Teil 4: Von Kálimno über Ko nach Sandoríni
Copyright puchheim = MartinPUC, September/Oktober 2009


Verliebt in Kálimno, und dennoch: Kos mit Genuss!

Erst gegen 15 Uhr muss ich mich an der kleinen Passagierhalle fast am Nordende der großen Hafenmole von Póthia (Kálimno) einfinden. Ich gehe zu Fuß, hab viel Zeit für den Weg, und so ist das große Gepäck noch gut ertragbar. Schwer wiegt es auf die Dauer dennoch, der Frappé im Molenkafenío ist insofern verdient.

Die Katamarane sind seit Jahren trotz ihres hohen Fahrpreises äußerst beliebt, die Mengen von wartenden Passagieren sprechen für sich, es sind mehr Griechen als Touristen.
Drinnen im Wartegebäude, hinten neben dem Toilettenbereich, wird der Fahrkartenschalter allmählich aktiviert. Ganz bequem besorge ich mir erst hier mein Ticket nach Ko(s). 14,50 Euro kostet die relativ kurze Passage inzwischen (Stand: 20. Mai 2009).

Nach ihrer fast überpünktlichen Ankunft wird die Dodekánisos Pride erst einmal in aller Ruhe aufgetankt, ein kleiner, zusammengestauchter LKW steht dafür bereit. Man nutzt sozusagen das Ent– und Beladegedränge, nutzt die daraus resultierende Zeit für die Energiezufuhr.
Mit der Abgabe meines Rucksacks warte ich noch etwas, will nicht, dass er in irgendwelchen Tiefen verschwindet, wo ich doch den Wasserflitzer in Kürze wieder verlassen werde. Aber sie haben tatsächlich die Ziele auch gepäckablagemäßig definiert, schon da draußen vor dem unteren Passagierraum. Dennoch beruhigend, sich als einer der Ersten sein Gepäck bei der Ankunft greifen zu können.

Die Pride düst mit voller Geschwindigkeit durch die Wellen, kaum dass sie den Hafen verlassen hat. Ich stehe im Windschatten eines funnel, eines Schornsteins. Beeindruckend schnell werden die bekannten Gestade immer kleiner und dunstiger. Jetzt heißt es loslassen ohne Sentimentalitäten –aber eine dicke Träne sei doch gestattet! Hoffnung auf ein Wiederkommen stellt sich sogleich bei mir ein – ich kann es nicht verhindern, bin froh darüber. Jemand Gutmeinender, von mir sehr Geschätzter hat kürzlich zu mir gesagt: Du bist verliebt in Kálimno! Ich glaub der/(oder wahrscheinlich:) die hatte irgendwie recht.

Wir steuern unaufhaltsam auf Ti(n)gáki zu, doch backbords rücken andere Inseln als Kos in den Brennpunkt: erst der schmale Süd–Nord–Strich von Pláti, dann das verhältnismäßig "riesige" Psérimos mit seiner hügeligen Gliederung. Und Letzteres lässt sich länger als eine Weile anstarren, fixieren und im Auge behalten, wenn man auf die Nordostspitze der Hippokrates–Insel zuhält.
Und unvermeidlich tritt die türkische Gegenküste verstärkt ins Blickfeld, sie ist ganz nah, für manche unheimlich nah.
Es entsteht ein Eindruck von geografischer Zusammengehörigkeit, nicht etwa entschiedener Trennung. Aber was Menschen entscheiden, ist nicht von Logik, ist in letzter Konsequenz vollkommen emotionsbestimmt. Wären wir doch alte Götter, oder wenigstens geduldige Brückenbauer, Pioniere der Überbrückung! Wir laufen, bewusst oder unbewusst, mit allerlei Ausflüchten und Selbstbehauptungsversuchen, in unseren Innersten einem einzigen abstrahierten Gott nach und stellen uns doch ganz dumm und ignorant, sollten wir einmal diesbezüglich gefordert werden. Wie (mega)schade für Europa wie für Kleinasien! Menschen, eben.

