Shopping im Basarviertel


Heute sind wir mit der Metro vom Taksim-Platz eine Station nach Kabataş und von dort weiter nach Beyazıt gefahren. Die Fahrten innerhalb dieser Zonen kosten jeweils 3 TL (1 EUR) pro Person. Nach dem Umsteigen muss man neu lösen.


Der große, überdachte Basar, mit seinen tausenden Verkaufsständen ist unser Ziel. Auch in den schmalen Gassen drum herum gibt es interessante Angebote. Neben einem der Eingänge zum Großen Basar, den wir gewählt haben (in der Nähe des Buchbasars) haben dutzende Textil- und Schuhhändler ihre Stände aufgeschlagen.


In einem winzigen Kabuff hinter den Ständen kann man Ausgewähltes anprobieren, und wenn es nicht passt, wird kurzerhand ein Schneider konsultiert, von denen es um den Basar herum recht viele gibt. Das Ändern wird schnellst möglich erledigt, man kann dabei bleiben und dem Handwerker zusehen.

Langsam kommen wir in Kauflaune und betreten das historische Gebäude des Großen Basars. Allein seine Architektur ist sehenswert. Wobei man spätestens, seit James Bond für den Film Skyfall mit dem Motorrad über die Dachziegel gebrettert ist und einen nicht unerheblichen Schaden daran angerichtet hat, weiß, dass Teile des Basars dringend renovierungsbedürftig sind. Hoffen wir, dass die alte Bausubstanz noch lange erhalten bleiben kann und man im Zuge der grassierenden Modernisierungswut nicht auf die Idee kommt, eine riesige Shoppingmall aus Stahl, Beton und Glas daraus zu machen. Gerade das alte Gewölbe hat einen unwiderstehlichen Charme.


Wir lassen uns treiben, vorbei an Geschäften mit Teppichen und Kleidern, Schmuck und Touristenkram, immer tiefer hinein in das Gassengewirr. Verlaufen kann man sich nicht, denn überall (und an jedem Eingang) stehen Security-Leute, die auch bereitwillig Auskunft geben. Und natürlich ist der Basar videoüberwacht.
Hier regiert die Welt der Händler, und wer nicht handelt, ist selber Schuld. Auf über 30.000 qm werden in etwa 4.000 Geschäften edle Gewirke, wie Schals aus teuren Stoffen, Seidenteppiche in verschiedenen Qualitäten und farblichen Ausgestaltungen, Antiquitäten, Trödelkram und Nippes, Seifen in lieblichen Duftnoten wie Rosmarin, Honig oder Limette, Gewürze und Teesorten jeglicher Mischung, alles, aber auch alles, was das Käuferherz begehrt, angeboten. Entsprechend der Tradition der Zünfte befinden sich auch heute noch Geschäfte mit einem ähnlichen Warensortiment in unmittelbarer Nähe.








Am besten gefällt uns der Old Bazaar, das Herz des Marktes, mit seiner charakteristischen blaugetönten Wandgestaltung, in den teilweise restaurierten Gewölben und den unzähligen Kuppeln und Küppelchen über den alten Pfeilern, den ultraschmalen Ladengässchen, hin und wieder einer Sitzgelegenheit zum Verschnaufen im Kebabladen oder einem Café. Diese Pausen benötigen wir auch immer wieder für die nächste Besichtigungsrunde. Es ist einfach herrlich in diesem Gemäuer.




