Die Gegend um Lýkos (Líkkos) Beach im späten Oktober
Copyright puchheim = MartinPUC, November 2004, August 2006


Am Ostende des Lýkos–Strandes, wo dicke blaue Markierungen die verwirrten, noch ortsunkundigen Wandersleute von Loutró und Fínika/Phoenix her tatsächlich auf die Stufen, einen engen Durchgang zwischen zwei Hauskomplexen hinab auf eine Gastterrasse weisen – echt komisch für eine europäische Wanderroute –, breitet sich das Reich von "Nikos' [Small] Paradise" aus, das in Wirklichkeit mindestens drei–, wenn nicht viergeteilt ist.

Theo und seine irische Frau Eidheen (Schreibung vereinfacht, mit Betonung auf dem "Ei–") beherrschen das Reich von Küche und Taverne, wobei andere, etwa Nikos und besonders Maria oder auch Cornelia, auch mal mithelfen. Wie genau sich die 5 Häuser (inkl. des Altbaus) unter die alles in allem 5 Brüder verteilen (von denen 2 aber nicht hier wohnen), entzieht sich meiner Kenntnis. Haus Nummer 6, das weiter oben steht, da, wo der Wandersteig durch die Felsen runterkommt, gehört jedenfalls Theo und seiner jungen Familie. Im hintersten Haus Richtung Felswand leben Cornelia (die Deutsche) und ihr Mann Jorgos.
Maria und Nikos wohnen im ersten rückwärtigen Gebäude neben dem eigentlichen Altbau.
Mit den anderen beiden Brüdern kenne ich mich noch nicht so gut aus.

Nur ein paar Schritte weiter nach West steht bereits die Konkurrenz, eine hübsche Taverne mit vielleicht 8 Zimmern darüber, in einem recht neu aussehenden Haus, das einem sehr netten und ruhigen Ehepaar mit drei Kindern aus Livanianá gehört. Der Mann heißt ebenfalls Jorgos. Die Küche basiert auf örtlichen Ressourcen, man hat sogar einen eigenen großen Gemüsegarten in der Nähe.
Kürzlich hat Jorgos seine Taverne in "Akrojáli" (Akrogiali) umbenannt, um Verwechslungen mit der dritten, meist sehr schwach besuchten Essens– (diesen Oktober offensichtlich nur theoretisch) und Unterkunftsmöglichkeit, 100 m weiter westlich, nämlich "George's", die des nächsten, aber alten Jorgos, wo die Hühner und übriges Federvieh ein– und auszugehen scheinen, ein für alle Mal vorzubeugen.

Im Prinzip verteilen sich die Gäste auf die zwei östlicheren Etablissements, das Gros entfällt auf das Reich der drei immer anwesenden Brüder um "Nikos' [Small] Paradise".

Sitzen und die Leute begucken, sehen, hören, Atmosphäre schnuppern. Seinen Blick über die bemoosten Steinplatten im seichten Wasser, über den Bootsanleger und das Meer schweifen lassen.
Eine dieser Tavernenterrassen, auf denen sich das ganze Leben abspielt, das der Wirte wie das der Gäste.
Die Kleinste, wohl von Maria und Nikos (?), ist gerade beim Gehenlernen, tappt wagemutig herum und fällt in einer Tour immer wieder hin. Der große, friedliche Hund streift auch schon mal bettelnd umher, zusammen mit der Katzenschar, liegt ansonsten faul herum.
Theos feste Stimme schallt über die Tische. Oft sieht man ihn als liebevollen Vater mit einer seiner Töchter spielen. Die ältere ist schon eine richtige willensstarke Persönlichkeit.
Häufig bedankt er sich lautstark auf Englisch für Bestellungen. Oft weist er verdutzten Wanderern von Mármara her, die nach einigen vergeblichen Umwegversuchen schließlich etwas ratlos dastehen, den richtigen Weg durch seine Taverne: "This way please." Schnell gesprochen und ohne Komma.
Das alles spielt sich vorwiegend an einem oder höchstens zwei der hinteren, küchennahen Tische ab.

