Kykladentour Oktober 2008
Teil 1: Im Norden von Amorgós

Copyright puchheim = MartinPUC, November 2008


Die Anreise

Die Lufthansa ist inzwischen dazu übergegangen, auch als reine LH–Flüge bezeichnete Unternehmungen Richtung Elládha von Aegean Airlines durchführen zu lassen. So einen Flug hatte ich: LH 3374 ex MUC ("operated by Aegean Airlines").
Wieder gab es eine beträchtliche Verspätung beim Abflug, ca. 40 Minuten, die aber während des Fluges einigermaßen hereingeholt werden konnte, sodass ich tatsächlich um 13:00 Uhr herum in ATH ankam, Landung gegen SW hin. Wir hatten nagelneues Fluggerät (A 320), das Essen war gewohnt schmackhaft – relativ gesehen, zumindest ausgesprochen besser als in den LH–Fliegern.

Endlich einmal ein zeitlicher Puffer, um gut vor 17:30 Uhr ohne Stress im Piräus anzukommen, die Schiffsfahrkarte zu kaufen und auch noch bequem essen gehen zu können. Dafür, und für einen zeitlich passenderen, späteren Rückflug, hab ich gerne 50 Euro mehr als für das billigste noch erhältliche Internet–LH–Angebot dieses Tages ausgegeben.

Beim Warten aufs Gepäck werfe ich einen Blick auf die elektronische Anzeige der öffentlichen Verkehrsmittel vom Airport in die Stadt, nach Piräus und weiter weg. Unübersehbar das Wörtchen "strike" bei der S–Bahn. Das irritiert mich nur kurz, ich will sowieso mit dem Bus nach Piräus gelangen, und der geht.

So um 14 Uhr herum fährt mein Flughafenbus los, gut gefüllt mit Griechen wie Touristen.
Diese Strecke hab ich allmählich ziemlich satt, eine recht unschöne Route, wenn man nicht ganz bewusst über die unmittelbaren Straßenrandgegebenheiten hinwegsieht auf die weiter entfernte attische Landschaft, aber was soll's – Augen auf (ich kann sie einfach nicht schließen) und durch. Es zieht sich ungemein, doch nach 80 min hat auch diese Raserei ein Ende, und man hat die Gewissheit: IKEA, MacDonald's, Marinas und Privatkliniken gibt es auch im Großraum Athen, Millionen Autos und Tausende gelber Taxis noch dazu.

Die Einfahrt auf die ersten Hügel von Piräus gerät da fast zum Glücksmoment, denn nun ist man bald wieder mit dem so anheimelnden zeitgenössischen griechischen Verfall, dem endemischen Häuser– und Straßenchaos konfrontiert.

Noch bin ich mir der Tatsache nicht bewusst, dass ich genau vor einem mir bekannten, sehr urigen Kafenío, in einer sehr kurzen Passage der Häuserfront gegenüber dem Karaiskáki–Platz mit seiner Busstation und dem geballten Angebot an Ticketagenturen für Inselfähren, aus meinem Flughafenbus steige.
Schleppe das Gepäck zur nächsten Ampel und hinüber zur letzten Fahrkartenagentur vor dem überteuerten Wartecafé für Fährenpassagiere, werde der vorletzten sozusagen aus Unachtsamkeit untreu. Doch auch die unmittelbar benachbarte Agentur bietet mir unaufgefordert an, mein Gepäck hierzulassen, es in einem separaten Raum zu verstauen. Das tut gut, den großen Rucksack los zu sein.
Das Schiffsticket mit Blue Star von Piräus nach Äjiáli kostet genau 30 Euro.
Mit etwas Glück und Fersengeld hätte ich sogar gerade noch die wirklich alte, etwas verloren zwischen all den Modernitäten herumsteuernde Ventoúris–Fähre Ágios Geórgios nach Sífnos um 14:55 Uhr erwischt. Das war eine meiner Optionen, doch schließlich entschied ich mich doch für Amorgó.

Erst einmal eine kleine Hafenrunde, die anwesenden Schiffe zu bestaunen. Dann verspüre ich Appetit auf gute Piräuskost, zumal auf den Blue–Star–Kykladenfähren nur billigste Fastfood angeboten wird – auch diesmal werde ich zusehen müssen, wie die Passagiere der Naxos im tiefgekühlten Speiseraum ihre Nudeln mit Soße direkt und ohne Zwischenpapier aus dem grauen Karton ihrer bunten Wegwerf–Pappschachteln kratzen – pfui Teufel!

Im O Michálos, dem zypri(oti)schen Lokal an der Gounári–Straße, sehr nahe am Hafenbereich, krieg ich sehr gutes Essen serviert – nicht so abgestanden wie in einigen anderen Hafenrestaurants, bevorzugt an der Aktí Possid(h)ónos, der Uferstraße zwischen Metro–Bahnhof und den Fähren nach ´Äjina, Salamíd(h)a (= Sálamis) und zum Saronischen Golf.

