Teil 9: Beim Heiligen Miná
Copyright puchheim = MartinPUC, März 2008


Wie gegenwärtig ist mir doch die Romílda, die ΡΟΜΙΛΝΤΑ, die Xerxes so so sehr begehrte, ein Jahr vor seinem Sálamis - "Waterloo".

Bellíssima Romílda, éh - non celáte
L'adoráto sembiánte.
Udítemi, Romílda, io sono amánte.
E púr tacéte ancóra?
Díte un sí, díte un nó, díte ch'io móra.


(Allerschönste Romilda, ach nicht verberget mir
Das geliebte Antlitz.
O höret mein Geständnis,
Dass ich Euch liebe.
Doch schweiget Ihr noch immer?
Saget ja, saget nein, sagt dass ich sterben soll!)

Ist von einem gewissen "Handel", sag(e)t man, und wurde in einem Heumarkt (Wahnsinn!, dieser Duft nach Natur!) uhraufgeführt (ding - dong) und -gezogen (klingeling!) als eine "Opera", die man XERXES nannte.

Eine unkomplizierte Angelegenheit, das Ganze (- bis auf die Kastraten).

To the Reader:
The contexture of this Drama
[sic!] is so very easy, that it wou'd [ohne "l"] be troubling the reader to give him a long argument to explain it. Some imbicilities [sic!], and the temerity of Xerxes (such as being deeply enamour'd with a plane tree ((einem "Plátanos")), and the building a bridge over the Helespont [sic!] to unite ASIA to Europe), are the basis of the story, the rest is fiction.


Was ich dagegen ausrichten kann, dass ich trotz aller schönen Erlebnisse in kretischen Landen den Ruf der See in mir verspüre?
Wenigstens an eine kleine Querung der Ägäis, wenigstens des Dodekanes, sollte man denken dürfen. Wenigstens rüber von Rhódos nach Tílos. Oder von Santoríni nach Anáfi - mit der Romílda, der Verachteten - all die Hybris der nur neuere und neueste Fährschiffe Benutzenden!

Gäbe es keine Schiffe mehr, keine rasenden Boote, würden sie bestimmt schwimmen, die Sicherheitsbewussten.
Eine unkomplizierte Angelegenheit, das Ganze (- bis auf die Kastraten, welch helltönender Seenotruf!).
Wir, die Mänaden, würden Delphine der Kretischen See zu Eurer Rettung schicken, Schwimmende, Singende, wir Rachegöttinnen, überstimmt von den guten Göttern! Ganz zum Schluss die alte Romílda als Eure Erlöserin. "Verzichte!" - würde die/der Stolzeste unter Euch noch sagen. Nehme nur ein Highspeed Boat, oder Blue Star Ferries, das oder tot, statt leben - Prinzipien, eben - daneben.

Bist auf Kreta, denk an den Idomenéo, Re di Creta, das herrliche Werk Mozarts. Mehr kannst du doch nicht wollen, Miná (Μηνά)!
Warum trauere ich auf einmal Handel (= Streit, in the oldspeak)/Händel (= Streitigkeiten!) nach? Der Ära Jonas, die doch vorbei ist, sich letztlich totgelaufen hatte, trotz all ihrer zeitgebundenen Großartigkeit?

Mit der Brandung schwappen Erinnerungen ans Ufer, repetitiv wie eine Händel-Arie. Erinnerungen, so schön und so erhebend wie eine große Welle, und doch kleiner als der zerstörerische Tsunámi, irgendwo mittendrin, zwischendrin, mit schweren, gewichtigen Spritzern ganz hoch in die obersten Etagen, bis in den vierten Rang des Nationaltheaters (von M) mit seiner überaus guten Akustik.
Ende "Romilda", nun zu Miná.

Miná? Das klingt nach Iráklio, Heraklion. Dem führenden Inselheiligen, der dort zu Hause ist. "Führend" hört sich fast beleidigend an, ist etwas zu leistungsbezogen.

Das ist mir jetzt, ehrlich gesagt, doch zu lang, zu umständlich!, sagt da einer. Ich kenn einen Musikschreiberling, schon das Zeitliche gesegnet, zugegeben, bei dem dauert die Einleitung, das geradezu symphonische Vorspiel zu dem und jenem "Klavierkonzert" immer zweieinhalb Minuten und länger, grausam, ich weiß nicht mehr genau wer, ist ja auch egal. Grausam, jedenfalls!

