hätte seine helle Freude gehabt!
Gegen Ende hat Giórgos mich dann doch noch zu Tränen gerührt mit seiner Interpretation von Mi mou thimónis, matia mou. Es war seine Stimme, so kräftig, und doch gefühlvoll, mit der er eines meiner Lieblingslieder darbrachte: „Sei nicht böse mit mir, mein Herz, weil ich weggehe. Ich werde ein Vogel und komme zurück zu dir...“


Irgendwann hörten wir auf, die Lieder nachzuhalten und zu fotografieren. Man kann halt nicht immer alles gleichzeitig tun. Singen, schwelgen, genießen, sich von den Stimmen, den Instrumenten berauschen lassen, um alles aufzusaugen und mitzunehmen, denn das Konzert neigte sich langsam dem Ende zu. Stopp: Ohne Zugabe ging hier aber gar nichts.
Nicht dass man auch nur einmal Zugabe gerufen hätte. Hier wurden andere Maßnahmen getroffen: Das Publikum trampelte dermaßen mit den Füßen, dass man befürchten musste, die Tribüne würde bald zusammenkrachen. Dabei wurde geklatscht und geschrien. Für die Musiker gab es kein Entrinnen.
Also wieder auf die Bühne und einfach weiterspielen. Weitersingen – zusammen mit den Menschen im Saal, die immer näher zur Bühne hinrückten.
Man mag sich vorstellen, wie die Stimmung nach der zweiten Zugabe war, als die Musiker sich langsam verabschiedeten. Wir standen alle auf (wie auch schon einige Male vorher), klatschten rhythmisch. Jetzt direkt vor der Bühne feierten wir den großen Giórgos Daláras, seine famose Band mit den herausragenden Einzelsolisten, Déspina Olympíou und insbesondere Michális Tzouganákis. Man konnte erkennen, dass die Ovationen durch die schreienden, stampfenden und klatschenden Menschen den Bühnenstars sehr nahegingen.
Liebe Fans: Freut euch alle auf die noch kommenden Konzerte! Dieses eine, in Frankfurt, wird uns auf jeden Fall unvergesslich bleiben.

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