Welche Musik mich gerade begleitet, beim Schreiben? Lieder des Komponisten Panajótis Toúdas (Παναγιώτης Τούντας) – Re(m)bétika–Melancholie, ich bin ja schließlich gedanklich im Piräus. Jetzt singt soeben Dhímitra Doúrali einen mitreißenden Song.

Sandwiches gilt es noch zu besorgen, Wasser, ein Amstel, für die lange Fahrt, und damit die Unabhängigkeit von der Goody's–Küche und den stark überhöhten Preisen der Schiffs–Bars (eine kleine Dose Bier: 3 Euro 60 – Wer kann das bezahlen? – Wer hat so viel Geld?) garantiert ist.

Beim Auslaufen entdecke ich die Blue Star 1 unter den Dodekanés–Fähren, die nun statt der Blue Star 2 die Strecke nach Rhódo abfährt. Merkwürdigerweise (später sollte sich klären, warum: weil die LANE–Schiffe außer Dienst sind) liegen gleich zwei GA Fähren neben der neu wirkenden Blue Star 1 am Dodekanes–Abfahrtsbereich vor Anker.

O je, o je, o je: ein ganz morbides Lied: "Ji' aftó foumáro kokaíni", meisterlich, in allen Schattierungen, gesungen von Sofía Noití. Gleich darauf ein aufmunterndes: "Marináki".

Meine (für diesen langen Abend) Blue Star Naxos ist wie immer gut gefüllt mit Passagieren. Nicht so üppig wie im Mai, aber sehr viele Leute haben sich von den Decks nach unten verzogen und bevölkern die Pullmann–Sitzräume. An einem Tisch am Rand des tiefgekühlten Speiseraums bei der Fast–Food–Theke sichte ich später eine große Paréa mit selbst mitgebrachten Speisen, darunter Räucherfisch im Übermaß, als Dutzendbündel großzügig hingeschmissen auf den Tisch. Einer von ihnen hat eine Fiedel dabei: da geht es auf, wein– und tsikoudhiáselig, später am Abend!

Unser Schiffchen überholt erst einmal zwei andere Wellenteiler, darunter einen von Kallísti Ferries mit Destination Ikaría und Samos. Schnell ist sie schon, die Naxos. Mit ihren Wasserschubdüsen – ein von mir selbst gebildeter Begriff – (nein: sie hat KEINE Heckpropeller, wie ich früher noch meinte) erreicht sie annähernd die Geschwindigkeit einer langsameren Highspeed–Fähre. Unterdessen gleitet der marine Schiffspark außerhalb des Piräus an uns vorbei, und die Inseln Sálamis und ´Äjina. Wie markant und gleichzeitig zierlich doch die eine Bergspitze im Südteil ´Äjinas erscheint.

Besonders beeindruckend für mich gestaltet sich jedes Mal die Vorbeifahrt an der recht großen Insel Ágios Geórgios, steuerbord unserer Fahrtrichtung, mit ihrem zackigen Bergprofil. Häuser lassen sich nicht erkennen, nur Leuchtfeuer sind auszumachen in der längst eingebrochenen Abenddämmerung. Es wird früh Nacht, Mitte Oktober ist bereits überschritten.
Kurz vor bzw. nach dieser Insel Ag. Geórgios verzweigen sich die Routen. Großfähren und ein Teil der Kreuzfahrer nehmen ihren Weg nach Kreta, biegen noch vor der Insel nach rechts ab. Die Kykladen– und Dodekanesfähren und auch die in die nördliche Ägäis steuern dagegen links an ihr vorbei.

Bald werden wir dicht an Kíthnos, kurz darauf ebenso dicht an Sérifos vorbeiziehen. Ein paar große Felsbrocken von unbewohnten Inseln säumen unseren Weg.

Etwas später leuchten die Lichter der zentralen sifnischen Hochlanddörfer zu uns herüber, es ist unzweifelhaft Sífnos, querab rechts.
Bald darauf erscheinen die Lichter von Andíparos, und vor uns die des großen Páros. In einem weit ausholenden Schwenker laufen wir in die ausgedehnte Bucht von Parikiá ein, nähern uns der Mole – what a scene: eine kykladische Bilderbuchsiedlung mit Tausenden von auch nachts noch weiß schimmernden Häusern. Fast eine halbe Stunde Aufenthalt haben wir. Viele Leute, darunter zahlreiche Touristen, gehen von Bord.

45 Minuten nach dem Ablegen haben wir Náxo erreicht. Ein toller Anblick: Oben, quasi die Krönung, das Kástro–Viertel. Zu seinen Füßen ausgebreitet die große Stadt. Wieder eine halbe Stunde Aufenthalt. Wiederum viele Leute, auch noch Touris, verlassen hier die Fähre.

Im Uhrzeigersinn umfahren wir anschließend das nördliche Náxos. Ich beginne allmählich zu zweifeln. Ankunft Äjiáli, Amorgós, 00:45 Uhr scheint mir etwas fraglich. Da hat sich gtp.gr (Internet) wohl getäuscht. Das ist eigentlich die Ankunftszeit auf Donoússa, das heute gar nicht angelaufen wird.

