Österliches bis frühsommerliches Kárpathos
Copyright puchheim = MartinPUC, Juli 2006



Wenn es einem gefällt, bleibt man einfach länger, so man noch Zeit erübrigen kann, oder man kommt möglichst bald wieder.
Beides hab ich dieses Jahr beherzigt, und so wurden aus einer grob angepeilten Frühjahrsrundreise von Kreta aus durch den Dodekanes und über Kálimnos, Donoússa und Naxos wieder zur Ausgangsinsel zurück gleich 16 Tage Kárpathos und knapp 13 Tage Kreta. Und der Zufall wollte es, dass ich im Juni noch einmal mit 7 Tagen Kárpathos und 3 Tagen (wegen der ungünstigen Flugzeiten eher anderthalb Tage) Rhodos nachhaken durfte.





I. Frühjahr:  April bis Anfang Mai



1. Ostern und drumherum

Nach vielen Malen im altehrwürdigen Ólimbos verbringe ich das griechische Ostern von Karfreitag bis Freitag darauf, da ist Panijíri (= Kirchweihfest), ein zweites Mal fast ausschließlich im Reich von Papá Minás, in Diafáni, dem Hafenort der Gemeinde Ólimbos.

Die sich lange hinziehende, nicht über ihre ganze Dauer gut besuchte vorösterliche Liturgie hat neben den prächtigen Gesängen noch andere schöne Seiten.
Etwa die nach der Abendmesse am Megáli Paraskjeví (Karfreitag) stattfindende nächtliche Prozession durch das Dorf.
Hierbei wird der Epitáphios, das symbolische hölzerne Grab Christi, ein rechteckiges Balkengestell, überreich mit Blumen besteckt, auf einem Rundweg durchs Dorf getragen, wobei sich die Träger abwechseln. Beide Ortsflanken werden berücksichtigt, der Umzug führt von der Kirche aus erst einmal ins betonierte "Hochwasserflussbett", eine der wichtigsten Straßen, dreht dann zum Meeresufer hin und erreicht am Brunnen vor den Restaurants Gorgóna und Corál seinen Wendepunkt. Im nördlichen Ortsteil steigt man länger herum, dreht nach Passieren der Uferstraße und des kurz hinter der Taverne Ánixi abzweigenden Gässchens vom Weg zur Schule nach links ab und geht die obere Gasse vorbei am Haus von "Jinx", dem Engländer und neuerdings Buchautor ("Tales from a Greek Island"), und die Stufen runter wieder zur Kirche zurück.
Unterwegs haben viele vor ihren Häusern Aufstellung genommen und werden gesegnet, mit Weihrauch beräuchert.
Nach dem Umzug wird der Epitáphios in der Kirche arg zerrupft, denn ein jeder nimmt sich ein Sträußchen herunter, um es nach Hause zu tragen.

Der Karsamstag ist zunächst ein ruhiger Tag, die Vorbereitungen auf das Osterfest geschehen im Stillen, in den Haushalten.
Eine Sonderfahrt von L.A.N.E. Ferries bringt letzte Spätankömmlinge von Piräus, Kreta und Rhodos in ihre Heimat zum wichtigsten Fest und Familientreff des Jahres.
Bei einer nächtlichen Schiffsankunft reißt die an dem einen Tau liegende Spannung einen der schweren Eisenpoller aus seinem Betonuntergrund, und die Heckklappe der Fähre rasiert einen Teil der hohen Kaimauer der neuen Mole von Diafáni glattwegs ab. Wenige Tage darauf ist ein neuer Poller implantiert.

Prachtvoll ist sie schon, die abendliche Osterliturgie, die prächtigste, die man sich vorstellen kann, voller Gesänge und Wechselgesänge, und der mit einem kleinen Büchlein aus dem Lebensmittelgeschäft, das den ganzen Text dieser Osterliturgie beinhaltet, Ausgestattete kann mühelos die schönen Auferstehungs-Strophen mitsingen - besonders gut allerdings erst am folgenden Ostersonntag, während der Nachmittagsliturgie. Denn kurz vor Mitternacht von Ostersamstag auf Ostersonntag öffnet bereits beim ersten Gesangs-Versuch des "Christós ané ..." die versammelte weltliche Hölle ihre Pforten sperrangelweit.

Die mittlerweile draußen auf dem Hof zwischen dem Dodekanes-Kampanile (-Kambanarió) und der Kirche aufgestellte Gemeinde muss nun ein gut zehnminütiges Bombardement aus Knallkörpern des überlauten italienischen Typs, gemischt mit immer stärker in Mode kommenden Klein-Feuerwerken über sich ergehen lassen.
Kräftig zucken die Augenlider des auch im Freien tapfer weitersingenden (dabei sogar anflughaft lächelnden) Priesters, trotz längst getroffener, geschickter Absprachen, um den möglichen Schaden einzudämmen. So mancher sucht Schutz unter dem Kampanile oder um die Ecke rum, nur um von anderen bösen Jungs mit Knallern beworfen zu werden.

Später artet das Knallkonzert noch in einzelne bzw. serienmäßige, erschütternde Groß-Explosionen dicht außen an der Kirchenmauer aus, als die Liturgie schon längst fortgesetzt wird. Die Wände des Kirchenschiffs wackeln regelrecht, bei dem einen oder anderen Spezial-Sprengstoffmix, was die älteren Frauen dazu veranlasst hinauszustürzen, einige der Übeltäter aufzuspüren und wüstest zu beschimpfen.
Das restliche jüngere oder ältere Frauenvolk erduldet die Tortur ganz still, die hübschen bunten Trachten, die kunstvoll bestickten Kopftücher glitzern im Kerzenlicht, ein fast magisches Schimmern, während sich draußen nach und nach das "Gewitter" verzieht, um doch immer wieder einmal aufzuleben.

Dann versucht man das vorne beim Priester abgeholte Osterlicht auf Kerzen nach Hause zu tragen, was nicht immer gelingt. Ganz Schlaue haben sich einen Windschutz gebastelt. Der kleine, kauzige, alt gewordene andere Minás, der irgendwie in die Rolle eines Kirchendieners geschlüpft ist, hat nun bald seine Ruhe, muss keine vor der Ikone rechts vom hinteren Kircheneingang Platzierten mehr zurechtweisen, den Weg für gläubige Küssende freizumachen.
Hier im Norden von Kárpathos wird übrigens nach der Osternachtsmesse KEINE Judaspuppe verbrannt, wie im restlichen Griechenland üblich.

Ein halbes Stündchen Zeit, vielleicht 40 Minuten. Kurz nach eins erwartet Nikos all seine Freunde und Hotelgäste zum nächtlichen Ostermahl in seiner Privatwohnung unten im Hotel. Obwohl man schon müde ist, kommt man der Einladung gerne nach.

Das Geschenk für Nikos arbeitsüberhäufte, mit den beiden Kindern aus Kreta hergereiste Gattin bringe ich mit runter, feine Pralinen aus meiner Heimat.
Allmählich treffen sie alle ein, auch alle geladenen Hotelgäste, darunter ein junges griechisches Paar, der englische Verleger von Jinx' Buch, neben Jinx selbst, dann die ortsansässige Margerita.

Es wird "Eier geklopft", die mit den hartschaligen freuen sich tierisch. Aufgetischt ist schon, die lange Tafel ist übervoll, aber die Ostersuppe, eine Marjirítsa in etwas entschärfter Form, also ohne aufdringlichen Eingeweidegeschmack, wird erst ein wenig später aufgetragen.
Sie schmeckt wirklich gut, entgegen aller Befürchtungen, nur Nikos beide Kinder wollen dennoch nichts von ihr wissen, kriegen stattdessen Fleisch serviert.

Kretischer Wein belebt die Gemüter, und irgendwann stellt der Hausherr den Fernseher ab und die Musik an, und dann führen Henk und seine Frau (Maria? - beide Holländer) zusammen mit Nikos ein wunderschönes Tänzchen auf. Jinx ist so angetan, dass er meint: "O look at this Dutch guy, how fine he's dancing!" Er selber lehnt aber Nikos Aufforderung ab, denn er sei ein "Jéros", schon ganz alt. Er übertreibt.
Es wird lustiger in der Runde, je nachdem, wo man gerade sitzt, natürlich, doch aus Rücksicht auf die Familie lösen wir unsere Paréa gegen halb drei ziemlich rasch auf, verziehen uns auf die Zimmer bzw. nach Hause.

Fast ein Wunder, dass ich nächsten Vormittag so gut beieinander bin und den Nachmittagsgottesdienst besuchen kann. Ich bin nicht so religiös, wie es hier klingt, aber wenn sich ein Papás wie eben der Pfarrer Minás schon die Mühe macht, die Ostersonntagsmesse stellenweise mehrsprachig zu gestalten, muss ich als Deutscher auch da sein, die Stellung halten, denn es sind nur wenige Landsleute im Dorf anwesend. Es wird schließlich auf Griechisch, einiges auch auf Italienisch, Französisch, Englisch und Deutsch gesungen, wobei das Deutsch von Papá Minás gut verständlich ist, während die anderen Sprachen, vorgetragen von jeweils einem der "Chorsänger", mehr oder weniger stattlichen Herren vorne rechts, teils ziemlich schwer verständlich klingen. Aber was für eine Geste, von diesem Ausnahmepriester, in diesem kleinen griechischen Dorf weit weg von den großen Touristenzentren!

Nach dem Gottesdienst verspricht Papá Minás den beiden bei der Liturgie anwesenden Russinnen, das nächste Mal auch Russisch zu integrieren, falls sie an Ostern wiederkämen.


Oben in ÓLIMBOS findet dienstags nach Ostern nach der Speisung der Toten auf dem Friedhof und Verteilung aller Speisen unter die Lebenden (man glaubt gar nicht, wie viele lebende Fotografen und Filmemacher es bei dem langwierigen Event gibt!) und dem anschließenden Umzug zu einzelnen Kapellen vor dem Dorf, schließlich der Versteigerung der wichtigsten großen Kirchen-Ikonen (symbolisch für ein Jahr), das große nächtliche "Fest" im Mégaro (= Gemeindesaal) knapp unterhalb der höchsten Stelle im Dorf statt.

Diesmal kann ich mit S. hochfahren, einer auf Kárpathos lebenden Bekannten von früher her (über gemeinsame Freunde), die sich über Ostern in Popi's Zimmern unter der Taverne "Dolphins" in Diafani eingemietet hat.
Wir sind natürlich viel zu früh dran, schon der Káto Chorós (= langsame Tanz) beginnt spät, und erst tanzen ewig lang nur ein paar Kinder um die als Rechteck auf Stühlen in den Saal Gepressten herum. So viele Stühle wurden um die Tische mit den Musikern herum aufgestellt, dass für den später am Abend immer größer und länger werdenden Sechzehntel-, Achtel-, Viertel-, (Halb-)Kreis der zunächst ruhig und langsam dahinschreitenden Tänzerinnen und Tänzer kaum ein Meter Breite zum Tanzen frei bleibt. Nur in den Saalecken ist etwas mehr Platz.

Man geht öfters zurück zu Nikos' Kafenío ("Parthenó" - die gute Kalliópi macht zu dieser Stunde keinen Touristen mehr an), wo jetzt das Zentrum des Dorfgeschehens ist, um etwas zu trinken und sich zu unterhalten, schaut immer wieder zum Mégaro (Gemeindesaal), ob dort schon mehr los ist. Oder man blickt über die Abhänge, übers Meer in die nächtliche Ferne, genehmigt sich noch ein Essen im "Zéfiros", in dem Instrumente herumliegen.

Das Mégaro hat sich um zehn herum schließlich gut gefüllt, das Oval der Tänzer, die Frauen und Mädchen prächtig herausgeputzt in ihren schönsten Trachten, deutet sich schon an, wenn es bei dieser Saalgröße auch nie geschlossen werden wird. Immer noch der langsame Teil des Ringtanzes, aber herrliche Mantinaden werden dazu gesungen, der dicke Nea-Dhimokratía-Ex-Bürgermeister (auch guter, zumindest stimmlich auffallender Kirchensänger) übertrifft sich. Einmal kommt es zu einem Wortgefecht, als der Dicke das Ereignis des erst kürzlich erfolgten Zusammenbruchs von Andónis, dem Wirt des winzigen Kafeníos an der Platía, in einer Mantinade ansprechen will. Das will die Verwandtschaft oder der Freundeskreis nicht, sie protestieren lautstark.

Noch immer spielen nur Lyra und Laoúto, der Dudelsack (die Tsamboúna) kommt erst beim schnellen Tanz (beim Áno Chorós) zum Einsatz, dann verstummen auch die Mantinádhes. Dies ist heuer erst kurz vor halb zwei Uhr früh der Fall, trotz der Rufe Ungeduldiger!

Dann geht ein Ruck durch die Tänzer, und das zusätzliche Wippen belebt, zusammen mit der schnellen Schrittfolge und dem quäkenden Dudelsack, die entstandene Monotonie ganz enorm. Jetzt ist ordentlich was los!

Alle 15 bis 20 Minuten lösen sich nun die Tanzführer ganz vorne am Oval ab. Ob Jung oder Alt, alle dürfen sich heranwagen, freilich nur Männer. Sie vollführen wahre Kraftakte, machen Sprünge (insbesondere die Jüngeren, versteht sich), knallen dabei mit den Handflächen gegen die Unterseite ihrer Oberschenkel - Schuhplatteln, eindeutig! Die Bayern kennen das schon lange! Oberbayern und Nordkárpathos, derselbe Brauch.

Die meiste Zeit sieht man jedoch weniger wilde Figuren der Tanzführer. Im alle Zuhörer wie auch Tänzer in eine Art Trancestimmung versetzenden, stundenlang stets gleich bleibenden Rhythmus der Instrumente bewegen sie sich gemächlich vorwärts, immer die Hand der nächsten Tänzerin hochhaltend, dazwischen muss aber stets ein Tuch sein, denn es ziemt sich nicht, die Hand einer Frau einfach so anzufassen.
Sie ziehen die ersten Tänzerinnen zu sich heran, drehen diese gegen die allgemeine Tanzrichtung, knicken dann wieder zurück. Dabei müssen sie darauf bedacht sein, dass es wegen ihrer "Störaktivitäten" nicht zu einem Stau beim langsamen Vorrücken des Tanzkreises kommt. Gar nicht so einfach, all das. Und aus Gründen der Abwechslung lösen sich auch die ersten Frauen im Kreis regelmäßig ab, gehen ganz nach hinten, damit andere zum Zuge kommen.

Währenddessen kommt auch mal eine Frau mit zuckertriefenden Süßigkeiten vorbei, oder mit einem alkoholischen Getränk, von dem man nehmen darf.
Innen wird es heißer und heißer. Wenn die Tanzspitze sich den randlich Sitzenden nähert, werden Stühle gerückt, um mehr Platz zu machen für den Vortänzer, der sich jetzt fast nur mehr in den Saalecken voll entfalten kann.

Draußen stehen Jugendliche und knallen weiter, rauchen eine, erzählen sich Dorftratsch. Sauerstoffbedürftige holen tief Luft. Ein mehr oder weniger starkes Lüftchen weht durch die Nacht.
Irgendwann beschließt man auszubrechen, geht zum Auto und fällt kurz darauf ins Bett des Hotelzimmers. Noch im Traum den eigenartigen nordkarpathiotischen Tanzrhythmus, die alten Instrumente im Ohr, in den Zehenspitzen.


Das Tanzfest in DIAFANI findet in viel, viel bescheidenerem Rahmen statt und wird in der Regel zusammengelegt mit dem Kirchweihfest am Freitag nach griechisch Ostern.

Allem voraus geht an jenem Freitag eine große Messe. Dieses Jahr war der Bischof von Kárpathos und Kássos mit seinem Gefolge zugegen. Die Messe wurde von mehreren Priestern gemeinsam zelebriert. Sogar Pápa Jánnis aus Ólimbos durfte mitfeiern, wenn ihn auch der Bischof einmal sichtlich wegen Formfehlern ermahnte.

Die Kirche war hübsch mit Blumen geschmückt, und riesige Brotlaibe aus den Backöfen der einzelnen Dorfnachbarschaften türmten sich seitlich vor der Ikonostase, Türme, die immer höher wurden, je nach Ankömmlingen während der Messe. Ein laibhaftiges (falsch geschrieben?) Brotgebirge strebte der Kirchenkuppel entgegen ... Und der kleine Minás (nicht der Pfarrer!) mit seiner dicken Brille geriet bisweilen in Verlegenheit, dies alles nebenbei und unauffällig säulenmäßig unterzubringen.

Anlässlich des hohen Besuches war die kleine diafaniotische Sängerschar vorne rechts um bewährte Olymbiten verstärkt worden.
Einige von ihnen kennen sich mit den Kirchengesängen besser aus als mancher einfache Sänger aus Diafáni. So zum Beispiel der dicke Ex-Bürgermeister (einer eher rechtsgerichteten Partei), der sich einen besonders talentierten Sänger mit herausragend wohlklingender Kehle wähnt. Da er andererseits viel presst, wenn er wie üblich überlaut singt, kann sein alle anderen übertönendes Gotteslob auf Dauer ganz schön auf die Nerven gehen. Selbst ein Pfarrer wirkt dann bisweilen genervt, wähnt sich einem Angeber ausgeliefert.

Nun ist der Gottesdienst beendet, ein Tisch im seitlichen Hof hingestellt, mit Alkoholika, geweihtem Brot (jene gewaltigen Brotlaibe!) und süßem Gebäck darauf. Der kleine Minás und andere Dörfler versuchen nun, möglichst viel ihres Brotes loszuwerden, verteilen riesige Kanten an die zu wenigen Umstehenden.
S. und die beiden Italienerinnen aus Aósta, Gäste von Gabriella und Gigi, die Russinnen und ich warten und schauen zu, wie jeder Kirchgänger vom Brot, vom Ouzo oder von dem süßen Zitronenlikör abbekommt und vom Pfarrer auf der Stirn mit Öl gesalbt wird. Zeichen der Zusammengehörigkeit in der Gemeinde.

Auf einmal tönt es mir entgegen, von fester priesterlicher Stimme: "Martin, komm!" - auf Deutsch.
Ich bin ziemlich verblüfft, will mich aber nicht entziehen. Papá Minás salbt mich vor den Augen aller ebenfalls. Dann wagen sich auch die anderen Fremden heran. Wir werden alle verköstigt.
Vielleicht versteht Ihr jetzt, warum ich so an diesem kleinen, unbedeutenden Ort auf einer wenig bekannten Insel am Südrand der Ägäis hänge?

Ein engerer Kreis langjähriger Diafani-Touristen kommt zu einem weiteren Genuss. Ein paar Auserwählte werden vom Pfarrer zur zweiten Schicht des anschließenden Gemeindeessens in den Saal unter der Kirche hereingebeten. Das empfinde ich als eine große Auszeichnung, hab wirklich nicht damit gerechnet.

