Das erste Mal

Man will es ja nicht verpassen, wenn eine lebende Legende griechischer Musik Konzerte in Deutschland gibt. Seine Stimme wollten wir hören, dieses kraftvolle, eindringliche Instrument, das wir bisher nur von zig Platten und CDs her kannten. Und von YouTube, mit Bildern und Videos, auf denen man seine Karriere von den frühen Anfängen bis heute Revue passieren lassen kann. Mit wohl allen musikalischen Größen Griechenlands hat er zusammen gearbeitet, aber nicht nur das: Auch mit ausländischen, weltbekannten Künstlern wie Al di Meola, Paco de Lucia, Sting oder Goran Bregovic hat er musiziert.
Es ist bekannt, dass er auch in Lateinamerika eine riesige Fangemeinde hat. Vielleicht durch seine Interpretation von Hasta Siempre. Es wäre müßig, an dieser Stelle seine Diskografie aufzuzählen; deren beeindruckender Umfang ist auf seiner Homepage, nach Jahrzehnten untergeteilt, nachlesbar.
Wir haben seine Vielfältigkeit und Lust auf musikalisches Neuland immer bewundert. Aber insgeheim hatten wir für diesen speziellen Abend in Frankfurt auf die alten Lieder gehofft.
Wie sich im Laufe der Vormonate herausstellte, sollte er auf seiner Zugaben-Tour nicht alleine auftreten. Neben seiner zehnköpfigen Band 2 x Key/Piano, 2 x Bouzouki, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Congas und andere Schlaginstrumente, Akkordeon, Querflöte und andere Blasinstrumente) waren als Special Guests auch Déspina Olympíou und Michális Tzouganákis angekündigt. Michális hatten wir im Vorjahr in der Fabrik in Frankfurt gesehen und waren gespannt, wie sich seine sehr spezielle Interpretation, getragen von seinem virtuosen Lautenspiel, neben Giórgos Daláras und Déspina Olympíou einfügen würde.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es von Saarbrücken aus nicht so einfach, zur Jahrhunderthalle zu gelangen. Doch über Mainz und Wiesbaden kamen wir dann doch noch so zeitig in Frankfurt/Zeilsheim an, dass wir uns in einer nahegelegenen Pizzeria noch etwas stärken konnten, bevor der Abend seinen Verlauf nehmen würde. Aus Gründen der Raumknappheit rückte man im Lokal eng zusammen, und so teilten wir uns den Tisch mit anderen Konzertbesuchern. Ein netter und lustiger Auftakt!
Kurz vor 20.00 Uhr betraten wir dann die bereits gefüllte Halle und nahmen freudig gespannt direkt vor der Bühne Platz. Mitten in der Menge dachte ich an unseren Kretaaufenthalt im März/April und an die Diskussionen um die Lage in Europa und Griechenland.
Auf Kreta hatte man uns häufig gesagt, Frau Merkel habe einen Fehler gemacht (als es noch offen war, ob Griechenland von der EU finanzielle Hilfen erhalten sollte). Wir fanden und finden es auch heute noch schwierig, Stellung zu beziehen. Zu vielschichtig ist die Problematik. Und positioniert man sich endlich, fallen noch viele andere Argumente ins Gewicht, so dass deren Nichtnennung das eigene Meinungsbild völlig verzerrt.
Wie sich wohl die hier in Deutschland lebenden Griechen angesichts der populistischen Verrisse bis hin zu groben Beleidigungen in einigen Medien fühlen? Hat die deutsch-griechische Freundschaft dadurch gelitten? Ob Giórgos zur politischen Situation Stellung beziehen würde?
Ach, Mensch, ob Griechen oder Deutsche oder woher auch immer, heute Abend wollten wir doch feiern, ein wenig Abstand vom Alltag gewinnen und uns musikalisch berauschen!!!

Die Stimme



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