Dicht an oder gleich hinter den Makáres–Inseln eine übergroße, sehr helle Lichtfläche. Ich glaube an eine Inselbeleuchtung, aber das stimmt wohl nicht. Es handelte sich eher um das Licht eines großen Fischkutters, belehrt mich später Nikítas, der Kafenío–Wirt auf Donoússa.

Wir ziehen an Donoússa vorbei. Seine Lichtgirlanden, die des Hafenortes Ájios Stavrós, sind sehr klar auszumachen in dieser dunklen Nacht, weisen uns den Weg weiter südwärts.


Angekommen

Erst gegen zwei Uhr früh (!) erreichen wir Egiáli/Äjiáli im nördlichen Amorgós. Ich bin froh, dass sich noch zwei Vermieter die Mühe gemacht haben, auf der Mole ihre Zimmer anzubieten. Der eine ist ein Bediensteter des Großhotels Aegiális am Hang westlich unterhalb von Tholária. Der andere ist der Besitzer der beiden Pensionen Poseidon und Filoxenía. Er bringt mich und eine Gruppe von vier Franzosen (die alljährlich zu ihm wiederkehren) in die Pension Poseidon, die einzige, die in Äjiáli Mitte Oktober noch offiziell geöffnet hat.

Die Matratze ist echt ein Übel, aber das Zimmer und das Bad sind geräumig und tadellos. Die dutzendweise anwesenden kleinen Stechmotten beschränken sich auf das Badezimmer, man muss nur die Tür schön zulassen.
Leider wird mein momentanes Kreuzweh ziemlich verstärkt auf so einer aus dem Rahmen geratenen kaputten Sprungfedermatratze. Ansonsten würde ich es hier sehr genießen, vom Balkon Blick auf einen Zierbaum da unten im Hof, in dem Spatzen nisten, und schräg nach oben hinauf ins Bergdorf Káto Potamós, und nicht zuletzt übers nahe Meer, wohne ich doch im oberen Stockwerk.
Ich bleibe drei (peinigende) Nächte. Mit neuen Matratzen wäre es das Nonplusultra in Órmos Äjiális.

Meinen Morgenkaffee nehme ich wie gewohnt beim Jórgo ein, vor dem ältesten Ortskafenío. Tags darauf schon sollte er morgens zugesperrt haben: Er erntet die ersten Oliven, öffnet deshalb nicht vor abends. Es wundert mich zu hören, dass die erste Sorte Eliés schon reif sein soll. Aber die Plastiknetze liegen tatsächlich überall unter den Ölbäumen ausgebreitet.

Bei einer Dorfrunde wird mir bald klar, dass hier praktisch jede andere Unterkunft ihre Pforten für den Winter geschlossen hat. Eine einzige Ausnahme stellt ein kleineres Hotel mit hübschem Garten oben an der Straße dar, die nordöstlich an dem Ort vorbeiführt. Hier hat sich eine deutsche Familie eingemietet, die sich auf ihrem Balkon bemerkbar macht.
Nur noch das Großhotel Aegiális hat weitere Gäste, höchstens 6. Auch meine nette Pension Christina liegt im tiefen Winterschlaf.

Tavernenmäßig sieht es auch nicht gerade vielfältig aus. Das geschätzte Korál(l)i wird gerade winterlich verpackt und zugenagelt – das handwerklich aktive Familienmitglied drückt mir gegenüber sein Bedauern aus. Das Limáni (alias Katína) bietet seine Dienste auch nicht mehr an, man arbeitet abends an der Einmottung. In der Ortsmitte ist einzig das Astéria noch geöffnet, und der bei Fußballübertragungen gut besuchte Fast–Food–Laden mit größerem Innen– wie Außenbereich.
Weiter nördlich hinter der Strandzone kann man noch im To Stéki essen, dem Lokal mit dem Taxifahrer, und etwas weiter im Selíni, dem langen Gartenschlauch. Dieses wird auch meine Rettung, als Jórgos' Kafenío geschlossen ist. Hier krieg ich noch mein Frühstück von einer ruhigen und sympathischen Albanerin serviert, draußen über der Straße, unter den Tamarisken vorm Strand, aber anderntags schon ist mir dort zu viel Wind, und ich verzieh mich lieber in den Garten.
Noch weiter Richtung Lakki Village befindet sich ein Strandcafé, das sich damit brüstet, ganzjährig geöffnet zu sein und fast nie Gäste hat. An diesem meinem ersten Tag hier sehe ich noch ein paar Leute ins Meer steigen, die Temperatur stimmt und der Wind hält sich in Grenzen.

Wenn man sich einmal an die nachsaisonale Ruhe gewöhnt hat, wirkt der Ort mit seinen kennenzulernenden einheimischen Individuen – genau die sind seine Hauptofferte zu dieser Jahreszeit – allmählich richtig heimelig.