So erlebe ich zusammen mit einigen anderen Touristen etwas Neues. Ich darf mir am Nebentisch des Bischofs und der versammelten Honoratioren Ziegenbraten mit Salat und Retsina schmecken lassen.
Auffallend, dass selbst bei diesem Essen die Frauen abseits ihrer Männer speisen, nur wir paar Touris sitzen bunt gemischt zwischen den Einheimischen.

Da die meisten bereits gegessen haben, werden Gesänge eingestreut, alle Männer stimmen in kurze österliche Traditionslieder ein, was für ein imposantes Brummeln im Raum. Im 10-Minuten-Takt reiht sich in der Folge Ansprache an Ansprache.

Besonders lustig und mit viel Humor angereichert (kaum zu glauben, wenn man von unseren Breitengraden ausgeht) die des Bischofs!
Er verweist natürlich auf die Hoffnungen, die man an den Straßenausbau von Spóa nach Ólimbos hängt, die Entwicklungsmöglichkeiten, die sich allen bieten. Den möglichen Ausbau weiterer Straßen, etwa hinunter ins entlegene Vrougoúnda/Vourgoúnda. ((Na ja.))

Besonders auffallend die Rede des wohlbeleibten (ganz besonders religiösen, wie es scheint) Ex-Bürgermeisters von Ólimbos im grauen Anzug. Er ist der Einzige weit und breit, der mit seinen Katharévousa-Kenntnissen Eindruck schinden will - selbst die Kirchenleute haben die Volkssprache bevorzugt.
Na, immerhin ist mir aufgefallen, dass da einer anders daherredet, und ein bisschen was hab ich ganz gut verstanden, nicht zuletzt über den Redner selbst.

Viele haben sich allmählich nach Hause verzogen, ich aber bleibe erwartungsvoll. Zufällig sitzen mir gegenüber ein bekannter Dudelsackspieler (der Besitzer des "Pósto") sowie der ältere, weißhaarige, sehr aufgeweckt dreinblickende Lyra-Spieler, ebenfalls aus Ólimbos, der beim obigen Fest voller Energie gut drei Stunden lang auf seinem Instrument durchgehalten hat, bevor er sich ablösen ließ.
Weil ein Laoúto fehlt, zieren sie sich erst. Doch dann gibt es wenigstens einen langen Lyra-Vortrag, nachher sogar mit Tsamboúna-Einlagen, einige Männer setzen sich mit an den Tisch, sofort wird Neues aufgetischt, aus der "Gemeindeküche", Whisky und Retsina stehen bereit.
Als ich einen Schein zücke um zu spenden (bei Whisky-Gaben immer üblich), erklärt man mir, das hätte ich früher machen müssen, schon oben in der Kirche, die Kirchenkasse sei geschlossen. Der Schein verschwindet schließlich dennoch irgendwo, ich bin froh.

Es kommt wieder zu Mantinaden (aus dem Stegreif erfundene "Gstanzln"), und Stunden vergehen. Wie soll ich da abends noch durchhalten, wenn das eigentliche Fest beginnt? Die Frauenriege sitzt ungerührt und voller Ausdauer nach wie vor im Abseits, das Geschehen stumm zu beobachten.
Ich kann nur hoffen, in den Mantinádhes nicht auf die Schippe genommen zu werden - denn von dem Gesungenen verstehe ich bestimmt nicht alles, und auch nicht die Feinheiten, trotz der knapp gewählten Worte.
Aber was für eine Intensität des Erlebens, für mich, dieses Jahr.

Abends warte ich betont lange, bis ich im kleinen Mégaro, sozusagen "im Kellergeschoss" der Kirche, auftauche, wegen der Hanglage aber ein Geschoss mit Tür und Fenstern, ebenerdig. Will den Káto Choró nicht in seiner vollen Länge aussitzen.
Esse vorher noch bei Pópi, hänge auf meinem Balkon rum, trinke noch was im alten Uferkafenío von Anna.

Als ich gegen elf im Mégaro von Diafáni eintreffe, sind meine anderen Bekannten schon einträchtig als Zuschauer versammelt, inklusive der Italienerinnen, Russinnen und des Athener Paars.

Der Wirt Michális vom "Corál" spielt die Lyra, der Vassílis vom "Ánixi" bläst den Dudelsack, die Laoúto-Spieler wechseln sich ab.

Zu meinem großen Erstaunen schmeißt im Wesentlichen EINE Person diesen ganzen Abend, etwas übertrieben gesagt. Die heißt Vassílis Balaskás (ja, der vom Hotel Balaskás, "B", nicht "V"), der mich schon so oft in seinem Minibus rumgefahren hat, obwohl ich ihn jedes Mal wieder enttäusche, weil ich bei seinem Konkurrenten wohne.

Vassilis B., überstolzer Großvater eines vergötterten, ganz selbstverständlich selbstbewussten Enkelkindes (" o Vassilákis"), das man stolz ein vom Opa in Piräus gekauftes Elektro-Auto an der Uferpromenade (als Lenker auf dem Fahrersitz, wohlgemerkt) spazieren fahren sieht, ist in allerbester Feierlaune. Er hat sich bei Anna schon in die nötige gelöste Stimmung gebracht und ist, taktisch klug, nicht zu früh aufgetaucht.

Wenn auch andere, konkurrierende Familienclans gar nicht erst beim Fest erscheinen - dazu ist der Rahmen hier unten im Vergleich zu dem in Ólimbos wohl viel zu intim (ich tippe, das geht von Jahr zu Jahr reihum, in Diafáni, mal diese, mal jene sich vertragenden Familien) -, herrscht in dem kleinen Kreis der Anwesenden bald eine Bombenstimmung. Das heißt im Klartext: bei den aktiven Mantinaden-Sängern zu Füßen der Musiker (sowie unter den Musikern selbst!) und den amüsiert zuschauenden Touristen. Die Tanzenden selbst verziehen ja keine Miene, schreiten in vollem Ernst langsam voran. Und die ruhig dasitzenden Frauen stellen denselben Ernst zur Schau.
Roger Jinkinson, der ortsansässige Brite, eben "Jinx", wuselt beständig durch die Szenerie und fühlt sich als einer von ihnen, den Dörflern, isst, trinkt und schwatzt ein wenig hier und dort. Wir sind alle tief beeindruckt, Jinx!

Vassilis B. so einfallsreich, wie ich es ihm nie zugetraut hätte. Er führt im Wesentlichen den Káto Choró an - singt aber dabei noch, fordert den Lyra spielenden Michális ständig auf zu antworten, sodass dieser zwei Aufgaben gleichzeitig zu erledigen hat. Er schlägt sich wirklich wacker.
Als endlich der schnelle Tanz beginnt, der Dudelsack einsetzt, lässt Vassilis die Hand seiner nächsten Tänzerin ungern los, also nicht, tanzt weiter - und singt dabei, in hochdionysischer Stimmung, entgegen allen Brauchtums ungerührt weiterhin Mantinades! Verzweifelt versucht seine nette Frau, ihn von den Tanzenden wegzuzerren - vergebens. Sie schämt sich, denn sie erkennt uns Touris, ein paar davon kommen ja seit Jahren und kennen sich leidlich aus.
Ein irres Bild, wie sich Vassilis gegen seine Frau wehrt und siegreich weitermacht, der Herr im Haus, wie es selbstverständlich sein muss.

Wären da nur nicht die Whiskyflaschen und dergleichen, die Becher voll Gerstengebräu der hochprozentigen Variante, die den Musikern während ihres Spiels an die Lippen gesetzt werden. Michális, der Lyra-Spieler, ist schon ziemlich groggi, kommt aber später noch als Tanzführer an die Reihe - er besteht auch diesen Härtetest mit einigermaßen Bravour, wenn auch seine Schuhplattler-Einlagen nicht mehr ganz überzeugen.

Hier geht es äußerst familiär und entspannt zu, möchte man sagen, trotz des Ernstes in vielen Gesichtern.
Nicht einmal die beiden sich ständig heimlich Retsina oder Stärkeres einverleibenden kleinen Schulbuben werden entdeckt und rechtzeitig ausgebremst, obwohl sie den Zustand der Aufgedrehtheit längst überschritten haben, wankend vor sich hinstarren, blass werden, sich dem Delirium nähern. Sieht ulkig aus, ist aber wirklich ernst.

Endlich einmal hat ein JUNGER Vortänzer Gelegenheit, oder erbarmt sich, in all seiner jugendlichen Wendigkeit und Eleganz, die er schon in Ólimbos vorgeführt hatte, zu brillieren. Tut gut, zur Abwechslung so einen Jüngeren vorne in der Reihe zu sehen.

Fazit: Das Potenzial an Musikanten und Tänzern in Ólimbos ist größer und hörens- wie sehenswerter, die Stimmung in Diafáni wohl besser, weil alles im wesentlich kleineren Kreis abläuft. Wer es zum ersten Mal erlebt: Ólimbos!



2. Nebenbei wandern

Griechisch Ostern am 23. April (2006), da ist es nicht mehr ganz so kalt wie in den Jahren, in denen Ostern auf Anfang April oder gar Ende März fällt. Trotz der oft heftigen Windböen herrscht meist gutes Wanderwetter.

Das zufällige Autauchen von S., die aus gesundheitlichen Gründen nun permanent auf der Insel wohnt und gerade "Urlaub" hat, bevor sie eine andere Arbeit aufnimmt, motiviert zu gemeinsamen Wanderungen.
Am allerschönsten ist die von Avlóna aus nach Trístomo. Die soeben neu eröffnete, von allen Gefahrenstellen befreite Küstenvariante von Vanánda aus, der Kiesbucht nördlich von Diafáni, nach Trístomo spare ich mir für ein andermal auf.

Wer nicht den einen Umweg beschreibenden Feldweg gehen will, wendet sich kurz vor der Taverne der olymbitischen Familie Lendákis (der "kleine" Jórgos hat hier das Sagen) in Avlóna bei einer Markierung nach rechts, wenige Schritte später links und folgt den Markierungspunkten aus der Streusiedlung hinaus. Nur nicht zwischen den kubischen, nordafrikanisch anmutenden, meist gerade unbewohnten Häusern zu hoch hinaufsteigen und dann vergebens den Weg suchen! Trotz der tollen Ausblicke auf die völlig ebene Talung mit den zahllosen Feldstücken und die glitzernde, steinerne Gebirgsumrandung.

Zwischen Lesesteinmäuerchen, Feigenbäumen und Ziegenherden führt der blumenbestandene Wanderpfad fast geradlinig auf die Staubstraße zu. Es ist dann einfacher, diese zu gehen, obwohl etwas unterhalb bald der alte Steinweg sichtbar wird.
Ein Durchlass zwischen den Gipfeln und Bergrücken gewährt eine verschleierte Ansicht der recht fernen türkischen Küste, vielleicht auch einer griechischen Insel davor.

Nach etwa 30 min ist eine weite, von Bergen eingerahmte, stille Hochebene erreicht. Aus ihren Wiesenflächen leuchtet uns ein mit rotem Klatschmohn garniertes, blaues Blütenmeer entgegen - eine wahre Augenweide. Einheimische, die per Bauernlaster gekommen sind, nennen diese Ebene "Óros" (das heißt "Berg"). Das weiße Kapellchen im Grün wirkt richtig pittoresk. Am Westrand der Ebene würde der alte Saumpfad weiterführen, wir aber nehmen den Feldweg.
Bei einem großen Felsen rechterhand beginnen neu gesetzte Markierungspunkte, die den gut wanderbaren, früher schwer auffindbaren Weg über einen Sattel auf eine Hochfläche mit Ziegenkoppel und hinüber in die Gegend oberhalb von Vanánda zeigen - diesen Aussichtsbalkon Richtung Diafáni auf eine tiefgrüne, durch mehrere, meerwärts auslaufende Hügelarme gegliederte Kiefernlandschaft und das nahe Meer, nicht selten mit fantastischem Rhodos-Blick.

Über Sonnenmangel brauchen wir uns heute nicht zu beklagen, ein strahlend schöner Tag, so kurz vor dem griechischen Ostern. Ich bin froh, noch die frischere Morgenluft einatmen zu können, in einer sagenhaft schönen Umgebung.

Früher umständlich ausprobierte, sinnlose Abkürzungen über Feldterrassen ignorierend, führe ich meine Wandergefährtin die Staubstraße weiter. Obstbäume, letzte Oliven und mit Steinmauern umgrenzte Feldparzellen stellen hier den Besitz olymbitischer Familien dar.
Nach einer Serpentinenschleife gelangen wir auf die nächste, kleinere Quasi-Hochebene, Abzweig zu Bienenstöcken mit Warnschild, Ziegenstallungen, Trinkwannen für Tiere. Ein schmalerer Feldweg führt ostwärts in höhere Berglagen.

Schon eröffnet sich der Blick nach West übers Meer, in einigem Abstand zur Küste. Im Norden ragen Berge hoch, und jedes Mal tu ich mich schwer, sie richtig zuzuordnen: schon Saría, die Insel jenseits der Meerenge, des "Stenó", oder noch die letzten Höhen von Kárpathos?

Linksab, westwärts, führt der Feldweg wohl an eine kleinere Bucht. Jetzt, da fast sämtliche Wanderwege auf der Insel den Winter 2005/2006 über vorbildlich gesäubert, ausgebaut und neu (mittels schwarz-roter Streifen) markiert wurden, fällt es aber leicht, den richtigen Weiterweg zu finden, dessen Einstieg sich noch voriges Jahr hinter Gebüsch verbarg.

Endlich also ein abwechslungsreicher Fußpfad, der erst einmal zu einem umfriedeten Kirchlein mit Garten hinführt, seitlich daran vorbei. Dann fällt er den Hang hinunter, und ein Wegstück von herrlichem Steinplatteneselspfad zeigt sich weiter drüben.
Eine wahre "Autobahn", wie Papá Minás, der sympathische Pfarrer von Diafáni, einst Wanderführer für Jahn Reisen, einmal treffend sagte. Und dennoch hatten wir uns, damals zu viert, irgendwann in den frühen Neunzigerjahren, in der Gegenrichtung von der Anlegestelle beim "Stenó" her nach Trístomo kommend, für zwei Stunden erst so richtig zum Fürchten verlaufen, da wir einer Landkarte vertrauten, die einen damals nicht auffindbaren Weg vom östlichen Ende der Trístomo-Bucht aus über die Anhöhen nach Süd anzeigte.

Die nördlichen Berge kommen näher, man schaut und staunt und freut sich, zu den Glücklichen zu zählen, denen es vom Schicksal vergönnt ist, so etwas überhaupt machen zu dürfen.
S. mit ihren großen Gelenkproblemen hält sich sehr gut - sie wird ihrem Operateur vielleicht eine Karte schreiben, nachdem sie eine etwa sechsstündige Wanderung (inkl. Pausen) problemlos geschafft haben wird.

Nun erreichen wir den Aussichtspunkt über der fjordartigen Bucht, von dem aus es nur noch bergab weitergeht.
Aus der Fels- und Gestrüpplandschaft blickt man hinunter, sieht erstmals die großartig wirkenden westliche Hälfte der überlangen Bucht, deren Name daher rührt, dass zwei Felsinselchen ihr meerwärtiges Ende in "drei Münder, Mündungen" gliedern.

Herrlich anzusehen und weiterhin tief unter uns eine Art kleine Nehrung aus rötlichem Sand, ein von den überschwappenden Salzfluten hinter dem Strand gebildeter kleiner, rosa leuchtender brackiger See (also keine Nehrung, klar), daneben eine Anhöhe mit mehreren weißen Kapellen. What a sight! Und natürlich das dunkle Wasser der breiten Bucht, die sie nördlich begrenzenden Höhen, die dahinter bis über 600 m hochragenden Gipfel Sarías, das notorische Fischerboot, das die Wellen teilt, dem Buchtende zueilt. Welch unerwartete, so versteckte Schönheit!

Abstieg über einen altehrwürdigen, mühsam über die Jahrhunderte gehauenen Steinweg in vielen Kurven auf ausgedehnte Siedlungsreste in einem Seitental zu.
Der verlassene, ehemals dicht besiedelte Ort heißt auf der Karte von Road Editions "Kílios" (Koilios), fast neben jeder Hausruine ein alter, kreisrunder Dreschplatz. Von schräg oben wirkt das alles noch viel schöner und eindrucksvoller als aus der Nähe betrachtet. Die Ruinen füllen wenigstens zwei Seitentäler, aufgelassene Feldterrassen staffeln sich die Bergflanken hinauf.

Mehrere hundert Meter steigen wir auf breitem Pfad zwischen den Ruinen herum, riesige Feigenbäume geben mancherorts Schatten.
Als wir uns dem brackigen Salzsee nähern, beginnt es höllisch zu stinken. Die seichte Salzlache ist übersät mit über den Strand gespültem Zivilisationsmüll, der sich nur langsam oder gar nicht zersetzt. Leider eine ganz prosaisch stinkende Kloake, und dabei so schön von weitem anzusehen.
Wir sind froh, die Brühe passiert zu haben, lassen auch die Kapellchen auf der Anhöhe abseits liegen, sind nur versucht, einen kurzen Abstecher zu einer sehr alt wirkende grauen Steinkirche zu machen, lassen es dann aber, denn die Tür ist auf, und wohl gar nichts mehr drin.
Der Pfad steigt an, nach 3 min sind wir wieder oben und können nun auch die Osthälfte der Bucht einsehen.
Vorbei an einer weiteren, sehr pittoresk dicht am Ufer liegenden weißen Kapelle mit Tonnengewölbe zieht sich der Pfad, leicht ansteigend und wieder abfallend wenige Meter über dem Wasser entlang.

Am Ende der Bucht intakte Häuser, auch ums Eck herum an der Nordostseite. Eine Kirche. Menschen sieht man nicht, obwohl der verlassene Ort durchaus die Größe eines kleinen Dörfchens oder größeren Weilers hat. Etwas da drüben, das wie ein Angler aussieht, entpuppt sich als weißes Tuch.
Über uns eine Ziegenherde, einige der Tiere haben schwere Eimer umgehängt bekommen, um nicht zu weit wegzulaufen.

Das erste Haus am Meeresufer leer, wir rasten in seinem Schatten, aber dann ein niedrig ummauertes Grundstück mit kleinem Wasserbecken, in dem sich eine Fischbrut tummelt. Dahinter ein seltsames, halb im Boden versenktes Gebäude, in dem das Wasser steht. Dann das Wohnhaus, und es sind vier Leute da.
Eine junge Frau versteckt sich im Schlafzimmer, die beiden Alten und eine mittelalte Besucherin zeigen sich nicht erfreut über unser Kommen, da sie sich gerade zur Arbeit in den Gärten aufmachten, meinen sie. Wir bekommen dennoch Kaffee, obwohl wir ablehnen, müssen ihn trinken, uns auf speckige, schmuddelige Stühle in der prallen Sonne setzen, während die Hausleute im Schatten Platz nehmen.
Es sind Verwandte unserer lieben, selbstbewussten Pópi von der Taverne "Dolphins" in Diafáni, wohl die Großeltern, die Frau aus der ferneren Verwandtschaft. Für alte Leute sind die ziemlich gut in Schuss, bravo!
Hier gäbe es keinen Strom, kein Leitungswasser. Sein Wasser sammle er in einer Zisterne, meint der Alte. Die Reste einer fernen Zeit.
Dann müssen sie zur Arbeit. Das ist doch klar, wenn man ein karges Leben gewohnt ist, geht Arbeit vor Faulenzen.
Und wir brechen ebenfalls auf, denselben Weg zurück.
Große Pause unter einem Feigenbaum bei den Ruinen.

