Kadıköy / Agia Sofia



Mit der Marmaraybahn nach Kadıköy und mit der Fähre wieder zurück

Für den letzten Tag unseres Aufenthaltes in Istanbul haben wir uns den Besuch des Stadtteils Kadıköy, am asiatischen Ufers des Bosporus, aufgehoben. Es gibt viele Fährverbindungen von hüben nach drüben. Wir jedoch wählen eine Fahrt mit der neuen Marmaray-Bahn, unter dem Bosporus hindurch, nach Üsküdar, und dann weiter nach Kadıköy.
Los geht es vom 1890 eröffneten Sirkeci-Bahnhof, beim Hippodrom, in der Altstadt gelegen, Endstation des ehemaligen Orientexpress. Reisende entstiegen den Zügen aus Europa, um sich in einer der renommierten Herbergen der Stadt einzuquartieren. Andere reisten auf der anderen Bosporusseite mit der Bagdad-Bahn nach Asien weiter.



Die Außenhaut des Gebäudes wirkt immer noch imposant, das alte Flair im Inneren ist jedoch verschwunden.







Vier lange Rolltreppen führen steil nach unten.


Dort angekommen führt der Zugang zur Haltestelle der Marmaray-Bahn waagerecht durch das Gewölbe. Iznik-Mosaiken in grün-blauen Farben zieren die Wände. Da hat sich der Bauherr die Innenausstattung etwas kosten lassen.
Schließlich erreichen wir den Bahnsteig. Es riecht ein wenig muffig. Da wir vom vorherigen Zug bei der Abfahrt nur noch die Rücklichter gesehen haben, warten wir ein paar Minuten bis zur Ankunft der nächsten Bahn. Innerhalb der kurzen Wartezeit füllt sich der Bahnsteig wieder vollends. Wir sind nicht erstaunt, wie viele Fahrgäste das Angebot nutzen, denn für unschlagbare 3 TL (1 EUR) spart man gegenüber der Fähre jede Menge Zeit.
Da die Bahn nicht nur die beiden direkten Stationen zwischen der Altsstadt und Üsküdar verbindet, sondern bereits ab Kazlıçeşme über Yenikapı anfährt, ist der Zug bei der Einfahrt in den Sirkeci-Bahnhof voll besetzt. Wie sollte es auch sonst im menschenvollen Istanbul sein?
Mit bis zu hundert Stundenkilometer rast der Zug nun unter der Wasserstraße hinweg, in fast sechzig Metern Tiefe. Wie schnell wir ankommen, merken wir, als wir innerhalb sehr kurzer Zeit schon wieder das Tageslicht in Üsküdar sehen. Viele Fahrgäste steigen hier aus.
Dieser Zug ist ein wahrer Segen für alle Pendler, die im asiatischen Teil wohnen und im europäischen arbeiten, oder umgekehrt. Noch effektiver wird es für Reisende, die ab 2015 weiter in Richtung Bursa, nach Süden möchten, und die Marmaray-Bahn an dieses Schienennetz angeschlossen wird. Schon heute schwärmt man von der „Eisernen Seidenstraße“.