Erkundung der Gegend westlich von Tholária

Mit einem Vorsatz bin ich nach Amorgó gekommen. Ich hatte mir letztes Mal, im Mai dieses Jahres, vorgenommen, die Umgebung von Tholária, einem für meine Begriffe noch vergleichsweise ursprünglich gebliebenen Bergdorf (na, so hoch liegt es auch wieder nicht) nördlich des Hafenortes, ein wenig näher zu erkunden.
Wenn ich den Ortsnamen ausspreche, denke ich meist an die Künstlerin B. aus Herrsching, die im Mai mir gegenüber Ihre entschiedene Liebeserklärung für Thólaria abgegeben hat. Ich hatte auf das offenere, nahbarere Langádha verwiesen – chancenlos. Doch auch ich war letztes Frühjahr sehr angetan gewesen von Tholária, das mich sogar ein klein wenig an Ólimbos auf Kárpathos im fernen Dodekanes, sta makriná Dhodekánissa, erinnert hatte. Beeindruckend die tiefe, enge Schlucht nördlich und nordwestlich unterhalb der Ortschaft, in die es sich leicht hinabsteigen ließe und die in der Bucht Mikrí Vlichádha enden würde.

Ich geh also die Straße in Richtung Lakki Village, komme vorbei an der Pension Askás, in der ich vor Jahren gewohnt hatte, rechtsab in den Wiesen die Tankstelle. Eine Menge Schilf. Der verwaiste Campingplatz. Noch ein paar Häuser säumen die Straße. Wochenendstimmung, Radiomusik. Schon rückt der Berghang näher. Rechts der Linkskurve das Kapellchen, bei dem es geradeaus weitergeht auf den alten Eselspfad hinauf nach Tholária. Schon vorher hätte man einen Feldweg hinein auf eine zweite Variante des Pfades abbiegen können, an einem Gehöft vorüber in die Oliven.

Es wird enger, ich wandere zwischen Büschen und Ölbäumen, erreiche bald die Kapelle des Heiligen Nikólaos mit ihrem kleinen Vorplatz, der zu kurzer Rast einlädt. Es ist bereits ziemlich warm geworden. Ab hier geht es steiler aufwärts, immer dichter zum jäh abfallenden Hangteil unterhalb der Teerstraße hin.
Man passiert einen Brunnen, eine Quelle mit einer Art Grotte. Nun treffen sich die beiden Wegalternativen. Nur ein kurzes Stück bergab wird die Kapelle der Panagía sichtbar. An diesem Abzweig begegne ich einem Dörfler mit groben Arbeitsstiefeln, der geschwind drauflosschreitet. Wir wechseln nur ein paar Worte. Bald darauf die ersten geparkten Esel, Gärten und Tierställe, ein Nebenpfad hinunter ins Kulturland beim Dorf. Der Einstieg zur Straße endet beim Parkplatz vor dem Dorf.

Erst schau ich zum Platz bei der Kirche rauf, das Kalí Kardhiá ist leider geschlossen. Geh kurz hinter zu meinem bevorzugten Aussichtspunkt in die Schlucht und schräg rüber zum Hügelsporn mit den Überbleibseln der alten Stadt Aigiáli. Es ist der Dreschplatz, der diesmal mit einem Gatter verschlossen ist, das ich überwinden muss.
Ein alter Esel links unterhalb der beiden Dreschflächen ist irritiert, tänzelt und schabt herum, lässt sich dann aber doch näher heranlocken, aber nicht zu nahe. Zu meinem Leidwesen ist es zu diesig, als dass sich die Insel Donoússa zeigen würde, die sich mir im Mai von derselben Warte aus so schön präsentiert hatte.

Nun zurück bis zum südlichen Ortsausgang beim Parkplatz. Ein Stückchen davor biege ich rechts ab, dann gleich wieder links auf eine Dorfgasse hinter dem Hotel Vígla, die oberhalb der Zufahrtsstraße aus dem Dorf hinaus verläuft und bei den wenigen einfachen, älteren Häuschen schließlich zum Feldweg wird. Unterhalb des Weges ein freundliches Haus mit zugehöriger Kapelle (mit hellblauer Einfassung, wenn ich mich recht erinnere) in einigem Abstand über dem Hof. Unter mir die weite Bucht mit den Häusern von Órmos Äjiális, hinter mir der fernere Ort Langádha über der Kámbos–Ebene vor den hohen Bergen.

Unweit des Dorfes schon ein Abzweig nach Nord, der zur alten Stadt Aigiáli führt. Kurz dahinter ein weiterer Abzweig, ein herrlicher Weg, auf dem man hinübergelangt zu dem landschaftsprägend westlich über der Mikrí–Vlichádha–Bucht thronenden Kirchlein des Heiligen Dhimítrios (– ist auf der Anávas[s]i–Karte nicht eingezeichnet!).

