Einige Tage auf Kreta
Copyright puchheim = MartinPUC, Oktober 2011


In Iráklio

Gehe entkräftet und noch etwas schwankend den Hafenkai westwärts entlang. Würdige den Flyingcat 4, der mich von Santorin hierher gebracht, eher: durch viel zu hohe See geworfen, geschmissen, beinahe umgebracht hat, keines Blickes mehr. O Gott, wie schlecht es mir an Bord erging! ((Siehe: Kykladen Juni 2011))
Auf einer Bank nahe dem Häuschen bei der Parkplatzschranke sitzend, nur mehr 150 m vom alten Fischerhafen entfernt, spüle ich mir die letzten Reste von Erbrochenem mit Mineralwasser aus dem Mund und begutachte meine Hose auf Flecken hin.
Langsam wird mir wieder besser, nicht einmal eine Cola brauche ich dafür. Das macht die Freude, auf dem geliebten Kríti angekommen zu sein!

Meine Bleibe für eine Nacht ist wieder ein kompromisslos schlichtes Zimmer im Hellas, Niveau „extremely basic“, in der Chándakos–Straße. Komfortverwöhnten absolut nicht zu empfehlen! Dafür spart man eine Menge Geld und kriegt trotzdem eine saubere Unterkunft, die übrigens sehr begehrt ist – von Touristen. Dusche und Klo befinden sich auf dem Gang (– ich kenne das aus früheren Zeiten in GR, es macht mir nichts aus), man hat diverse Stockwerke zur Auswahl.
Es dauert nicht lange, bis ich es, quer durch das hafennahe Altstadtviertel, zu diesen Rooms zu Fuß geschafft habe. Ich freu mich schon wieder auf den nächsten Morgen und das Frühstück mit dem Superrundblick vom Dachbalkon.

Für den späteren Abend hab ich mir was Feines rausgesucht, für einen Iráklio–Erfahrenen kein großes Kunststück. Etwas Einfaches, das mitten im Zentrum angesiedelt ist.
In dem unscheinbaren Mini–Ouzerí Sarandavgá (im „Fohrer“, 18. Auflage 2009, übrigens falsch geschrieben) in der bekannten Marktgasse hat offenbar die Betreibercrew gewechselt, statt des Alten kochen und bedienen nun zwei Jungs (vielleicht helfen sie auch nur vorübergehend aus).
Zwar hat die Vielfalt der bisher (im Vergleich zu letztem Jahr) gebotenen Mezédhes merklich nachgelassen, aber das Angebot reicht noch gut aus, die anwesenden Kreter und auch den deutschen Quereinsteiger zufriedenzustellen.
Ich lehne es zunächst ab, irgendwelche kleine Tellerchen zu bestellen, sag, mir sei immer noch etwas schlecht von der stürmischen Überfahrt, trink erst mal ein Bier, was meinem Magen gut bekommt. Aber nach einer Weile läuft mir das Wasser im Mund zusammen, als ich die Paréas nebenan so ungeniert und so genießerisch zugreifen sehe.
Wenigstens drei Tellerchen lass ich mir kommen, darunter herrlich gewürzte Fleischstückchen, dazu noch etwas Ratschí (Rakí), und bald gibt es einen glücklichen Touristen mehr sto kéndro Iraklíou.

Auffallend viele jüngere Leute sitzen um mich herum, ich komme mir ziemlich alt vor. Einer ankommenden Gesellschaft biete ich meinen großen Tisch an, verziehe mich auf den kleinsten. Bald steht noch ein Bier vor mir, kleines Geschenk von nebenan.

Auf einmal kommt Unruhe auf, erst in der Bar gegenüber, dann auch bei den Jungs in meinem Lokal. Eiligst werden Tische und Stühle zusammengerückt, sodass sich am Ende die bestuhlten Freiflächen halbieren. Auf meine Frage, was das denn soll, eine kurze Antwort: „Astinomía!“. Ach so, Polizei.
Die lizensierten Flächen vor den Lokalen mussten schnell auf das offiziell angemeldete Maß reduziert werden, obwohl so ziemlich jeder Wirt sich gerne viel weiter ausbreitet, insbesondere vor eh geschlossenen Marktgeschäften und –ständen. Die Kontrollen sind nun viel schärfer als früher, weil die Kommunen und der Staat ihre Steuergelder eintreiben müssen, um den entleerten Staatssäckel zu füllen. Wer nur irgendwie kann, gibt natürlich nach wie vor nur die halbe Betriebsfläche an – claro!
Ganz langsam schlendert die Polizeistreife an uns vorüber, tut so, als ob sie aus der Ferne echt rein gar nichts bemerkt hätte.