Erfrischungen in der Lendákis-Taverne in Avlóna. Mit dem Twingo (fast null Bodenfreiheit) im Schritt-Tempo zurück in die Asphaltwelt.



3. Mamalákis, der Meisterkoch aus Athen

Ob ich ihn schon gesehen hätte, den netten Besucher aus der großen Stadt, der mit seinem Fernsehteam hergekommen sei und "ständig lächle", fragt mich der Pfarrer Minás.

Ausschließlich Wandern und nachts Livemusikhören ist ja auch nichts, und so hab ich mich ausgiebig in den Gassen und Kafenía von Ólimbos und Diafáni aufgehalten und mich seit Tagen über einen gutgelaunten kleinen, älteren Dicken gewundert, der früher nie hier anzutreffen war.

Heimlich keuchend mühte er sich, gestützt auf einen Stock, viele kleine Pausen einlegend, den Treppenweg nach Ólimbos hinein und wieder hinaus, von allen gegrüßt, für jeden ein nettes Wort übrig, ein freundliches Gesicht mit leuchtenden Augen und schon recht ausgeprägten Tränensäcken.

Fast hätte man an eine oder mehrere Kopien geglaubt, denn das Männchen war einfach überall. Auf der Gasse. Im Kafenío. Im nächsten Kafenío. Im übernächsten. In den Tavernen. In jeder guten oder schlechten Stube. In dieser dort auch noch.
Kam man wieder, saß er immer noch irgendwo. In einem fort arbeitete er sich langsam überallhin, war einfach allgegenwärtig, gerade in Ólimbos. Gewohnt hat er aber in Diafáni, wohl in den Studios Glaros.
Vom Fernsehteam meist keine Spur. Und nicht etwa, dass der Star sich ständig über seine Kochkünste oder Filmpläne geäußert hätte.

Man könnte ihn für den letzten griechischen Dandy halten. Immer einen Hut auf dem Kopf, manchmal Strohhut, stets einen gepflegten Gehstock in der Hand. Fliege am Kragen, wenn es nicht zu heiß war. Bevorzugt weiße Hemden und helle Hosen, tadelloses Schuhwerk - alles, nur kein hart arbeitender Dörfler.

Dabei schwitzt er sich unter heißem Scheinwerferlicht regelmäßig einen ab als bekannter Fernsehkoch! "Ach, daher kenn ich den!", konnte man des Öfteren vernehmen. Eine sehr nahbare TV-Größe, unser Ilías M.!

Wenn ein Koch reist, hat er wohl stets ein Auge auf die jeweilige lokale Küche, auf die örtlichen Spezialitäten abgestellt.
Es ist Osterzeit, und ein Fernsehkanal hat sich vorgenommen, die nordkarpathiotische österliche Küche zu ergründen. Da ist Mamalákis, der in der Tat Volksnahe, wohl genau der Richtige.

Die "Methode Mamalákis" ist anscheinend die, erst einmal genüsslich auszuprobieren, zu kosten, dann aufzuzeichnen, filmen zu lassen. Vielleicht geschieht das Aufzeichnen auch ganz diskret, mit einer jener kleinen Handkameras, die ich zu sehen bekomme, so ganz nebenbei, ohne viel Aufhebens. Oder die Hauptarbeit wurde schon längst geleistet (?), und jetzt wird noch kräftig nachprobiert. Die Sendung wohl erst kommende Ostern.
Ausprobiert wurden natürlich alle gut gemeinten Zugaben, Vor-, Haupt- und Nachspeisen, inklusive der nicht hundertprozentig inseltypischen.

Eine Stunde warte ich nun schon in der Taverne, wieder in Avlóna, doch er kommt nicht. Jeder der wenigen Tische draußen ist besetzt, bis auf die eine längere Tafel, die die Fernsehleute und ihre Begleitung aufnehmen soll. Entgegen jeglicher Gewohnheit drängt sich eine ganze griechische Familie an meinen Tisch, bis ich, in die hinterste Ecke gequetscht, zum letzten Überlebenden einer Minorität mit einst üppigem Lebensraum degradiert bin.
Viele Neugierige, das war vorauszusehen.

Als die Erwarteten eingetroffen sind, dauert es mit dem Kochen noch etwas, denn die selbstbewussten Damen, die die Familie da aufbietet (keineswegs die bekannten Gesichter von Anna oder Marina, die müssen brav im "Olympos" weiterwerkeln!), lassen sich Zeit, fangen wirklich ganz von vorne an, echte Hausmannskost.
Ob es wirklich stimmt, dass im Zentrum dieses Geschehens die berühmtem "Makaroúnes" stehen sollen?
Es hagelt jedenfalls delikate kleine Vorspeisen, und wir anderen, die wir längst Essenswünsche angemeldet hatten, werden vertröstet.

Ich bin sicher, dass ich aus den gleichen Töpfen bekommen hätte wie Ilías M. (so war es mir von einer der Köchinnen versprochen worden), nur - mir wurde das Warten irgendwann zu lang, gestehe ich.
Dreieinhalb Stunden vor der Taverne gesessen, anderen beim Schmausen zugesehen, die Düfte nicht unbeachtet gelassen, an meinem abgestandenen Wasser genippt. Vor allem: das Herumgetue von Jánnis Preáris und anderer "Gschaftlhuber" mit angesehen, die den hohen Gast und seinen Tross begleiteten.
So interessant war's dann auch wieder nicht! Und wenn man schließlich Hunger hat. Und ich hatte Hunger bekommen, nicht nur Appetit! Wie lange noch warten?! Sakkkkkrament!, Kruzif......!
Lass dieses Großereignis für die Landwirtschaftssiedlung Avlóna Großereignis sein - und begib dich zum Essen!!!

Dermaßen angespornt, erreiche ich das "Mílos" in Ólimbos zu Fuß, erst über die Straße, kurz hinter der Aussichtskapelle Ágios Konstandínos dann über den Monopáti (Wanderweg) unten im Tal mit zuletzt sehr steilem Anstieg übers nördliche Dorfende nach nur 45 Minuten.

Prima Essen servieren sie dort, die Farmakídis-Leute. Ausnahmsweise eine sehr gute "Ausflügler-Abfütterungsstätte" - die Bootsausflügler aus Pigádhia essen in der Mehrzahl hier.

Nach dem Mahl der Dämpfer. Als ich die winzige Orts-Platía überquere, ein Volksauflauf vor Andónis' Kafenío. Der Wirt ist zusammengebrochen. Durch das Fenster der Taverne "Olympos", wo ich anschließend noch schnell vorbeischaue, krieg ich mit, wie sie den netten alten Tsamboúna-Star endlich auf einer Art Bus-Sessel und am Tropf, begleitet von einer sehr jungen Ärztin, aus dem Dorf tragen. Ein Militärhubschrauber bringt ihn nach vielen Landeversuchen auf einer Bergkuppe gegen widrige Winde endlich ins Krankenhaus nach Rhodos.

Anderntags ist das Kafenío verschlossen. Auf einem der Tische gebrauchte medizinische Wegwerfutensilien für Infusionen, dazu ein Blutdruckmessgerät. Eingesperrte Überreste. Niemand mehr, der nebenbei Mundstücke für Dudelsäcke schnitzt, sie ausprobiert, das Quäken, nicht mehr.



4. Nach Süden

Ein Autoloser kann von Glück sagen, wenn er, wie es sich wenigstens einmal pro Jahr gehört, über die seit Jahren im Ausbau befindliche zentrale Staubstraße auf dem nördlichen Inselkamm in einem bequemen PKW in südlichere Gefilde verfrachtet wird.

Mir widerfährt diese Gunst, und ich bin glücklich. Verspreche ich mir doch ernüchternde Einblicke in den Stand der Arbeiten und berauschende Ausblicke Richtung Rhodos, wie ich sie so oft hatte.
Das mit Rhodos bleibt ein frommer Wunsch, denn nicht jeder Tag ist so klar, wie man es sich wünscht.
Gleich hinter dem Abzweig bei Ólimbos ist eine Straßenhälfte abgebaut, lediglich ein tiefer Schacht, an dem wir uns vorbeizwängen.
In der Folge mehrere Baustellen, eine ganze Serie davon, es wurde also nicht nur an einer Stelle angefangen und von dort aus weitergearbeitet.
Trotz einiger bereits schön verbreiterter, planierter und eingesandeter Wegstücke wird es noch lange dauern, bis diese insbesondere in der Nähe von Spóa noch extreme Holperpiste fertig asphaltiert sein wird. Dann wird es losgehen mit den Hangrutschungen, wie allgemein üblich.
Normale PKWs stoßen öfter mit ihrem Unterboden auf, als dem Fahrer/der Fahrerin lieb sein kann.

Nach langer, mühsamer Fahrt, nicht selten im Schritt-Tempo, erreichen wir die wunderschöne, breite, erlösende Teerstraße. Unser Ziel ist Mes(s)ochóri.



4.1. Mes(s)ochóri

Von den großflächigen Waldbränden zwischen der Zufahrt zu diesem Dorf und Lefkós ist zwar noch einiges Verkohltes zu sehen, viele Bäume haben sich aber bereits sichtlich erholt. Der Landstrich sieht also nicht mehr so gespenstisch schwarzgrau aus wie noch letztes Jahr.

Da meine Fahrerin einige Monate im "To Steki" gearbeitet hat, kann ich guten Gewissens dorthin streben, vorbei an der neueren Konkurrenz namens "Akrópolis", dessen Besitzer mich immer wieder gedrängt hat, doch einmal seine Zimmer zu versuchen. Aber ich mag die Aussicht von der oberen Etage im "To Stéki", den heimeligen Balkon, auch die Zimmer dort. Und es gelingt wieder einmal, eines für 20 € zu ergattern, obwohl sie bei EZ-Belegung eigentlich mehr nehmen für ihre Doppelzimmer.

Freudige Begrüßung für S. seitens der Familie Farmakídis (- es sind direkte Verwandte jener anderen Farmakídis vom "Mílos" in Ólimbos sowie der Bootsbesitzerin der "Chryssovalándou III", des Ausflugsschiffes von Pigádhia nach Diafáni). Ein gutes Essen (besser als letztes Mal), Kaffee, dann verabschiedet sich meine Begleiterin und begibt sich nach Arkássa, wo sie wohnt. Sie wird am nächsten Tag zur Sonntagsmesse wiederkommen und mich ein Stück weiterbefördern. So ein Glück!

Spaziergang durchs hübsche Dorf, bestimmt mit das schönste der Insel, durch die den Hang hinunterfallenden Viertel, die etwas labyrinthischen Gassen, bis an den Rand der Gartenzone bei der ebenfalls randlich gelegenen großen Kirche; unter ihr in einem Durchgang ein üppig Wasser speiender Waschbrunnen.

Das von einer schwarz gekleideten Alten geführte Winz-Pandopolío (Lebensmittelgeschäft) an einem Platz mitten im Dorf existiert noch, als letztes seiner Gattung, es gibt kaum was zu kaufen, nur ein paar Getränke, einige wenige Nahrungsmittel. Leider wird der große Minimarket neben dem "Steki" gerade für immer leer geräumt - er schließt, und so sind die Dorfbewohner auf die Supermärkte von Pigádhia oder die Geschäfte von Lefkós und Arkássa angewiesen.

Ein kurzer Blick auf die über eine Art Fußgängerbrücke zwischen Baumkronen zu erreichende, vor dem eigentlichen Dorf großartig gelegene Platía, den Dorfplatz, gleichsam Aussichtsplattform über Gärten und Meer, mit den drei Kapellen und dem Kafenío von Manólis, das (noch) geschlossen ist. Ein idealer Fußballplatz, wie es scheint.

Dann mein üblicher Besuch in dem einen Kafenío schräg gegenüber der Taverne "Dramoundána" ganz nah der Kirche. Es heißt "O Konómos" und hat zwei Terrassen, eine vorne an der Gasse, die weitaus schönere hinten über all dem Grün der ausgedehnten Gartenzone mit Prachtblick nach Nord auf markante Bergspitzen, weiße Kirchlein im Grün und entlegene Buchten.
Einige Männer sitzen drinnen, ich geh wieder nach hinten raus, zum Erstaunen aller, denn es sei doch zu windig.
Zu meinem Pech gibt es Ende April keine Sardéles, wo sie doch immer so besonders gute hatten. Sie seien noch nicht fertig.
Wieder hab ich nicht genug Kleingeld zum Zahlen, der Wirt ist wieder sauer, schlägt mein Angebot aus, vielleicht noch irgendeine Flasche Wein zu kaufen (hat er nicht!), um auf eine größere runde Summe zu kommen, lässt sich meine letzten Cent geben, damit der Betrag annähernd erreicht ist.

Später wandere ich hinter der Kirche vorbei aus dem Dorf hinaus, den Pfad Richtung Spóa, aber nur bis zur Kapelle Ágios Charálambos. Es ist ein hübscher Pfad durch leicht verwilderte Gärten und Olivenhaine, eine Vielzahl von Frühlingsblumen umwuchert ihn, aber die Insekten fressenden Pflanzen (auf die mich S. hingewiesen hat) nahe der Kapelle entdecke ich nicht. Die machen sich heuer wohl rar.
Man ist so richtig allein, und doch so nah am Dorf. Neue Feldwege durchziehen die Gegend weiter nördlich, bis hin nach Spóa.

Am Sonntagmorgen stelle ich mich dem Besitzer der "Akrópolis Studios", der meist auf der mit Schilf überdachten Aussichts-Terrasse des Kafeníos an der als Sackgasse endenden Zufahrt ins Dorf sitzt.
Den ebenfalls anwesenden Manóli (er wohnt im Haus neben den Akropolis Studios) hätte ich fast nicht mehr erkannt, den so beliebten Wirt des Cafés am unteren Dorfplatz, der Freunde in ganz Europa hat und sich bestens in der Gegend auskennt.
Ich erfahre von ihm, dass sich die Inselverwaltung von Kárpathos mit jener von Mykonos sowie der Stadt Kalamáta (auf der Peloponnes) zusammengetan habe, um Hapagfly zu bewegen, neue Flüge nach Kárpathos mit Zwischenlandung auf Mykonos bzw. in Kalamáta einzurichten. Die Behörden seien sogar bereit, Geldsummen zuzuschießen, damit sich die Flüge rentierten. Denn bekanntlich kommen dieses Jahr zwar gleich mehrere Flieger aus dem glücklichen Austria auf der Insel zwischen Kreta und Rhodos an, aber nur ein einziger aus Deutschland, aus DUS, eine gefährliche Entwicklung für Kárpathos. Wer Kurzreisen oder Urlaub mit Kindern macht, hat nicht gerade Lust, nach dem Hin- und vor dem Rückflug noch eine Zwischenübernachtung auf Rhodos einzulegen, vor bzw. nach dem Anschlussflug mit Olympic. Und so bleiben eben viele Deutsche aus.

Ein ungehobelter Gewaltmensch hält die gut besuchte Sonntagsmesse in der gepflegten, mit einer gut funktionierenden Lautsprecheranlage ausgestatteten Kirche. Nicht nur im Kircheninneren, sondern übers ganze Dorf schallt seine überlaute Stimme. Vielleicht ein energischer, tatkräftiger Pfarrer, aber auch ein würdeloser, der sich, während er seine Gebete gefühllos herleiert, ständig umdreht, weil irgendein Erwachsener es wagte zu flüstern, was der Pseudogeistliche trotz des Halls seiner Stentorstimme noch durchhört. Im Anschluss an die Messe gibt es im benachbarten Mégaro Kaffee und Kuchen - eine Sitte, die sich jetzt immer mehr einbürgert, um den Gemeindebegriff zu stärken.



4.2. Lefkós

Wer könnte Lefkós auslassen, wenn er so nahe dran ist und es schon über ein halbes Jahr nicht mehr besucht hat?
Keine Frage, wir machen den Abstecher hinunter, biegen in Ágios Geórgios ab.

Sieht noch ziemlich zu aus, die Badegegend mit ihren herrlichen Sandstränden. Wir treffen zwar einen soeben angekommenen, S. bekannten Jüngling aus dem Tourismusgeschäft der Südküste, aber nicht einmal die Taverne von Michális und seiner Christine ganz unten am Fischerhafen hat geöffnet. Noch Endzeitstimmung in Lefkós, am letzten Apriltag 2006. Wie sehr doch die Deutschen fehlen.
Wenigstens der Kiosk hat auf, und die Telefonzelle funktioniert.

Mit einem holländischen Paar, das aus Pigádia hergefahren ist, sind wir uns einig: ein schöner Urlaubsort, und sicher bald wird er voller werden.

Auf der Rückfahrt zur Hauptstraße zeigt mir S. alle ihr bekannten Tipps, die guten Unterkünfte und Tavernen, und ich ihr meine.

Ádhia (Adia) und die Taverne "Pine Tree" am Ende der Serpentinenstrecke lassen wir rechts liegen, fahren die nur schwach frequentierte Küstenstraße, vorüber an Finíki, gleich ganz durch bis Arkássa, wo für mich eine sehr schöne Unterkunft ausnahmsweise reserviert ist.



4.3. Arkás(s)a, erstmals bewusst

So ein Studio schwebte mir nicht im Traum vor, und ich brauche so etwas Posches auch gar nicht, aber wenn man es zu einem guten Vor-Vorsaisonpreis bekommt, für ein Spottgeld, angesichts des Gebotenen, sagt man nicht nein. Im April/Mai ist halt jeder Vermieter froh, überhaupt einen Touristen begrüßen zu dürfen.

Meine alles andere als kleine Zweizimmerwohnung mit feudalem Bad und großer Kochecke hat keinen Namen, gehört der Besitzerin des Kafenío-Sacharoplastío "I Glikiá Kardiá = Sweetheart" im Ortszentrum, ist auch erst im EG fertiggestellt, die oberen Studios sind innen noch nicht ausgebaut.
Nach dem Öffnen der Balkontürflügel bin ich restlos begeistert.
Ein geräumiger, überdachter Balkon mit Schatten, Tisch und Stühlen.
Etwa 50 m unter mir jenseits der verdeckten Nebenstraße Felder, ein angepflockter Esel, den die Bäuerin gerade umsetzt. Ziegen. Hinter einer hohen Bambuswand der mächtig hochragende, ins Meer vorspringende Klotz des Palékastro/Paleókastro, des Burgbergs, oben die Reste der alten Stadt Arkésia, ein Pfad schlängelt sich zu ihnen hoch, dünne Säulenreste heben sich hinter der oberen Hangkante gegen den Himmel ab.
Weiter südlich ein zweites hochragendes Kap, zwischen beiden liegt der feine Sandstrand von Ágios Nikólaos mit einigen hübschen, durchgrünten Unterkünften dahinter, nur 15 Gehminuten vom Ortszentrum entfernt.
Durchblick zur ferneren Insel Kássos, übers dunstig-blaue Meer. Nach rechts hin präsentiert sich der obere Ortskern mit der Kirche sehr idyllisch vor hohen Felswänden. Was will man mehr? Als hier abends, frühmorgens zu sitzen und zu staunen?