Aha. Und? -
Glaubst Du vielleicht, ich kenn mich bei der Klassiksoße aus? - Glaubst Du vielleicht, ich lass mich zur Eile antreiben?

Ich nehm meine spontan abgefüllte, frisch gebrannte pitsidianische Schnapsbottle natürlich dankend an, so ist es nicht. Soumbouljá, die wirklich nette, lebens- wie tourierfahrene Vermieterin, hat es mir lächelnd in die Hand gedrückt, das Teufelszeug. Geschmacklich sogar deutlich über manchem Sturm anzusiedeln - pardon, Österreicher und Wahl-Münchner, Probierer von Vorstadien eines guten Tropfens.

Der Sturm zur See ist vorüber, die nassen Sachen sind nicht vollständig getrocknet! Wanderstiefel noch restfeucht, Hose über Nacht einigermaßen fertig entnässt, bravo.

Der dritte Satz von A-Dur, K. 488, ist echt schnell - Malcolm Bilson, Gardiner, The English Baroque Soloists, schon historisch, Achtzigerjahre, wie die Zeit vergeht.

In den Neunzigerjahren immerhin in einer "exklusiven" Harnoncourt-Mozart-Probe gewesen (also ohne großes Publikum), den gesitteten Türsteher im Wiener Musikverein überzeugt, eingeladen von einer Berliner Bratscherin, Mitglied des Concentus Musicus - ja, von weit kamen sie her, ein paar von ihnen. Kennengelernt an einem round table, dem Frühstückstisch in einer einfachen Pension in der Josefstadt mit nur einem Klo, einem gesonderten Badezimmer für alle, einer Künstlerpension, sozusagen. Verdanke ihr viel, der Berliner Bratscherin. "Kommen Sie doch einfach in unsere Probe." Großer Musikvereinssaal. Werd ich nie vergessen.

Und jetzt Schluss!?

Ja, bald ist Schluss mit meiner Reise. Der Frühbus nimmt die Route über Petrokefáli und Pómbia. Was für ein spektakulärer Abschied, solche Dörfer, schließlich so sanft wieder herunterzusinken in die fruchtbare Ebene, den Psilorítis-Stock vor sich, den jungfräulich unschuldigen Morgen.
Beim Anstieg die Serpentinen hinauf Richtung Heilige Barbara (Αγία Βαρβάρα), wo im frühsten Frühling die Pfingstrosen am Straßenrand blühen, schimmert das Dhíkti-Massiv verführerisch aus Ost herauf.

Schmal ist es nicht mehr, das ehemalige Sträßchen, nein, es hat sich zur ansehnlichen Überlandstraße gemausert, die nördlich der Heiligen (Barbara) inzwischen mit autobahnähnlicher Breite protzt. Ja, einige der engen Kurven mit ihren Brems- und Stauwirkung wurden vollkommen entschärft, großzügig umgangen. Bei dem sich ergebenden Fahrgefühl bleibt manches links liegen, oder rechts: ein Tafelberg mit antiken Stadtresten oder grünende Weinberge, beispielsweise.

In Iráklio angekommen, warte ich an der Chanióporta, vor mir die wuchtigen gelben Stadtmauern, auf einen Flughafenbus. Er bringt mich quer durch die Innenstadt, dann durch die östlichen Vorstädte zum Flughafen. Hin zur Gepäckaufbewahrung am Südrand der Autozufahrt. Unvorstellbare, maßlos überzogene Gebühren verlangt der "liebenswürdig" lächelnde, gelangweilt wirkende Herr, der die auffallend wenigen aufgegebenen Taschen und Koffer bewacht. Unverschämt viel Geld nehmen sie einem hier ab. Wusste ich nicht, aber nun lass ich mein großes Gepäckstück doch hier, steig gleich wieder in einen Bus zurück in die Stadt.

Wo werde ich meine Buchhandlung finden? Hab eine gewisse Ahnung. Also die Odhós 1866 hinein und ihre ganze Länge durch. Über den Platz Vitséntsou Kornárou drüber, zwei Ampeln, viel Verkehr. Dann Richtung Neues Tor weiter, in die Evans-Straße hinein. Eine Geschäftsstraße, vollkommen abgasverstunken, aber lebendig.
Da schau her: gleich zwei Buchläden liegen sich hier schräg gegenüber. Eine ältere drüben, eine neuere, beachtlich groß aussehende, nach der Schaufensterfront zu urteilen, auf meiner Seite.