Eine Paréa versucht mich an ihren Tisch zu bitten, ich sei so alleine, woher ich denn käme. München. Einer antwortet erfreut in bestem Deutsch: München!!! Das kenne er gut, da sei er quasi zu Hause. Ich hab echt Mühe, die Einladung abzuwehren. Das Argument mit dem halben Liter bereits getrunkenem Rakí zieht immer noch am besten. Manchmal muss man übertreiben, um sich zu retten. Aber toll ist das schon, diese unglaubliche Gastfreundschaft. Auf Kreta erlebe ich so etwas immer wieder. Bei derartig jungen Leuten hatte ich es nicht erwartet.
Der andere Nebentisch will mir auch schon wieder was spendieren. Ich drehe den Spieß um, frag einen der Bediener, was die Leute wohl am ehesten trinken würden. „Ratschi!“, heißt es. Also gebe ich ein Karafátschi aus und dazu noch ein Birátschi und verabschiede mich dann freundlich.

Dem aussichtsreichen Frühstück hoch oben im Hellas tags darauf folgt der obligatorische Besuch beim Heiligen Minás, das muss sein, ist mir zur Gewohnheit geworden. Erst in die kleine Kirche, dann in die Kathedrale. Kann nur hoffen, er legt ein gutes Wort für mich ein.


In Pitsídhia und Umgebung

Auch im Warte–Café des Busbahnhofs an der Chanióporta in Iráklio ist das knapper bemessene Geld im kretischen Durchschnitts–Portemonnaie inzwischen deutlich spürbar. Man genehmigt sich nicht mehr so viel wie früher.
Am Fahrkartenschalter wird man nun gleich darauf angesprochen, ob man mit offener Rückfahrt buchen möchte, denn dann gibt es einen Rabatt. Das Rückfahrtticket, das keine Bus– und Sitzplatznummer aufweist, trennt man einfach ab und hebt es gesondert auf.

Wie immer, steige ich an der zweiten, unteren Haltestelle in Pitsídhia aus und bin mit wenigen Schritten in meiner angestammten Unterkunft. Soubouliá gibt mir diesmal ein Zimmer ganz unten und hinten um die Ecke, ein großes Studio, dessen „Küchenzeile“ ziemlich ausgeleiert aussieht, eher ein Potemkinsches Dorf darstellt (also eine Vorspiegelung falscher Tatsachen). Am schlimmsten aber steht es um das Badezimmer, wo der Duschkopf ständig auseinanderfällt und nur ein dürftiges Rinnsal den verschwitzten Körper benetzt.
Aber es ist eine Notunterkunft, positiv gesehen, denn gleich sieben Zimmer wurden kurzfristig telefonisch vorbestellt, eine Gruppe hat sich angemeldet. Die nordenglische Putzerin namens Yvonne hat ganz schön zu tun. Tags darauf ist die Desillusionierung perfekt. Wie so oft neuerdings, haben sich wieder einmal Leute angemeldet, die dann einfach nicht auftauchen, ohne jegliche Absage. Allmählich verstehe ich die Zimmervermieter, die bei Vorausbuchung eine Anzahlung einfordern. Doch so kurzfristig wäre das hier nicht mehr möglich gewesen.

So versuche ich meine Idylle draußen vor dem Zimmer etwas zu genießen, die Abendsonne, die Oliven, die Zitrusbäume, auch den ausgeprägten Schafgeruch aus dem Garten. Nur der Autolärm von der Durchgangsstraße ist gewöhnungsbedürftig. Dafür ist die Vermieterin umso netter, ein echter Pitsídhia–Charaktertyp.