Auf ein Getränk ins fahnenbestückte "Kriti" (hier zählt besonders die österreichische), eine Taverne am südlichen Ortsrand, direkt an der Umgehungsstraße beim zweiten Bushalt von Arkássa, man fühlt sich aber schon mitten im Dorf. Es werden sehr preisgünstige Gerichte angeboten, betont große Portionen, zur Freude von Familien, von einem Kreter aus dem näheren Umland der Stadt Sitía und seiner österreichisch-ungarischen, sehr sympathischen Ehefrau. Spätestens ab Juni wird dieses Lokal abends und auch nachmittags voller Österreicher sein.

Der große Minimarkt auf der anderen Seite der schmalen Teerstraße zum nahen Ag.-Nikólaos-Strand wird mir noch gute Dienste tun. Ein Auto-, Motorrad- und Mountainbikeverleih liegt auch nur ein paar Schritte weiter.

Erst einmal die Straße überqueren, kaum Verkehr, schon beginnt der eigentliche Ort. Immer geschlossen (auch noch im Juni) der alte Kasten des "Hotel Dimítrios", nicht weit davon gleich die beliebten, auch pauschal buchbaren "Popi's Studios". Ich lasse das noch zugesperrte, fernöstlich dekorierte "Café Buddha" rechts liegen, geh vorbei an einer kleinen Fahrzeugvermietung mit nahebei eng zwischen Mauern geparkten Leihautos und dreh leicht nach rechts. Bei dem kleinen Pandopolío einer anderen Popi, einer molligen, freundlichen Zeitgenossin, ginge es hoch zur Kirche mit ihrem hübschen Vorhof.

Leider liegt ein nett aussehendes älteres Kafenío mit ein oder zwei Tischen draußen in einer Nische, es muss das mir empfohlene von Vassílis und Vassilía sein, noch im Winterschlaf, drinnen ein echtes Durcheinander. Ein kläffendes struppiges Hündchen bewacht das zu besichtigende "typisch karpathiotische Wohnhaus" ein paar Schritte weiter.

In breiten Stufen führt der betonierte Weg nun ins diese Ortschaft in zwei Hälften teilende Tal hinunter, das er quert. Ein Brunnen am Wegrand, wucherndes Grün unterhalb des Wegs, der schon wieder ansteigt, in Stufen. Feigenbaumgewirr, Wasser. Weiß gekalkte Steingeländer. Autoverkehr ist hier nicht möglich, man muss wohl immer den Umweg über die Umgehungsstraße nehmen, um im PKW oder auf dem Roller von einer in die andere Ortshälfte zu gelangen.

Was mir jetzt schon aufgeht ist die Tatsache, dass dieser Ort viel viel schöner ist als ich es beim Vorbeifahren je vermutet hatte. Klar ist der Inselnorden einzigartig, etwas ganz Eigenes, doch hier lässt es sich definitiv auch prima urlauben. Und die Einheimischen überbieten sich an Freundlichkeit, geben einem das Gefühl, ein willkommener Gast zu sein, alles ganz natürlich und völlig ungezwungen. Ein wirklich liebenswertes Örtchen!

Wenn man weiß, wohin man zu gehen hat, kriegt man den griechischen Kaffee hier noch für (österreichisch: um) 80 Cent, den Nés für/um 1 € - man zahlt anderswo gut das Doppelte oder Zweieinhalbfache, etwa an der Uferpromenade von Pigádhia oder in bestimmten Nepplokalen in Ólimbos (wo es in erster Linie organisiert ankommenden Tagesausflüglern ganz schön an die Geldbörse geht).
Nicht so bei Athanasía, rostiges Kafenío-Schild an der Ecke, 50 m weg vom Hauptplatz von Arkássa, eine kurze Seitengasse zwischen einem Minimarkt, einem gerade renovierten Café und dem Schnellrestaurant "Táka-Táka" (wo es auch leckere Normalgerichte gibt, 1-A Küche!) hoch, wo jeder Kaffee besonders gut schmeckt und die unscheinbare alte Dame mit langer USA-Erfahrung ihre dauernden Kniegelenkschmerzen tapfer unterdrückt. Drinnen der inzwischen uralte, mürrische Vater, gerade aus USA zu längerem Besuch eingetroffen, eine zusätzliche Belastung.
Durchblick zum Dorfplatz, nur ein kleiner Ausschnitt zwischen weißen Mauern, zwei ausflügelnde Touristinnen queren ihn kurz nach neun Uhr früh, lassen sich vor dem Restaurant "Petaloúda" nieder auf einen zweiten Morgentrunk, sind bald wieder weg.

Nur um eine Ecke von Athanasías Raststätte herum, 30 m entfernt von einem versteckten Lebensmittelgeschäft und (von der anderen Seite her) ganz nahe den Stufen aus dem Tal hoch zum Hauptplatz ein einfaches Kleine-Leute-Lokal, das "To Stéki tou Márkou" mit ausschließlich abendlichen Öffnungszeiten.
Kehrt man hier ein, darf man über den scheinbar hohen Bierpreis nicht überrascht sein, denn unaufgefordert werden stets diverse kleinere Hauptgerichte dazugestellt, zum (kleinen) Bier, und so kommen einem 2,50 oder 3 Euro wie geschenkt vor. Man muss es nur wissen und mit leerem Magen kommen.

Selbstverständlich ist unser geliebtes Griechenland schon lange u. a. "in russischen Händen", und das bedeutet gar nichts Schlimmes.
Wenn im etwas straßenabwärts vom "Glykiá Kardiá" gelegenen, urig griechisch aussehenden Kafenío mit seinen blauen Terrassen-Stühlen gerade eine russische Videokassette mit einem Schmalzfilm läuft, heißt das lediglich: hier bedienen zwei freundliche junge Russinnen, wenigstens eine von ihnen spricht noch kaum Griechisch. Der Kaffee kostet weiterhin 1 €, nicht etwa 2.

Aber bleiben wir bei unserer Athanasía, legen wir ihr 80 Cent hin und wandern im milden Morgenlicht am Rand des Tals den alten Ortsteil bergauf, im Hintergrund die steil aufragenden Kalkfelsen Richtung Menetés, über der schluchtartigen Talung.
Eine kleine Kirche mit Vorplatz sieht uns näherkommen, einer jener idealen Sonnenuntergangsbeobachtungstempel. Drüben, im anderen Ortsflügel scheint es genauso schön zu sein wie auf dieser Seite, wo mehrere Gassen in das ältere, bergwärts gelegene Ortsviertel abzweigen.
Eine traumhaft ruhige Wohngegend, hier oben, durchsetzt mit kleinen Gärtchen und blühenden Ziersträuchern. Entspannung pur.
Irgendwo eine Markierung, denn oben aus dem Dorf heraus führt ein Wanderweg ins Inselinnere.

Eines späteren Nachmittags besteige ich den Burgberg, rutsche trotz guten Schuhwerks öfters auf dem Geröllpfad aus, hab zum Glück einen Bergstock mit.
Verstreute Ruinenreste und aufgestellte Säulen empfangen mich auf dem Plateau. Niemand anderer ist hochgestiegen.
Ungestört genieße ich den Rundblick, der sich allerdings nicht volle 360 Grad, sondern nur stückweise bietet, man muss schon weiter hinterwandern, noch höher steigen, eine Schafherde verjagen, bis man auch Westblick genießt. Eine breite Mulde im Gelände, idealer Wohnort früherer Zeiten.
Ein tiefer, breiter Schacht neben dem Trampelpfad, war vielleicht einmal ein Brunnen, oder das Wasserreservoir.
Auf dem Betonsäulenstumpf des trigonometrischen Punktes eine Lesesteinpyramide, die ich noch ergänze, weiterbaue.
Die rötlichgrauen, wilden, zerschrundeten Bergflanken.
Das zwischen seinem eigenen meerwärtigen Burgberg und dem Inselinneren eingespannte, weiß glänzende Finíki mit einer bergwärts hochgestaffelten Hotelanlage darüber. Gerade noch erkennbar die Insel Sókastro gegenüber von Lefkós.
Ost-Kreta ist heute leider nicht ortbar. Dafür der geradezu vorbildlich breite, flach ins Wasser abfallende Sandstrand unter mir, die winzigen ersten (Sonnen-)Badenden. Das Grün des Hinterlandes.
Reizvolles Panorama des mir noch unbekannten Südens hin zum Flughafen, der selber hinter Höhenzügen verborgen liegt. All die Windkraftrotoren über Arkássa. Gut sichtbar das tafelbergartig hochragende Kap Ágios Theódoros, die äußerste Westspitze des Inselsüdens.

Wieder unten angelangt, besichtige ich kurz die Grundmauern einer frühchristlichen Kirche mit den Resten eines Mosaikfußbodens, daneben die große weiße Kapelle der Hl. Anastasía.
Auf dem Fußpfad hin zur Taverne über dem Ag.-Nikólaos-Strand braust ein junger einheimischer Motorradfahrer seinem Ziel entgegen.



4.4. Ausflug nach Ádhia (Adia)

Im Renault Twingo kutschieren wir nordwärts, vorbei am Ortskiosk, den Unterkünften und der einen Taverne an der nördlichen Ausfallstraße, der Werkstatt mit dem scharfen, großköpfigen, schwarzen Hundeungetüm, vor dem uns Kinder, die wir mitnehmen wollen, warnen, dem Fußballstaubplatz und dem Friedhof dahinter.
Über der Küste auf angenehm breiter Teerstraße zu Füßen einer großartigen, nur kärglich bewachsenen Bergkulisse geht es nach Finíki, dem Winzort steil unten am Meer, der uns mit zwei Hotels beiderseits der Überlandstraße empfängt, dessen eines, das "Finíki View", wegen seiner Lage an einem Berghang wohl die insgesamt großartigere Aussicht bietet. Im anderen Hotel bieten sich dafür wohl mehr Tiefblicke in den eigentlichen Ort.

Es ist nur ein erster Schlenker, zum Fischerhafen hinunter, wo, neben den üblichen Fischerbooten, ganz außen das neue (eigentlich ziemlich alte) große Ausflugsboot nach Kássos vertäut liegt. Es ist nicht das weiße, viel kleinere Boot des "Fährmanns" von der Insel Kassos.

Einige wenige Paare haben sich v.a. in einer etwas vorspringenden Taverne ganz unten rechts (beim Runterfahren gesehen) am Hafenbecken niedergelassen, die übrigen Esslokale stehen noch leer. Nur ein paar Leihwägen sind im Hafenbereich geparkt. Ansonsten nichts los, in Finíki Ende April. Möglicherweise abends, zum Fischessen, werden mehr Gäste da sein.

Über die andere, nördliche Zufahrt verlassen wir das Fischerörtchen wieder und brausen an Ágios Geórgios vorbei, wo sich eine empfehlenswerte Taverne ("Under the Trees") zu Füßen des Kirchleins befindet - und der bessere Badestrand für alle Finíki-Urlauber. Felder beiderseits der Straße. Zwei kleine, großzügig angeleinte Hunde bewachen ein Stück Land.
Bald sind wir am Abzweig hoch nach Pilés angelangt, nur ein paar Kilometer wären es dort hinauf.

An einer leblosen Klosteranlage vorbei, rechterhand ein großes, umzäuntes Gartengrundstück, geht es bald eine kurzes Stück bergauf. Eine einzeln stehende Steinvilla mit größerem Grundstück steht hier zum Verkauf, gleich über der Straße. Die Strecke ist kurvig. Hügelauf, hügelab fahren wir Buchten aus, queren Hangausläufer. Die karge mittlere Westküste bis zu dem Berganstieg über Ádia lässt sich immer wieder einmal gut überblicken.
Ab und zu ein leerer, schattenloser Strand ohne jegliche Einrichtungen, ein Häuschen in der Landschaft, eine weiße Kapelle, ein Feldweg zum Meer oder den Hang hinauf, sehr wenig Gegenverkehr.
Von der neu gebauten Taverne mit den beiden daneben abgestellten Booten aus lässt sich unser Ziel schon gut peilen. Es ist nicht mehr weit.

Wo der Kiefernwald die Straße erreicht, zweigt gleich die Staubpiste nach Pilés hoch ab, mit vielen Schlenkern und Kurven, für Wanderer nicht uninteressant.

Bald folgt auch der erste Abzweig steil hinunter zu einer Taverne mit Zimmervermietung, gut 800 m von Nikos Reich entfernt. Davor ein leidlich guter Strand.

Unmittelbar nach der Brücke über der Mündung der Flaskiás-Schlucht führt links ein Feldweg zum durch eine große Tafel angezeigten "Pine Tree Restaurant". Rechts zunächst ein Garten mit dem Gebäude einer anderen Zimmervermietung, die Nikos wohl mitbetreut.

Ein provisorischer Parkplatz, von dem aus es zum wenig attraktiven Strand hinuntergeht. Ein geöffnetes Maschendrahttor, eine lange Zufahrt, die ersten Bäume, ein kleiner Autostellplatz für nur einen Wagen, dahinter Bananenstauden, dann die Palmen, dicht dahinter große weiße Oleanderbäume, kaum mehr als Büsche zu bezeichnen.
Sie zieren das einstöckige, dem leicht nach Spritzmitteln duftenden, von herumpickenden Hühnern aufgesuchten "Obstgarten" zugewandte Gebäude mit den 6 einfacheren Doppelzimmern, jedes mit kleiner Terrasse, darauf jeweils ein üppig blühender Zierstrauch als Schattenspender.
Seitlich der Taverne ein größerer Autostellplatz, und zwei Steinbacköfen - hier wird das Brot selber gemacht. Nikos ist halb Olymbite, halb in Pylés (Pilés) zu Hause. Das Brot ist nach Art von Ólimbos, große Laibe mit herrlich schmeckender Kruste. Jedenfalls nicht im Entferntesten das pampige 0815-Weißbrot.
Links der häufig genutzte Grill.
Über dem tavernennahen Autostellplatz an einen Baum genagelt ein Schild mit Aufschrift in Katharévousa: "Ef óson zó ta energó". Ich übersetze mal frei mit: "Leben heißt, es anpacken".
Ein unmissverständliches Motto für Nikos' unermüdliche Schaffenskraft.

Dann das jetzt zweistöckige Tavernengebäude, im oberen Stock um die 4 Studios, also mit Kochnische.
Davor endlich die große Freiterrasse, näher zur Taverne hin beschattet von großen Bäumen, westlich neben und nördlich hinter dem Haus der Kiefernwald, in dem sich auch das zu verkaufende, im traditionellen Stil erbaute Haus befindet, mit eigener Zufahrt.

Unter der Küchenfensterfront ein breit aufgemalter, mehrzeiliger englischer Wandspruch, der den Gästen vor Augen führen soll, was man aus diesem Paradies alles mitnimmt.

Es ist der 1. Mai, noch Vormittag. Leise nordkarpathiotische Klänge aus einem auf dem Küchenfensterbrett aufgestellten Henkelmann empfangen die Besucher.
Auf dem langen Stammtisch im Schatten steht süßes Gebäck, das später verteilt wird. Nikos saugt noch an einem Zitronensaft frisch aus dem Garten, mit Wasser verdünnt. Kann sich jeder zum Frühstück bestellen.

Eine schön eingefasste Terrasse mit etwa 15 Tischen, die äußeren, mit Dauersonne, zur doppelten Länge zusammengeschoben.
An der Außenumrandung einige Fahnenstangen, etwa vier oder fünf Flaggen, darunter die ziemlich hässlich wirkende deutsche mit Bundesadler, ganz links außen, die italienische, und andere, aber nicht die österreichische (- warum nur?).

Links Einblick in den Obst- und Bananengarten. Nach SW hin Ausblick aufs Meer und hinüber zur Insel Kássos, abends ein Traum von Stimmung und Ruhe, Erholung in seidiger Meeresluft, gemischt mit Blüten- und Pflanzendüften.

Am Westrand der Terrasse ein als Schaukel aufgehängtes Bettgestell mit Matratze, weiter hinten ein zweites. Wird vor allem vom schwarzen Hund als Liegestatt benutzt. Der Hund soll mit "Mister ..." angeredet werden, sonst könnte er beißen, scherzt Nikos.

Kein Telefonanschluss, aber Nikos hat ein Handy. Als käufliche Zigaretten nur eine einzige Marke, die ziemlich hässlich schmeckt.

Wir setzen uns, S. begrüßt den Hausherrn, kennt ihn ja schon ganz gut. Hält ihn nichtsdestotrotz für etwas eigenartig.
Der Hausherr sitzt mit zwei Bekannten zusammen und mit der neben Nikos selber auch kochenden und bedienenden bulgarischen Angestellten (Albéna), die zusammen mit ihrem Mann (Ángelos) hier ihr Auskommen findet.

Vor dem ersten Zimmer des Gartentrakts steht ein weinrotes Auto mit Berliner Nummer geparkt, von einer sympathisch wirkenden Frau, die später noch ihre Freundin vom Flughafen abholen wird. Nikos beharrt darauf, es handle sich um eine Schweizerin.

Irgendwo neben dieser Frau wohnt ein älterer, gutgelaunter, recht trinkfester Herr, der sich ohne seine Frau hier erholt (nach dem Frühstück um 11 eine Karaffe Rotwein) und den wir an unseren Tisch bitten, um etwas mehr über den Platz zu erfahren.
Er wird sich für die kommenden Tage ein Motorrad in Lefkós mieten, um hier auch mal wegzukommen. Denn wenn man so spät aus den Federn kriecht wie er, verpasst man den Frühbus von Mesochóri (nur Mo. - Fr.) immer - der kommt schon kurz nach sieben vorbei und ist die einzige Möglichkeit, im April bis in den Mai hinein "öffentlich" nach Arkássa oder Pigádhia zu gelangen, und wieder zurück, denn von und nach Lefkós gibt es erst so ab Mitte Mai tägliche Verbindungen, und außerdem sind auch noch Schulferien in GR, und da fährt eher noch weniger als sonst.

Päng!, päng!, pängarabäng!!! Unser Nikos hat sein Schießgewehr hervorgeholt und ballert in die Luft, den 1. Mai würdig zu begrüßen. Von der anderen Taverne her ballert es sogleich zurück.
Dann bekommen wir ein frisch geflochtenes Kreuz aus einem Palmenblatt, ein nachösterlicher Gruß - oder ein Frühlingsbrauch anlässlich dieses Feiertages? Schließlich die wohlschmeckende Süßigkeit, zusammen mit einer Menge Bananen aus dem Garten.