Da ich was Spezielles suche, ziehe ich den größeren Laden vor: Λέξις (klingt doch sehr nach Sprache, nach Wort, nach Rede!), Οδός Έβανς 56/58. Ich trete ein. Die Kasse ist unbesetzt, es ist auch die harmlosere Schreibwarenseite, auf der ich mich gerade befinde. Ein Durchgang führt mich zum eigentlichen, ernster zu nehmenden Buchladen. Die beiden jüngeren Buchhändler sind in ihr Gespräch vertieft, ich warte eine Weile, schreite hierhin und dorthin, bemerke recht viele gelbe und grüne, sozusagen deutschstämmige Wörterbücher (Griechisch-Deutsch & vice versa), die mich an heimatliche Gefilde erinnern.
Nach einem großen, einsprachig griechischen Nachschlagewerk muss ich nun doch fragen, dem seit Jahren bekannten Μπαμπινιώτη.
Gleich werde ich mit unterschiedlichen Ausgaben konfrontiert. Den Babinióti gebe es als έκδοση Β (víta) ή (oder) Α (álfa), und auch von Γ (gámma) murmelt man mir was vor, richtig strahlenmäßig. Etwas verblüfft nehme ich die wohl größte, umfangreichste Ausgabe in Empfang, ganz unten und ziemlich in der Ecke stand sie im Regal eingeklemmt, noch gut verpackt - wohl nicht gerade ein Bestseller.
Nicht lange ist da zu überlegen, ich greife zu, freu mich echt darüber, dass ich das Ding überhaupt erstehen kann, ohne lange zu suchen. Zweiundneunzig Euro sind allerdings kein Pappenstiel. Na, immerhin hab ich nun die Ausgabe von 2006 und kann mein fast zehn Jahre älteres Exemplar beiseitelegen.

Mit 3 oder 4 (oder gefühlten 5? - verdammt schweren) Kilo Buch in aussagekräftiger Plastiktasche find ich mich, enorm beschwert, auf der Straße wieder. Lästig und doch süß, so eine Last.
In einer Art Glücksgefühl streife ich, Bildungsträger, durch die Innenstadt. Nicht durch ein Nobelviertel, vielmehr die Marktgasse und gleich links hinein in die kleine Ecke mit dem Fischmarkt.
Und was für eine Ecke das ist! Gassenstücke voller Atmosphäre, das allemal. All die glitzernden Fischleiber, die Krakenarme, das starre Gebein mit überlangen Fühlerröhrchen. Daneben ein feines Tavernchen, so richtig einladend, verspricht es doch frischesten Fisch. Eine richtige Wohlfühlgegend für mich.

Wieder stoße ich in weniger bekannte Zonen vor. Schon ist die Odhós 1821 überquert. Ich hatte es gar nicht gewollt, aber ein Seitengässchen führt mich im Nu auf einen großen Platz, DEN großen Platz im Herzen Iráklios: den mit den drei Kirchen. Mein Stadtplan behauptet: Platía Äkaterínis.
Dabei ist gerade die Ekateríni-Kirche gar kein Tempel Gottes mehr, sondern ein Museum alter Ikonen etc.
Doch den Blickfang stellt erst einmal die große, die beiden anderen hoch überragende Erzbischofskirche des heiligen Minás dar, das Zentralheiligtum Kretas, wenn man so will. Der altrömisch-ägyptische Minás entspricht ja vom Datum (11. November) her unserem Martin, so liegt es auch nahe, das sich ein Martin in Elládha und speziell auf Kríti Minás nennt.

Der eifrige Beschützer der kretischen Freiheit hat sich sein Haus nicht aussuchen können, er hätte sich, wäre ihm ein Mitsprachrecht eingeräumt worden, bestimmt mit dem kleinen Kirchlein nebenan beschieden, das ihm sowieso seit eh und je gewidmet ist.
Das neuere protzige Großgotteshaus bietet mehr Gläubigen Platz, und deshalb musste es sein, wie in jeder Stadt. Vielleicht auch, weil ein erzbischöflicher Würdenträger repräsentieren will und weil sich die Gemeinde nicht lumpen lässt, und überhaupt!
Was mir gleich auffällt: In der Ájios-Minás-Kathedrale gibt es traditionellerweise noch eine Männer- und eine Frauenseite, die Aufschriften springen ins Auge (und um stille Örtchen kann es sich doch nicht handeln, pardon ...). Wie bei den Katholen, früher: Frauen links, Männer rechts, unter der großen Kuppel vereinigen sich die beiden getrennten Geschlechter idealerweise und hoffentlich zu einem großen Ganzen.

