Teil 4: Zum Abschluss noch einmal Iráklio
Copyright puchheim = MartinPUC, Januar 2010


Da mein ursprünglich für Freitagabend vorgesehener Rückflug fatalerweise auf Freitagmorgen verlegt wurde, muss ich die letzte Nacht notgedrungen in Heraklion verbringen, wohin ich per Frühbus mit Umsteigen in Vrísses gelange.
Quartiere mich gleich wieder in den Rooms Hellas ein und genehmige mir ein spätes Frühstück auf der Aussichtsterrasse, bevor ich mich in der Stadt herumtreibe.

Am Busbahnhof bei der Chanióporta erkundige ich mich nach der nächsten Verbindung Richtung Mátala und besorge mir schon mal die Fahrkarte. Allerdings sind es noch fast zwei Stunden bis zur Abfahrt. Zeit für einen doppelten Ellinikó drinnen im Buskafenío. Weil ich sehr nahe der Theke Platz genommen habe, krieg ich die Späßchen des stets gut gelaunten Wirts sozusagen am laufenden Band mit. Dieser Herr sorgt für eine permanent gute Stimmung in dem Warteraum, er ist ein echter Glücksfall. Das macht auch die beiden stets laufenden und etwas nervenden Flachbildfernseher wieder einigermaßen wett.

Erkundungsfreudig wie ich bin, ist anschließend ein Viertelspaziergang angesagt. Ich folge also der tadellos restaurierten Stadtmauer ein Stück meerwärts, um dann nach links in eine Seitenstraße einzubiegen. In dem ruhigen Wohnviertel stoße ich sogleich auf Hinweisschilder auf die Tiefgarage eines nahen Lidl-Marktes. Kreuz und quer spaziere ich in dem Viertel zwischen westlicher Stadtmauer, dem Leofóros Minóos und der großen Ausfallstraße Leofóros 62 Martýron.
Das Lidl-Geschäft liegt in einer kleineren Durchgangsstraße nur etwa 400 m westlich vom Busbahnhof, gleich neben einem großen Ärztehaus, und jetzt versteh ich, warum ich so viele mit blau-gelb-roten Plastiktaschen bestückte, auf ihren Bus wartende Leute aus Anógia vor dem Buskafenío sitzen gesehen habe.


Ausflug nach Mátala

Punkt 13:00 Uhr fährt mein Bus ab, und etwa um 14:00 Uhr kommen wie in Míres an.
Von dort aus betätigt sich der Leutetransporter kurzzeitig als Schulbus, denn er bringt ein paar Schüler (und ältere Leute) quer durch die Messará rüber ins so hübsch am Hang gelegene Pómbia (Póbscha) und fährt im Anschluss daran über das schöne Örtchen Petrokefáli weiter zur Einkreuzung auf die Hauptroute von Festós her, wo ein anderer Bus wartet, der höchstens zwei Umsteiger wohl hinauf nach Sívas bringt und von dort höchstwahrscheinlich noch Kamilári und Kalamáki abklappert - ein anderer Schulbus, sozusagen.
Fast alle restlichen Passagiere steigen in Pitsídhia aus, und nur wenige machen die kurze Weiterfahrt bis zum Endhalt draußen vor dem Ortskern von Mátala mit.

Am Strand zwischen den Klippen wird sogar noch gebadet, trotz der relativ stark anbrandenden Wellen. Bei etwa 7 Beaufort draußen auf dem Meer herrscht natürlich ein stärkerer Wellengang.
Gekommen bin ich, um "meinen" Wirtsleuten im Sunset den üblichen Besuch abzustatten. Draußen auf der hinteren Terrasse mit der phänomenalen Aussicht suche ich mir den windgeschütztesten Platz. Die alten Wirtsleute erinnern sich an mich, glauben diesmal, ich wohne auf Dauer in Iráklio und sei auf einem Tagesausflug bei ihnen. Das kommt davon, wenn man verkündet, man sei extra aus Iráklio zum Fischessen hergekommen.
Klasse Farben im Meer: Braun, Türkis, milchiges Hellblau, sattes Preußischblau, Violett, weiße Schaumkronen auf den Wellenkämmen. Die Weißen Berge in der Ferne noch in Wolken, aber herrlicher Blick auf Agía Galíni. Hier sitze ich mit Abstand am allerliebsten, wenn ich in der Gegend bin.