Abends nimmt die Großfamilie, d. h. diejenigen von ihnen, die nicht in der Küche oder am Grill zu tun haben, inklusive Oma am Tisch links außen, wenn man landeinwärts zur Küche blickt, unter der größten, zumindest dichtesten Tamariske Platz und kontrolliert ganz beiläufig den Tavernenbetrieb und den eifrigen Kellner namens Ítalo, der auch alle Gästekommentare zum Essen sofort und ohne Abstriche für die Familie ins Griechische übersetzt ((Ítalo bedient heute, 2006, nicht mehr hier)).

Ítalo selbst berät, spult das Speisenangebot herunter und lehrt die anwesenden Esser stets auch einige Brocken Griechisch, in der Hoffnung, dass sie sich's merken. Seine beruhigende, etwas monotone Stimme schwebt wie eine große Klammer über der Essensterrasse. Man möchte erst nicht glauben, dass es dieser anpassungsfähige Mensch ist, der wie kein anderer "Fremder" in Windeseile durch die Weißen Berge zu gehen versteht, ein Gebiet, das er wie seine Westentasche kennt, und der immer wieder Wandergruppen hinaufführt in die wüstenartige Kahlheit. Der in viel früheren Jahren einfach plötzlich da war in Lýkos, von oben aus der Bergeinsamkeit quasi heruntergestürzt, ein lawinenartiges Ereignis, den Hirtenstab noch in der Hand, zur allgemeinen Überraschung und Freude seiner Bekannten, und gleich ruhig und bedächtig in allen möglichen Sprachen loszulegen pflegte.

Abends wird von Nikos der Grill an der Hauswand angeworfen, auf dem große, ja gleichgroße Barboúnia (– ein wenig verdächtig, denn im Libyschen Meer schwimmen bestimmt keine etwa gleich alten Fisch–Brüder und –Schwestern in solcher Zahl nebeneinander herum und lassen sich fangen, höchstens in Fischfarmen – deshalb lass ich die Finger davon) sowie riesige und äußerst wohlschmeckende Brisóles (vom Schwein) gegart werden (bei denen dann nur das Fertig–Tsatsíki – auf den Patátes stört). Fleisch von Ziege und Schaf ist diese Tage zu meiner Enttäuschung nicht angesagt.
Einmal werden höchst leckere Soupiés (Sepien, Kalamare) in Weinsoße aufgetischt. Darüber hinaus sind schmackhafte vegetarische Gerichte im Angebot.

Manchmal bedauere ich die stillen und bescheidenen Wirtsleute gegenüber, die unverdientermaßen weniger Gäste haben und später am Abend manchmal alleine herumsitzen. Bei ihnen hat sich eine gute Bekannte eingemietet, aber wegen dieser unausgesprochenen persönlichen Verpflichtungen unseren jeweiligen Wirtsleuten gegenüber gelingt es uns nie, einmal gemeinsam zu speisen. Sie ist voll des Lobes über die gute, frische Küche im Akrojáli.
So richtig komme ich nicht ins Gespräch mit den anwesenden Paaren, die nicht so ganz auf meiner Linie liegen. Am letzten Spätnachmittag bin ich richtig froh, als ich an einem der meerwärtigen Tische ein in meinen Augen nettes Paar vorfinde, das sein Zelt bei der Burgruine des Kaps über Loutró aufgeschlagen hat – ich fühle mich mit ihnen zusammen ein bisschen wie ein Relikt aus früheren Zeiten. Wo ist diese Lockerheit nur geblieben? Das unbeschwerte Sichkennenlernen, das Miteinander–ins–Gespräch–Kommen?

Ist bei den etwas gesetzteren und älteren Paaren auch nicht so einfach, geschweige denn bei Familien mit mehreren Kindern, von denen eine besonders liebe aus der Düsseldorfer Gegend eintrifft. Nur vielleicht einen Einzelreisenden seh ich, der hat aber stets seine feste Gesellschaft. Na gut, Zusehen ist auch nicht schlecht, und anderswo klappt der Kontakt wieder besser. Normalerweise lerne ich die nettesten Leute sowieso unterwegs auf den Wanderpfaden kennen.

