Teil 11: Zum Schluss noch einmal Rhódos
Copyright puchheim = MartinPUC, Juni 2011


Nun kann ich nur hoffen, dass nicht jemand auf die Idee kommt, dieser Reisezyklus vom Mai 2010 sei brandaktuell vom Mai 2011. Dies nur zur Sicherheit. Nein, ich habe ihn erst ein Jahr später schriftlich abgeschlossen. Inzwischen hab ich sogar wider Erwarten eine weitere GR-Reise absolvieren können, von der ich soeben erst zurück bin, trotz widriger beruflicher Umstände. Doch nun zurück zur Reiseschilderung.

Was ich an Rhódos lieben gelernt habe, sind nicht nur seine sagenhaft schöne Altstadt und einige einfache Kneipen im Neuen Markt. Es ist nicht nur die tolle topografische Lage der Stadt an der Nordostspitze der Insel, von drei Seiten umgeben vom Meer, das bei Südwind nicht selten so stürmisch ist, dass selbst die großen Fähren im Windschatten des kleinen Hafens von Triándha (= Ialissós) Schutz suchen müssen, bevor sie irgendwann in den großen Hafen der Stadt einlaufen können. Es sind bestimmt nicht die zahllosen Souvenirgeschäfte und die Menschenmassen in den betreffenden Straßen. Es ist vielmehr insbesondere das von vielen verkannte rhodische Binnenland, das nach Süden hin immer einsamer und entlegener wird. Denn auf Rhódos ist alles auf die Stadt zentriert, und auf zwei kleine Küstenflanken links und rechts von ihr, und dann vielleicht noch auf Líndhos (Lindos), das Hauptausflugsziel.

Von den kleinen Stadterlebnissen schildere ich diesmal nur eines, das mich sehr beeindruckt hat. Bei einem Abendspaziergang durch das Vergnügungsviertel der Hotelzone in der Neustadt (ich war einfach neugierig) kam ich schließlich beim westlichen Ansatz der 28.-Oktober-Straße heraus und wunderte mich über die kleine Menschenschlange auf einer großen Verkehrsinsel. Insbesondere Kinder und Jugendliche hatten ein großes Vergnügen daran, irgendwas in irgendwelche Öffnungen zu stopfen, das dann von einer Maschine eingezogen wurde. Da dämmerte es mir endlich: Die Mülltrennung ist auch in GR angekommen, und wenn man ein kleines Spielchen daraus macht, mögen das die Kleinen, sodass der Erfolg gesichert ist. Besonders toll scheint das bei den Flaschen zu funktionieren.

So schön war’s wieder in einer der Winzkneipen im Neuen Markt, diesmal beim Efstáthios (= „Státhis“) neben dem großen Tordurchgang zum Mandhráki-Hafen. Dort saßen einige griechische Paréas, eine wohl dänische Frau, die in Rhodos eingeheiratet hatte inklusive. Man kam ein wenig ins Gespräch. Als ich bei einer der Schnellgaststätten, zufällig der mit dem qualitativ besten und wirklich leckeren Angebot, für 8,- Euro eine große Portion Lammfleisch mit Beilagen in Alufolie geholt hatte, konnte ich den anderen was anbieten, was sie nicht ablehnten. Schmeckte fabelhaft, und die Atmosphäre stimmte. Die kleinen Freuden im Urlaub. Und das permanent wiederholte „Yes, please!“ des Wirts lockte viele weitere Touris an, man saß eng zusammengedrängt.

Ein Tagesausflug per Linienbus in den Süden, wieder nach Lárdhos (Lardos). Die Gelegenheit, ausführlich beim „O Tzambíkos“ einzukehren, lasse ich mir nicht entgehen. Doch gekommen bin ich wegen etwas anderem.
Nach dem wirklich denkwürdigen Besuch des Klosters Thárri möchte ich diesmal dem Frauenkloster Moní Ipsenís (Moní Ypsenís) einen Besuch abstatten. Für nächstes Mal oder irgendwann einmal wird dann nur noch das in der Mitte dieser Klosterkette angesiedelte Kloster Ínko übrig bleiben.

Logo, erst einmal gibt es guten Kaffee beim O Tzambíkos, dem Kafenío am Dorfplatz von Lárdhos (eher) für die einfacheren Zeitgenossen.
Sodann begebe ich mich zum südlichen Ortsausgang, frage unterwegs eine Frau nach der besten Abzweigung – es gibt nur die eine, die schmale Teerstraße, die einige hundert Meter außerhalb westwärts abgeht.
Für die Einheimischen ist es eine unglaublich anstrengende Sache, die ich da vorhabe. Zunächst in praller Sonne immer dem Sträßchen folgen, vorbei am Fußballplatz und einigen Gärten und Olivenhainen. Dann hinein in die Kurven, den Kiefernwald, und einige Serpentinen immer bergauf. Wohl wissend, dass es gar nicht so weit ist, werde ich bei diesem Anstieg dennoch etwas unsicher, was die Länge meines Weges anbelangt. Insgesamt etwa 4,5 km (einfache Strecke) sind aber doch gut zu schaffen.