Wir fahren noch eine Station weiter, zur vorläufigen Endstation Ayrlıkçeşme, im Stadtteil Kadıköy. Der Weg aus der Haltestelle heraus ist ziemlich unwirtlich und absolut nicht fußgängergeeignet. Wir fragen uns durch, haben die Bagdad-Straße als Ziel ausgegeben. Geduldig weist man uns die Richtung, doch es sei noch ziemlich weit. Zunächst quetschen wir uns ein Stück weit über einen menschenleeren, ultraschmalen Bürgersteig, entlang einer kurvigen und unübersichtlichen Schnellstraße. Das Überqueren dieser Straße nimmt einige Minuten in Anspruch, doch irgendwann haben wir eine kleine Lücke entdeckt und bewegen uns jetzt in etwas wohnlicherem Gebiet. Mittlerweile hat es zu nieseln begonnen, was unserem Unternehmensgeist jedoch keinen Abbruch tut.
Vorbei geht es an etlichen Apotheken und Sanitätsgeschäften, wo man Prothesen und Hilfsmittel jeglicher Art kaufen kann. Aus einem gemütlichen Blumengeschäft, in dem ein älterer Mann gerade einen Orchideenstrauß bindet, strömt uns ein unendlich betörender Duft entgegen.
Immer wieder bedeutet man uns auf Nachfrage, dass es besser sei, einen Bus zur Bagdad-Straße zu nehmen. Der Name hat übrigens nichts mit der irakischen Hauptstadt zu tun, doch sei sie durchaus vergleichbar mit markanten Avenues in mitteleuropäischen Großstädten, so haben wir gelesen. Bei stärker werdendem Dauerregen beschließen wir dennoch, die Bagdad-Straße aus dem Programm zu streichen und einfach von dieser langen Geraden, auf der wir uns bewegen, nach links abzubiegen. Unversehens gelangen wir in eine belebte Fußgängerzone.
Um dem Regenschauer zu entgehen, kehren wir zunächst in ein Café ein, richten uns im überdachten Außenbereich ein, und können von hier aus bei einem heißen Tee das Geschehen auf der Straße beobachten. Man könnte sich durchaus in einer mitteleuropäischen Fußgängerzone befinden, denn auch die Geschäftsauslagen ähneln sich sehr. Rummeltourismus, wie an den einschlägigen Stellen im europäischen Teil, gibt es hier nicht. Vielmehr verkehren Einheimische und erledigen ihre alltäglichen Besorgungen. Das Klima ist sehr gelassen, bis aus einem großen Lautsprecher, der auf dem kleinen angrenzenden Platz aufgebaut wurde, plötzlich ohrenbetäubende Musik erschallt. Der Erste Mai steht bevor, und eine der Parteien hat Arbeiterlieder aufgelegt, während Flugblätter verteilt werden. Der laute Gesang vertreibt ein paar Roma-Kinder, die auf dem Platz zuvor um ein paar Lira gebettelt haben.
Auf der gegenüberliegenden Seite des kleinen Platzes passieren wir nach unserem Päuschen einen kleinen Gebäudekomplex, an dem ein Schild mit griechischer Schrift angebracht ist. Fast wären wir daran vorbeigegangen, so unscheinbar wirkt der Eingang, ein Durchlass in einer hellgelb gestrichenen Mauer, die eine griechisch-orthodoxe Kirche umgrenzt. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen.
Die Agia-Euphemia-Kirche selbst ist zwar verschlossen, doch im Vorraum kommen wir mit dem Zuständigen (Priester?) ins Gespräch. Sichtlich erfreut über den unverhofften griechischen Besuch, verwickelt er uns in ein längeres Gespräch.
In diese Kirche seien zu Ostern etwa hundert Besucher gekommen. Das wisse er, weil er hundert rote Eier bestellt habe, und diese auch alle einen Adressaten gefunden hätten. Nur ganz wenige Eier gingen an Griechen, alle anderen an Orthodoxe aus Moldawien. Wie es denn im Ökumenischen Patriarchat gewesen sei? Er habe gehört, dort hätten sehr viele Touristen die Osternacht in der Kirche verbracht, was wir durchaus bestätigen können. Unser Gesprächspartner lebt hier in einer kleinen Enklave, behütet die Kirche, die er uns nicht mal für einen kleinen Blick öffnen wird. Ein ungutes Gefühl vor möglichen Protesten anlässlich des Ersten Mais habe er schon, meint er, ansonsten sei es hier aber sehr friedlich.
Da es draußen immer noch regnet, haben wir keine Lust mehr auf einen weiteren Bummel und beschließen stattdessen, die nächste Fähre zurück zur Galatabrücke zu nehmen. Das Schiff wartet schon und legt auch bald ab. Die blank polierten Holzbänke teilen wir uns mit nur ganz wenigen anderen Passagieren. Das sanfte Schaukeln wiegt uns fast in den Schlaf. Nachdem wir einen Riesenschlenker über Kabataş gemacht haben, ohne jedoch dort anzulegen, erreichen wir am Nachmittag wieder das europäische Ufer.
Sicherlich ist es auch für andere sinnvoll, die Fähre zu nehmen, wenn man von Kadıköy nach Karaköy möchte. Statt mit der Marmaray zuerst in die Altstadt und dann weiter zu fahren, kommt man so direkt auf der anderen Seite des Goldenen Horns an, um dann beispielsweise nonstop mit der Tünel-Bahn gleich weiter nach Beyoğlu fahren.
Wir jedoch möchten unseren Urlaub in der Altstadt ausklingen lassen und uns nach 2009 die Agia Sofía noch einmal anschauen.