Ich gehe aber geradeaus weiter und begegne einem interessanten Dörflergesicht, einem ganz stattlichen Mann mit etwas lockigem Haar, der von der Feld– oder Stallarbeit zurückkommt. Eine kurze Unterhaltung. Wohin ich unterwegs sei. Ah, zum Ájio Ioánni. Ein weiter Weg! O nein, ich kann schon drei oder vier Stunden wandern, und das ist doch viel kürzer, nur ein Katzensprung. Wir seien doch in etwa gleich alt und noch ganz rüstig, nicht?, meint er.

Kurz darauf nähere ich mich einem stattlichen Haus, eigentlich ein symmetrisch angelegtes Doppelhaus mit zurückversetztem Verbindungsteil, mit grünen Fensterläden, großem Garten und Hof, ein jeepartiges Gefährt steht davor, zwei oder drei markante Bäume ragen gleich am Zaun neben meinem Weg in die Höhe. Hier wohnen unzweifelhaft Ausländer. Was für eine wunderbare Aussicht die von hier aus genießen dürfen, nach Tholária zurück und über die Ebene hinüber nach Langádha und in die Berge! Rechts oben in einiger Entfernung die Überbleibsel eines alten Wachtturms. Links unten ein Kürbisacker. Vor mir verengt sich der Feldweg zum abfallenden Pfad.

Einige hundert Meter weiter liegt links oberhalb des Pfades ein Plateau mit altem Mauerwerk – ich halte es für eine andere antike Stadt. Doch erst muss ich noch vorbei an einer größeren Stallung für Federvieh. Eine Putenschar läuft sogar frei herum, ich ahme ihre Rufe nach, sie überlegen es sich mit der Antwort, die erst kommt, als ich schon weiter weg bin.

Nun ist die Höhe des Plateaus erreicht, ich steige über ein niedriges Gatter hinein und finde nur moderige, teils als Ziegen– oder Schafstall genutzte einfache Steinbauten. Halte es dennoch für sehr wahrscheinlich, dass diese nach Ost und Süd hin ummauerte ausgedehnte Aussichtsplattform in früheren Zeiten noch stärker befestigt war. Der totale Überblick über die Bucht von Ägiáli, von den Felsen ihres Südrands aus.
Nur vielleicht 200 m höher, rechts (nördlich) des Weges, befindet sich eine weitere, mit ebenfalls losen Steinen ummauerte Fläche, die ebenfalls Erinnerungen an das Neolithikum wachruft.

Von besagtem Plateau aus bietet sich ein hübscher Blick auf die Kirche des Ágios Ioánnis mit ihren Nebengebäuden. Weiß gekalkte Stufen führen hinunter zur Kirche, von dem etwas höher gelegenen Gebäudekomplex aus. Wieder grüßen markante Baumkronen herüber.
Noch vor Erreichen dieser Anlage kehre ich um. Ist alles so einsam und verlassen. Der Weg würde hinter dem Kirchenterrain weitergehen bis zum Leuchtturm des Akrotíri Poúnda.
Die Sonnenstrahlen knallen auf mich herab, es ist ganz schön warm, noch weiß ich nicht, dass schon tags darauf das Regime des lang andauernden kühlen Nordwinds auf den Kykladen Einzug halten sollte, für volle 12 Tage.

Auf dem Rückweg sichte ich eine Frau, die sich vor das Haus der Fremden gesetzt hat, aus der Küche herausgekommen ist und ihren Blick übers Land schweifen lässt. Ich entferne mich weiter und weiter von ihr.

Ich kann nicht umhin, nun auch gleich noch den Weg Richtung Ágios–Dhimítrios–Kirchlein zu gehen – mal sehen, wie weit es ist. Der Pfad schlängelt sich unterhalb einer Gartenzone entlang. Es ist eine Landschaft von überwältigender Schönheit und voller Vogelgezwitscher (!). Stellenweise bilden ausrangierte Zimmertüren den Zugang zu den recht abgelegenen kleinen Feldern und Gärten. Viel näher am Dorf liegen jene Gärten auf den tief herunterfallenden Terrassen jenseits des Taleinschnitts, von wo auch ab und zu Stimmen zu mir heraufschallen. Ein teils sehr steiniger, aber doch insgesamt sehr deutlich ausgetretener, breiterer Pfad, der sich ganz gut gehen lässt. Umso erstaunlicher, dass er nicht auf der Karte eingezeichnet ist.
Von einer Hangnase aus ist Tholária besonders hübsch anzusehen. Eine karge, sehr ursprüngliche und unverfälschte Bilderbuchlandschaft ist es, die ich durchwandere, ein Archetyp aus uralten Zeiten, die Strecke ideal für kürzere Wanderungen.

Ich lass das Kirchlein rechts liegen, wandere noch 15 min weiter, durch ein Gatter. Das Gelände fällt immer weiter zum Meer hin ab, es sind höchstens noch 50 m Höhenlage. Doch zur Schlucht und zur Bucht von Mikrí Vlichádha hin ist doch noch ein breiterer Landstreifen vorgelagert, sodass man einfach nicht hinunterblicken kann.