Als ich Eidheen, die sympathische Irin und inzwischen zweifache Mutter, zum ersten Mal wiedersehe, erfahre ich von ihr, dass am Tag meiner Ankunft in Lýkos meine "alte" Londoner Internetbekanntschaft, die weltgewandte Julie F. (die mit einem Ex–Berliner verheiratet ist, der vor dem Krieg aus Deutschland fliehen musste und in der Folge sehr sehr viel mitgemacht hat) von Loutró nach dreiwöchigem Aufenthalt abgereist ist. So ein Pech, wieder nicht getroffen! Aber ich bin ja noch dazu auf dem Landweg von Anópoli her in Lýkos angekommen, sodass ich keine Chance hatte, Julie noch irgendwo in Chóra Sfakíon zu sehen. Die Chancen hätten gut gestanden, wenn ich mit dem 06:30–Uhr–Bus von A. heruntergekommen wäre.
So bleibt also nur übrig, sich im Nachhinein auf Erno's Sfakiá–Messageboard etwas auszutauschen.

Ein erster Spaziergang hinüber nach Loutró. Beim Abstieg vom Plateau, auf dem die alte Phönizierstadt stand und auf dem heute Weidetiere unter Bäumen Schatten suchen, in lauen Sommernächten gelegentlich Konzerte kretischer Musiker stattfinden, begegnet mir eine irgendwie bekannte Frau mit zwei Hunden. Erst später kommt es mir: das muss die Cornelia gewesen sein, die jedes Mal noch griechischer aussieht als beim vorigen Mal.

Das Gatter am Ende der den Weg säumenden uralten knorrigen Oliven gleich am oberen E–4–(Europawanderweg–)Ortseingang von Loutró ist entfernt worden. Geflügel ist untergebracht, wo ich früher immer an einem angebundenen Esel vorbeikam. Am meisten aber wundert mich, dass in meiner Lieblingsunterkunft, dem ersten Haus aus dieser Richtung und einem der allerobersten Häuser hinter der Dorfkirche und dem Hotel Porto Loutró, das der Familie von Pandelítsa Manoussoudákis gehört, nun unterhalb der Zimmer mit den großen Aussichtsterrassenflächen eine hauseigene TAVERNE installiert wurde – bestimmt überflüssigerweise, denn wer säße nicht lieber unten am Wasser? Wenn hier mal Betrieb sein sollte, ist die Ruhe in den Zimmern dahin – schade! Und all die irgendwann lästigen Küchendüfte, die hochsteigen ..... Ich sehe aber zu dieser Nachmittagszeit keinen einzigen Gast. Bei einem anderen Besuch erzählt mir Pandelítsa, beim Tavernenbetrieb hülfen ihre Kinder aus, eine Familieninvestition also.

Neugierig steige ich hinter P's Haus vorbei (nur zwei, höchstens drei der Zimmer scheinen belegt), oben, da, wo's in die Zimmer reingeht, und an der Nordseite der "Villa Niki" wieder die Stufen und den Weg zu Stelios' Laden runter.
Glücklicherweise gibt es das Lädchen immer noch, wenn auch meist nicht Stelios selber, sondern eine Frau hinter der Theke sitzt. Eis führen sie jetzt nicht mehr. Ich kaufe einige Getränke fürs Zimmer in Lýkos ein, eine Tüte Fistítscha (Pistazienkerne) und hole etwas Sokoláta aus dem Kühlschrank.

Im zweiten Glied, also hinter der Uferpromenade, geh ich weiter, vorbei an Pavlos' Hotel, das vom Kri–Kri aus vermietet wird, und laufe an der hintersten Abstiegsmöglichkeit, dort, wo es zum Wanderpfad nach Ch. Sfakíon bzw. Anópoli hochginge, zur Promenade mit den Tavernen hinunter. Sabina, die früher im Kri–Kri mitgearbeitet hat und schon ein paar Jahre ein eigenes Lokal betreibt, sitzt mit ihrem Kleinkind auf dem Schoß da – so ändern sich die Zeiten. Kaum Gäste in allen Tavernen, zu dieser Stunde zwischen den Mahlzeiten. Nur vorne, neben dem Ortsstrand mit den Liegen und Sonnenschirmen, profitiert das "Ílios" von den Badenden und durchs Schwimmen hungrig gewordenen Urlaubern. Ich nehm aber lieber auf ein Bier und eine Limo (mische ich) im "To Limáni" Platz, bei der sympathischen Familie, so ziemlich der einzigen, die sich noch aus den diversen Ortsfehden und –Neidereien heraushalten kann (– wie gut und wie unbelastend, dass man fast nie hinter die Kulissen blickt! –) und wo oft so köstliche Fischgerichte zur Auswahl stehen.