Und, oh Glück, finden wir auch gegenüber eines Cafés ein Geschäft wieder, das mir schon vor vier Jahren, bei unserem ersten Besuch, aufgefallen war und das sehr kunstvolle Kalligrafien und Zeichnungen von wirbelnden Derwischen verkauft. Damals hat mich der allererste Besuch einer Derwisch-Zeremonie dermaßen begeistert, dass ich mir fast eine solche Zeichnung gekauft hätte, und mich aber dann doch nicht dazu aufraffen konnte. Heute gehe ich zielstrebig in den Laden, um mir eine der Schwarz-Weiß-Zeichnungen genauer anzusehen. Es ist die Darstellung eines Derwisches beim „Tanz“ in der typischen Haltung: den Kopf mit dem braun-roten Filzhut leicht schräg geneigt, eine Hand, die von oben die göttliche Intuition erhält, die andere nach unten weisend, um diese weiterzugeben. Sein Gewand besteht aus einer Kalligrafie und bedeutet: „Sei du selbst!“, wie mir der freundliche Verkäufer erklärt. In der Stube, hinter dem Verkaufsladen, könnte man glatt zusammen ins Philosophieren geraten! Ja, der Bezug zu Gott sei im Sufismus immer auch da, aber daneben seien doch vor allem Toleranz und Mitgefühl im zwischenmenschlichen Miteinander in besonderem Maße wichtig, gibt mir der Verkäufer mit auf den Weg.
Glücklich über diese nette Begegnung und meinen stabil verpackten Schatz in seinem goldfarbenen Rahmen, verlasse ich den Laden und erhalte noch den Tipp, mir bei Interesse doch das Derwisch-Museum auf der İstiklâl-Straße anzuschauen. Das Gebäude sei sehr sehenswert. Ein guter Tipp, dem wir an einem der nächsten Tage auch nachkommen werden.
Eigentlich hatten wir gehofft, im Basar auch ein Sanitätsgeschäft zu finden. Einer der Security-Männer kann uns helfen. Tatsächlich gibt es einen einzigen solchen Verkaufsstand mit Bandagen und Rheumahemden, den wir schnell ausfindig machen. Direkt neben diesem Winzgeschäft, in dem sich jegliches wohltuendes Stütz- und Wärmzubehör stapelt, betreibt der Besitzer noch einen größeren Laden mit touristischem Kram, wie Porzellan oder T-Shirts mit dem fantasievollen „I like Istanbul“. So springt er immer wieder hin und her, hat gut zu tun, seine Kundschaft in beiden Geschäften zu beraten.
Nach etwa einer Stunde verlassen wir den Sanitätsladen wieder, gut bestückt mit Bandagen jeglicher Art, die wir hier zu einem Bruchteil des Preises von Deutschland erstanden haben.
Mehrere Stunden haben wir nun schon in der Verkaufshalle zugebracht. Nach einem Snack fühlen wir uns soweit wieder fit, um zu unserer letzten Etappe, einem Ausflug zu den Verkaufsgassen neben der Rüstem-Pascha-Moschee aufzubrechen.
Hinter dem Ausgang des Großen Basars schieben wir uns in einer Menschenmasse durch eine sehr schmale Straße, die ebenfalls gesäumt ist von alten Hans, Geschäften und fliegenden Händlern, von denen viele erst jetzt, am späten Nachmittag, ihr Warensortiment aufbauen. Zu ihnen gehört auch ein Olivenverkäufer, bei dem wir uns reichlich eindecken.


