Zwei Tage Agía Rouméli im späten Oktober
Copyright puchheim = MartinPUC, November 2004, August 2006


Michalis (oder hieß er Manolis?), einer der ganz unvermittelt zwischen neun und zehn Uhr vormittags mit seinem Boot aus Loutró erschienenen fünf Brüder, bringt mich für Gottes Lohn, also umsonst, auf dem Seeweg zu der beliebten Hotel– und Tavernensiedlung Loutró, wo ich noch eine gute Stunde Zeit habe, bis die "Daskalojánnis" meine Richtung befährt. Zunächst hat sie von Loutró aus, ihrem Übernachtungshafen, den Ort Chóra Sfakíon angelaufen, um die Samariá–Schluchtwanderer der bequemeren Sorte – die, die sich das Ganze von unten her ein Stückchen erschließen –, aufzunehmen. Kurz vor 11 erst kann ich hier in L. an Bord gehen.

So nehme ich gerne in dem Kafenío–Sacharoplastío (namens "Loutró") mit den gelb–blauen Tischen und Stühlen direkt neben dem "Blue House" Platz, wo man stets so nett und zuvorkommend bedient wird und wo es den guten Filterkaffee in den Drückgefäßen gibt.
Sie stellen einem dann unaufgefordert eine zweite, kostenlose Portion Kaffee hin, es ist kaum zu glauben und viel zu viel des Guten, das alles zu einem äußerst fairen, geradezu Niedrigpreis. Das Loblied der riesigen Kuchen– und Tortenauswahl möchte ich gar nicht erst anzustimmen beginnen – probiert's mal selber! Selten so ein nettes, selbstloses junges Paar mit Kleinkind erlebt. Die sind sich über die Jahre wirklich treu geblieben mit ihrer kundenfreundlichen Geschäftsethik.
Die Blue–House–Besatzung spitzt zu mir herüber, ich zu ihr. Wir sind uns von früher her gut bekannt, hab ich doch etliche Male bei ihnen gewohnt, bevor ich die ruhigere Lage von P.'s. Haus mit der noch viel großartigeren Aussicht über das Örtchen zu schätzen lernte.

Leute mit Fahrrädern sind angekommen, sausen auf ihren Drahteseln das Ufer entlang. Alles in allem sind es aber nur mehr wenige Touristen, um die sich die vielen Tavernen reißen.

Auf kleinen Booten fahren die Zimmer– und Restaurantbesitzer nun ihre Abfälle in eine Bucht östlich des Ortes, wo sie gesammelt werden, angeblich nicht mehr wie früher dort verbrannt.

Eine träge Morgenstimmung breitet sich aus, Morgen ist ja bis mindestens zum Eintreffen der ersten Fähre um elf, eigentlich noch länger. Wenn ich da an zu Hause denke und vergleiche! Noch gut vor 6 aufstehen, auf dem Fahrrad zur S–Bahn, sommers wie winters, durch Nebelschwaden, auf Eiskrusten, ein übliches Pendlerdasein in Mitteleuropa ..... Wenn man am Tourismus in Südkreta verdient, hat man doch ein etwas ruhigeres Morgen-Leben, wie es scheint.

Es ist schön, wieder Schiffsplanken unter den Füßen zu spüren. Um das Kap von Fínix herum geht die Reise, intensive Blicke nach Phönix und kurz darauf Lýkos, vorsorglich mal winken, denn Theo greift oft zum Feldstecher, wenn das große Schiff vorüberzieht, um sich über den aktuellen Stand der anwesenden Touristen zu informieren.

Die Arádhena–Schlucht mit ihrem im Fels klaffenden Riesenspalt wirkt jedes Mal so großartig, von See aus, die weißen Häuschen über Mármara wie ein winziges Dorf.
Imposant die von mir so getaufte "Chios Ridge" und die sich darüber auftürmende Bergwelt. Wie viele kleinere Schluchten und Klüfte man doch ausmacht! Wieder ist kein einziger Wanderer auf dem Weg erkennbar.