((Ach, während ich beim Tippen in mein Notebook eine meiner Lieblings–CDs (Κρητικές Επιτυχίες) von Manolis Alexákis aus Ríza unweit westlich und oberhalb von Mírtos höre, dem immer so traurig dreinschauenden jungen Lyrári und Sänger [seine späteren Aufnahmen kann man vergessen, leider], überkommt mich wieder diese unstillbare Sehnsucht nach dem herrlichen kretischen OSTEN.))

Das Schiff von Agía Rouméli her mit nur wenigen Neuankömmlingen hat angelegt (– es kehrt auch gegen Ende Oktober noch täglich um, kurz nach 6 von Ch. Sfakíon zurück und übernachtet in Loutró!) – alle Fähren landen jetzt am betonierten Kai am äußeren südlichen Ortsende an, nicht mehr zwischen den Badenden am Ortsstrand. Ich mache mich allmählich auf den Rückweg.
Hinter den inzwischen acht oder neun Häusern von Phönix/Fínika mache ich im Schatten einer großen Eiche Rast, habe eine kleine Herde Ziegen vertrieben, die mich nun vorwurfsvoll mustert, bis ich endlich wieder abziehe. Das etwas protzige neue Haus über dem Meer westlich der Anlage sticht mir mit seinem Turm und dem abgeschrägten Ziegeldach wie immer als ein Fremdkörper ins Auge – bestimmt eine Mitgift des deutschen Vaters der Braut. Lisa hält sich gerade wieder in Süddeutschland auf, erwartet dort ihr zweites Kind. Das Prachtexemplar von Jeep und ein anderer Wagen parken im Hof, auch hierher führt bekanntlich eine neue Erdpiste.

Tags darauf geht's relativ früh, aber für diese herbstlichen Tropentemperaturen deutlich zu spät, ab nach West. Auf die Arádhena–Schlucht hab ich dieses Mal keine Lust, ich will lieber die Küste entlangwandern. Wenn man in Lýkos startet, ist Mármara Beach bald erreicht (zu Fuß, nicht per Boot), in etwa 25 bis 35 min. Nur ganz wenige Leute sitzen in der westlich oberhalb gelegenen, von einem angeblich russischen Angestellten und einer Hilfskraft so spät im Jahr immer noch betriebenen Taverne. Es sind wohl auch Gäste eines der drei Häuserwürfel darunter, in denen man Quartier nehmen kann (zumindest die beiden Zimmer eines der Würfel sind belegt) – nachts, wenn der Stromgenerator abgeschaltet ist, bestimmt eine Erfahrung von großer Stille und Einsamkeit. Andererseits eben ziemlich abgelegen.

Von den Häuserwürfeln arbeite ich mich das kurze Stück querfeldein zur weißgekalkten Kapelle durch, wo ich bald wieder auf den E–4–Wanderweg treffe. Es gilt fast eine Viertelstunde in Kehren bergaufzuschwitzen. Der Schweiß fließt, wie fast die ganze Zeit, in Strömen – Gesundheit garantiert! Für Stunden sollte ich nunmehr der einzige Wanderer mit Destination West und später auch Ost sein.
Es ist ein besonders heißer Tag, aber ich habe mich inzwischen eingewöhnt und resigniert, sozusagen. Sinnlos, sich über derart widerwärtige Oktobertemperaturen aufzuregen. Lassen wir's die Kreter tun, die so eine lang anhaltende späte Hitzeperiode, wie sie sagen, seit Menschengedenken nicht erlebt haben, und denen die Oliven wegen Wassermangels nicht reifen und verderben.