Vormittägliche Ruhe über allem. In der kleinen, zweischiffigen Minás-Kirche fühle ich mich bedeutend wohler.
Eine Frau säubert den Innenraum, als ich hineintrete, die alte, verräucherte Ikonostase zu bewundern. Klar deutet die Anwesende gleich auf das Bildnis des Inselheiligen, es dem Fremden vorzuführen. Die Ikone könnte viel erzählen von Bittstellerinnen, Aufständischen, Schutz Suchenden, Lokalpatrioten, vom notfalls durch die Straßen der Stadt galoppierenden Heiligen. Dieses Kirchlein hat etwas, man fühlt es.

Wieder draußen im hellen Tageslicht, geh ich die Stufen runter auf den unteren Platz, der von Bäumen und Bänken gesäumt ist und von Tauben übersät.
Eine Gruppe von Streunern wittert auf bloßen Verdacht sogleich einen Essensbringer, mich, den plastiktütenbewehrten Buchherumschlepper. Die heimatlosen Hunde stürzen auf mich zu, rammen ihre Schnauzen in das Bildungsvehikel, knurren und kläffen mich an, fast bedrohlich.
Sogleich wird mir bewusst, dass das nicht nur in Mitilíni oder auf Santoríni so ist, mit den Streunern. Hunde driften genauso wie Menschen in die äußerste Armut, ins Elend ab und suchen dann in den größeren Städten Zuflucht. Älteres Publikum hat auf Bänken unter Baumkronen Platz genommen, sieht zu. Angrenzend ein nobleres Geschäftsviertel.

Flugs ist sie durchquert, die Heimstatt der Boutiquen. Über die Kalokerinoú-Straße drüber irgendwie zum El-Greco-Park und durch Gässchen hin zum venezianischen, zum Fischerhafen.

Vorwandern an geschlossenen Aussichtstavernen vorbei bis zur Platía Neárchou über dem Meeresufer. Eine ganz neue Grünanlage von beachtlicher Größe verschönert die ehemals mehr als prosaisch aussehende meeresnahe Straßenzone. Auf der stadteinwärtigen Seite der Uferstraße der Neubau eines städtischen Museums. Iráklio verschönert sich von Jahr zu Jahr mehr! Die Stadtväter legen sich seit Jahren wirklich ins Zeug.
Blicke auf die matt braunen Berge hinter Rogdiá, auf diesen spitzen Kegel. Und hinaus aufs Kretische Meer.

Zurück zum Rondell am alten Hafen. Dort genehmige ich mir die Essenspause, die ich mir in den Nebensträßen der Odhós 1866 versagt habe.
Als einziger Fremder besetze ich einen Tisch der früher ein wenig versifften, nun aufgemöbelten und optisch wie hygienisch aufgebesserten Ecktaverne an der Südwestecke des Verkehrskreisels gegenüber der breiten Mole, die zum Hafenkastell hinausführt. Nebenan, wenige Schritte jenseits der auf die Ufermagistrale einmündenden schmalen Marinéli-Gasse, schon die Tavernenkonkurrenz; ein Alter beobachtet aufmerksam meine Gegenwart. Über der Straße mit ihrem verstärkten Uferverkehr drüben die paar Stände der örtlichen Fischer, nur 30 bis 100 m von ihren im kleinen Hafenrund vertäuten Booten, ein paar Stufen hinunter, und schon wäre man da.

Aus dem Fischangebot wähle ich die ganz kleinen Marídhes aus, einen spärlich gehäuften Teller von ihnen krieg ich serviert, dazu Patátes und Tomatosaláta mit viel Kremídhi. Ein leckeres letztes Mittagsmahl. Flugzeuge starten rauschend bis donnernd über die Szene hinweg. Spazierende Touris starren mich neugierig an. Wenig Betrieb in der Autovermietung gleich neben meinem Lokal. Wieder eine dieser Abschiedsszenen, lauter Beobachtungen, nebenbei.