Eine große Gruppe Osteuropäer, Tschechen oder Polen, hat brav im Heckbereich Platz genommen und verhält sich ganz still, auch viele Franzosen sind da, einige Amerikaner, ansonsten Deutsch sprechende Paare, kaum ein Einzelreisender ist zu sehen.

Wir landen in Agía R. an. Ein erstaunlich großer Teil der Angekommenen strömt erst einmal in die Taverne "Paralía", um sich von der Schifffahrt auszuruhen (!?) und die Instruktionen einer Reiseleiterin entgegenzunehmen. Ich selber geh lieber gleich ein Zimmer suchen, streife zum Westende des Ortes, dann wieder Richtung hinteres Zentrum, denn die westlichen Unterkunftsstätten wirken etwas groß dimensioniert und teurer.

Ganz hinten, am Ende der "Hauptstraße" zur Schlucht, liegt linkerhand die hübsche Pension "Livikón", eine nette ältere Frau sitzt neben dem Eingang und macht Handarbeiten. Ich solle warten, bis die Tochter komme – die kommt sogleich vom Minimarkt zurück und führt mich über die Außentreppe in den zweiten Stock hinauf, wo sie mir ein sehr hübsches, geräumiges Zweibettzimmer mit umlaufendem Balkon anbietet. Ein sehr friedlich gelegenes Haus, nach hinten hinaus ist der steil ansteigende Burghügel mit seiner Ruine drauf zu sehen, eines meiner abendlichen Ziele am zweiten Tag. Fast hätte ich mir ein Zimmer hintenraus, nach Nord, geben lassen, die Balkone so grün, ein hübscher Baum rankt sich hoch, die Szenerie so idyllisch, mit Schaf– und Ziegengebimmel am Hang.

Mir ist bald klar, dass ich hier schon einmal gewohnt habe, vor langer Zeit, mich nur nicht mehr daran erinnerte. Das Kippfenster im Badezimmer gab meinem Gehirn den Erinnerungsanstoß.
Man möchte oben sitzen bleiben, auf dem Umlaufbalkon, jetzt lieber auf der Ostseite, wegen der gleißenden Sonne, einige zurückkehrende Schluchtwanderer beobachten, bei der Blatternte zusehen – die Bäume, die die Dorfstraßen säumen, werden abgeerntet: Maulbeerbäume. Blätter und dünnere Zweige finden als Ziegenfutter Verwendung.

Wieder ein Tropentag, hier jedenfalls locker, eine unbarmherzige Gluthitze, vielleicht nicht im Norden, jenseits der Berge. ((Vor 12 Tagen noch in diesen kretischen Tropen, und heute hat es stundenlang geschneit, hier in München und Umgebung!!!))

Es ist ein ganz hübsches Örtchen, mit zwei Minimarkets, etlichen Tavernen, leider ohne ein eigenes Kafenío mit Flair, aber diese Funktion übernimmt eben die jeweilige Stammtaverne.
Ein wenig herumbummeln, sich die verschiedenen Restaurants ansehen. Am meisten liegt mir das ganz vorne bei den Schiffsanlegern, wo man alles mitbekommt, die Ankömmlinge wie die Abreisenden, Energiegefüllte und Fußlahme. Manólis heißt der Wirt, und "Paralía" sein Geschäft.
Herumhängen. Kleine Fußmärsche durch den sehr überschaubaren Ort mit seinen paar Straßen und drum herum, auch mal durchs trockene Flussbett und ein paar hundert Meter nach Ost, an vielen Bienenstöcken vorbei bis zu Felsen, dann Umkehr. In Flussbettnähe haben sich zwei Wildcamper häuslich eingerichtet, es gibt noch weitere freie Zeltstellplätze unter Kiefern.

Schiffe anlegen sehen, die "Samariá" mit neuer Ladung. Die besteht in erster Linie aus Kurzwanderern, die höchstens noch zu den Sidheropórtes vordringen werden, der Engstelle mit den sich bis auf ein paar Meter einander annähernden Steilwänden.
Manche starten ihre Exkursion an der Taverne vorbei nach Ost und außen am östlichen Dorfrand entlang, andere nehmen die Hauptstraße senkrecht hinter nach Nord, auf ein Abenteuer.
((".... O glücklich wer, wohin er geht, noch auf der Heimat Boden steht." .... singt es gerade links von mir.))
Das Paulaner Weißbier richtet einige Trinkpatrioten später wieder auf und lässt heimatliche Gefühle aufkommen. Schmeckt mit Sicherheit auch gut.