Zusammen mit einem griechischen Paar aus Pigádhia werden wir auf Besichtigungstour geführt, erst in den Garten, dann in zwei der Zimmer. Die Frau ziert sich, denn die Gartenerde ist stellenweise lehmig-feucht, nichts für ihre Schuhe.
Nikos hat bestimmt die einzige und größte Bananenplantage auf der Insel!

Die Zimmer am Garten würden mich reizen, wie auch dieser ganze Platz. Ich werde baldmöglichst zurückkommen, hier ein paar Tage verbringen, nehm ich mir vor.

Noch ein andermal besuchen wir Nikos, als größere Paréa (Gesellschaft, Gruppe). Es haben sich andere permanent auf Kárpathos lebende Deutschsprachige angesagt, ein deutsch-amerikanisches Paar aus Voládha und eine Deutsche, deren Mann gerade in seiner Heimat Wien nach dem Rechten sieht; sie wohnt zurzeit allein in einem Wohnwagen auf ihrem Grundstück abseits der Straße nach Pilés.
Es wird ganz nett, ein sehr sonniger Tag ist es obendrein, und wir müssen an einen Schattenplatz flüchten. Die Ziege vom Grill schmeckt lecker, auch der Salat dazu.

Irgendwie spüre ich eine große Melancholie in dem so netten, hilfsbereiten Nikos.



4.5. Ausflug zu Thanássis nach Lástos

Ich hatte nicht damit gerechnet, auf Kárpathos einen geradezu alpin wirkenden Landstrich anzutreffen, bis mir eine Autofahrt zur Lástos-Alm die Augen öffnete..

Unten an Pilés vorbei fahren wir Richtung Óthos, dem mit 510 m angeblich höchstgelegenen Dorf des Dodekanes, wie mir ein aus dem damaligen Rhodesien zurückgekehrter Einheimischer in Pigádhia, wo ich zunächst 3 Tage gewohnt hatte, sagte.

Die Durchfahrt von Óthos finde ich recht interessant, ein großes, lang gestrecktes Dorf mit hübscher Kirche und sogar einem Museum. Einen prächtigen Blick hinunter nach Kárpathos-Stadt (= Pigádhia) gibt es als Dreingabe. Man könnte sich hier gut für einige Tage einmieten, um einmal das südliche Inselinnere etwas länger hautnah zu erleben. Auf einer platzartigen Erweiterung das beliebteste Kafenío an der Durchgangsstraße, in dem ich meinen Ex-Rhodesier aus dem Autofenster wiedererkenne. Als ich ihm zuwinke, erkennt auch er mich.

Ein paar hundert Meter vor der nächsten Ortschaft, Voládha, biegt ein immer schmaler werdendes Asphaltsträßchen ab, es führt uns vorbei an den grünen Außenvierteln der Ortschaft, einem ansteigenden Becken, wo sich, in Aussichtslage, schon einige Fremde eingekauft haben, sie wissen die im Sommer etwas niedrigeren Temperaturen zu schätzen.

Hinter Píni beginnt das schönste Straßenstück, mit Einfassung zum jähen Abhang auf der linken Seite hin. Dem Gegenverkehr auszuweichen wäre hier nicht ganz einfach. Wir fahren um die Westseite eines Bergstocks herum. auf dessen höchstem Gipfel eine Radarstation des Militärs steht, der Abzweig dorthin von der Hochebene aus ist gesperrt.

Richtig wohl fühle ich mich in dieser Höhe und dieser Berglandschaft. Die Lástos-Hochebene ist von mehreren Gipfeln eingerahmt und durch Feldwege erschlossen. Einer von ihnen führt sogar nach Ost hinunter in die Gegend von Kyrá Panagiá (noch nicht auf der Landkarte eingetragen), wenn man dem Wegweiser glauben darf. Wir passieren einen Brunnen, eine Kapelle.

Der Asphalt endet kurz vor der gut ausgeschilderten Taverne "I Kalí Kardiá" (das gute Herz) des als "Eremit" hier sein Leben verbringenden Thanássis, der wohl einmal geheiratet und auch Kinder hat, die anderswo leben.
Zwei Hunde kommen uns entgegen, als wir unser Auto abgestellt haben und auf das als rechter Winkel gebaute Haus mit großer Gartenfläche zugehen.
Der kleinere, schwanzwedelnde weiße Wuschelhund sei ihm gerade zugelaufen, meint Thanássis, glücklich, S. wiederzusehen, die früher schon eine Zeit lang bei ihm gearbeitet hat.

Mein Blick schweift zuerst hoch nach NW, wo die beiden höchsten Gipfel nebeneinanderliegen, der rechte davon der "Kalí Límni" (der "gute See", hier gab es wohl einmal einen See ...).
Auf dem Weg vorbei am Garten steht der "Swimmingpool", eine gemauerter runder, vielleicht einen Meter hochragender (wie auch tiefer) größerer Wasserbehälter für kurze Erfrischungsdips.
Das Trinkwasser kommt hier oben aus einer Zisterne (Stérna) hinter dem Garten.

Ein üppiger Garten mit allem, was man braucht. Selbst seinen Hauswein baue er selber an, meint Thanássis. Bienen hat er auch. Schlachten kann er selber, in der Küche liegt ein riesiges Stück Fleisch, für das sich die Katze sehr interessiert zeigt. Nicht immer kann man schließlich ein Auge auf das von den Hunden bedrängte Tier werfen.

Wir werden an den großen Tisch draußen unter einer Laube gebeten, rechts von uns das Schlafzimmer des Hausherrn, anschließend die beiden Gästezimmer. Ich überzeuge mich davon, dass sie jeweils ein eigenes Bad mit Dusche und WC haben, und heißem Wasser. Natürlich haftet diesen Zimmern, trotz des typisch karpathiotischen Hochbetts auf einem Podest ("Soufá"), noch etwas Berghüttenmäßiges an, ist nicht alles so clean und perfekt wie in einem Hotel weit unten in Pigádhia oder Amoopí.

Dann wird aufgetischt, und zwar im großen Stil. Neben einem vielfältigen Salat und herrlichen Kartoffeln gibt es wunderbar gewürzte Leber in einer delikaten Soße und zusätzlich ein Rindfleischgericht, das geschmacklich nicht nachsteht. Schmeckt einfach fabelhaft. Dazu zwei verschiedene Weine Marke Eigenbau, der eine süßer, das sei der für Frauen, der andere herber, also Männerwein.
Hunde plus Katze umlagern uns. Als ich der Katze einen Brocken gönnen will, stürzen die Hunde so drauflos, dass die Katze um ihr Leben fürchtet und davonspringt. Ausnahmsweise sind diese beiden Hunde immer schneller als diese Katze, wenn es ums Essen geht.

Es wird ein lustiger Nachmittag, der mir auch Gelegenheit für einen Spaziergang mit dem kleinen Hund auf einem Feldweg bietet. Ich wandere einen Kreis, halte den Hund in meinen Armen, sehe unterwegs auch die Abzweigemöglichkeit hinunter zur Straße über der Ostküste.

Und als noch Eléni, eine holländische Boutiquenbesitzerin aus Pigádhia, dazukommt, freut sich Thanássis noch mehr und tischt später, als wir wegen der abendlichen Kühle ins Haus umziehen, wo Th. schließlich Feuer macht (man sei ja auf gut 800 m Seehöhe), auch noch etliche gebratene Fische auf. Es schließen sich uns zusätzlich zwei Frauen aus dem benachbarten Hof an, die höflicherweise wenigstens kurz vorbeischauen müssen, ebenfalls verköstigt werden. Wenn die Nachbarsfrauen auch bald wieder abreisen, per Auto in ihr Dorf, wird es dennoch ein langer Tag/Abend.
Gegen halb 11 Uhr nachts bildet sich unser Gastgeber ein, uns alle zusammen in einem seiner Lieblingskafenía in Pilés vorzeigen zu müssen. Ich bezahle insgesamt 30 Euro für die Verköstigung aller 3 Personen zusammen, und wir fahren los.

In Pilés kichern sich die anwesenden Dörfler heimlich einen ab, wir wollen Thanássi aber die Freude nicht verderben und trinken brav unseren Ouzo, unsere Kaffees. Schaffe es gerade noch, auch für ihn zu bezahlen.
Seinen Vorschlag, nun wieder auf die Alm hochzufahren, lehnen wir dann aber doch entschieden ab .....



4.6. Eine Paréa in Ágios Geórgios

Tags darauf treffen wir uns mit einem anderen Paar, er Grieche, sie Deutsche, und einem äußerst gewitzten, humorvollen älteren griechischen Herrn aus Pilés zum relativ frühen Abendessen in der Taverne "Under the Trees", nicht viel weiter als 1 km nördlich von Finíki, also etwa 3 km von meiner Unterkunft in Arkássa.

Hübsch, die beiden Terrassen, teils im Schatten von Tamarisken, die der Wirt dort unterhalb des Kirchleins angelegt hat, man steigt auf Stufen hinab. Zwei Osteuropäerinnen bedienen bzw. helfen beim Kochen. Eine von ihnen wirkt sehr freundlich und offen.
Auf unserer kleineren Terrasse, der rechten, wenn man zum Meer hin schaut, umschwärmen Ameisen die Tische zu Tausenden; ich weiß nicht mehr, wohin ich meinen Fuß setzen soll, um nicht jeweils einige Hundert zu töten oder zu verstümmeln.

Die Portionen sind üppig, ich schaff es nicht einmal mehr, bei den "kleinen frittierten Fischchen" (ein echter Berg!) mitzuessen, hab schon nachmittags ausgiebig geschlemmt und beschränke mich auf den wirklich superguten Wein. Der in grüne Halbliterflaschen umgefüllte, offene weiße Hauswein ("local wine", na ja) kommt aus Kreta, und offenbar von einer besonders guten Lage, denn er ist besser als alles, was ich je als offenen Wein (nehmen wir einmal die likörartige Variante des kretischen "Chima" aus ..., die ist, je nach Gusto, vielleicht vergleichbar gut) in Hellas zu mir genommen habe.

Hinter dem Strand zu unseren Füßen befindet sich eine kleine Quelle. Die wenigen Badenden und sich Sonnenden packen allmählich zusammen.
Da schwebt über unseren Köpfen die erste LTU-Maschine dieses Jahres aus Düsseldorf ein, es ist etwa 19 Uhr. Sie kommt aus nördlicher Richtung, wie früher auch die Propellermaschinen von RHO (auch bei NW-Wind und Landung von SE her übers Meer), nach ihrer dortigen Zwischenlandung.



4.7. Zum Heiligen Theódoros

Das erste Mal gehe ich zu Fuß zum Kap und Kirchlein von Ágios Theódoros, von Arkássa aus. Wenige Wochen später sollte ich denselben Weg und weiter per Mountainbike fahren, aber davon in einem eigenen Kapitel.

Bin ohne genaue Vorstellungen, welcher auf der Karte eingezeichnete Weg, welcher Abzweig der gangbarste und empfehlenswerteste ist. Weiß auch nicht, ob es die üblichen frei laufenden Großhunde gibt, bei einzelnen Häusern oder Gehöften, die jedem Wanderer das Leben erschweren.
Aber keine Angst: die Hunde sind alle eingesperrt und die, die ich sah, waren eher von der kleinen, kläffenden Sorte, kein mehr oder weniger scharfer Schäferhund, wie auf Kreta häufig der Fall. Und wenn man zu einem Heiligen unterwegs ist, darf man schließlich auf überirdische Unterstützung hoffen, im Gefahrenfall.

Kaum hab ich die Kuppe hinter der Strandsiedlung von Ag. Nikólaos überwunden, die beiden sich meldenden kleinen Kläffer linksab beruhigt, den Luftschlag des nahen Windrotors vernommen, treffe ich einen Sandhaufen auf der ab hier staubigen Piste an, hinter dem Laster herumkurven, das angrenzende Hotelgrundstück mit den neuen Appartements sowie die Straße für die Teerung vorbereiten.
Nach 300 m ist der Spuk vorbei, ich folge dem breiteren Hauptweg, bis das erste allein stehende Haus erreicht ist. Beim nächsten Gebäude schon die Abzweigung zum Tichiasmenáki-Strand. Nur ein Bauernmoped überholt mich, ein einziger Wagen kommt mir entgegen.
Der Weg macht eine Schleife in ein Tal hinunter , dreht in enger Kurve wieder hangaufwärts, vorbei an Stallungen, dann einem 150 m weg von der gerade gesandeten, schwer begehbaren Fahrbahn liegenden Bauernhaus.
Wo eine Stichstraße zum Trachanámmos-Strand (mit dem "knirschenden Sand", daher der Name) abbiegt, ein weiteres großes Wohnhaus, wenige hundert Meter später das letzte Haus in der Einsamkeit über der Straße, ein junges Paar mit kleinem Hund bewohnt es, sie offensichtlich Ausländerin.

Eine Anhöhe breitet sich vor mir aus, ein zerrachelter, schlechter Feldweg führt vom Hauptweg südwärts auf ein blindes großes Blechschild auf einem Eisengestell im Hintergrund zu. Den hätte ich nehmen sollen, eine Abkürzung. Sicherheitshalber geh ich weiter auf dem breiteren Hauptweg, der in die Höhe kurvt.
Noch eine "Stichstraße" links zu einem Einzelanwesen, steiler Anstieg, dann ist die Höhe geschafft, trifft mein Feldweg senkrecht auf einen anderen, der in Ost-West-Richtung die Hangkante begleitet.
Nach Ost ginge es zur nahe gelegenen Kapelle mit Nebenhaus des Ágios Geórgios weiter, ihre blaue Kuppel grüßt herüber.

Ich wende mich nach rechts und trete ein ins Land des Wacholders, der eine wellige, nach Süd hin bald abfallende Hochfläche mit grünen Tupfern schmückt. Übergroße Bäume ragen verstreut in den Himmel. Wundervolle Weite und Ruhe, ein angenehmes Lüftchen, das Bewusstsein, in absehbarer Zeit anzukommen.
Ein zackig geformter Inselkamm nahe der Küste garniert mein letztes Wegstück. 50 m vor einer Einfriedung eine Linkskurve, später verzweigt es sich noch einmal, aber beide Wege führen zum Ziel, das bereits in Sichtweite gekommen ist.

Wie ein Tafelberg reckt sich das Kap von Ágios Theódoros am westlichsten Punkt der Insel in die Höhe, oben abgeplattet, Steilabfall ins Meer. Gegen die Nordwinde leidlich geschützt die verlassene Klosteranlage, ein Kirchlein und mehrere einstöckige Nebengebäude. Etwas ausruhen auf einem der Stühle im Kirchenraum, durch die offene Tür bietet sich mir ein Ausschnitt der südlichen Westküste.

Kássos ist nicht weit, sein massiger östlicher Rücken liegt gleich gegenüber. Allerdings sind die weißen Häuser von Phry und darüber Agía Marína nicht zu erkennen, dafür sind die Standorte Arkássa oder Finíki geeigneter, wo es einem nachts richtig übers Meer her entgegenleuchtet.

Beim Südende des Plateaus vor dem Kloster führt ein kurzer Weg hinunter zum ersten einer Reihe einsamer Sand-Feinkies-Strände. Etwa sechs solcher Strände sind von hier oben noch irgendwie einsehbar. Die einzelnen Buchten nehmen kein Ende, bis hin zum Flughafen.

Lange sitze ich auf der westlichen Mauerleiste im Schatten des Kirchleins und warte auf ein Schiff, doch heute vergeblich.
Irgendwann kommt eine Vespa, mit ersten Badegästen.

Rückkehr auf demselben Weg.





II. Frühsommer: Ab Mitte Juni



1. Wieder Arkássa

Immer ein Erlebnis, so ein Flug in einer Propellermaschine. Kurz vor 10 Uhr vormittags hebt die voll besetzte Dash-8 vom Diagoras-Airport auf Rhodos ab. Einfach zahlt man (Stand: Juni 2006) inkl. Steuer nur 29 €. Das Bus-Ticket von Rhodos-Stadt her ist auch fast geschenkt, im Vergleich zu den 15 Euro Taxi-Einheitspreis, kostet etwa ein Zehntel davon. Auf das Fährschiff nach Pigádhia (= Kárpathos-Stadt) hätte ich noch zwei Tage warten müssen.

Mein Fensterplatz links in Reihe 4 bedeutet freie Sicht auf einen Großteil der Westhälfte von Rhodos, trotz des von der Tragfläche herabhängenden Propeller- und Fahrwerkgehäuses - sitze aber noch weit genug vorne. Dafür muss ich die Insel Chálki diesmal opfern, ein schöner Anblick für die in Flugrichtung rechts Sitzenden.
Ein recht ruhiger Flug, bis auf den Anflug auf Kárpathos, wo die Nordwestwinde bei Afiártis den Flieger gewaltig packen und durchschütteln.

Schön ist es, die rhodische Küstenlinie zu verfolgen, Kámiros Skála, das Kap bei Monólithos, den höchsten Bergstock namens Attáviros, und Bergdörfer wie Émbona ins Grün der Hänge eingebettet zu sehen.
Prassoníssi als südlicher Abschluss der Roseninsel ist gut erkennbar, das größere Dorf landein muss Kattaviá sein, eines der Objekte meiner künftigen Reiselust. Die übliche wackelige Landung gegen einen Starkwind auf überlanger Landebahn im kargen SW von Kárpathos.

Für einen Wucherpreis fährt mich Minás Kális aus Menetés in seinem Taxi zu meiner von S. wiederum vorbestellten Bleibe in Arkássa. Sein Fahrzeug hat er noch mit drei Italienerinnen, die nach Lefkós wollen, vollgestopft. Ich gebe ihnen ein paar Inseltipps, nicht zuletzt zum relativ preisgünstigen Arkássa.
Warum ich für die 9 km 17 Euro hinblättern muss, ist mir schleierhaft, die verlangt er aber statt der 10 € und noch ein paar Cent, von denen er am Airport umständlich gemurmelt hatte.

Erstmals steige ich also vor den "Fantasy Studios" links unmittelbar über der sehr ruhigen Nebenstraße zum Ag.-Nikólaos-Strand aus, nur wenige Schritte vor dem Abzweig hinunter zur Bucht.
Es ist niemand da, so parke ich mein Gepäck auf einer hinteren, etwas verborgenen Terrasse und gehe vor bis zum "Auto Moto Center" bei der Taverne Kríti, wo man Bescheid weiß.
Bald erscheint Frandzéska, die Vermieterin, und bringt mich in ihrem Auto die 500 m wieder hinter, zeigt mir das Studio, bestätigt den Preis und verabschiedet sich.