Besuch der Agia Sofía


Der Regen hat zum Glück wieder aufgehört, als die Fähre in Karaköy anlegt. Innerlich haben wir schon angefangen, uns von der Stadt zu verabschieden. Ein vorletztes Mal überqueren wir die Galatabrücke, bleiben immer wieder stehen, um den Anglern bei ihren Versuchen zuzusehen. Doch faulig riechendes Regen- und Fischwasser in den schmalen Pfützen vertreibt uns recht schnell.
In Eminönü, am jenseitigen Ufer des Goldenen Horns, sind alle Bürgersteige wieder überfüllt, und so lassen wir uns in Richtung Agia Sofía schieben, passieren wieder den Bahnhof Sirkeci, von dem wir am Morgen gestartet sind, und biegen schließlich in eine kopfsteingepflasterte Straße ein, die zur Rückseite der Agia Sofía führen wird.
Steil steigt die Straße bergan, und kaum erblicken wir die Agia Sofía, ruft ein Muezzin mit überaus lauter Stimme zum Gebet. Zunächst bin ich ob dieser durchdringenden Lautstärke ziemlich erschrocken, doch dann denke ich mir, dass man vielleicht auf diese besondere Weise auf die Blaue Moschee, die Hauptmoschee Istanbuls, hinweisen will, die ja ebenfalls in Sichtweite liegt.


Schnell können wir den wesentlich leiseren Gesang von der Blauen Moschee klar unterscheiden. Für uns gibt es keinen Zweifel, der überlaute Ruf kommt nicht von dort, sondern scheint tatsächlich von einem oder zwei der Minarette zu kommen, die zur Agia Sofía gehören und mit Lautsprechern bestückt sind. Wir sind ziemlich verduzt, denn die Agia Sofía ist doch ein Museum und keine Moschee.


Auf einigen der Außenmauern prangen überdimensionierte türkische Fahnen.


Selbst eine Stunde vor Schließung (um 18.00 Uhr) kostet der Eintritt immer noch 30 TL (10 EUR) pro Person und ist somit innerhalb von fünf Jahren um ein happiges Drittel im Preis gestiegen.
Unter einer weiteren riesigen Nationalfahne hindurch betreten wir den Gebäudekomplex und gelangen über eine ausgetretene marmorne Schwelle ins Erdgeschoss des gigantischen Bauwerkes, das in seiner heutigen Form seit dem sechsten Jahrhundert besteht.


Uns erfasst – so wie beim ersten Mal – erneut eine tiefe Ehrfurcht. Ehrfurcht und Bewunderung für den Baumeister, für diese Einzigartigkeit, die oft kopiert wurde und diese Größe doch nie wiedererreicht hat. Vielleicht hängt es auch mit der altehrwürdigen Geschichte des Gebäudes zusammen, das über die Jahrhunderte jeglichem Sturm getrotzt hat, auch wenn es schon so manches Mal seinem Untergang durch Erdbeben und Brände geweiht war.



Die riesige Kuppel mit ihren einunddreißig Metern Durchmesser schwebt in knapp sechsundfünfzig Metern Höhe über dem Innenraum.



Blick in die Apsis mit den Symbolen aus christlicher und moslemischer Zeit.



So kurz vor Ende der Öffnungszeit sind immer noch etliche staunende Besucher unterwegs, recken die Hälse und fotografieren Details hoch oben. Winzig wirken sie vor der wuchtigen Kulisse des Gebäudes.


Leider steht im Hauptraum immer noch oder schon wieder ein riesiges Gerüst. Bei unserem ersten Besuch war es an einer anderen Stelle aufgebaut, und wurde für die Dekoration der riesigen Hauptkuppel gebraucht. Diese Arbeit ist abgeschlossen, die Kuppel erstrahlt jetzt in ihrem Inneren mit den restaurierten islamischen Kalligrafien aus dem 19. Jahrhundert.



Im Erdgeschoss wurden gerahmte Bilder einer großen Kalligrafienausstellung an den Wänden angebracht.