Wie steht es mit dem Essen? Es ist schon etwas teurer als anderswo, und ich glaube, auch im "Paralía" haben die Preise angezogen. Der Bierpreis steht bei € 2.50, für mich top auf dieser Reise.

Spätnachmittags, kurz bevor auch das zweite Schiff zurück nach Chóra Sfakíon ablegt, nehme ich ein erfrischendes Bad im gut warmen Wasser. Ziemlich weit hinten, unweit des zementierten Anlegers für die paar Fischerboote im äußersten Westen des annähernd 1 km langen Kieselstrandes. Unterhalb einer bereits geschlossenen Taverne (Nachtlokal, wo es auch laut sein darf?), in einer schlauchartigen Einbuchtung zwischen Felsen, finde ich mein ideales Plätzchen. Wunderbar! Oben am Hang Höhlen, darüber ein Kiefernforst, den die E–4–Bezwinger zum Teil zu durchqueren haben.
Weiter vorne, in Nähe der beiden gepflegten Strandtavernen des zentrumsnahen Ortswestens, wo auch Sonnenschirme und Liegen zur Verfügung stehen, hatten sich zuvor vielleicht 120 bis 150 Leute ausgebreitet. Nur ein paar haben sich so weit hinter wie ich bemüht, um neben Felsen Schatten zu finden. Einfach ins Meer rein, das war das Wichtigste.

Auf dem Weg zurück passiere ich das winzige "Rathaus", die Gemeindeverwaltung aus Natursteinen mit einer Tafel davor, die einem die Ausdehnung des Bezirks Sfakiá vor Augen führt. Schöner Blick auf die Berghänge.

Abends hab ich beim Bezahlen im "Paralía" gerade noch bemerkt, dass ich vor lauter Reden nicht aufgepasst habe, und der Wirt genau 5 Euro zu viel kassierte. Schon hat er sich in sein Auto geschwungen und braust davon. Sein alarmierter, durchaus sympathischer Bruder (dem Aussehen nach) verweist mich auf eben diesen Entschwundenen – zur Not eben "morgen".

Da ich wirklich nicht mehr so schüchtern bin wie mit 10, stelle ich den Manólis indirekt zur Rede, beim zweiten Frühstück tags darauf, nach einer Wanderung, indem ich den anwesenden Bruder noch einmal auf die Peinlichkeit anspreche. Kaum habe ich die Geldbörse gezückt, um zu bezahlen, nähert sich Manólis freundlich lächelnd und meint, wir hätten ein kleines Problem zu bereinigen. Als ich Entgegenkommen "in der Mitte" signalisiere, weil ich nicht aufgepasst hätte, also Mitschuld, lacht er und legt mir anstandslos 5 Euro hin, die er im Anschluss zu seinem Amüsement wiederum für das ausgiebige Frühstück einkassieren muss (– das er mir ganz klar günstiger berechnet hat). Also nur Mut, Freunde, lasst euch nicht übers Ohr hauen! Ganz früher hab ich auch zu den hilflosen Schweigern gezählt. Warum hab ich mich in der Bescheißertaverne im Ort Profítis Ilías auf der nordägäischen Insel Samothráki diesen Mai nur so blöd angestellt und nicht reklamiert!? Wahrscheinlich, weil man der Wirtin ihre Verderbtheit schon angesehen hat und ich es für sinnlos hielt. Der Manolis dagegen ist ein echt netter Kerl, daran gibt es keinen Zweifel.

((Allen die bisher durchgehalten haben, seien es Schwäbinnen, Badener, Sachsen oder Bremer, mein herzliches Beileid! Meinen überschwänglichen Dank!))