Hier bin ich also, einziger Gast in meinem Haus, im vordersten Einraum-Studio mit kleiner Kochecke und Sofa-Bank. Mein Zimmer zeichnet sich durch die Nische mit einem Soufás-Hochbett aus, kleines Fenster daneben, sodass es sich insgesamt gut durchlüften lässt.
Von meinem Balkon aus überblicke ich die Straße bis zum Dorf, die Kulisse von Arkássa im Norden, die Berge dahinter, ein Feld mit gut 8 m hohem, grünem Bambus, die beiden Kap-Berge, unter mir die nahen ersten Studios mit österreichischen Pauschaltouristen und geparkten Mietwägen.
Wieder eine sehr hübsche Aussicht, ich kann nicht klagen. Nur schade, dass niemand sonst hier wohnt. Nebenan, jenseits des Gartens, im schlichten "Little Paradise" hat sich noch gar niemand eingemietet.

Als ganz liebe Leute stellen sich die Mitglieder der Familie dar, die den nahen Eck-Mimimarket besitzt. Ich erhalte gleich eine kostenlose Fax-Kopie des inzwischen erschienenen Busfahrplans, und die Preise hier stimmen auch. 60 Cent für eine 1,5-l-Wasserflasche sind wirklich sehr günstig. So viel kostet am Kiosk in Diafáni die kleine 0,5-l-Flasche, also ein Drittel dieser Menge, und die Frau drinnen meint dazu noch belehrend, in Pigádhia verlange man dafür 80 Cent!

Noch immer wirkt die Gegend wenig belebt, den Juni hatte ich mir diesbezüglich anders vorgestellt.
Einzig die Österreicher sind in größerer Zahl vertreten - keinesfalls massenweise -, über den "Reiseladen" und "Gulet", praktisch alles Pauschalurlauber, nicht wenige mit Kleinkindern.
Die meisten Gäste scheinen hinter dem Ag.-Nikólaos-Strand zu wohnen, besonders schön in den "Apartments San Nicholas", wovon ich mich auf einer meiner Erkundungen überzeugen kann.
Sogar reiten könnte man, ein Pferdehof liegt gleich neben den Studios und Apartments, er gehört dem Besitzer der Auto- und Fahrzeugvermietung "Saint Nicholas Beach Rentals", das Office befindet sich allerdings im Ortszentrum. Dort hole ich mir eines von fünf angebotenen Mountainbikes ab. Muss aber erst die im Schaufenster angegebene Tel.-Nr. anrufen, dann erscheint eine nette Frau mit Kleinkind aus einem Haus ganz in der Nähe und sperrt den Laden auf.
Als ich auf 3 Tage verlängere, sitzt abends eine ebenfalls sympathische, waschechte junge US-Amerikanerin hinter dem Schreibtisch.
10 € pro Tag sind nicht wenig, aber ich bin dankbar für das Gebotene, hatte auf Lesbos schon schlechtere Bikes.

Leider ist das von Katharina R. empfohlene Restaurant auf derselben Straßenseite der Stichstraße zum Strand wie die St.-Nicholas-Apartments, nur etwas weiter bergauf, nun (endgültig?) geschlossen. Ich lese erst die Aufschrift, dringe in den Hof ein, frage den Besitzer, der nur mit dem Kopf schüttelt und abwinkt.
Besonders hoch im Kurs der Feriengäste steht neben der Taverne "Kriti" (Kreta) am Südrand der eigentlichen Ortschaft die einzige Strandtaverne direkt hinter dem Sandstrand in meiner Wohngegend.

Wieder ist das Kafenío von Vassíli und Vassilía unterhalb der Kirche im rechten Ortsteil (Blickrichtung landwärts) zugesperrt. Ein Bub berichtet, der Vater des Besitzers sei gestorben, deshalb eine längere Schließung. Der alte Mann mit der Baseballmütze gegenüber bestätigt das, vielleicht sei ja morgen schon wieder geöffnet. Er ist 78, noch recht fit, ich mache ihm ein Kompliment.

Vor dem Táka-Táka sitze ich diesmal gern, und sei es nur auf ein Bier. Am Nebentisch der Dorfpfarrer, mit seinen geröteten Augen genehmigt er sich noch ein kleines Bierchen.
Diese supernetten Leute, gerade hier bei Manóli, wohl junge (Groß-)Familienmitglieder, und überhaupt in ganz Arkássa.

Ums Eck rum und etwas hoch geht Anastasía, die Kafenío-Besitzerin, nun schon bereitwilliger ins Detail, was ihre Familienverhältnisse, ihre Wehwehchen betrifft. Jetzt ist auch noch, zusätzlich zum alten Vater, eine ihrer Töchter mit einem bezaubernden Enkelkind, einem kleinen Mädchen, aus USA gekommen, für mindestens 6 - 8 Wochen. Die haben drüben ein eigenes Restaurant, deshalb kann sie so lange urlauben.



2. Mountainbike-Ausflüge


2.1. Arkássa

Hauptsache, genug Luft in den Reifen (die man sich zur Not an einer Tankstelle holt, die es in Arkássa leider nicht gibt), ich pumpe noch im Büro der Vermieterin im Schweiße meines Angesichts.
Dann ist es eine echte Freude, um den Ort rumzusausen, auf der Umgehung, Treppen hochzuschieben, durch kleine Gassen zu flitzen.
Offensichtlich kein einziger Gast in der Pension "Philoxenía" unterhalb der "Umgehungsstraße", aber noch im Ort gelegen.

Aus dem nördlichen Ortsteil eine steil ansteigende Straße hoch zu einer Zone mit vielen Zimmervermietern, die aber scheinbar alle keine Gäste haben.
Um eine Serpentine beim letzten Haus herum hochkeuchen bis zu der Kapelle mit blauer Kuppel über dem oberen Ortsende, die jedem schon von weit unten auffällt. Ich stelle das Rad ab, ohne das Schloss zu benutzen.
Wandere den Feldweg hoch. Markierungen. Ein weiterer Zweig des Wanderwegs Richtung Menetés, der sich über der rechten Talseite (talabwärts gesehen) hochschraubt. Es wäre nicht weit, keine besondere Leistung.
Hunde schlagen an, alarmiert über mich Eindringling. Aber alle angehängt, in einiger Entfernung.
Ein Mann im Pick-up hält bei meinem Fahrrad, kurzer Blick, dann fährt er weiter. Was für eine Aussicht man von da oben genießt! Zumindest das empfehle ich jedem Wanderscheuen.



2.2. Finíki

Die knapp 2 km nach Finíki sind ein Witz, trotz Anstiegs gleich nach dem Sportplatz von Arkássa.
Juni, und in Finíki eigentlich genauso wenig los wie Ende April!
So sieht es zumindest tagsüber aus, abends war ich nicht dort. Kaum Handtücher oder Badesachen zum Trocknen auf Balkonen aufgehängt. Ein paar Leihwägen am Hafen, einige wenige Paare in zwei oder drei Tavernen. Das Ausflugsboot nach Kássos dümpelt vor sich hin, und das, obwohl "Póssi Travel" in günstiger Hafenlage in Pigádhia groß Werbung für den Tagesausflug ab Finíki macht.
Ein Fischer flickt seine gelben Netze. "Fisch? - Morgen wieder!" Dabei hatte ich nur gefragt, ob es hier eigentlich noch was aus dem Meer zu holen gebe, ob man nicht hochfahren müsse bis Saría, oder hinüber nach Kássos.



2.3. Ágios Geórgios: Under the Trees

Der Badeplatz mit seiner beliebten Taverne ist schon besser besucht als dieses Frühjahr. Bis von Pigádhia fahren sie her, in ihren Mietautos. Man wagt sich schwimmenderweise weiter hinaus, langes Sonnenbaden ist angesagt. Zwei italienischen Herren verhelfe ich zu dem köstlichen kretischen offenen Weißwein, nachdem sie schon Retsína geordert hatten. Sie wissen es zu schätzen.



2.4. Vorerkundung in Ádia

Eines Morgens mache ich mich auf nach Ádia. Wie es sich gehört, bläst der NW-Wind, zu meinem Leidwesen eher stärker als sonst. Das freut mich als Radfahrer ganz besonders! Ich schaffe es dennoch, schiebe nur selten an stärkeren Anstiegen.

Kurz vor Ádia angekommen, bremse ich den Feldweg steil hinunter zu der Taverne "Mountain and Sea", die richtig ausgestorben wirkt - ist wohl noch zu früh am Vormittag. Der nahe Strand ist nicht so großartig, dass man sich ihn als Ziel der Kategorie I vormerken sollte.
Kleine Kläffer regen sich auf. Der schlanke, schwarze "Mister ..." antwortet vom "Pine Tree" herüber.
Das kurze Stück vom Bootseinlass ins Wasser bergauf schieben, schon geht es rein in Nikos´ Reich.
Ich kündige mich für später an, für zwei oder drei Tage. Noch relativ wenige Gäste hat er zurzeit, der hochaktive, schlanke alte Herr.

Die Rückfahrt mit Rückenwind über weite Strecken fällt mir wesentlich leichter als die Herfahrt.



2.5. Südlich von Arkássa


2.5.1 Abendausflug

Das eigentliche Erlebnis sind die beiden Touren in den Süden, eine kleine und eine größere. Statt zu Fuß mache ich mich diesmal also mit einem geländegängigen Mountainbike auf den Weg, von meinem Viertel Ag.-Nikólaos aus.

Wie schnell man in GR doch arbeiten kann, wenn das Gelände unschwierig ist und die Mittel zur Verfügung stehen!
Wo ich vor etwa 6 Wochen noch eine Staubpiste vorfand, ist jetzt kilometerweit fertig asphaltiert, von der Straßenabzweigung hinunter zum Ag.-Nik.-Strand einfach geradeaus weiter nach Süd. Bis hinter zum letzten Haus an der kaum befahrenen Straße vor dem Anstieg auf die große Geländestufe, noch weiter als dem Abzweig zum Trachanámmos-Strand, zieht sich ein extradickes, pechschwarzes, fast noch klebriges Teerband durch die Einöde.

Aus Erfahrung klug, nehme ich den abkürzenden schlechteren Feldweg hoch zu der Blechtafel in der Landschaft. Er wird dermaßen unwegsam, dass ich auch hier bald lieber schiebe. Die Wegersparnis hat sich dennoch gelohnt. Ein PKW würde hier aber stecken bleiben.

Auf meinem Zweirad bin ich im Nu bei Ag. Theódoros, biege etwas vorher hangabwärts und arbeite mich auf der Piste hoch über der Küste ein Stück südwärts vor, immer darauf bedacht, keine größeren Geröllbrocken, an denen es hier nicht mangelt, unter die Reifen zu kriegen.

Es wird dunkler, die Sonne geht so gegen Viertel nach neun unter, dennoch bleibt es noch gut eine halbe Stunde lang hell genug.

Ich fühle mich als einziger Mensch auf weiter Flur. Ein unbeschreibliches, herrliches Gefühl! Die dunklen Berge. Kássos. Das Meer. Geborgenheit, denn mit meinem Gefährt bin ich ja nicht verloren in der Wildnis, werde in Kürze zurück sein in der Zivilisation. Kein Vergleich zum Wandern. Und die Temperaturen sind noch hoch, die milde Luft streichelt, liebkost mich freiwillig Einsamen.

Der nächste Anstieg bringt mich auf eine Kuppe, von der ich nur enttäuscht sein kann, denn wieder ginge es hinunter und hinauf, noch ohne jeglichen ersehnten Flughafenblick. So kehre ich um, spüre die abendliche Stille, sauge die wohltuende Seeluft in mich ein, freue mich einfach.
Das Rad steht schon neben einem Gebüsch meiner Unterkunft, als es endgültig dunkel ist.



2.5.2. Nach Afiártis

Dann die größere Tour, wieder die Abhänge hinauf, noch einmal zum Kloster Ag. Theódoros.
Weil ich lange dort ausharre, seh ich endlich einmal eines der beiden Fährschiffe, es ist die "Ierápetra L.", langsam vorbeiziehen und beobachte es, bis es im Hafen von Phry auf Kássos verschwindet.
Auch einen Mittagsflieger von Kárpathos nach Kássos und zurück kann ich verfolgen, ein echt kurzer Flug in geringer Höhe.
Drei Mietautos sind über den Stränden beim Kloster geparkt, einige Badende auszumachen, wenn man vorwandert und runterschaut.

Nun aber schnell ostwärts, vorbei an der Ag.-Geórgios-Kirche auf dieser Hochfläche einige Kilometer südlich von Arkássa.

Es ist eine Gegend mit weit verstreut liegenden Bauernhöfen und Wohnhäusern. Das Wegenetz ist ausgesprochen labyrinthisch, ohne Wegweiser, und man braucht schon etwas Gespür, um alle paar hundert, oder sogar nur alle 50 Meter die richtige Entscheidung zu treffen, wohin abbiegen.

Einmal muss ich einen Bauernhof durchqueren, der harmlos aussehende Hund ist angebunden. Der Feldweg führt aber weiter, und darauf kommt es an.
Ein größeres Gehöft umfahre ich bogenförmig in einigem Abstand, Arbeitslärm irgendwelcher Maschinen dringt herüber. Auf der nahen Anhöhe die nächste Entscheidung, ich nehme den linken Weg.
Bald komme ich zu einem wunderschönen Ackergrund in Aussichtslage Richtung Arkássa, eine Baumreihe (Tamarisken, wenn auch weit landein) teilt die beiden unbestellten Feldflächen, das noch zart ockerfarbene Gemäuer des ehemaligen kleinen Bauernhauses liegt dicht an der Hangkante, ist nicht mehr bewohnt. Ein Schloss an der Tür. Halb in die Erde versenkter, gemauerter Kleinviehunterstand, Andeutung eines Dreschplatzes.
Dieses Häuschen könnte man zu einem herrlichen Wohnsitz ausbauen, denke ich. Aber ich bin kein Häuslebauer und Landaufkäufer auf fremden Inseln.

Meine Weg-Entscheidung bringt mich nach einem guten Kilometer direkt zur überbreiten Asphaltstraße Richtung Afiártis und Flughafen, exakt bei einer weiteren Kirche namens Ag. Ioánnis. Die sieben großen Windrotoren zur Stromgewinnung sind nicht mehr weit entfernt.

Jetzt habe ich es gut, denn es geht 4 km nur bergab - ich denke sogleich an den Rückweg (!).

Die Hände stets an den Bremsen, sause ich nicht zu schnell abwärts, lege mich in die Kurven dieser wahrhaft kurvigen Strecke.
An einer dieser Serpentinen zeigt sich mit einem Mal plötzlich ein Teil der Südküste und rechts das Asphaltband des Airports, schon viel näher, als man es erwartet hätte. Ein toller Anblick, fast ein wenig spielzeughaft! Bis zu seinem NW-Ende lässt er sich einsehen, dieser Provinzflughafen mit einer dennoch 3 km langen Start- und Landebahn - auf der Karte von Road Editions (1:60.000) hat das griechische Militär die halbe Länge einfach wegnehmen lassen, die Südhälfte schlichtweg weggeschnipselt. So wird aus der längsten Landebahn einer griechischen Insel eine der kürzesten!
Ich schau mir alles genau an und fotografiere NICHT, also bleibt alles geheim, wie erwünscht.

Fast unten angelangt, linkerhand und gleich an der Straße die erste von mehreren Unterkünften dieses Surferparadieses, das vor den Toren des Flughafens beginnt. Die Straße nach Pigádhia wirkt etwas mickrig im Vergleich zu meiner neuen von Arkássa her.

Der Kontrolleur im Kabäuschen an der Zufahrt in den Flughafen hinein wirkt etwas misstrauisch, als er mich auf dem Fahrrad anrollen sieht. Ich rolle ungerührt weiter, bestaune den Rohbau des viel größeren neuen Abfertigungsgebäudes.

Auf einer Rampe für Gehbehinderte fahre ich bis zur Telefonzelle beim Eingang des alten Empfangsgebäudes, neben dem vier oder fünf Taxler auf einer Bank Warteposition bezogen haben und mich ungläubig anstarren. Grüße freundlich.
Stelle das Rad an der Wand ab und gehe hinein zu dem kleinen Olympic-Personal-Schalter neben der Gepäckbandhalle, wo man Fragen stellen kann nach verlorenen Dingen und dergleichen.
Ist mir doch mein langjähriger GR-Begleiter, mein Berg- und Wanderteleskopstab, auf dem Flug von RHO her abhandengekommen. Hatte vergessen zu kontrollieren, ob er sich bei Gepäckausgabe noch am Rucksack befand.
Er war nun weg, und ich alarmiert. In über 15 Jahren war mir dergleichen noch nicht passiert, die Schlaufen hatten den Stock immer fest am Rucksack gehalten.
Der Autoverleih meiner Zimmervermieterin war bereits im Bilde, er sollte dem Taxifahrer Minás, der mich hergebracht hatte, Bescheid geben, ob dieser ihn vielleicht noch im Kofferraum liegen hätte. Ich selber hatte bereits bei ihm angerufen.
Leichtfertig, aber nicht ganz ohne Berechnung, hatte ich dem netten Typen vom Autoverleih gegenüber geäußert, der Stab sei wohl vom Flughafenpersonal geklaut worden - eine etwas gewagte Bemerkung meinerseits.
Am Flughafen nur Schulterzucken, es sei nichts gefunden worden, ich solle es in Rhodos versuchen.

Unverrichteter Dinge verlasse ich den Vorplatz des Airports und biege gleich rechts in das Sträßchen hinunter zum Meer und zu einigen ausgeschilderten Tavernen ein.

Bei "Bárba Minás" kehre ich, wie etliche andere, auf ein äußerst leckeres Mittagessen ein, setze mich drinnen so, dass ich durch die geöffnete Fensterfront die Schüssel der seichten Bucht von Makrís Jalós gut einsehen kann - denn hier, 200 oder 300 m vom Flughafenzaun entfernt, tummeln sich unzählige Windsurfer. Hier zieht es auch ganz schön, ein heftiger Nordwestwind fällt die Berge herunter.
Am Nebentisch eine sehr nett aussehende, strahlende junge Mutter mit Kleinkind (das noch nicht richtig gehen kann), überglücklich und auch noch beim Essen ganz in ihr Kind vertieft. Sie ist Norwegerin und begeisterte Surferin, ihr Mann gerade da draußen aktiv auf seinem Brett. Wir unterhalten uns ein wenig, mögen uns.
Was für ein Mutterglück, welche Engelsgeduld! Für die Quieklaute und das Dauergebabbel ihres Sprösslings entschuldigt sie sich auch noch.
Ständig streben hinter meiner Stuhllehne irgendwelche in den Zimmern nebenan wohnende Surfer durch den Nebenausgang ihrer Bleibe zu oder kommen zum Essen.

Erwähntes Restaurant: eine echte Empfehlung, nur der Wein aus den quadratischen Kühlschrank-Packs schmeckt gar nicht gut. Dann schon lieber Bier. Oder Flaschenwein. Der Sportler aber sagt: Cola oder Fanta. Oder Wasser!!!

Ich rolle die Straße weiter hinunter bis zum Meer, komme in die Nähe anderer Surfer-Wohnstätten hinter dem ebenfalls wunderschönen Strand östlich der Flughafen-Bucht. Baden ist hier nicht so angebracht, es ist einfach ein ausgesprochenes Surfer-Revier, und sonst nichts.
Am östlichen Strandende geb ichs auf und wende. Nun beginnt eine Tortur gegen den Starkwind.
Erste Verschnaufpause bei der Kapelle unweit meiner Essensstätte. Das ist nicht gerade weit!
Wie soll ich da nur zurückstrampeln, bergauf und ständig gegen den Wind?