Spätestens als das Schnellboot um das Kap Ammoudhiá (das "sandige Strandkap") herumkurvt, sind wir angekommen, gleiten vorüber an den Strandsiedlungen, den nördlichen Ausläufern der Inselhauptstadt Kos. Anlegen im Außenhafen. Die Stadt ist sichtmäßig verdeckt, weit weg. Das Kastell (in dem der unvergleichliche Werner Herzog einst filmte, garniert mit Aufnahmen auf der ostkretischen Lassíthi–Hochebene, Lebenszeichen (1968, mit einer Hauptfigur namens Stroszek), einer seiner allerbesten Filme, wage ich spontan zu behaupten, auch wenn der Filmer und Autor selber widersprechen wird) und eine Art vorgelagerter Grüngürtel aus mächtigen, hochstämmigen Palmen schirmen die Hauptsiedlung von ihrem Hafen ab.

Ich muss mein schweres Gepäck zwischenlagern, um beweglich zu sein. Weiß schon wo. Im Hafenkafenío, dem großen, geräumigen. Erinnerungen sagen es mir, an früher erlebte Zeiten, als die rhodische Schifffahrtsgesellschaft D.A.N.E. noch existierte und GA Ferries die absolut, die mit Abstand Modernsten in der Ägäis waren und noch nicht unter den Hammer gekommen, wie eben jetzt. Selbst ein kleines, so kurz bemessenes Leben kriegt diesen ständigen Wandel mit. In meinem alten Müller–Verlag–Dodekanes–Führer stehen aus heutiger Sicht "abartige" Schiffsnotizen auf den hinteren freien Seiten, von Schiffen, die einmal waren, von Kos ablegten – absolute Vergangenheit. Alles ist vollkommen anders geworden. Man kann es kaum fassen. Ein überaus schneller Wandel, der sich da vollzogen hat und weiter vollzieht – eigentlich wie überall, wie auf jedem Gebiet. Wenn man jung ist, glaubt man sich in Sicherheit, täuscht sich dabei fürchterlich.
Ich hatte mir zwei Euro vorgestellt als Gebühr für die Zwischenlagerung des Gepäcks, in irgendeiner Ecke des großen Hafenkafeníos. Es stellte sich heraus, dass 2 Euro genau richtig waren, so viel verlangte man auch: für eine Aufbewahrung in großen Schließfächern, die von der Theke aus per Entsendung eines Mitarbeiters bedient wurden – also nicht etwa per Münzeinwurf.

Nun bin ich frei für einen Stadtrundgang. Bei aller Liebe für die kleinen Inseln, für die ganz kleinen, kann ich es doch nicht verhindern, dass ich mich gleich wieder wohlfühle in dieser Hafenstadt. Kein Wunder, ich dringe bereits kurz nach meiner Ankunft in den Altstadtkern ein, und der präsentiert sich bei aller touristischen Erschließung nun einmal äußerst schmuck und vorzeigbar. Alles andere als eng, zudem hell, begrünt und gut durchlüftet.

Als ich vom Beginn der mit ihren gigantischen, dickstämmigen, einfach herrlichen Dattelpalmenexemplaren jedes Mal wieder verblüffenden Finíkon–Allee zwischen Hafenkastell und Stadtzentrum zur Nafklírou–Straße hinsteuere, finde ich mich bald zwischen den Ausgrabungen der antiken Agorá und einer ununterbrochenen Reihe von Touri–Tavernen wieder.
Vor mir her zieht eine schick gekleidete Gruppe Jugendlicher des Weges. Auf die Frage eines Tavernen–Anmachers, woher sie denn kämen, antwortet die Führerin in bestem Griechisch "Rossía" und fügt noch einige perfekte griechische Floskeln hinzu. "Russia –very nice country!" –, tönt es sofort geschäftstüchtig zurück. Das hatte ich mir früher andauernd über Deutschland anhören müssen, usw. Man ist wie eh und je um keinen plumpen Trick verlegen, wenn es ums Geld geht. Es sind alles andere als arme Russen, die sich auf der Insel herumtreiben. Nicht umsonst schießen Nobelboutiquen, Juweliergeschäfte und schicke Bars gerade in diesem Ort aus dem Boden.
Nichtsdestotrotz wirkt die Stadt auf ihre Weise attraktiv und irgendwie wohltuend auf den Neuankömmling. Ihr Chique gleichsam eine passende Ergänzung all der bäuerlicheren, urtümlicheren Nachbarinseln.