Seit ich mich an die unverwüstlichen Insel-Landkarten von Anávassi gewöhnt habe, bin ich gar nicht mehr so scharf auf das alljährlich für gutes Geld zu erneuernde (inhaltlich freilich recht überzeugende) "Zerreißmaterial" von Road Editions und Konsorten (praktisch alle anderen Landkarten außer denen von Anávassi [in deutschen Buchhandlungen allerdings Anavássi betont, wie sollten sie es auch wissen]), hab deshalb nicht einmal den Kartenladen in der Chándakos-Straße beehrt, keine Lust, trotz großer Geldersparnis. Bei mir zu Hause die "Gerippe", die Leichen mehrerer Generationen von Kreta-Karten, bevorzugt vom Harms Verlag (mit ganz irren Schreibfehlern bei kretischen Ortsnamen) und von Road Editions, sie sehen erbärmlich aus: verstümmelt, abgerissen, dezimiert, halbiert, gedrittelt, gevierteilt, ohne böse Absicht und ganz beiläufig, aus dem normalen Gebrauch heraus fürchterlich entstellt.

Dann geh ich, die venezianischen Arsenale und das Gebäude der Hafenpolizei passierend, ganz langsam am Kai vor zum Fährhafen, die Schiffe anzusehn, ausgiebigst, die Kolosse. Ach, die beiden herrlichen Fährliner, dazu zwei kleinere Kreuzfahrer, all die verpassten Schiffspassagen! Dieser Abschied ist fast immer der schwerste. Das Weggehen vom ungesunden und doch von ozeanischen Weiten kündenden Duft eines Hafenbeckens.

Dann über die LKW-Waage - trippeltrappel - raus aus dem Einfahrtstor und eine breite, mittelgeteilte Avenue hoch zur Ausfallstraße und zur Bushaltestelle unweit des MacDonald's.
Gleichzeitig mit meiner Wenigkeit steuert ein optimistisch dreinstrahlender Jüngling demselben Warteort zu. Er grüßt mich schon von Weitem. Engländer, denke ich, oder zumindest Holländer. Aber nein: Franke!
Mein Franke ist leider kein Mainfranke, umsonst schwenke ich innerlich ein auf das Lob des Silvaners. Eher Nörnberch. Wörschtl und Bier statt Weißwein, Pech gehabt.

Der aufrechte Großstadtfranke hat soeben eine Wandergruppe geführt, im kretischen Westen. Doch er kennt sich insgesamt gar nicht so gut aus, weder auf der Großinsel noch auf den kleine(re)n Ägäislandbrocken. Ich dränge mich mit Rat auf, ermuntere zu neuen Führungstaten, was zu meiner Überraschung dankbar akzeptiert wird. Wir steigen gemeinsam in den Flughafenbus.
Nach der Gepäckaufgabe verbringen wir noch eine entspannte halbe Stunde vor einem der überhöht platzierten Kioske (dem preiswerteren) mit Aussicht über den Airport.

Als ich eintrete ins Gewühl, ist die Schlange vor dem einzigen Röntgengerät fürs Handgepäck wiederum bereits kilometerlang. Mich hier einzureihen wäre eine Wahnsinnstat, verpasster Flug garantiert.
So zickzacke ich mich also an der wartenden Menge vorbei, die Absperrlinien entlang. Am Kopf der Wartenden angelangt, entschuldige ich mich gebührend und werde anstandslos vorgelassen.
Klar, das Rucksackerl muss nun natürlich besonders genau durchsucht werden, wenn sich einer so auffallend vordrängt, eine derartige Eile vorgibt, denkt sich der Kontrolleur. Aber auch diese Hürde schaffe ich in Kürze.

Schließlich wird sogar nach der Flugsteig meiner Aegean-Maschine angezeigt, o Wunder, und schon sitze ich in meinem Direktflieger nach MUC. Ja, das gab es letztes Jahr noch dreimal die Woche: mit Aegean nonstop von Iráklio nach München. Dieses Jahr = heuer (2008) ist das bereits Geschichte, es werden nur noch Umsteigeflüge via Athen oder Saloniki angeboten. Haben sich die glücklosen deutschen Charterflieger beschwert, etwa mit Umweg über den Aegean-Partner LH?

Ach ist das schön, diese deutsche Hochpreismafia gelegentlich auszubooten, in einer griechischen Maschine zurückzudüsen zur Arbeit, zu den Mühen, zu dieser Plackerei, zu diesen alle Menschen frei machenden Dauerfreuden!!!

Hoffe Dich bald wiederzusehen, Miná!

Copyright puchheim = MartinPUC, März 2008




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