Bald gelange ich zur "Chios Ridge" (diese offizielle Bezeichnung vermisse ich im "Fohrer", hust!), einem lang gezogenen Steilhang oberhalb des parallel in einigem Abstand zur Küste entlang laufenden Weges, der mich stark an seine noch viel großartigere Entsprechung hoch über der Ostküste der Insel Chios erinnert. Etwa eine Dreiviertelstunde gehe ich da entlang. Dann tauchen erste vereinzelte Kiefern am Weg auf. Es geht etwas auf und ab.
Das Spielchen "Wann bin ich endlich um die letzte Ecke herum?" hält seinen grausamen Einstand. Nach einigen Ecken, um die herum die Kieferndichte zunimmt und an deren vorletzter man noch eine in den Fels gebaute Kapelle mit blauer Tür erspäht, ist es endlich so weit.
Dem Auge des Betrachters eröffnet sich ein großartiger Anblick: Die ganze Bucht von Adschía Rouméli, der küstennahe dichte Kiefernwald um Ádschios Pávlos herum, das uralte natursteinerne, unverputzte Kirchlein unmittelbar über dem noch entfernten Strand, das nur der erkennt, der es dort vermutet, obwohl die etwa 300 m westlich erstellte, weiß gestrichene Taverne einen guten Anhaltspunkt für die Peilung bietet. Aber all dies wäre nichts ohne das Darüber: die Orgie einer fantastischen Gebirgswelt, aus der das Horn des Volakiás (Volatschás), den Dschíndschilos (Gíngilos) vollkommen verdeckend, majestätisch herausragt. Ihm zu Füßen lässt sich die lange Schlucht von Samariá lediglich erahnen.

Auf dem letzten Wegstück vor der alle Ausblicke gewährenden Biegung hatte ich bereits ein Stampfen und Tosen im Ohr, das nach und nach lauter wurde. Die große Daskalojánnis/Daskaloschánnis holt mich allmählich ein, steuert auf ihren Umkehrhafen (nach der langen Mittagspause) zu, während von Westen her die Samariá, eine etwas kleinere Autofähre, schon an der Kládos–Schlucht vorbei ist und als Erster ans Ziel gelangen wird, an dem sie sich nicht lange aufhält, sondern gleich weiterschippert nach Loutró und Chóra Sfakíon, wo sie umkehrt und nach Wiederankunft ihre viel kürzere Mittagsruhe – bis 4 Uhr nachmittags – antreten wird, um schließlich nach Paleóchora, in den äußersten Westen der Südküste zurückzukehren.

Genug für diese Strecke, ich kehre auch um, die Sonne immer noch mehr oder weniger gegen mich.

Zurück, über Mármara stehend, trotte ich auf die Taverne zu, in der ich ein bekanntes Gesicht orte, das schon vor einiger Zeit die Arádhenaschlucht ab den Stufen vor der Brücke bewältigt hat.
Oliven sind ausgegangen, sind "alle" (– hier auf Kreta!!!), so lasse ich mir eben Graviéra, Tomaten und Gurken, Öl und Brot kommen, und "eine Bier", wörtlich übersetzt. Schräg von oben runter lassen sich die Badenden gut beobachten. Am allerinteressantesten ist der dunkelhäutige kraushaarige, wache, ja quicklebendige "Mohrenjunge", möchte man sagen, eine Spiegelung der so relativ nahen nordafrikanischen Küste, der ganz unvermittelt und katzenartig von der Taverne aus die Felsen runterklettert, die Bucht durchschwimmt, die Nackten Nackte sein lässt, an ihnen vorüber hinterhastet, irgendwo in Windeseile hochklettert und auf der Höhe über den Liegefelsen der ganz bedusselt dreinschauenden trägen Nacktbader, denen es ja nur um eine nahtlose Bräune geht, "an all–over tan", für die sie (gut, nur einige von ihnen) alle geistigen Ideale unserer europäischen Kultur bedenkenlos opfern würden, zum Sprung ansetzt, immer mit einem befreienden Urschrei auf den Lippen. Er plumpst mindestens zehnmal aus der Höhe in die Fluten, bis es ihm ein beherzter weißer Touristenjunge nachmacht – weniger elegant. Dessen Mutter paddelt in ihrem Kajak dann auch immer vor zur Sprungstelle, als Aufpasserin. Diese Mütter. Unsere Mütter.

Sie befinden sich zuhauf auch auf den Lýkos–Terrassen, in unterschiedlichen Lautstärkeausprägungen, und sie leben hoch, hoch, hoch!!!

Copyright puchheim = MartinPUC, November 2004, August 2006

Zwei Tage Agía Rouméli




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