Weil ich allmählich ganz schön ausgetrocknet bin und kein Wasser dabeihabe, breche ich meine Erkundung ab. Schau noch kurz in das Kirchlein rein, über einen Stufenweg und durch zwei hübsch gestrichene hellblaue Gatter. Es gibt Nebengebäude für Feiern und sogar eine gemauerte Generatorecke. Das Schönste aber ist einfach der tolle Blick auf das Dorf und die wilde Bergszenerie. Ja, wider Erwarten hab ich die Aussichtsrouten bevorzugt und bin doch nicht hinuntergestiegen in die enge Schlucht.

Nun bin ich richtig durstig geworden. Doch in Tholária scheint nichts geöffnet, herrscht tiefe Mittagsruhe. Die Lokale bei der Kirche sind alle geschlossen, so schreite ich weiter hinter ins Dorf, gelange an den unteren Dorfrand. Auf dem Balkon eines der letzten Häuser kämmt eine mittelalte, ausländisch wirkende Frau ihre alte Mutter – zwei Deutsche oder Deutschsprachige?
Ich wende mich wieder der Dorfmitte zu, stehe schließlich unterhalb der leblosen Terrasse der zugesperrten Taverne Panórama. Einem um die Ecke biegenden Mütterchen rufe ich zu: "Óla klistá, sta Tholária!" Aber warum laufen dann gelegentlich Kinder mit Lebensmitteln herum?

Aha: die zweite (neben dem Kalí Kardhiá) Kombi aus Lebensmittelladen, Kafenío und Tavernchen im Ort hat auf! Ich erinnere mich, wo sie ist und finde sie auch – sozusagen gleich rechts hinter einem Gewölbe über einer Gasse. Luftsprung!

Ich geh rein und bewundere die poetische Anordnung von Theke, Kochecke und Gastraum, drumherum Regale mit Lebensmitteln. Die einzig anwesende alte Dame bietet mir Nudeln mit Hackfleisch sowie Hühnchen an.
Ich bestelle aber lieber noch einfachere Kost: Ein Omelett mit kleinem Tomatensalat. Dazu ein Amstel mit Fánda – was für ein Genuss! Draußen hab ich Platz genommen, an einem von drei aufgebauten Tischen, dem mit etwas Baumschatten.
Rechts von mir ein offenes Lagergewölbe mit viel Krimskrams. Eine idyllische Ecke.
An einer Hauswand jenseits der zwei oder drei Stufen tiefer liegenden vorbeiführenden Gasse ein großer Wassernapf.
Bald kommt der alte Hausherr meines Proviantlokals mit seinem gutmütigen Hund, der sogleich Wasser zu schlabbern beginnt. Diese Kombination von Herr und dem aus dem Beifahrerfenster des fahrenden Pick–up herausguckendem hell gefärbten Hund wird mir später öfter auffallen – jetzt weiß ich sie einzuordnen.

Als ich mich auf den Rückweg mache, steht die Tür des Kalí Kardhiá bereits offen. ABENDS sollte man kommen! Neben einer weißen Kapelle in den Oliven verrichtet eine ganze Familie Erntearbeit.

Beim Vorbeispazieren hinter dem Strand von Órmos Äjiális sichte ich eine Handvoll Badender, auch ein Einheimischer steuert mit Badetuch auf den Strand zu, sein Wochenende voll auszukosten. Da sage mal einer, die Griechen stiegen nur im Juli und August ins Meer!

Abends begebe ich mich ins To Stéki, es einmal auszuprobieren. Das Angebot ist stark ausgedünnt, Fisch gibt es keinen (- fragt man danach, zeigen sie immer auf die Fischer, zucken mit den Schultern und verziehen ihr Gesicht), nur Kotelett, Fava und Salat. Es ist nicht unbedingt ein Gedicht, das Essen, und die Beleuchtung draußen ist mehr als schummerig. Dafür kann man einer Runde Fischer lauschen, die zecht und lustige Sprüche loswird. Irgendwann kommt der hier heimische Taxitzís (Taxifahrer) dazu, später noch die beiden jungen Französinnen, die auch nicht so recht wissen, wohin.


Richtung Chóra und zurück

Ein Morgenspaziergang hinauf ins nahe Káto Potamós. Leider wurde die senkrecht zur Strandzone von Órmos Äjiális hinaufführende schmale, schnurgerade Straße vor Kurzem in ihrem oberen Teil randlich aufgerissen, neue Wasser- oder Abwasserrohre werden verlegt. Ab dem Autoparkplatz geht es nur noch über einen breiten Stufenweg weiter.
Oben wird die Sonntagsmesse gefeiert. Über Lautsprecher quäkt der Gesang des Papá durch die Morgenstille. Oberhalb der Kirche breiten sich Häuserreihen aus, die nur auf Treppenwegen zu erreichen sind, eine Plage für alte Leute. Eine ganz eigenartige, friedvolle Atmosphäre, hier oben, man spürt die ausgeprägte Eigenständigkeit dieser entrückten Siedlung. Gegenüber das Bergdorf Tholária.
Irgendwo äugt mich ein Schäferhund am Weg an, ich gehe lieber nicht weiter hoch bis ins obere Dorf, Áno Potamós.