Dann wird der Fisch vom Grill aufgetragen, erscheint zeitgleich die Katzenfamilie. Eine Tsipoúra krieg ich, ein Riesending, bauchig und mit nicht zu vielen Gräten. Nur 8 Euro verlangen sie dafür, haben ihn nicht einmal abgewogen. Alles zusammen, mit Salat, Bier, Wein, 2 Rakés, einer geschenkten Nachspeise und einer Flasche selbst gemachtem Olivenöl als Dreingabe kostet mich 15 Euro - und da fahr ich (Trottel) noch aufs teure Sífnos(, weil es halt sooo schön ist)! Zwei kleine Hunde in Spíros' Hof gleich unter dem Lokal. Einmal kommt ihr Herrchen raus, um nachzuschaun, wer da mit seinen Tierchen palavert. Nun haben sie ihm, direkt anschließend an sein Individualistenhäuschen über dem Klippenrand, ein nachsaisonal bereits geschlossenes Crêperie-Café hingestellt, das alte Haus entsprechend (und dezent) umgebaut.

Bei Sonnenuntergang nehme ich den letzten Bus (17:30 Uhr) zurück nach Heraklion. Während eines Telefonates zuvor an einer OTE-Kabine hatte mir der Starkwind noch mein bereits lädiertes Adressbuch auseinandergerissen und fortgeweht - es verfing sich zum Glück auf einer Blumenterrasse. Schon ein Erlebnis, die Gewalt der Elemente zu spüren, wenn man ihnen nicht gerade draußen auf hoher See ausgesetzt ist.


Abends in Iráklio

Abends finde ich mich endlich einmal rechtzeitig im Sarandavgá mit der grünen Pasók-Bemalung in der Marktgasse ein, um drinnen gleich neben der Eingangstür noch einen Tisch zu ergattern.
Rasch sind alle Tische draußen besetzt, drinnen stehen sowieso nur 3 zur Verfügung. Man behilft sich schließlich sogar mit Bierkästen als Stuhlersatz, nur um zu den Gästen gehören zu können.
Es ist ein Bilderbuchkneipchen, ein Ouzerí der allerschönsten Sorte, deshalb eben sehr begehrt. Wieder biegen sich die Tische unter der Last all der kleinen Tellerchen, der Karafátschia mit dem edlen Tropfen drin. Nur diesmal hab ich Anteil daran!
Gebe jeden entbehrlichen Stuhl ab, rücke näher an die lustige griechische Paréa des Nachbartisches, lasse mir von ihr und dem wieselflinken Wirt die Sänger der schönen Rembétikalieder nennen, die über Lautsprecher den Raum erfüllen. Überall Bilder, Fotos von teils legendären, jedenfalls beim Volk beliebten Sängergrößen, alle Anwesenden lassen sich von den Melodien und Rhythmen mitreißen und gleiten bald in eine fröhliche, ausgelassene Stimmung hinein. Es wird ein gelungener Abschlussabend, ich falle als Tourist nicht einmal besonders auf, äußere mich nur auf Griechisch und mit kretischem Akzent, wie es sich gehört, appelliere dann und wann an die Hilfsbereitschaft der einheimischen Zecher, was auch ihnen guttut. Verbringe nachts noch ein halbes Stündchen in aller Ruhe auf meinem überdachten Balkon in dem stillen Wohnviertel (- wohne ja hintenraus).

Wieder fehlt mir eine dritte Urlaubswoche - wie gern hätte ich noch ein paar Tage in Pitsídhia bei Soumbouliá im Ácropol verbracht. Doch auch die beiden zurückliegenden Wochen haben mir viel gegeben, und da ich Kárpathos diesmal mehr Zeit gewidmet habe als Kreta, darf ich mich nicht beklagen, wenn ich alte Bekannte nun nicht mehr besuchen kann. Aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben!

Tags darauf geh ich früh zum Eleftheriás-Platz, warte auf den Flughafenbus.
Frühstücke später am Kiosk der Taxifahrer neben der Ausfahrt der Luftwaffenbasis. Die beiden Aussichtskioske über der Straße beim Flughafenparkplatz sind bereits geschlossen - ich glaube, das habe ich erstmals so erlebt, sonst dauerte auch ihre Saison doch wenigstens bis Ende Oktober.

Ruhiger Rückflug mit einer überlangen Flugzeug-Zigarre von Condor quer über die Peloponnes. Leider wird genau die Brücke von Río-Andirrío von Wolken bedeckt. Aber ein Stückchen Pátras hab ich noch mitgekriegt.

Copyright puchheim = MartinPUC, Januar 2010


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