Es dauert nicht lange, bis ich erfahren habe, warum der Autoverkehr wenige Meter schräg über mir stetig zunimmt. Ich bin gegen Ende meines Urlaubs genau rechtzeitig angekommen, um das dreitägige Erinnerungsfestival an das Mátala der Hippie–Zeit (vom 11. – 13. Juni 2011) mitzubekommen, Motto: To Mýthos ton Matállon íne zontanó (= Der Mythos Mátala lebt). Das Ganze wurde übrigens durchgehend live im Internet übertragen und von diversen Sendern sowie anderen Privatfirmen, z.B. auch Praktiker, gesponsert.
Im Ort sind wegen des Festivals nur 5 km weiter zumindest tagsüber fast alle Kafenía und einige Tavernen geschlossen, denn auch ihre Besitzer zieht es zu dem Strand–Event. Selbst der gutmütige Kafetzís mit dem etwas ausgefallenen Vornamen Dhimókritos sitzt einmal neben mir im Bus hinunter nach Mátala, um sich selber einen Eindruck von dem Megaspektakel zu verschaffen.

Für mich war das Ganze ehrlich gesagt zu groß und zu laut. Das frühere Matala der Hippie–Zeit war doch ein vollkommen ruhiges und beschauliches, wo die Gitarre, die akustische, überwog. Und nun so eine bombastische Musikbühne am Strand, Rock von der CD auch an der Platía, Hunderte von Sonnenschirmen für die Badenden und Zuhörenden, total verstopfte Straßen und übervolle Tavernen. Der Autostau ging teilweise bis über den Hügel Richtung Pitsídia rüber. Ich schätze mal: gut 20.000 Zuhörer, wenn das reicht, und Tausende von Autos, das ganze Valley war zugeparkt. Ich war einmal zu Fuß schneller zurück in Pisídhia als per Autostopp.
Arn Strohmeyer stand im Mittelpunkt, signierte mit lächelndem Gesicht und ein paar netten englischen Brocken sein neues Buch mit den alten, von überall her gesammelten Mátala–Fotos, ließ sich dabei von den Griechen fotografieren und hielt auf Englisch auch die Eröffnungsrede.
Erstaunlich, wie dankbar und bewundernd sich viele Kreter ihm gegenüber zeigten.
Es ging dann die Nächte durch, sogenannte Beach Party, dazu kann ich leider nichts sagen, denn ich kam im Wesentlichen wegen dem so leckeren Essen im Sunset von Pitsídhia runter. Hab leider die kurzen Einlagen kretischer Musik verpasst, hatte mir davon mehr (Spielzeit) erwartet, war deshalb zu spät erschienen.
Es wurden auch etliche bekanntere Althippies vorgestellt – ich war nicht dabei (im doppelten Sinn der Bedeutung!).

Schön, wie man von jungen Kretern, die bis von Iráklio her anreisten, als Anhalter nach M. mitgenommen wurde. Einige freuten sich auch riesig, als der vom Straßenrand aufgepickte Fremde äußerte, neulich auf Mílos geurlaubt zu haben – ihrer eigentlichen Heimat.
Für Kreta war dieses Fest jedenfalls etwas ganz Besonderes, für mich nicht unbedingt, denn in Pitsídhia herrschten tagelang ein Autolärm und ein Durchgangsverkehr wie ansonsten in Iráklio.

Stundenweise hatte im vergleichsweise beschaulichen Ortskern von Pitsídhia wenigstens das kleine Ouzerí von Jánnis an der Engstelle bei den winzigen Lebensmittelläden geöffnet – wenn der Wirt nicht gerade selber unten in Mátala war. Dort trafen sich dann überwiegend mittelalte bis ältere Deutsche, meist Ortsansässige oder Dauerwiederkehrer. Schöne Stimmung und sagenhaft niedrige Preise, echt beschämend.
Dieser Jannis ist eine Seele von Mensch und ein ausgeprägter Musikliebhaber dazu, der sich über jeden freut, der sich (nicht nur) in kretischer Musik auskennt. Über das Notebook seiner Tochter läuft ständig irgendwelche Musik. Stolz ist er darauf, einmal eine deutsche In–Band bei sich gehabt zu haben, von der er mir noch irre witzige Songs vorspielt (– hab ihren Namen leider vergessen). Dann überquert er wieder die Gasse, um in einem der kleinen Geschäfte gegenüber einen Brocken Käse und Wurst für seine großzügig gereichten kostenlosen Mezé zu holen. Und das bei einem Bierpreis von 1.50.
Ich hätte in früheren Jahren nicht dauernd an seinem Kneipchen vorübergehen sollen.