Den nächsten Morgen heißt es früh aufstehen, um den himmlischen Wettermacher aus den inneren Tropen zu überlisten.
Ohne Kaffee oder irgendwas sonst im Magen lege ich zusammen mit einem Begleitmenschen los, wir queren wieder das trockene Flussbett und schwenken ein auf den Wanderpfad, der noch nicht sichtbaren Sonne entgegen. Ágios Pávlos ist unser Ziel, das uralte Kirchlein, in dessen Umgebung der Apostel Paulus angelandet sein soll. Ich hab das alles schon früher von Anópoli über Ágios Ioánnis ("Ádschios Schánnis") den steilen Serpentinenweg herunter erwandert, mit einigen Knieproblemen, ein zweites Mal auch von Loutró aus. Aber es ist schon einige Zeit her, und ich will mich der Kirche erstmals aus West kommend nähern und nach Möglichkeit in der seit einigen Jahren bestehenden Taverne in Kirchennähe frühstücken.

Der Fußmarsch sollte doch etwa anderthalb Stunden dauern. Ein abwechslungsreicher Weg, so hatte ich ihn gar nicht in Erinnerung, nur als endlose Stapferei über Sand– und Steinstrand.
Nein, eine großes Stück führt etwas hoch zur Waldgrenze gleich über dem Strand, ein Auf und Ab unter Nadelbäumen, kleinere Schluchten und schließlich auch noch den Einstieg zur großen Eligiás–Schlucht passierend, der nicht als solcher erkannt wird, wenn man's nicht schon vorher weiß.

Da wir eine Bucht mit Bergumrandung entlanggehen, sind wir bis nach unserer Ankunft vor der Sonne geschützt, die erst kurz nach neun Uhr über die östlichen Höhen rübersteigt. Die letzten paar hundert Meter Weges sind ein Genuss – auf Sand den Hauptweg verlassend quer den Hang hinunter zur Taverne hin, erst durch ein dünnes hölzernes, lustiges Torprovisorium. Die Bier– und Getränkekisten zum Gruß. Totenstille. Ein auf den Strand gezogenes Boot. Eine Dieselpumpe neben einem Loch im Sandstrand, Plastikleitung hoch ins Gehölz, wo sich ein Wassertank befindet.

Ein paar Meter oberhalb, auf die Taverne draufgebaut, unglaublich windschiefe Holzwandgebilde mit inzwischen auch schiefen Dächern: drei hoffnungslos unattraktive Zimmer, nebeneinander, Türen nach hinten offen, drinnen jeweils ein kleiner Verhau, zwar mit einfachen Badezimmern, aber Sachen auf den Betten, die wie schon immer draufgelegt wirken, wie angeklebt.
Unten auf der Terrasse mit ein paar Tischen seitlich auch ein Sofa, Schlafsack drauf, ohne Schläfer. Versiffte Duschen und Toiletten, Türen stehen offen. Vor all dem stumm, grußlos und wenig erbaut ob der Eindringlinge dreinblickend ein jüngeres weibliches Wesen, das die nächste halbe Stunde wortlos und fremdenabweisend dasitzen wird, möglicherweise auf den Tavernenbetreiber wartend, Rucksack ein paar Meter weiter geparkt.
Zwei Feldstecher liegen auf einem Tisch, und sonstiges Zeugs.
Ich gehe alleine zur Kirche vor, öffne die unverschlossene Tür. Billig gemalte Ikonen, dennoch ein feierlicher Raum, ich glaub sogar ein paar Freskenreste gesichtet zu haben, ansonsten wirkt alles Interieur neuerer als ich es mir vorgestellt hatte.
Am Strand, hinter Felsen, eine geparkte Liege, da übernachtet wohl jemand regelmäßig.
Wieder finde ich die im Müller–Buch erwähnte Quelle nicht. Wenn überhaupt, entspringt sie irgendwo oben im Wald, oder aus dem Sand des Strandes (?).