Sonntags fährt kein Bus, so leg ich per pedes los, will einmal wenigstens bis zum Weiler Ágios Pávlos gegenüber dem Inseltrabanten Nikouriá vorwandern.
Es windet bereits deutlich, das Meer zeigt Schaumkronen, weiter draußen.

Nachdem ich etwa 3 km die Straße über der Küste vorgelaufen bin, vorbei am Abzweig nach Áno Potamós, zwei, drei Taleinschnitte ausgegangen bin, bremst neben mir ein Wagen. Das Gesicht kenne ich: es gehört zum Selíni, dem bescheidenen Strandrestaurant, und der junge Mann hinter dem Steuer nennt sich Ilías. Er ist unterwegs zu einem kleinen Stammtisch am Ortsanfang der Chóra und überlässt es mir, ob ich in Ag. Pávlos aussteigen will oder bis zu seinem Endziel mitfahre.
Als ich sehe, wie ausgestorben und verlassen die Streusiedlung gegenüber der Insel mit ihren hübschen Stränden wirkt, wie verschlossen auch die Taverne neben dem unfertigen Hotelneubau daliegt, fällt mir die Entscheidung nicht schwer – ich fahre weiter mit.

Die Strecke wird kurviger, es sind weitere Talungen ansatzweise auszufahren. Ilías zeigt auf die hübsche, blau blühende Heide an den Abhängen des Profítis Ilías – es tut sich wieder was, pflanzenmäßig. Ach, wie schnell es doch mit dem Auto geht, wie schnell alles vorbeirauscht. Ich krieg richtig Lust, das alles zurückzuwandern und stärker auf mich einwirken zu lassen.

In der Chóra angelangt, gehen wir unterschiedliche Wege, lassen uns aber nur etwa 20 m einander gegenüber nieder – ich im alten Kafenío von Dína (= Kostandína), die den Laden ihres vor zwei Jahren verstorbenen Vaters Dhimítri übernommen hat, Ilías dagegen in einem modernen Café einer sehr nett wirkenden jüngeren Frau, wo sich die schickeren jungen Leute auf einen Sonntagvormittagskaffee treffen – es sollte der letzte Treff vor der saisonalen Schließung sein.
In meinem älteren Kafenío ist wieder die nun ziemlich verloren wirkende Platzhirschin vom Mai anwesend, als einziger Gast neben meiner Wenigkeit. Sie ist Französin, lebt hier und benimmt sich diesmal nicht mehr ganz so ablehnend.
Mein anschließender Spaziergang durchs Dorf zeigt mir überdeutlich, was unter Saisonende zu verstehen ist: ich sehe keinen einzigen weiteren Touristen. Die Taverne Liotrívi wird umgebaut. Aus dem Kult–Café an einem Kirchenplatz in der hinteren Ortsmitte dringt zwar leise Musik, doch Gäste sind Fehlanzeige. Es liegt eine tiefe sonntägliche Ruhe über der Chóra. Oben bei den Windmühlen wird es richtig schön, wären da nur nicht der aufkommende stärkere Wind und der Dunst über dem Meer. Keine Chance, das nahe Astipálea zu ergucken.

Ilías steigt in sein Auto und braust zurück nach Órmo Egiális, als ich schon wieder bei Dína sitze und ein wenig über Busse plaudere. Es gebe durchaus einen kleinen Bus in den Südteil der Insel, zweimal die Woche, meint sie.

Dann mache ich mich auf den Weg.
Ich hab Lust, weit zu gehen und keine Scheu vor der Teerstraße, die mir wunderbare Ein– und Ausblicke in alle Richtungen gewährt und zusätzlich die Möglichkeit, doch noch ein Auto anzuhalten.

Gleich unten an der Straße kurz hinter dem Kreisverkehr sehe ich eine offensichtliche Ausländerin an ihrem Haus arbeiten – könnte eine Landsmännin sein.
Hinter zur nördlichen Ortseinfahrt, an ihr vorbei und die Serpentinen hinauf.
Mit zunehmender Höhe zeigen sich die Chóra, die Bucht von Katápola und die ferneren Dörfer Vroútsi und ein Teil von Kamári immer prächtiger. Was ich gerade mache, das ist eine Fast–Besteigung des Profítis Ilías, die Straße kommt dem Gipfel sehr nahe.
Eine Sendeanlage, eine Koppel mit Kühen drin, schließlich ein ausgedehntes Gelände zur Aufbereitung von Schotter für den Straßenbau mit vielen geparkten Baufahrzeugen (es ist Sonntag, wohlgemerkt).