Erst kommt man zu einer anderen, verlassen wirkenden Kirchenanlage, wo ein Feldweg abzweigt, in Gehrichtung zur Linken – sieht ziemlich neu aus. Wenn man einige Kurven weiter rechts auf eine Anhöhe im Wald gleich neben der Straße steigt, bietet sich schon mal ein schöner Ausblick Richtung Lárdhos und seiner Ebene.
Weiter zieht sich der Weg, so schnell wie man hofft geht es doch nicht, man wandert jedoch stets durch einen hübschen Nadelwald, sehr wohltuend. Überholt werde ich von einem einzigen PKW.
Schließlich die letzte Linkskurve, man erspäht in naher Ferne etwas Weißliches zu beiden Seiten des Weges. Bald lichtet sich der Wald.

Auf der Freifläche rechts unten so etwas wie ein Viereck von Nebengebäuden mit einem Vorplatz für irgendwelche Veranstaltungen, ich nehme an Kirchenfeste, die gefeiert werden. Sieht aber auch nach einem Wohnheim für bestimmte Besuchergruppen aus.
Links der Straße dagegen das Eingangsgatter zum eigentlichen Kloster der Panagía Ipsenís (= der Muttergottes auf der Höhe, der Anhöhe), in einigem Abstand ragt, über einem Tordurchgang errichtet, der recht niedrige, blendend weiße und zierliche Kampanile empor, der weniger aus festem Mauerwerk besteht als vielmehr aus randlichen Säulen mit Plattformen darunter. Die kleine Kirche aus gelblichem Gestein ohne Verputz und mit rotem Ziegeldach steht isoliert in dem schön begrünten Innenhof der Anlage.
Von Weitem habe ich bzw. hat mich eine Nonne erspäht. Ich kann zunächst aber ganz ungestört besichtigen.
Ganz schön, der neu wirkende Kirchenraum. Draußen gehe ich bis an die Enden des Hofes, schau ins umgebende Land.
Nach dem Tordurchgang wieder nach weiter draußen links der Klosterladen. Bereits außerhalb sind diverse Käuflichkeiten ausgebreitet, von Devotionalien über Olivenöl bis hin zu hauseigener Soúma, dem hochprozentigen rhodischen Äquivalent zur/zum kretischen Rakí (beide Spirituosen sind im Griechischen ja ein Femininum).
Nicht lange währt mein Zögern – meine Zimmerwirtin in Rhódos-Altstadt (sie heißt nicht Eléni, wie ihre Rooms, da bin ich lange Jahre einer Täuschung erlegen, sie heißt Panajóta, hat aber keinen Pieps getan, wenn ich sie falsch anredete) kriegt von mir ein Fläschchen Hochprozentiges aus dem Kloster spendiert!
Eine Nonne kommt ganz zufällig. Bezahlt, gespendet, Aufbruch. Auf dem Rückweg überholt mich dasselbe metallicblaue Auto wie auf dem Hinweg. Kein Autostopp meinerseits, ich gehe lieber.

Im Dorf Lárdhos noch ein Besuch beim Tzambíkos mit seiner schwäbischen Ehefrau, die ich heute nicht zu sehen bekomme. Erst ein Bierchen, dann entdecke ich veritablen Cider aus Südwestengland im Kühlturm. Great! Ein Entgegenkommen an die vielen hier lebenden Brits. Das Apfelgetränk lasse ich mir nicht entgehen, wenn es auch ziemlich alkoholhaltig ist, keineswegs die entschärfte Variante mit nur 2 oder 2,5 % Alkohol.
Draußen parlieren die Briten, drinnen sitzt ein Tisch Albaner, dann noch ein Deutscher Aussteiger bzw. (Früh)Rentner, der auch zu den Engländern Kontakt hat. Dann noch ich, abwechselnd mit dem oder denen oder jenen redend.
Schnell noch ein Eis aus dem Minimarket. Der einkurvende Bus zurück in die Stadt ist mir durchaus willkommen.

Abends wieder erst bei Stávro, später noch beim Státhis – beides zwei Kneipchen im Neuen Markt.
Ganz besonders schön die Entdeckung eines sehr einfachen, bescheidenen alten Kafeníons im ersten Stock des Rundbaus des Neuen Marktes , gleich neben den Behörden, oder war gar es die Polizei? Da geh ich nächstes Mal rein, hat aber nur tagsüber geöffnet, als Versorger der Beamtenschaft, sozusagen. Die möchte es ja besonders billig, hat ja kaum Geld .....

Dermaßen gesättigt von den allerschönsten Eindrücken einer vielfältigen Querreise kann ich tags darauf beruhigt in den Linienbus zum Flughafen steigen.
Nur eines war nicht ganz so leicht: das Auffinden des betreffenden CONDOR-Schalters. Um einen Knick in der Abflughalle herum geht es in eine neu ausgebaute Verlängerung, die man nur allzu gerne übersieht und dann fast keinen Fensterplatz mehr bekommt. Na ja, ich hab’s dann doch, wie immer, wieder geschafft.
Von den großartigen Tiefblicken auf die Inseln beim Rückflug möchte ich gar nicht erst zu schwärmen beginnen. Ihr wisst doch alle, wie sehr mir die gefallen.

Copyright puchheim = MartinPUC, Juni 2011


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