Zurück zur geschlossenen Taverne. Plötzlich Musik, drinnen. Ein fremdsprachiger Sender. Jedenfalls nicht Griechisch.
20 min später lässt er sich blicken, der Matador, der Einzelkämpfer, Angestellter des Besitzers, welchjeniger oben in Ágios Ioánnis lebt, hier ein Ipállilos (Angestellter), der nicht die Bohne um Gäste kämpft, sie eher zu bekämpfen scheint! Jedenfalls der Inbegriff eines MORGENMUFFELS.
Mit knappen Worten entlockt er uns den Wunsch nach einem Nes mit Milch, den zuzubereiten er sich Zeit nimmt. Angesichts der Toiletten bestellen wir nichts anderes mehr. Einer von uns hat ja für alle Fälle noch Notproviant eingepackt.

Die Frage, ob es denn von hier auch Bootsfahrten zurück nach Ag. R. gebe, wird auf Griechisch mit einem brüsken "Sie sehen ja, das Boot liegt auf dem Strand, nicht im Wasser!" abgetan, in unüberbietbarem kernigem Charme. Vielleicht liebt er Deutsche besonders?

Wie aus dem Nichts ist sie auf einmal da, die französische Wandergruppe. Sie war wohl auch in Agía R. aufgebrochen und legt auf dem Weg weiter nach Ost eine zwanzigminütige Pause ein. Die Szene belebt sich, die Tische füllen sich, man bestellt "Iced Tea" mit französischem Akzent – und der mufflige Geselle taut völlig auf, wird lockerer, legt in astreinem Französisch los. Die Gruppe ist entzückt. Der Mensch hat offensichtlich in Belgique oder France gearbeitet. Nun legt er Sphärenklänge auf, Weltmusik mit einigen französischen Gesangsbrocken dazwischen.
Dann leert sich die Szene (– vielleicht deshalb?), wir gehen auch.

Obwohl ich nun deutlich schneller gehe, meine Begleitung auf den Felsen vor der Eligiás–Schlucht zurückbleibt, benötige ich seltsamerweise wieder anderthalb Stunden bis Agía Rouméli, schon wieder schweißgebadet, dank des aufgegangenen Gesönns, das jetzt konzentriert auf meinen Rücken drauflosbrennt.

Am frühen Nachmittag probier ich mal eine etwas abseitige Taverne aus, das "Paradise", das mit seinem hallenartigen Inneren und der großen überdachten Außenterrasse (ohne Publikum) etwas erhöht über dem östlichen Ortsende recht nett wirkt – nur ist eben Saisonende und gerade noch ein Gericht (neben dem Greek Salad) zu bekommen: Souvláki. Vom Huhn oder vom Schwein. Der Wein ist gut trinkbar, aber sie bringen mir ein Mini–Souvláki mit Patátes, von der Sorte, von der ein Athener Taxifahrer beim Schnellimbiss drei bestellt, für den kleinen Hunger zwischendrin.
Dafür ist der Preis am Ende gut hoch, und ich sage "dhen borí!", und es wird nachgerechnet, mehrere Euro runter, aber immer noch respektabel teuer. (Möglich, dass der Wein hier deutlich teurer kommt.) In dieser Hinsicht sind Chóra Sfakíon und auch Loutró besser, ehrlich!
Trotzdem hat es mir dort gefallen, der etwas langsame ältere und gemütlich wirkende Wirt wurde ständig von einer jungen Bulgarin oder Albanerin, die mit ihm ein Spiel spielte, zurechtgewiesen, "Ochi, Jorgo! Ochi!", und er zählte unberührt weiter die von ihm erzielten Punkte, die keine waren. "Ochi, Joooooorgo!!!" So einfach kann Griechisch sein.

Von einem der nachmittags eintreffenden Schiffe rollt ein alter Dodge, umgebaut zu einem Wohnmobil, provisorisch und doch gut, hinten Kleinmotorrad drauf, Schweizer Kennzeichen. Steht die ganze Zeit neben dem Anleger in Nähe der Taverne "Paralía".