Gar nicht, oder höchstens noch bis zur Einmündung der Arkássa-Route, bald dahinter steigt die Straße schon an, und Schieben wird unumgänglich.
An der einen Pension vorbei trete ich noch tapfer, die sich lauthals zankende griechische Familie zu beeindrucken. Dann geht auf etwa 3 km nichts mehr.
Hab keine Lust, noch einen Schwenk zu den Stränden westlich des Flughafens einzulegen und von dort nordwärts führende Buckelpisten zu testen. Álli forá! (Ein andermal!)

Die großen Serpentinen kürze ich auf einem steil ansteigenden, tief zerrachelten Erdweg ab, den ich unter der glühenden Sonne schnurgerade schiebend hochschwitze, da hilft der Wind auch nicht viel.
Noch ein letzter Tiefblick zum Airport, dann wird es teils wieder ebener und es lässt sich leidlich radeln.

Bei Ágios Ioánnis verlasse ich die Teerstraße und nehme denselben Rückweg über die ruhigen Feldwege, auf denen ich größtenteils nur mehr vorsichtig bergab rollen muss, mein Gewicht nach hinten verlagert.
Einen Abstecher zur hübschen Kirche des Hl. Georg gestatte ich mir noch, schon der riesige, ausgiebigst Schatten spendende Baum davor ist einen Umweg wert.

Als ich abends beim "Auto Moto Center" meine Zimmerrechnung begleiche, grinst mich der anwesende Angestellte breit an, führt eine Nickbewegung Richtung der Wand hinter mir aus, deutet mit den Augen.
Dort hängt, engst zusammengestaucht, mein altbewährter Bergstock!
Alle Beteiligten (Taxifahrer, Flughafenpersonal Rhodos plus Kárpathos, die Leute dieses Autoverleihs) haben es sich nicht nehmen lassen, diesen kleinen Stock in dreitägiger Recherche wieder aufzutreiben. Sie haben mich richtig beschämt, der ich doch schon an Diebstahl geglaubt hatte.



3. Abstecher nach Diafáni

Zwei Nächtigungen zum Schluss in Ádia sollten doch reichen, so wäre vorher sogar noch ein Abstecher über Pigádhia nach Diafáni drin!

Der Bus soll so gegen zehn nach sieben kommen. Mein Gepäck steht vor dem Autoverleih beim "Kriti" bereit.
Da taucht zu meinem größten Erstaunen auf einmal S. mit ihrem Auto auf, sieht mich gerade noch dasitzen und warten.
Wir hatten wegen ihrer neuen Arbeit bisher keine Zeit für einen Treff, und jetzt versteh ich das auch. Die Frau fährt um sieben zur Arbeit und kommt nachts manchmal erst um eins zurück, weil sie zurzeit ihre Chefin vertreten muss, die in Urlaub ist.

Die Route über Menetés ist wegen Straßenverbreiterungsarbeiten noch gesperrt, der Umweg über den Flughafen etwas zeitraubend. Aber was solls.
Ich erfahre, dass in dem Hotel von S. noch kaum Deutsche wohnen, in erster Linie Österreicher, Italiener, auch Franzosen.
S. fährt eigens einen Umweg durch die Stadt, um mich in meinem Lieblings-Morgen-Café abzuliefern - dem für Araber, Albaner und Osteuropäer gleich beim Rathaus, das nur bis Mittag geöffnet hat, wo man aber schon um 6 Uhr früh einen Kaffee kriegt, um einen herum auf Jobs wartende Tagelöhner oder für länger Beschäftigte, die von ihrem Arbeitgeber mit dem Auto abgeholt werden. Herrlicher Kaffee, günstige Preise, nicht vergleichbar denen unten am Hafen.

Nach dem kleinen Koffein-Doping genehmige ich mir noch eine Milópitta, wandere dann allmählich zur Anlegestelle der Ausflugsboote.

Etwa um Viertel vor neun legt die "Chryssovalándou III" mit einer respektablen Menge Ausflügler, die meisten aus Pigádhia und Amoopí, Richtung Diafáni ab, erst das übliche lange Spielchen mit dem Ankereinholen.
Noch ein Blick zurück zu den Cafés über der Uferstraße - es sind nun viel mehr geöffnet als im Frühjahr, und der alte Kiosk ist leider völlig verschwunden, wurde der Sitzfläche eines Cafés geopfert.

Ein kanadisches Ehepaar ist mit an Bord, sie stellen der Schiffseignerin schon beim Ticket-Kauf viele Fragen, denn sie würden gerne einen Abstecher nach Avlóna machen, nicht nur nach Ólimbos. Das sei zeitlich leider nicht drin, meint die Bootsfrau. Der Mann ist Arzt und will wenigstens noch Kos besuchen, die Wirkungsstätte des Hippókrates.

Sie waren sogar kurz auf der Kykladeninsel Anáfi, wo es ihnen sehr gefiel, neben einigen anderen Inseln, fahren weiter nach Rhodos und werden zum Schluss noch Ídhra besuchen. Schade, meinen sie, dass es von Kanada aus so weit sei bis Griechenland, wie schön ich es doch hätte als Bayer.

Für die 11 Euro, die ich für die einfache Fahrt bezahlt habe, darf ich nach Ankunft in Diafáni auch in einem der beiden Privatbusse hoch nach Ólimbos mitfahren (Schiff einfache Strecke 10.-, Busfahrt 1.- €), gebe zuvor schnell bei Nikos Orfanós mein Gepäck ab, er stellt es in sein Büro und bringt es dann gleich auf mein Zimmer. Der übliche Fotostopp beim ersten Panoramablick auf das Bergdorf.

Schon im Bus krieg ich die Durchsage mit, dass sowohl die mitfahrenden Italiener als auch die Slowenen nach kurzer Besichtigung des Dorfes mit dem öffentlichen Gemeinde-Minibus in zwei Schichten nach Avlóna gebracht werden sollen, so viel Italienisch versteh ich spielend.

Als das kanadische Paar aus dem anderen Bus steigt, gebe ich ihnen den Tipp, mal bei der Reiseleiterin, die sowohl die Slowenen als auch die Italiener betreut, nachzufragen, ob noch ein Platz für sie übrig sei.

Dann begrüße ich ein bekanntes Gesicht, eine alte Wanderfreundin, die mich bei Sophía erwartet hatte. Anderthalb Tage ein bisschen zusammen rumwandern ist angesagt. Doch erst einmal die große Dorftour, alle bekannten Kafenío- und Tavernenleute besuchen und begrüßen.

Draußen sitzen bei Archondhoúla an dem einen Tisch vor dem Café Kríti, einem der ältesten Kafenía auf der Insel, nebenan die kleine Hauskapelle. Sie hat eine Stickarbeit auf dem Tisch liegen, unterhält sich mit uns. Ihr Mann, Fílippas, befindet sich in Pigádhia.
Nur wenige Ausflügler wagen einen Blick in das alte Kafenío.

Das Schönste aber ist, dass Andónis, dessen Zusammenbruch ich vor etwa 2 Monaten zufällig vor Ort mitbekommen hatte, am Vortag aus Athen zurückgekehrt ist, wo er sich einer Herzoperation unterziehen musste. Zunächst hatte man ihn ja mit dem Hubschrauber nach Rhodos gebracht.
Kaum angekommen, hat er schon sein Kafenío "Tsamboúna" aufgesperrt, sitzt allein mit blassgelbem Gesicht an einem der paar Tische. Hoffentlich erholt er sich bald ganz.

Nachmittags ein erfrischendes Bad in Vanánda, wo wir neben einer weiteren Touristin die einzigen Anwesenden sind. Auf dem wunderschönen Fußweg durch die Pinien und gelegentlich ein Stück Feldweg zurück nach Diafáni, wo wir wohnen, jeder bei "seinem" Hotelier, wie es sich seit langem ergeben hat.

Von Diafáni aus wandere ich tags darauf nach Avlóna hoch, trotz der schon morgendlichen Hitze, die schöne Waldstrecke über zwei Bergausläufer, dann den uralten Steinweg, genieße dort ein köstliches vegetarisches Mahl beim "kleinen Jórgo", meine Wandergefährtin stößt erst oben auf der Hochebene dazu.

Abstieg in das Flusstal hinter Vanánda über einen "unbekannten", verwachsenen, teils fast unauffindbaren Pfad (man muss an einer Stelle eine kleine Wiese bei einem Häuschen randlich passieren, wo der "Weg" absolut unsichtbar ist!), der weit hinter einer Kapelle am Höhenfeldweg beginnt. Über Hänge und Kuppen windet sich unser Pfad (oft nur als Andeutung eines Pfades) bergab durch die Kiefern, ein Treffen mit Schlangen ist nicht auszuschließen!
Man kommt etwa an der Stelle unten an, wo sich ein, zwei Häuschen mit Terrasse, aber wohl ohne Strom auf einem Hügel befinden, in denen man sich Zimmer nehmen kann. Jeder Hausseite ist spaßeshalber ein griechischer Straßenname zugeordnet. Eine deutsche Fahne weht im Wind. Das Kuriosum gehört wohl zu dem Campingplatz 200 m hinter dem Vanánda-Strand, auch dort gibt es kleine Häuserkuben zu mieten.
Hier trifft unser Abenteuerpfad auch auf den Hauptweg durch das Tälchen. An der eingefassten Quelle erfrischen wir uns.

Abends köstliche Essen im "Dolphins". Die sehr selbstbewusste, aber doch so unglaublich nette Popi weiß, dass ich diesmal nur zwei Tage Zeit habe, verwöhnt mich richtig. Soupiés in Rotweinsoße! Vorher genau das richtige scharfe Mezé. Anderntags eine köstliche Fischsuppe, die Variante mit einem ganzen Fisch. Mmmmmm!

Es ist so wenig los diesen Juni, außer den kurz anwesenden Tagesausflüglern. Auch Gabriella und Gigi klagen, hatten ihr italienisches Lokälchen "Gorgóna" tagsüber so häufig zugesperrt, dass sie nach dem vielen Baden im Meer nun aussehen wie Schwarze. Man kann sich bei/mit ihnen schön unterhalten, auch mit den gerne vorbeischauenden Dörflern. Diesmal sitzt auch die nette junge Besitzerin der Studios im ersten Stock über dem "Gorgóna" auf der Restaurantterrasse.
Sieht leider doch so aus, als ob das sympathische italienische Paar sich nun bald trennen würde.

Aus einer von Kreta kommenden Fähre steigt Nikos' Frau mit den Kindern. Es sind ja Schulferien, so können sie wieder einige Wochen in Diafáni verbringen, beim Papa. Ansonsten nur ein einziges neues Touristenpaar, das den Bus nach Ólimbos nimmt.



4. Nach Ádhia (Adia)

Mit der Vormittagsfähre aus Rhodos fahre ich tags darauf zurück nach Pigádhia, wo ich mühelos einen Frühnachmittagsbus Richtung Lefkós erwische.

Zuvor aber esse ich sehr gut in einem Ovelistírio etwa 100 m tief in einer Seitenstraße, einem Lokal zwischen der örtlichen Polizeistation und dem bescheidenen Ortskrankenhaus, nur 2 Fußminuten vom Busbahnhof entfernt. Die Ukrainerin kocht ein fantasievolles "Geschnetzeltes" mit viel Gemüse, erzählt ein wenig von ihrem Schicksal. Auch zu uns nach München kamen bei Kriegsende und nach dem Krieg sehr viele Ukrainer, entgegne ich. Ein schöner Platz, dieses Schnellrestaurant mit den nur zwei Tischen draußen, erhöht über der Straße. Ich werde gerne wiederkommen.

Wieder einmal durch Menetés fahren, das fantastisch um einen jähen Felsen herum gelegene Dorf, nun mit wesentlich verbreiterter Zufahrtsstraße von Pigádhia her. Das Stück Richtung Arkássa wird wohl später noch drankommen.

Schnell geht es durchs hübsche Arkássa, eher unten daran vorbei. Ist schon eine wunderbare Gegend. Stopp im Zentrum von Finíki. Die ganze mittlere westliche Küstenstrecke nicht minder schön.

Bei dem Schild "Pine Tree Restaurant" steige ich aus dem Bus, hole mein Gepäck unten aus dem Fach, Klappe wieder zu - aber nicht zu laut zuknallen, da reagiert der eine Busfahrer ganz böse!
Die Tafel wurde übrigens diesen Juni ergänzt durch ein Zusatzschild "Traditional Stone House for Sale".
Denn Nikos, der etwa 68-jährige, schlanke und rüstige Eigner des hier angelegten kleinen Paradieses, braucht Geld für weitere Bauten im Kiefernwäldchen über seinem Reich, und so will er die hübsche Steinvilla etwa 150 m oberhalb seiner Taverne abstoßen. Er steckt voller Energie, macht immer weiter, hört nie auf zu schaffen. Nur schade, dass er Teile des Wäldchens auch noch zu opfern bereit ist.

Ein kurzes Wegstück, dann bin ich bei Nikos Papanikoláou, der gerade ein Nickerchen auf einer Bank vor dem Fernseher eingelegt hat.
Er nennt mir meine Zimmernummer, den Rucksack hatte ich dort schon abgestellt, bei den Gartenzimmern mit den Blütenbüschen.

Zimmer Nr. 3, eines der mittleren. Es ist hübsch, groß, hat neben den zwei Betthälften und dem Einbauschrank noch eine Spiegelkommode, ein Extratischchen, eine lange, sofaähnliche Sitzbank. Und ein nicht zu kleines Badezimmer mit gut funktionierender Wasserversorgung, auch warm.

Auf meinem durch niedrige Seitenmauern eingegrenzten Terrassenteil stehen eine Liege und ein Plastiktisch, leider nur ein Stuhl - die Nachbarn haben sich bedient. Als Schattenspender dient ein Blütenbaum, der jetzt (nach Mitte Juni) größtenteils abgeblüht ist, ein Berg von Blüten ziert eine Ecke des Balkonbodens. Insgesamt reicht der Schatten immer noch aus, da auch die Nachbarbäume mithelfen.
Vor mir der Obstgarten, im Hintergrund die Bananenstauden, herumpickende Hühner. Und, ehrlich gesagt, ab und zu doch ein ganz feiner, ganz leichter Spritzmittelgeruch, ich kann ihn nicht wegleugnen, er stört aber auch nicht.

Mich nicht, aber empfindlichere Zeitgenossen stören vielleicht die wirklich langen Dornen an den so hübschen Zierbüschen. Bei meinem Busch sind sie bis etwa 3,5 cm lang. Hat den Vorteil, dass man an ihnen Socken aufspießen kann, zum Trocknen, oder zwischen ihnen Handtücher spannen usw.! Es darf nur nichts ins Auge gehen! Zusatzservice: Ein Meter Wäscheleine mit Klammern durch den Dornbusch.

Links von mir mehrere Waschlappen, zum Trocknen aufgehängt, keine Zimmerbewohner, auch die erste Nacht nicht, tippe auf ausflügelnde ältere Leute.
Rechts von mir ein mittelaltes österreichisches Paar, viel Wäsche. Zimmer Nr. 1 ist frei. Nr. 6 ebenso. In Nr. 5 wohnt das sympathische jüngere deutsche Paar; in die Frau, die auch gerne in der Küche aushilft, hat sich Nikos ein ganz klein wenig verguckt. Die Namen würde ich alle wissen, wäre ich länger als knapp anderthalb Tage (2 Nächte) geblieben.
In den Studios über der Taverne hat sich ein junges italienisches Paar eingemietet. Sonst niemand.

Es ist Fußball-WM, und das macht sich bemerkbar. Unsere Italiener flippen aus, als die Azzurri Tschechien besiegen. Es kommen Griechen aus der Gegend, um fernzusehen, nebenbei zu essen.

Essensgäste, beispielsweise auch aus Lefkós. Alle mögen sie diese Aussichtsterrasse, die mit Fahnen geschmückt ist, nicht nur mit typischen, rot und grün bemalten olymbitischen Steinornamenten innen an ihren Begrenzungsmauern, kaum jemand erkennt sie als solche.

Eine "lazy" Urlaubsatmosphäre. Öfters in bevorzugter Position, an Nikos' Stammtisch, nicht nur das Hilfspersonal, sondern auch die länger hier wohnenden Touristen, die jungen Deutschen und die Italiener. Es wird ein Schild gemalt, denn Nikos verkauft, wie gesagt, das Steinhaus weiter oben auf dem großen Grundstück.

Albena, die zierliche schwarzhaarige Bulgarin, die hier bedient und auch mitkocht, ist intelligent, spricht so ziemlich alle slawischen Sprachen, plus etwas Französisch. Griechisch dagegen kann sie fast gar nicht, dafür recht gut Englisch, mittels dem sie sich auch mit Nikos verständigt.
Ein französischer Uni-Mensch, der einmal hier isst, zeigt sich begeistert, Russisch mit Albena sprechen zu können.
Ángelos, ihr Mann, macht alle möglichen handwerklichen Arbeiten, bedient auch den Grill, wenn Nikos keine Zeit dafür hat, fährt Sachen weg, bringt Nachschub.

Frühstück ist inklusive, aber ich mag die jeweils 1 Scheibe Wurst und Käse nicht, bitte um Spiegeleier. Ausgezeichnet die selbst gemachte Marmelade, das hier im Steinbackofen gebackene Brot.
Unbedingt ein Glas frisch gepressten Zitronensaft aus dem Garten dazubestellen.

Wenn man bei Nikos P. essen will, sollte man traditionelle Inselgerichte wählen, wie Makaroúnes oder Ziege vom Grill. Bei den restlichen Fleischsorten könnte es schon einmal zu Enttäuschungen kommen. Und wenn ein Unkundiger eine relativ teure Schwertfischscheibe zu Tode grillt, bedeutet das: zäh wie Leder.

Auf einer großen, an einen Baum gelehnten Tafel mit Kreide aufgemalt alle Gerichte, die tags darauf nicht mehr erhältlichen werden einfach weggewischt. So entsteht ein Lückentext.

Nur wenn man nachhakt, bekommt man etwas ab vom roten Inselwein. Er ist deutlich süßer als die anderen, zugekauften "Offenen" (aus dem Alukarton). Erinnert mich an einen anderen lokalen Wein, den ich einmal auf der Kanareninsel El Hierro bekam, ebenfalls ein ehrlicher, von der Sonne recht stark gesüßter.

Zunächst lustig, mit der Zeit etwas nervig Nikos' Ritual mit seinem Hund. Er hetzt ihn zum Terrassenrand, indem er ihm wieder und wieder die "Türkengefahr" zuruft - "Pu ínä o Túrkos?!" Und das Tier spielt jedes Mal brav mit, zeigt sich übereifrig, als guter Wachhund, guckt zitternd, aufmerksam übers Land. Die Italiener lachen immer noch.

