Teil 6: Knapp zwei Tage auf Náxos
Copyright puchheim = MartinPUC, Dezember 2010


Von altem Gewohntem könnte ich berichten. Vom Flanieren auf der Paralía und hin bis zum Scirócco. Vom Schiffe–Betrachten: Ankünfte, Abfahrten. Von kulinarischen Genüssen. Von Blue Star Paros oder Náxos, beispielsweise, vom Balkon–Frühstücken mit Schiffsankunft. Vom vielfältigsten Essen, das für den Tag mühsam, aber energisch zubereitet wird, während ich draußen auf dem Balkon meinen Nes schlürfe und dazu Joghurt mit Honig esse – vollkommen unüblich im B., wo man die Gäste eigentlich lieber erst ab Mittag erwartet und die Putzhilfe dazu delegiert wird, dem hier allmählich bekannten notorischen Frühstücker Joghurt zu besorgen.
Von den enttäuschten Blicken aus dem To Limáni, wo man erhofft hatte, dass ich immer und jederzeit nur bei ihnen äße. Aber das kann und will ich anderen und mir nicht antun, so gut der gegrillte Fisch dort auch schmeckt.
Neu im Wesentlichen nur der ausgedehnte Musikgenuss auf dem Zimmer. Radio Naxos usw. Sogar Klassisches (Klassik) hört man gelegentlich. Neu auch die polnische Aushilfe in meinem kleinen Hotel. Ihre so positiv strahlende, vor Schönheit und Gesundheit strotzende Vorgängerin aus dem Binnendorf Kinídharos nun hochschwanger und mit einem Insulaner verheiratet.

Und neu ist schließlich auch mein Ausflug zu dem nahe gelegenen Moní Chrisostómou, einer Oase der Stille erstaunlich hoch über der Stadt. Es ist auch ein Blickfang, wenn man sich per Schiff der Insel nähert. Witzigerweise bietet Parikiá auf der Nachbarinsel Páros Ähnliches, ebenfalls ein Kloster über der Stadt.
Am späteren Vormittag mach ich mich zu Fuß auf, querdurch, lande irgendwann bei der Mitrópoli, der griechisch–orthodoxen Kathedrale, und auf der Ausfallstraße Richtung Engarés. Einige verstreute Zimmervermietungen liegen direkt an meinem Weg, im meerwärtigen Viertel dahinter die besseren Unterkünfte.
Es ist eine Geschäftsstraße, wo man fast alles findet und bekommt, weiter draußen auch gröbere Teile für den Bau. Trotz des schubweisen Verkehrs finde ich die Gegend nicht uninteressant. Echtes, gerade nicht so quirliges einheimisches Naxos–Stadt.

Das Hinweisschild auf das Kloster ist für den Fußgeher nicht zu verfehlen, es geht am Ortsende nach rechts ab, landein und bergauf. Deshalb sieht man, wenn überhaupt jemanden, nur sporadisch vorbeikommende Autos, ob von Touristen oder von Klosterinsassen.
In den Serpentinen eine Stallung, ein Wasser–Reservoir. Weiter oben, ein paar Schritte abseits, eine bezaubernd anzusehende, an den Fels gebaute kleine Kapelle mit schlichtem Innerem, schon hier ein idealer Aussichtspunkt.

Noch etwa einen Kilometer weiter bergauf ist man beim großen Kloster angelangt, dem Chrysóstomos–Kloster.
Seh mir den Vorgarten an, dann den kleinen Friedhof. Steige hinauf zur Eingangspforte. Irgendwas hindert mich daran zu klopfen oder zu läuten. Will die Mittagsruhe nicht stören. Ein Blick durchs große Schlüsselloch entführt mich direkt ins Innere der Klosterkirche im Innenhof der Anlage. Ikonenglanz. Draußen auf der Parkfläche steht das Auto eines Mönchs, es wäre also durchaus jemand da.

Geh die Sackgasse wieder hinunter und wende mich nach rechts auf einen zementierten, sehr steilen Weg, der hinter einem Gatter in einen Feldweg übergeht. Passiere in gebührendem Abstand das Kloster und befinde mich bald einige hundert Meter weiter über ihm. Bin ins Schwitzen gekommen.
Es wird wieder flacher, vor mir ein Bauernhof oder Außenhäuschen, vor dem jemand sein Moped repariert. Der Feldweg ginge von dort weiter nach rechts, irgendwohin auf eine Anhöhe. Ich verspreche mir keine Aussicht bis zur Ostküste, da wären wirklich hohe Berge dazwischen.
So bleibe ich wo ich bin, verlasse nur den Weg und klettere auf eine Felsformation, von der aus ich einen fantastischen Überblick über die Stadt, die südliche, landwirtschaftlich intensiv genutzte Ebene, das Meer hin nach Páros und bis zur Abfolge Míkonos–Tínos–Ándhros habe. Selbst Síros bietet sich noch schemenhaft an. Hier verweile ich lange, beobachte, wie sich ein Schiff von Míkonos her nähert, verfalle in eine angenehme Starre. Nordöstlich unter mir ein kleines Becken mit Feldern und Gehöften, richtig idyllisch.
Als das reparierte Moped vorbeirattert, zerbricht für kurze Zeit die wohltuende Stille, die sich bald wieder um mich herum schließt.

Zurück in der Stadt. Selbst abends kommt es mir vor, als ob sich die Zahl der Mittouristen im Vergleich zu anderen Malen in Grenzen hielte.

Tags darauf entscheide ich mich sowohl gegen die Morgen– als auch gegen die Abend–Blue–Star–Fähre und gegen alle Schnellboote, und ganz entschieden noch einmal für die hübsche kleine Ártemis, um nach Páro rüberzukommen. Kurz vor drei Uhr nachmittags werde ich auf das Schiffchen steigen, es kostet knapp 6 Euro. Im kleinen, versteckten Kafenío auf der großen Mole lass ich mich nieder, schau noch mal zurück auf die Stadt mit ihrem Kástro, werfe einen letzten Blick von Land aus aufs Kloster und weiter in die Berge.

Copyright puchheim = MartinPUC, Dezember 2010

Von Náxos über Páros nach Kálimnos



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