Als ich abends, nach dem Bad im Meer, noch kurz von der Kapelle (mit dem Mosaikfußbodenrest im Freien) etwas abseits der Straße zur Schlucht aus den Weg zur Burgruine hochsteige, freu ich mich über die Ausblicke bis hinter zum Eisernen Tor (bild ich mir zumindest ein), hinauf in die umwölkten Berge. Blaue Markierungen weisen weiter bergauf nach West, wo sie wohl irgendwann auf den E–4 treffen. Schafe werden freigelassen, bimmeln die Hänge hoch. Und da kommt auch schon ein zweiter Abendspaziergänger erstaunlich flinken Fußes den Berg herauf. Es ist der Schweizer vom Dodge–Wohnmobil, ohne seine Frau.
Es war schön in der Abendstille da oben. Einblicke in ehemalige Wohn– und Wachräume der türkischen Besatzer.
Schnell heißt es wieder bergab gehen, gerade noch vor Einbruch der frühen Dunkelheit. Duschen und sich ein bisschen auf den Balkon setzen. Es sind jetzt noch drei weitere Zimmer belegt, eines von einem deutschen Paar. Dann wieder vor zum "Paralía", dem ich diesmal treu bleibe, obwohl ich in einem anderen Lokal als Gast des "Livikón" 15% Rabatt bekäme.

Am Morgen des dritten Tages geh ich hinter in die Schlucht, hab ja noch bis 16 Uhr Zeit.
Die Gegend ist mir schon von früher vertraut, es geht aber doch schneller als erwartet, bis zum alten Dorf Ag. Rouméli, irgendwann hören der kleine Kläffer und ein von ihm motivierter größerer in einem umzäunten Grundstück zu bellen auf.
Der immer noch Wasser führende Bach wird hier endgültig seines letzten feuchten Tropfens entledigt, das haben sie ganz geschickt zustande gebracht. In der östlichen Felswand hängt eine idyllische, weiß gestrichene Kapelle. Vor mir ein Betonkirchlein, ebenfalls weiß, mit einem kleinen Friedhof.

Parkende Bauern– und Wärterautos, denn ab hier geht es zu Fuß weiter zwischen hübschen alten Gebäuden mit Gärten. Das alte Dorf, eben. Der Weg schlängelt sich irgendwie durch. Verdrehte Olivenstämme allseits. Bald tauchen die ersten Getränkekühlschränke und Sitzflächen für ermüdete SchluchtbegeherInnen auf.

Großes habe ich nicht vor, diesen Morgen, möchte mir aber den Anblick des Wärterhäuschens am unteren Eingang zur / Ausgang der Samariá–Schlucht zu Gemüte führen. Noch 30 m davor werde ich mit tadelndem Unterton von ein paar Maultier– und Eseltreibern gegrüßt, der Hilfstruppe in diesem Bereich, die sich von mir eindeutig zu spät bewillkommnet fühlt. Im Kassenhäuschen mit der 5–€–Schild regt sich bereits Leben. Ich sehe ganz deutlich die Stockwerksbetten, auf denen die Kassencrew nächtigt. Einer von ihnen strebt dem Ticketschalter zu, doch ich frustriere ihn, weil ich gleich umkehre. Der denkt sich jetzt sicher, ein knausriger Deutscher, der nur wegen der 5 Euro wieder umkehrt, die legendäre Tour verweigernd.
Hoch oben, immer wieder in Wolkenfetzen eingehüllt, mehrere Adlerpaare, ruhig kreisend.

Ich setze mich auf einen Felsen und schau einfach zu. Zuschauen. Einfach zuschaun. Zum Zuschauen genommene Zeit. Zu einfach? Keinfach!
Zwei Wege gabeln sich, einer zur neuen Straßenbrücke hin, der andere über die alte Wandererbrücke, zu eng die Kurve an einem ihrer Enden. Deshalb musste eine neue her. EU–finanziert? (Hmmmmm! Aaaaaa!) Der "Rettungsweg" vom und zum Schluchtende!!! Die Rettung hat Vorfahrt!
Mögen andere Probleme damit haben – Griechenland wird überleben! Zur Not geht man, wie zimmermäßig überall erlebt, halt mit den Preisen runter. Kriegt man anderwärtig gelegentlich wieder rein. Und wenn nicht – auch wurscht. Got it? Wird schon wieder werden.

Copyright puchheim = MartinPUC, November 2004, August 2006

Eindrücke von Paleóchora und die Schiffsfahrt dorthin




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