Diese Straße führt recht steil bergab. Ab und an kommt uns ein Lieferwagen entgegen, oder überholt uns in der schmalen Gasse. Es gibt kaum ein Vorankommen. Wer Küchenzubehör sucht, ist hier ebenfalls gut aufgehoben. In vielen der Läden kann man alles erstehen, was man in der Küche benötigt.
Auf Meereshöhe angekommen benötigen wir nur noch ein paar Straßenwindungen, bevor sich der große Platz vor der Yeni Camii an der Galatabrücke weitet. Hier befindet sich ein Eingang in den Ägyptischen Basar, der für die Vielfalt seiner dargebotenen Gewürze bekannt ist. Doch nicht hier wollen wir unseren Bestand auffüllen, sondern in einem Geschäft in der Nähe, das wir beim letzten Besuch in Istanbul zufällig entdeckt hatten.
Dazu wenden wir uns nach links und streben dem einzelnen Minarett der Rüstem-Pascha-Moschee mit ihrem so eindrucksvollen blau gefliesten Inneren entgegen, tauchen in eine Gasse ein, die direkt vor dem Gebäude einmündet. Leider finden wir aber das Geschäft auf Anhieb nicht, wundern uns, ob wir vielleicht falsch abgebogen sind, grasen auch die anliegenden Gassen ab. Vieles kommt uns bekannt vor, doch das Geschäft haben wir wohl verfehlt. Es befand sich in einem schlauchförmigen Laden. Vor dem Eingang standen Tonnen mit Kräutern, und im Inneren waren die edelsten Gewürze und Kräuter in offenen Säcken und Holzkisten aufgetürmt, eigentlich für den Großhandel gedacht, doch auch Direktkunden wie wir durften sich bedienen. Eingehüllt in die köstlichsten Düfte wurde die Fantasie zur Kreation von ausgefeilten Speisen aller Art angeregt.
Bei diesem Angebot an Zutaten, die verführerisch duften und feinste Speisen noch mehr veredeln, wundert es nicht, dass der in Istanbul geborene Tássos Boulmétis sich für den so berührenden Film „Zimt und Koriander“ von der Vielfalt und dem intensiven Aroma der auserlesenen Köstlichkeiten inspirieren ließ, diese mit seinen Lebensweisheiten verwob und sich als roten Faden durch den Film ziehen ließ.


Leider bleibt die Suche nach „unserem“ Gewürzgeschäft bei der Rüstem-Pascha-Moschee auch nach mehrmaligem Durchqueren der Sokaks erfolglos. Auf Nachfragen kann uns auch niemand Auskunft geben. Dieses Geschäft wird es wohl leider nicht mehr geben.
Am Ende finden wir ein anderes Gewürzgeschäft, ebenfalls in diesem Viertel. Doch hier gibt es viel Abgepacktes für den Einzelhandel und den Tourismus. Allerdings hält der Verkäufer doch noch ein beträchtliches Sortiment an losen Gewürzen vor, die man nicht zehngrammweise sondern pfundweise kauft. Neben uns ist auch ein französisches Paar dabei, die Bestände zu Hause wieder aufzufüllen. Der Verkäufer bedient beide Parteien parallel. Unsere Einkaufsliste können wir nach und nach zufriedenstellend abarbeiten. Problemchen gibt es nur bei Gewürzen, die wir vor einigen Jahren erstanden, für herausragend gut befunden haben und nicht wissen, wie sie heißen. Letztendlich stöbern wir sie aber doch noch auf.
Die Qualität unserer erworbenen Schätze wird uns zu Hause nicht enttäuschen, ganz im Gegenteil. Allein die Farbe und das Aroma des Zimtes, von dem wir noch ein Pfund verschenken, sind himmlisch! Auch sehr aromatischen Oregano haben wir erstanden, der in unserer Küche in großem Umfang Verwendung findet. Gemahlener Ingwer, verschiedene Sorten Pfefferkörner, ein außerordentlich wohlschmeckendes, dunkellilafarbenes Suppenkraut, Kreuzkümmel, Sumak in seiner warmen, dunkelroten Farbe und eine feine (etwas teurere) Kräutermischung, die sehr lecker in Tsatsiki und Salaten schmeckt. Auch getrocknete Früchte gibt es, und so kaufen wir noch Aprikosen und Feigen, die ebenfalls köstlich munden.
Zusammen mit den Franzosen verlassen wir den Laden. Auch sie sind nicht minder bepackt und freuen sich offensichtlich ebenso über den guten Kauf. Erst jetzt, am Ende unserer Einkaufstour, bemerken wir, wie restlos fertig wir sind. Ganz langsam mühen wir uns zur nächsten Straßenbahnhaltestelle, nehmen die überfüllte Bahn in Richtung Kabataş steigen dort wieder um in die überfüllte Bahn zum Taksim-Platz und wanken schließlich völlig bepackt zurück zum Hotel, um zu verschnaufen und unsere Schätze ordentlich zu verstauen.

İstiklâl-Straße / Derwisch-Museum


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