Eine Stadtbeschreibung will ich hier nicht liefern. Da ist der Grieche Jórgos Tzimoúrtas besser (Kos. Pátmos, Léros, Kálymnos, Níssyros, Tílos. Barbara Rausch Verlag, Wetzlar).
Ich quere verschiedene größere Plätze, darunter den einen mit den irre großen, alles überdachenden Baumriesen, Kaffeehaustische darunter. In südlicher Richtung weiter bis zum "Busbahnhof", einem größeren Platz mit zwei Kafenía und rundherum viel Raum für die Inselbusse, die meistens lawinenartig zur etwa gleichen Zeit losstarten.
Die Frau, die am Nebentisch des einen kleinen Cafés Platz genommen hat, ist über alle Maßen geschockt zu erfahren, dass das nun die letzten Busse gewesen seien, die sie zum bzw. in die Nähe des Flughafens gebracht hätten, um ihren Flug noch zu erreichen. Sie war mit mir auf der Dodekánissos Pride, ist von Pátmos hergekommen und soll nun kräftig in die Tasche greifen zwecks Taxi. Den Rat des Kafetzís, doch wenigstens einen Bus näher ran an den Airport zu nehmen, in diesem Fall nach Ti(n)gáki, nimmt sie nicht an, ärgert sich nur, die Frankfurterin. Dabei fuhr der entsprechende öffentliche Überlandtransporter vor nur 5 min ab – sie hatte es einfach vergammelt mit ihren unbekümmerten Extratouren durch die Stadt.

Nebenan eine sehr dunkelhäutige, afrikanische oder afroamerikanische Frau, Bedienung oder Besitzerin des anderen Kafeníos gleich beim KTEL–Büro. Ich erinnere mich. Schön, dass das alles wieder auftaucht im Gedächtnis. Ein wirklich hübsches Eckchen der Stadt, dieser umgrünte Busabfahrtsplatz, nicht ungeeignet, sich etwas Zeit zu nehmen, in aller Ruhe und Entspanntheit ein kleines Fläschchen Retsína (nicht von Kos!) zu genießen.

Allmählich wird es Zeit, mir ein Schiffsticket für die abendliche Weiterfahrt zu besorgen.
Die Hauptagentur der Blue–Star–Ferries direkt am Jacht–, Ausflugsboot– und Fischerhafen ist leider geschlossen. Ich gehe zurück ins nahe Zentrum, irre eine Zeit lang ziemlich herum, bis ich endlich eine weitere Agentur gefunden habe. Dort ist man besonders streng, will unbedingt den Ausweis sehen, um auch ganz sicherzugehen, den korrekten Vor– und Nachnamen des Passagiers erfasst zu haben. Gut, nun hab ich die Fahrkarte für die Blue Star 2 in der Hand. 28 Euro 50 plus 50 Cent Hafensteuer, von Ko nach Sandoríni.

Zeit also, noch ein bisschen herumzustreunern. Bevor ich irgendwelche Stufen in der Nähe der Hauptkirche hinuntersteige, mustert mich ein kritischer orthodoxer Priester ganz genau.
Besonders beeindruckt mich später die einstige Defterdar–Moschee, außer dem schönen Minarett ist nichts mehr heilig, sie besteht heutzutage aus verschiedenen Geschäften.

Nun gehe ich die Aktí Koundouriótou, die Uferstraße des inneren Hafens entlang nordwestwärts, auf der Suche nach einem Kiosk, der OTE–Telefonkarten verkauft. Eine Aneinanderreihung von Touristen–Cafés säumt meinen Weg. Viele Insassen scheinen sich sehr wohlzufühlen.
Es gibt gerade keine Telefonkarten (– nur mehr Handytelefonierer!).

Jenseits der Einmündung der Bouboulínas–Straße in den Hafenbereich ein kleiner Tabakladen. Dort frage ich, ob diese verdammte Telefonkarte eines Privatanbieters noch gültig sei. Der Ladenbesitzer ist ein kluges Kerlchen, ruft erst einmal einem Spezl zu, hier erkundige sich ein Deutscher nach einer Telefonkarte. Ich nehme es nicht als niederschmetternd an, bin ich doch schon so oft wegen meiner guten griechischen Aussprache gelobt worden. Es ist wohl eher meine Physiognomie, mein Gesicht, die/das mich als Deutschen verrät. Aber klar, ich bin auch aussprachemäßig kein echter Grieche – für einen Griechen wohl leicht hörbar. Schön, das zuzugeben: Ich bin NICHT perfekt! Bin auch nur so ein Deutscher. Die Telefonkarte war schon, als ich sie letzten Herbst erstanden habe, nicht mehr gültig – eine Bankrottgesellschaft.
"Rauchen ist gesund!", meint ein Kunde des Tabakladens, über dessen üppigen Tabakeinkauf ich mich wundere. So kann man es auch sehen.