Und wo badet man, wenn es einen als Motorisierten nicht gleich zu den Traumstränden von Lefkós zieht?

Der Strand unterhalb und südlich des Gartens ist nichts Besonderes. Will man etwas ganz Ausgefallenes, muss man schon ein wenig wandern.

Neben der einen Matratzenwippe am Westrand der Terrasse ein Durchgang, nur ein paar Schritte weiter eine Gartentür durch den Zaun.
Wendet man sich nach rechts, trifft man auf den Pfad, der in westlicher Richtung über der Küste entlangführt, mal erdig, mal steinig, aber recht gut ausgebaut, besonders an kritischen Stellen, wo man über oder durch (sehr) kleine Schluchten steigen muss, usw. Kiefern spenden etwas Schatten. Besonders morgens ein herrlicher Fußweg, bestimmt auch abends. Ansonsten ziemlich sonnenexponiert.
Es ist vielleicht 1 km (oder etwas mehr), es sind 15 bis 20 Minuten, bis man über den ocker-rötlichen Stufen hinunter zu einer winzigen, sehr schmalen, tief landein gezogenen Bucht steht. Ein langes, abgerissenes Schiffstau ist über die Felsen gelegt, die das Büchtchen nach Ost hin eingrenzen.
Unten noch eine hohe Stufe, dann steht man auf dem Kies des hinteren Teils, vorne an der Wasserlinie Sand, draußen ein kleiner Felsen, der auch schon von weit vorne erkennbar ist und diese versteckte Ecke markiert.
Der Witz: dieses Juwelchen von Strand ist nur etwa 15 m breit! Sieht mit der dahinter liegenden, von steilen Wänden eingerahmten Mini-Bucht aber großartig aus, nun verstehe ich die verklärte und zugleich traurige Miene des jungen Paares, das kurz bevor ich losging von diesem "Ilióndas"-Strändchen mit Rucksack zu seinem VW-Bus zurückkam, um abzureisen. Die hatten wohl eine Zeit da hinten verbracht, übernachtet, mussten hängenden Kopfes weiterziehen.
Ehrlich gesagt: wenn man als ZWEITES Paar oder ZWEITER dort eintrifft, stört man schon übergewaltig. Es ist die Idealbucht für einsame Stunden unter sich. Dann kann man Jahre später seinem Nachwuchs von jenem versteckten Strand auf der Insel Kárpathos erzählen ......
Die jungen Deutschen in Ádhia haben mir von anderen berichtet, die es in der kleinen Bucht einmal mit Quallen (keine Feuerquallen!) zu tun bekamen, also Vorsicht. Gut, dass ich es erwähnt habe, schreckt bestimmt einige davon ab, die Idylle auszuprobieren.

Als ich eintreffe, ist das Meer leider zu bewegt, um einen Schwumm zu riskieren, zu starke Brandung, und man weiß ja nicht, ob sich irgendwo spitze Felsen unter dem Wasser verbergen.
Ich steige, klettere dafür ganz hinten die Felsen hoch, in der Hoffnung, einen weiterführenden Weg zu entdecken. Aber Fehlanzeige.
Laut Nikos lässt es sich aber zu einem weiteren, etwas westlicher gelegenen Strand rüberschwimmen, was ich wegen eventueller starker Strömungen an dieser sehr windigen Küste nicht so unbedingt wagen würde.

An meinem zweiten und letzten Tag in Ádhia nehme ich am Morgen die Straße nach Lefkós, wandere ein paar Kilometer die Kurven bergauf, mit schönen Ausblicken und Waldeindrücken. Ein einzelnes Fischerboot nähert sich der Bucht von Ádia, kuvt an ihr entlang.
Lange hab ich nicht Zeit für einsame Betrachtungen unterwegs, schon sitze ich im Auto eines österreichischen Paares, das mich bis zum Potáli-Strand im Gebiet von Lefkós bringt, wo sie schon öfter ihren Urlaub verbracht haben. Sie schwärmen von der dortigen Pizzeria-Taverne, wo das griechische Essen so besonders gut und liebevoll zubereitet sei. Muss ich mir merken.
Am breiten Kiesstrand (ansonsten gibt es in Lefkós Sandstrände) kaum Leute, man hat sehr viel Platz. Auf den Hängen und im ebenen Hinterland diverse Unterkunftsmöglichkeiten.

Hier liegt eh alles sehr nah beieinander, für geübte Fußgeher noch viel näher. So geh ich am Meer entlang zur Teerstraße vor, folge dieser vorbei an den bekannten Unterkünften wie dem "Krínos" bis vor zum mit Sonnenschirmen und Liegen zugestellten Hauptstrand mit den Tavernen darüber.
Na, kein Vergleich zu Ende April! Jetzt ist endlich Leben in dem Ort. In erster Linie wieder österreichisches, neben ein paar Skandinaviern und Deutschen. Der Bus aus Pigádhia kommt an, überholt mich, fährt gleich wieder zurück.

Mich ziehts hin zum alten Teil, den paar Tavernen um die Felsspitze beim kleinen Fischerhafen.
Kaum Leute an den Tischen, die meisten essen erst nachmittags und später am Abend. Hab keine Lust, das Lokal von Christine aufzusuchen, dort sitzt auch niemand. So geh ich nur meine Runde vorbei am "Dramoundána", hinter zum "Fisherman's House", der ältesten Kneipe, und durch den Durchgang hinter zur Kapelle, schließlich über eine leere Tavernenterrasse wieder vor zum Autoparkplatz vor der Taverne "O Michális".

Dann geh ich in einem Haken oben die anderen hübschen, weniger gut besuchten Strände entlang, bis hin zum Hotel Sarris und weiter. Ein Stück noch den Staubweg am Ende der Strände Richtung Insel Sókastro. Leute im Badedress kommen mir entgegen, wohl von einem noch weiter entfernten Strand. Doch es wird mir allmählich zu heiß, ich kehre um und gehe in einem Minimarkt einkaufen, denn in Ádia ist man ja auf das angewiesen, was in der Taverne erhältlich ist.

Als ich am Abzweig zum Potáli-Strand vorbeigehe, springt mir schon das Tavernenschild vom "Small Paradise" links an der Ausfallstraße ins Auge, wo ich einst eines der beiden einfachen Zimmer für ein paar Tage als erster Gast im frühen April bezogen hatte. Damals gab es noch keine "Sun Set Studios", die Nikos mit seinen eigenen, geschundenen Händen oben an einem Hang über den Sandstränden mühsam erbaut und ständig erweitert hat, neben seiner Tätigkeit als Fischer und Tavernenwirt und Vater zweier Mädchen - er hat sich wirklich abgerackert, und mit ihm seine immer noch recht jung wirkende Frau Iríni.
Bezeichnenderweise sitzen nur hier, im "Small Paradise", einige Dörfler aufgereiht, den Blick auf die vorbeiführende Straße gerichtet. Auch Irinis Eltern sitzen da, ich erkenne sie erst nicht.
Als die Familie zu essen beginnt, krieg auch ich auf Irínis Anregung hin was von den leckeren, italienisch zubereiteten Penne ab, von denen sie genug zubereitet hat, bekomm nachher eine Unmenge Obst auf den Tisch gelegt. Eine wirklich empfehlenswerte Essensstätte.

Nun heißt es in der mittäglichen Hitze langsam die Straße nach Ag. Geórgios hochzugehen, die höchsten Berge mit ihren bewaldeten Ausläufern vor mir. Es sind doch noch 2 km, und bei diesen Temperaturen schweißträchtige.
Ich schaffe es allemal, werfe auf dem Weg noch Seitenblicke in die eine oder andere Pensions- und Tavernenzufahrt. Ehemalige Feldwege sind nun geteert. Man bekommt nebenbei den Eindruck, dass es, je weiter man sich von Lefkós entfernt, auch billiger wird.

Endlich auf der Überlandstraße angelangt, links die Telefonzelle, dahinter gleich die mir vertraute Terrasse der einzigen hiesigen Kafenío-Taverne.

Etwas mürrisch werde ich empfangen, nur zwei Einheimische sitzen im Innenraum, Essensgäste sind ausgeblieben.
Ein doppelter griechischer Kaffee - eher als vierfache Portion gereicht. Ich höre, wie sie sich drinnen über mich unterhalten, lästern, dass ich zu Fuß gehe. Haben halt sonst kein Thema, kennen wir zur Genüge.
Unten im Haus amerikanische Laute - Verwandtschaft?

Ich weiß, dass ein Bus zurückfahren wird, und so kann ich mir Zeit nehmen, alle wenigen vorbeikommenden, meist haltenden Autos mustern, die aussteigenden Griechen.
Eine auf den Bus zurück nach Mesochóri Wartende bekommt zusammen mit ihrer kleinen Tochter eine Mitfahrgelegenheit auf einem "Rasenmähergefährt" mit Kleinanhänger. Hier kennt man sich eben, jeder hilft jedem.

Als ich die hier besonders köstlichen Sardéles bestellt habe, genussvoll das Fleisch von den Gräten abzustreifen beginne, trifft ganz unerwartet ein Bus aus Richtung Mesochóri ein, der in keinem Fahrplan erwähnt ist. Ich kombiniere: das muss der nach Spóa sein, der über die Ostküstenstraße dorthin fuhr, nun nach Lefkos weiterfährt um dort Leute zurück nach Pigádhia aufzunehmen.
Die größte Überraschung: diesem Bus entsteigen mir bereits Bekannte, bestimmt meine Zimmernachbarn in Ádhia.
Es ist das eine ältere Paar, mit dem ich schon bei meinem Fahrradausflug ein paar Worte gewechselt hatte.
Sie entpuppen sich als Münchner, und trotz der nicht geringen Leibesfülle des Gatten haben sie eine sehr lange Bergwanderung hinter sich gebracht, vorher nach Aufstieg durch die Flaskiás-Schlucht einmal bei Thanássis auf der Lástos-Alm genächtigt, um am Folgetag wenigstens 2 Stunden Weges einzusparen.
Dann haben sie einen gut markierten Wanderweg über die Berge Richtung Spóa genommen, bei dem nur die Zeitangaben auf den Schildern ausgesprochen optimistisch formuliert sind.

Die Markierungskünstler und Schildermaler haben überall auf der Insel offenbar mit dem Taschenrechner gearbeitet, als sie unter die Entfernungsangaben noch die Zeiten aufmalten.
Liest man "2 h 47 min", glaubt man sich in der Tat verarscht.
Die erfahrenen Bergwanderer meinten, die Zeiten seien viel zu knapp bemessen angegeben, also große Vorsicht! Der Weg über die Berge nach Spóa sei alles andere als ein Kinderspiel.

Den Bus nehmen wir nicht, wir unterhalten uns lieber ausgiebig. Irgendwann erklärt sich der Ehemann bereit, nach Ádhia zu trampen, um seine Frau und mich mit dem Auto abzuholen.
Die Ehefrau berichtet, ihr Mann studiere auf seine alten Tage, als Rentner, jetzt Neugriechisch an der Uni München, befasse sich auch mit Italienisch, da sie öfters in der Toskana urlaubten.
Nicht schlecht, so eine Einstellung.

Leider fahren nachmittags nur wenige Autos von Lefkós Richtung Arkássa. Aber dennoch, das Wunder geschieht, der Gatte hatte Glück, das erste Auto hat ihn mitgenommen, so ist er nach etwa einer Stunde wieder hier, mit seinem Leihwagen.
Auch beim Abendessen setzen wir uns schließlich zusammen, erzählen uns Griechenland-Erlebnisse, sind uns einig, dass keine andere Insel wie Kárpathos ist, schwärmen von dieser tollen Terrasse in Ádhia, der warmen Brise, die über uns streicht, dem Blick auf Kássos. Hat der Wind auf Süd gedreht?

Nachts brauche ich noch eine Ruhestunde auf dem Balkon, der Terrasse über dem Garten vor meinem Zimmer. Trotz der Tatsache, dass ich um sieben schon den Bus abpassen muss.

Ein weiter Sternenhimmel. Der Lichterschein von Finíki und Arkássa hinter einem Höhenzug an der Küste. Schwarze Umrisse von Bergen, von Bäumen. Zikaden. Schönes Alleinsein, eins mit sich selbst. In dieser Ausnahme-Nacht.

"The moon shines bright. In such a night as this,
When the sweet wind did gently kiss the trees,
And they did make no noise - in such a night,
Troilus methinks mounted the Troyan walls,
And sigh'd his soul toward the Grecian tents,
Where Cressid lay that night.
In such a night
Did Thisby fearfully o'ertrip the dew,
And saw the lion's shadow ere himself,
And ran dismayed away.
In such a night
Stood Dido with a willow in her hand
Upon the wild sea-banks, and waft her love
To come again to Carthage.
In such a night
Medea gathered the enchanted herbs
That did renew old Aeson.
In such a night did Jessica steal from the wealthy Jew,
And with an unthrift love did run from Venice
As far as Belmont.
In such a night
Did young Lorenzo swear he lov'd her well,
Stealing her soul with many vows of faith,
And ne'er a true one.
In such a night
Did pretty Jessica, like a little shrew,
Slander her love, and he forgave it her."

(Shakespeare, "The Merchant of Venice")



5. Zurück nach Rhodos

Sich die Augen reiben. Frühmorgendliches Warten am Straßenrand, ein wenig in die Schlucht rein, wieder zurück, denn ein verdächtiges Dieselgeräusch tönt von den Serpentinen herunter. Doch es ist nur das Müllauto, das noch vor den Bauern übers Land zieht.

Noch einmal das Tavernen-Werbeschild begutachten, rechts oben die aufgeklebte Verkaufstafel (das Steinhaus). Sich kurz in die Büsche schlagen.
Kurz nach sieben rollt er an, der Bus, ob aus Mesochóri oder nur aus Lefkós ist nicht so wichtig.
Die Insassen hinter dem Fahrer dösen noch alle vor sich hin, holen Schlaf nach, kurz vor Arbeits- oder Einkaufsbeginn. Einige jüngere Leute, Touristen aus Lefkós, sind mit an Bord.
Ein lächerlicher Fahrpreis, im Vergleich zum Taxi.

Wieder entsteige ich auf dem Platz vor dem Rathaus in Pigádhia dem Bus, nehme erst einen Kaffee bei den Arabern des Eck-Kafeníos zu mir.

Beim Weitergehen treffe ich gleich auf ein mir bekanntes Gesicht, eine liebe Jugoslawin (wohl Serbin), ehemalige Bedienung vom Schnellrestaurant am Beginn der Dhimokratías-Straße, gegenüber der Konditorei. Sie wird aber soeben zu einer anderen Arbeit abgeholt, so können wir nicht viel reden.

Da mir die Uferpromenade um die Einmündung der Dhimokratías-Str. herum allzu zugekleistert mit Kneipenstühlen erscheint, parke ich mein Gepäck ausnahmsweise nicht in einem älteren Kafenío unweit des noch Anfang Mai existierenden Kiosks (der inzwischen spurlos verschwunden ist), sondern frage im "Time Out", ob ich es reinstellen darf, und sie erlauben es freundlichst.
Ich verbringe also insgesamt einige Stunden vor diesem Lokälchen, im rechten Winkel zur Uferpromenade, gegenüber ein Restaurant, daneben der Touristenladen mit nützlichen Dingen wie Taschen, Tüchern, Regenschirmen etc., der schon vormittags ein gutes Geschäft macht. Irgendwann kommt ein ganz starker Ostwind auf, und die Ausstellungsständer der Geschäfte würden umgeweht, wären sie nicht vorsorglich mit schweren Sandsäcken abgesichert.

O Gott, so ein Wind aus Ost bedeutet doch Seitenwind bei Landung und Start, und ich gebe gleich die Hoffnung auf, heute mit der kleinen Propellermaschine noch von hier wegzukommen. Bei Possi Travel beruhigt man mich - der Wind müsse schon extrem stark sein, erst dann würden Flüge storniert.

Noch ein bisschen durch Pigádhia wandern, ein Buch suchen, das ich schon lange wollte. Ein Ortsnamenbuch über die Insel, das in einem Zeitschriftengeschäft vorrätig ist. Am Taxistandplatz kommt einer der Fahrer auf mich zu, ob ich ihn nicht erkenne? Er ist aus Diafáni und ein Lendákis, Nikos. Wir vereinbaren eine Fahrt zum Flughafen, mittags. Nikos meint, kein Problem wegen dem Wind, der Flug.

Vor dem "Time Out" erlebe ich, wie sich eine ankommende "Amerikáni"-Schar erstmals seit langem mit ihrer Verwandtschaft trifft. Manchmal denke ich, auf Kárpathos würde Englisch wirklich ausreichen, warum versuche ich es immer auf Griechisch?

Kurz vor Mittag die Fahrt zum Airport, d.h. zur Taverne "Bárba Minás", die mir der Taxifahrer wärmstens empfiehlt, er esse dort selber fast jeden Tag zu Mittag. Es überrascht ihn zu hören, dass ich das Lokal schon kennen- und schätzen gelernt habe. Eine tadellose, gut gewürzte Portion Jígandhes (Gígandes) und noch einmal Chórta genügen mir diesmal.
Ein zweites Mal treffe ich die nette Norwegerin mit Kleinkind, ihr Mann ist heute mit dabei.
Beim Bezahlen krieg ich noch ein Kärtchen mit von einem Reisebüro in der Nähe von München, das ein Verwandter betreibt (www.onlineweg.de).

Erst kurz vor Ankunft der Dash-8 öffnet der Check-in des kleinen Flughafenterminals. Eine Jugendgruppe fliegt mit, übers Wochenende nach Rhodos.
In dieser Inselecke weht kein Ost-, sondern der altbekannte NW-Wind, und der kommt genau gegen die Richtung unseres Starts, also kein Problem.

Als wir die Küstenlinie verlassen und nach Ost an Afiártis vorbeidrehen, werfen heftige Windstöße den Flieger hin und her. Einmal sackt er ganz unvermittelt ab und ein Mädchen kreischt dermaßen laut, dass das ganze Flugzeug lachen muss, inklusive der Flugbegleiterin.
An Pigádhia vorbei geht es in Richtung des Kaps vor Monólithos. Prassoníssi ist wieder schön zu sehen, auch Kattaviá und andere Inseldörfer. Das Inselkraftwerk unweit des Flughafens von Rhodos. Eine sanfte Landung.

Ich geh die etwa 400 Meter vor zur am Flughafen vorbeiführenden Straße, überquere sie und warte an der Bushaltestelle. Meinem Fahrplan nach zu urteilen, muss bald ein Bus vom nahen Paradíssi her auftauchen.
Ein alter Mann wartet mit mir. Wir kommen ins Gespräch. Von Kárpathos käme ich? Ach, vor Jahren habe er die neuen Fresken in der großen Kirche von Mesochóri gemalt, sei eine schöne Zeit gewesen in diesem Dorf.

Copyright puchheim = MartinPUC, Juli 2006

Erinnerung an Astipálea




zurück zur Startseite