Kalligrafien als Ausdruck islamischer und türkischer Kunst begeistern uns immer wieder sehr. Insbesondere im gleichnamigen Museum im Hippodrom kann man sie in ihren einzigartigen Schriftzügen und Farbgebungen bewundern. In der Agia Sofía reizt uns dieses Thema nicht sonderlich. Vielmehr bewundern wir das Gebäude an sich und die unschätzbar wertvollen Mosaiken, besonders die im ersten Stock.
Gelungen finden wir die Gegenüberstellung, oder besser das Nebeneinander, von christlichen und islamischen Symbolen. Schließlich wurde die Agia Sofía eintausend Jahre lang als christliche Kirche genutzt und bildete gleichzeitig ein Herrschaftszentrum. Hier wurden Kaiser gekrönt und Entscheidungen von großer Tragweite getroffen, bis im Jahr 1453 Konstantinopel an das Osmanische Reich fiel und Byzanz unterging.


Es ist sicherlich ihrer großen Bedeutung geschuldet, dass man sie damals als allererstes ihrer christlichen Symbole beraubte, sei es durch Zerstörung und Plünderung, sei es durch bauliche Maßnahmen, die die wertvollen Mosaiken zumindest teilweise erhielten, indem sie unter Putz gelegt wurden. Danach wurde die einstige Krönungskirche als Moschee verwendet.
1935 war es Kemal Atatürk, der verfügte, dass die Agia Sofía zu einem Museum und somit der Öffentlichkeit zumindest in weiten Teilen zugänglich gemacht wurde. Seitdem strömen jährlich über 3,3 Millionen Menschen aus aller Welt in das Gebäude.
Seit einigen Jahren gibt es nun allerdings Bestrebungen, aus dem Museum wieder eine Moschee zu machen. Oder, wie einer der obersten Geistlichen aus der benachbarten Blauen Moschee betonte, dass zumindest Gebete in der Agia Sofía stattfinden könnten, da die Blaue Moschee so überfüllt sei!? Istanbul verfügt über etwa 3.000 Moscheen und ausgerechnet ein weltweit bekanntes Museum soll aus Platzmangel umfunktioniert werden? Ein Vorgehen, wie es schon erfolgreich in Nicäa (Iznik) und Trabezunt praktiziert wurde. Auch dort wurden innerhalb der letzten drei Jahre zwei ehemals christliche Kirchen gleichen Namens (ein Zufall?), eine aus dem achten, die andere aus dem dreizehnten Jahrhundert, zu Moscheen umfunktioniert.
Bei einer erneuten Nutzung der Istanbuler Agia Sofía als Moschee müssten die freigelegten bildhaften Darstellungen von Figuren wieder bedeckt werden. Doch wie sollte das funktionieren? Die Mosaikenreste im ersten Stock könnten wohl regelmäßig verhüllt werden, doch bei der Mariendarstellung in der Wölbung der Apsis, in großer Höhe, könnte ich mir eine technische Lösung kaum vorstellen. Oder soll die Darstellung ganz unter Putz verschwinden?



Auch der 2009 freigelegte Seraphim auf einem der Pfeiler befindet sich hoch oben. Würde dieser wieder übermalt werden?




Wir hoffen, dass es sich nur um ein Säbelrasseln als politisches Kalkül handelt und die Agia Sofía der Weltöffentlichkeit zumindest als Museum erhalten bleibt. Und sollte die ehemalige Kriegsbeute von vor sechshundert Jahren doch wieder zur Moschee werden, mit allen Veränderungen, die eine solche Entscheidung mit sich bringt, so haben wir uns im Jahr 2014 zumindest noch einmal das bauliche Wunderwerk und die freigelegten Mosaiken anschauen können!
Mit diesem Gefühl bewegen wir uns in der weiten Halle des Erdgeschosses an einer Absperrwand entlang, hinter der weiter kräftig gebaut wird, schlendern über die Jahrhunderte alten Marmorböden, wo einst schon Kaiser Justinian, der Auftraggeber zu diesem Kirchenbau, einherschritt, und gelangen zu einer Stelle, an der die Krönungszeremonien der Kaiser stattfand, zum Omfálion. Nur noch ein Schild weist auf diese Stelle hin, und ein Absperrband um eine besondere Bodengestaltung mit verschiedenfarbigen kreisförmigen Einlässen im Marmorboden.


Gut erhalten befindet sich direkt daneben die ehemalige Loge des Muezzins aus dem 16. Jahrhundert, mit direktem Blick in Richtung Mekka, auf Mihrab (Gebetsnische) und Minbar (Kanzel), in der ehemaligen Kirchenapsis. Hebt man den Blick ganz nach oben, werden die islamischen Insignien vom vergoldeten Mosaik mit der Marien- und Jesusdarstellung aus dem neunten Jahrhundert überstrahlt. Und auch die überdimensionalen Schilder mit den arabischen Kalligrafien an jedem der Eckpfeiler der Kirche und an den Wänden der Apsis können diesem feinen Mosaik, hoch oben, seine Strahlkraft nicht nehmen.