Jetzt wird es interessant, jetzt betrete ich ein schönes Viertel (nordwestlich des inneren Hafenbeckens), wenn es auch in einer Art Schachbrettmuster erstellt wurde und aus lauter neueren Bauten besteht. Es beherbergt aber mit Sicherheit interessantere Kneipen, Tavernen und Unterkünfte als die übrigen Viertel der Stadt, und ich hätte spontan große Lust, mich einmal hier, ganz in Meeresnähe, einzuquartieren.
Auf meinem Weg hin zur Küste gelange ich zu einer offenen Landfläche, an deren östlichem Rand ein griechisches Kriegsschiff angedockt hat, locker bewacht von einem Posten.
Hinter mir zwei anscheinend recht beliebte Ufertavernen mit Prachtblick zur türkischen Gegenküste von Bodrum. Hätte ich nur mehr Zeit!

Schließlich nehme ich noch ein Getränk und eine kleine Speise im Hafencafé zu mir, dort, wo ich mein Gepäck deponiert habe.
Warte dann draußen auf das Schiff. Werde als Rucksackträger gleich von Zimmervermietern angesprochen – es sind zu meinem Erstaunen offenbar Griechen türkischer Abstammung. Ich reise ab, sag ich ihnen.

Um Viertel vor acht Uhr abends legt die große Blue Star 2 an. Kurz nach acht legt sie ab. Ein schnelles Schiff. Schön, auf ihm zu fahren.


Nachtfahrt auf der Blue Star 2

Jetzt im Mai ist es um acht Uhr abends immer noch gut hell, und so wird es eine Bilderbuchabfahrt im schräg einfallenden Abendlicht.
Ein großer Schwenk um die flache, mit weißen Häusern bestandene Nordostspitze von Kos herum, so nah an der Halbinsel von Bodrum vorbei, mit ihren hässlichen, an den Hang gestaffelten Reihenhäusern.
Noch einmal dieselbe Szenerie wie bei der Herfahrt von Kálimno, nur in viel anheimelnderem Licht.
Das Fast–wie–in–einem–Traum–Feeling stellt sich beim Seefahrer ein, der von der Reling auf die Inseln guckt, während er an ihnen vorübergleitet, auf einer ruhigen See.
Wie ein Abschiednehmen ist diese Abreise vor Einbruch der Nacht, und es könnte fast ein wenig Wehmut aufkommen, wenn man so aus einiger Ferne auf die an der Nordküste aufgereihten koischen Urlaubsorte blickt (– so retortenhaft sie teils auch sein mögen), wo man sich gerade einen Oúzo gönnt, falls man sich nicht bereits über die Hauptmahlzeit des Tages hermacht.
Unlängst sind die ersten Lichter angegangen, wir passieren in zügigem Tempo den westlichen Schwanz von Kos, die Kéfalos–Halbinsel.

Wie wir wohl Astipálea umfahren werden, auf unserer Nonstopfahrt? Mit wie viel Knoten wir uns eigentlich durch die Fluten schieben?
Auf meinen Wanderungen durchs Schiffsinnere stoße ich bald auf einen wahren Segen für meinen Wissensdrang, eine tolle Extraleistung für den neugierigen Passagier. Hängt auf anderen Schiffen hier und da eine kleinere oder größere Seekarte herum, findet sich in ICEs bei uns daheim die in Abständen aktivierte Geschwindigkeitsanzeige, so bietet die Blue Star 2 doch wesentlich mehr: den Zugang zu einem satellitengestützten Schiffsnavigationssystem für alle Mitreisenden.
Die müssen sich nur auf ein bestimmtes Innendeck achtern begeben und die Augen aufmachen oder auf eine Schar Hochinteressierter achten, die da um einen niedrigen Tisch rumstehen, in dessen Oberfläche ein Bildschirm eingelassen ist. Auf dem Schirm in Großabbildung die Umrisse naher Küsten, kleiner Inselflecken, ein langer Strich, der die Fahrtroute repräsentiert, diverse eingeblendete Ziffern, neben etlichen deaktivierten kleinen Anzeigefeldern.
Beim Vorbeifahren an der Nordküste des östlichen Schmetterlingsflügels von Astipálea werden Kaps auf diesem Bildschirm sichtbar, die nicht einmal auf meiner detaillierten Karte verzeichnet sind – die Nacht wird zum Tag. Ständig schwankt die Fahrgeschwindigkeit zwischen etwa 25,7 und 26,4 Knoten. Ich komm ziemlich oft vorbei.