Einfach wunderbar ist es, in aller Ruhe das Straßenleben von einem der beiden Tische vor Jánnis Kneipe aus zu beobachten. Ist so ziemlich das schönste Stück der Hauptgasse zur Platía hin. Ein Bild wie vor 30 Jahren noch gang und gäbe, wie es inzwischen vielerorts verschwunden ist. Die geradezu entzückend aussehenden Lebensmittellädchen gegenüber, in jedem ein altes Mütterchen drin, dazwischen die einmündende Nebengasse. Ab und zu halten Autos an, und der braungebrannte „griechische“ Typ mit seinem Käppi am Steuer, der jemandem was in perfektem Griechisch zuruft, ist doch eigentlich ein recht erfolgreich assimilierter Deutscher, der die ortsüblichen Lässigkeiten im Gehabe voll verinnerlicht hat.

Gleich rechts nebenan müht sich die alte Evanthía trotz ihrer inzwischen stark ausgeprägten Sehschwäche seufzend und mit steifen Gliedern immer noch, wenigstens einen Zigarettenladen weiterzubetreiben – jeder Kunde sucht sich das Gewünschte selber aus dem Chaos raus und zahlt dann sozusagen auf Vertrauensbasis, indem er das Wechselgeld eigenhändig einkassiert. Drumherum verblichener Touristennippes. Die alte Dame meint, sie würde gleich sterben, wenn sie den Laden mit all den (doch so geringen) Kommunikationsmöglichkeiten aufgeben müsste.

Futter für den kleinen Kettenhund am südöstlichen Ortsrand, letztes Häuschen am beginnenden Feldweg in die Agaven und Oliven. Er kann es kaum fassen, dass er richtige Hundekost kriegt.

Morgenspaziergang zwischen den Häusern der Fremden, Zugezogenen, nach Ost hin aus dem Ort heraus. Einiges wirkt schon sehr steril, einige Dächer einfach ortsfremd und unpassend, einiges erscheint einfach nur mitteleuropäisch und irgendwie an den falschen Ort verpflanzt. Aber die über allem liegende Ruhe und der Anblick des Psilorítis–Massivs im Norden wirken nichtsdestotrotz sehr wohltuend. Und die zwischen einigen Hässlichkeiten verteilten gekonnt restaurierten Vorzeige–Häuschen mit ihren Zierbüschen lassen umso mehr Freude aufkommen.
Dann scharfer Knick nach rechts, nicht weiter Richtung Sívas, sondern in einigem Abstand zum Dorfrand südwärts. Prächtige Exemplare von Ölbäumen säumen den Weg, man könnte ihn noch lange ganz ungestört weitergehen. Die teils uralten Oliven zwischen Sívas und Pitsídhia gehören zu den schönsten Exemplaren auf der Insel, sie wachsen in kilometerweit ausgedehnten Hainen, durch die es sich wunderbar auf einem Netz von Erdwegen spazieren lässt. Ich denke zurück an einen unvergesslichen Nachtspaziergang von Sívas aus.

Ausflug nach Kalamáki, wieder über den Strand von Kommós, Stapfen im Sand am Kap vorbei, an diesem Tag problemlos möglich, mangels anbrandender Brecher.

Mich interessiert in erster Linie, wie es dem Kosta und seiner herzlichen bulgarischen Hilfskraft namens Sofía geht.
Antwort: Gar nicht so gut. Der wie immer traditionell schwarz gekleidete Kóstas sitzt im Innenraum seines einfachen Kneipchens mitten an der Ufermeile vor einer Whiskyflasche. Zwei Freunde trösten ihn. Die lang– und schwarzhaarige Sofía macht auch nicht gerade ein heiteres Gesicht. Vor Kurzem haben sie ihm fast seine gesamte Schafherde gestohlen, an die 100 Stück Tiere, nachts von einer Weide gleich bei Kalamáki. Ein für ihn gewaltiger finanzieller Schaden, er kriegt nun keine laufenden Zahlungen für die Milchlieferung an eine Molkerei und wohl auch keine EU–Zuschüsse mehr. Ein ziemlich geknickt aussehender alter Kreter.
Ein klassisches kretisches Ganovenstück war das. Üblicherweise geht die auf LKWs entführte Herde zu einem sehr bescheidenen Preis – jedoch immer noch für etliche Tausend Euro – umgehend an eine kretische Großhochzeit. Möglichst schnell schlachten, so ist nichts mehr auffindbar. Und die Hochzeiter haben auch ihren Vorteil, zahlen relativ wenig für ihr Gelage mit dem ganzen Dorf.