Ich versenke mich in das mystische Erlebnis, eine kühle, feuchte, windgepeitschte Wolkenzone mit wechselnder Beleuchtung (irre!) zu durchqueren – so etwas liebe ich inniglich. Als Autolenker hätte ich viel weniger von alledem.
Auf den Nordwesthängen des Profíti Ilía breitet sich wieder jenes wunderliche Violett aus, von den bereits aufs Neue erblühenden Halbsträuchern. Statt der trockeneren Ödnis weiter unten überwiegen in diesen oberen Lagen die Grün– und Blautöne der mehr Feuchtigkeit erhaltenden Bergvegetation.

Sporadisch vorbeiziehende PKWs winke ich gar nicht ab, will mir diesen Wandergenuss nicht nehmen lassen. Bald spielt die Zeit keine Rolle mehr, hab ich mich von ihr befreit. Kennt Ihr das?

Ein steil ansteigender Feldweg biegt nach rechts ab, ich verlasse die Teerstraße, hoffe einen Blick über die Ostküste der Insel zu erhaschen. Verscheuche eine Ziegenherde. Hölzerne Wegweiser stehen herum, mit dunkel eingekerbten Schriften. Zum Kloster Chosoviótissa 55 min, nach Egiáli noch 2 Std. 50 min (nagelt mich bitte nicht auf ganz exakte Angaben fest). Noch ein weiterer Weg führt hoch zu einer Kapelle. Dann hab ich ihn, meinen Blick die Steilküste hinunter zum Meer und hinter zu den hohen Gipfeln des Nordens. Er war den kleinen Umweg wert.

Zurück zur Teerstraße. Mein Abstecher hat nicht länger als vielleicht 20 min gedauert. Die Reste der Ziegenherde haben sich beiderseits der Überlandstraße verteilt, flüchten vor mir in aberwitzig steile Böschungen hangab– wie hangaufwärts. Unglaublich, was die klettermäßig schaffen.
Links unten eine Talung mit Gehöft und bellendem Wauwau, darüber, ganz nah der Straße, die Reste des Turms von Ríchti aus hellenistischer Zeit (also so etwa 340 bis 30 v. Chr.).
Noch ein paar Einkerbungen in den Bergflanken muss ich ausgehen, bis endlich Ág. Pávlos wieder unter mir liegt. Nikouriá, die Insel, hab ich schon seit Langem vor mir.
Dicht unterhalb der Straße ein hübsches Kirchlein mit gepflegtem Gärtchen.

Die letzten viereinhalb Kilometer zählen kaum mehr, denn man hat den Zielort und das darüber gelegene Tholária bereits im Blick. Auf dem Wasser nach wie vor weiße Schaumkronen.
Vier Stunden sind überraschend schnell verflogen. Dennoch bin ich froh, angekommen zu sein. Die Füße schmerzen schon ein bisschen.

Abends begebe ich mich erst auf ein Ouzáki zum Jórgo, der, gerade von einem weiteren Olivenerntetag zurück, soeben aufgesperrt hat. Anschließend zur Strandtaverne Selíni, dort zu essen und Ilías, meinem Transporteur, dadurch meine Dankbarkeit zu erweisen.
In der Küche betätigt sich ein Herr um die 50. Es gibt eine reichliche Portion Gópes (gesprochen: Chópes, mit dem gutturalen Reibe–R, eigentlich, und es sind wie üblich mittelgroße Fische) mit Patátes und Salat. Den "Rízi", den Reis, hab ich abgelehnt.
Um den ansonsten verwaisten Tresen im Innenraum des Lokals hängt ein britisches Ehepaar gelangweilt herum, er auf ein teures Notebook einklappernd. Sollen sehr wohlhabende Leute sein, mit einem Haus in Langádha oben und nichts zu tun, meint Ilías, obwohl sie nicht wie Rentner aussehen. Es sei ihnen gegönnt, wenn nur diese Langeweile nicht wäre, um die ich sie keineswegs beneide.

Später am Abend geselle ich mich auf ein Bier zu den Fußballfans vorne im Jíros–Lokal mit Gastraum und Außensitzbereich. Es wird eifrig mitgefiebert mit den Spielern. Was sonst könnte den Dorfalltag vergessen machen? Vorne an der Gassenseite, wo die Schnellgerichte über die Straße verkauft werden, hat sich ein ziemlich bedröhnt wirkendes, lässig und ungeniert dahinquatschendes Mädchen auf die Verkaufstheke gehockt und schlenkert lasziv mit den Beinen.

Die beiden größeren Lebensmittelgeschäfte haben bereits geschlossen, aber um die Ecke, die Gasse hinauf, dort, wo den ganzen Tag geduldig dieser ältere Herr vor einem bescheidenen Souvenirladen sitzt, hat das Pandopolío nebenan noch auf. Der zugehörige Nebenraum mit offen stehender Tür ist ein echtes Schaustück – ein Gemisch aus Lagerraum, Wohn– und Esszimmer. All das herumstehende benutzte Geschirr, richtig fantasievoll hindrapiert!

Copyright puchheim = MartinPUC, November 2008

In der Südhälfte von Amorgós



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