Nur einige Meter von dieser faszinierenden Anzeige entfernt der Eingang zu einem etwas düsteren, fensterlosen, aber ganz intimen und abgeschotteten Raum. Als ich hineinwill, werde ich sogleich angefahren: "No entry, astinomía!" Der ist also für reisende Polizeigruppen und dergleichen reserviert. Sie hängen an den Tischen rum, trinken Kaffee, unterhalten sich.

Ich steige wieder hoch und peile das allmählich aus dem Dunkel erstehende Sandoríni an. Es wirkt aus dieser Entfernung, und noch eine gute Stunde später, merkwürdig gedreht, verdreht, ganz anders, als man es vom Blick auf die Landkarte her kennt. Ist halt eine Art Kugel, die Erde. Gut, dass man ab und zu Gelegenheit hat, das auf See vorgeführt zu bekommen.
Selbst auf ihrer nordöstlichen Rückseite wird die Insel von einem Lichtermeer erhellt, das sich schon von ferne zeigt. Weiter nördlich leuchtet vielleicht äußerst schwach noch ein wenig Íos herüber, sonst nichts mehr.

Auch um Mitternacht ist es ein Erlebnis, sich erst der äußeren Nordküste Santorins anzunähern – die Lichter an Land werden immer schärfer und abgegrenzter –, dann langsam um den Nordriegel herumzudrehen und schließlich in die nördliche Caldera einzulaufen, rechts Ríva, links der Nachtglanz von Ía (Oia) und seinen winzigen Häfen. Und dann der lange Kranz der restlicher Kraterrandsiedlungen in luftiger Höhe.
Und dann das lang erwartete Anlegemanöver unten in Athiniós. Eine Dusche wäre jetzt das Richtige.


Ankunft auf Sandoríni

Eine warme Nacht, in der Caldera noch deutlich wärmer als draußen auf dem Meer. Etwas abseits hinter all den wartenden Hotelgästeempfängern steht ein korpulenter Mann mit einem Schild: Anny Hotel.
Er hat nur auf mich gewartet. Artémis, der Eigner des gleichnamigen "Village" in Éxo Jalós, ist tief enttäuscht, nachdem er mich erkannt hat. Aber sein Angebot am Telefon war einfach zu teuer.
Im Dunkel tastet sich der große Minibus die abenteuerlichen engen Haarnadelkurven hinauf, biegt oben bald rechts ab, bis wir auf kleineren Nebenstraßen das Dorf Mes(s)ariá erreicht haben.

Nahe der Dorfmitte mein Hotel, in dem ich mich telefonisch angemeldet hatte, nachdem ich das schier unglaublich günstige Sonderangebot über ein bekanntes deutsches Hotel–Internetportal entdeckt hatte.
Nach halb ein Uhr nachts. Der Herr an der Theke meint, ich solle bitte gleich für beide Nächte bezahlen. Ich stutze zuerst, leg dann aber das Geld hin, schon ziemlich müde.
Das Zimmer wirkt ganz hübsch, das Bett sauber, nur als ich das Bad betrete, wirft es mich vor lauter aufgestauter Hitze dort drinnen richtig zurück – und vor lauter Entsetzen über die Ungepflegtheit und den aberwitzigen Schimmelbefall an Decke und Seitenwänden.
Nachdem ich den Balkon besichtigt habe, steigt angesichts der dort befindlichen rostigen Eisenmöbel und der hochgewachsenen Eukalyptusbäume im Hof davor die Erinnerung in mir hoch: hier war ich schon einmal einquartiert! Es muss vor langen Jahren gewesen sein.
Nun könnte ich natürlich runtergehen und protestieren. Aber ich lass es bleiben, werde mich die 2 Nächte schon zurechtfinden. Putze erst wenigstens kurz das "nicht gerade perfekt vorgereinigte" Badezimmer. Nehme die verdiente Dusche in tropischer Hitze, den Schimmel ignorierend. Kämpfe vergebens an gegen einen Duschkopf, der den Wasserstrahl gleichmäßig und dreidimensional in wirklich sämtliche Richtungen verteilt und das Handtuch gut anfeuchtet. Ein echter Reinfall, das Anny Hotel. Ich mache das Beste draus.

Copyright puchheim = MartinPUC, September/Oktober 2009

Ein eineinhalbtägiges (zweinächtiges) Santorinerlebnis



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