Trotz alledem schmeckt mir Außenstehendem der von Sofia kredenzte kretische Starkwein vom Typ Hausmachermarke und likörig wieder ausgezeichnet. Ihre Essenszugaben sind wie immer großzügig.
Sofía aber macht sich angesichts der Schieflage im Staatshaushalt größte Sorgen um ihre griechische Rente. Dabei hat sie einige Familienangehörige zu Hause in Bulgarien zu unterstützen, hat damit gerechnet, das auch im sich rasch nähernden Ruhestand weiterhin zu schaffen.

Frühstück in Jodi’s Café–Ouzerí an der Durchgangsstraße unweit der Kuppe mit der oberen Bushaltestelle in Pitsídhia.
So schön, morgens hier zu sitzen und zuzuschauen, was sich so tut, wer aller vorbeifährt und hereinschaut oder –grüßt ins Lokal bzw. zu den Tischen davor.
Die Frau ist superfreundlich, aufmerksam und absolut profihaft. Der Früchtejoghurt sehr lecker, sehr liebevoll zubereitet, und, ganz amerikanisch, man bekommt auf Wunsch kostenlos weiteren Kaffee nachgeschenkt.
Als ich ihr ein Kompliment mache, meint sie nur, aber das sei doch selbstverständlich, sie freue sich, dass ich ihr Gast sei, und einem Gast habe man auch etwas zu bieten. O dear – wenn ich da an den Knödel von Tochter des Wirtes im Limanáki auf Náxo denke, die ist das gerade Gegenteil einer Jodi Spinthákis, aber keineswegs mehrfache Mutter und gleichzeitig mit dem Café–Wirtin–Beruf auch noch Pensionsbesitzerin wie ebendiese Jodi.
Das Schönste vielleicht: Sie hat auch ihre alte Mutter nicht im Stich gelassen, die lebt jetzt ebenfalls in Pitsídhia. Ich unterhalte mich ein Weilchen mit der am Nebentisch sitzenden alten Dame aus den USA. Gerne ist sie zu ihrer Tochter nach Kreta gezogen, hat wirklich keinen Grund, diesen Schritt zu bereuen. Nur Griechisch kann sie halt gar nicht, wäre schon besser, wenn man’s könnte.

Wenigstens einmal will ich bei der Familie des jungen Lyraspielers Jánnis Charalambákis essen gehen. Sie freuen sich sehr über meinen Besuch, kennen mich als CD–Käufer und Bewunderer ihres Sohnes, dessen Musik mir inzwischen immer besser gefällt, nach anfänglicher Skepsis.
Tadellos, das Pastítsio, dabei ist es äußerst preisgünstig. Ich kann das deutsche Paar verstehen, das jeden Abend im Bábis zu essen scheint. In Pitsídhia strengt man sich wirklich an, für wenig Geld viel zu bieten. Jánnis steht zusammen mit einem anderen jungen Mann draußen am Grill, direkt am Straßenrand.

Direkt am Straßenrand hab auch ich die meiste Zeit gewohnt, in diesem Ort. Es fällt mir allmählich auf, mir, dem Ruhesuchenden. War halt wegen der so netten Wirtsleute. Na, vielleicht sollte ich mir doch einmal etwas Ruhigeres suchen. Für 2 Euro mehr pro Tag etwa in Jodi’s Pension? Ob die mir nicht zu schön und perfekt wäre? Dieselbe Herzlichkeit, die ich bisher gewohnt war, würde mir mit Sicherheit auch dort entgegengebracht.

Copyright puchheim = MartinPUC, Oktober 2011


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