Um ins erste Stockwerk zu gelangen, begibt man sich in einen Jahrhunderte alten, gepflasterten Gang, der sich in Kurven nach oben windet. Ein verwaister, kleiner Museumsshop ist in einer Nische dort hinauf untergebracht. Am Ende des Ganges gelangt man auf die Galerie, von wo man einen herrlichen Blick auf den gesamten Innenraum hat. Wie majestätisch muss dieser einmal wirken, wenn die Baustelle verschwunden sein wird.


Äußerst deplaziert finden wir einen Verkaufsstand mit Uhren, der sich direkt neben dem Zutritt zu dieser Etage befindet. Wozu nun dieser Kommerz?
Durch ein steinernes Tor gelangen wir zu dem Teil der Galerie, der zu byzantinischer Zeit hohen Würdenträgern vorbehalten war. Man mutmaßt, dass auch die Angehörigen der Synode aus dem Jahr 1166 hier zusammentraten, um ihre Entscheidungen zu treffen. Eine Replik aus den in Stein gehauenen Ergebnissen befindet sich unten, im Exo-Nartex.






Hinter diesem Marmortor befinden sich die großartigen Mosaike, die leider nur noch teilweise erhalten sind. Wie überwältigt muss sich der Besucher einst in der Agia Sofía gefühlt haben, als er diese Kunstwerke in ihrer Pracht an allen Wänden des Gebäudes bewundern durfte.


Das Deesis-Mosaik, wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert, porträtiert den Pantokrator Jesus Christus zusammen mit Maria und Johannes, dem Täufer.


Leuchtend erstrahlt das Komnenos-Mosaik aus dem 12. Jahrhundert, mit der Abbildung von Ioannis Komnenos II, seiner Frau Irini und in der Mitte Maria mit Jesuskind.






Ein weiteres, kostbares Mosaik im ersten Stock der Agia Sofia stammt aus dem 11. Jahrhundert und stellt erneut den Weltenherrscher Jesus Christus, Kaiser Konstantin und Kaiserin Zoe dar.





Die frühere Wandgestaltung mit ihren üppigen Goldverzierungen kann man in weiten Teilen des Gebäudes nur noch erahnen.


Selbst die Farbe an den übermalten Wänden bröckelt schon wieder. Mich würde interessieren, was sich darunter befindet - nur blankes Mauergestein, bar aller Schätze, die sich dort einmal befanden, oder tatsächlich noch weitere kunstvolle Darstellungen, wie beispielsweise in der Chorakirche?
Schließlich gelangen wir über die von zigmillionen Schuhen glatt polierten Pflastersteine des Wendelganges wieder nach unten und lassen noch einmal bei einem Rundumblick die Großartigkeit des monumentalen Innenraumes und die Weitläufigkeit der Seitenteile auf uns wirken.


Zusammen mit uns befinden sich nur noch wenige Besucher hier, die Türen zum Innenraum werden bereits geschlossen. Im Exo-Narthex entdecken wir jedoch noch ein paar Schätze aus jener fernen Zeit: Zum einen ein Sarkophag, in dem laut Beschreibung wahrscheinlich Kaiserin Iríni (Frau von Johannes II Komnenós) beigesetzt wurde. Daneben ein Becken mit Schlangenmuster aus Unkapanı (Stadtteil Fatih) und einem Porphyr-Altar aus dem zweiten Jahrhundert, aus der ältesten Kirche Istanbuls, der Agia Iríni, die nicht weit entfernt in das Gelände des Osmanischen Topkapı-Palastes integriert wurde.







In einer Ecke steht eine Glocke, ohne Angabe von Herkunft oder Baujahr.





Als Inschrift trägt sie zwei Psalme:



„Ich freute mich, als man mir sagte: «Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.»" (Psalm 122)
„In Versammlungen preiset Gott, den Herrn, ihr vom Quell Israels." (Psalm 68)

Ein weiteres Mosaik, aus dem 10. Jahrhundert, befindet sich über einem der Bronzetore und stellt einen segnenden Jesus mit Kaiser Leon IV. zu seinen Füßen dar. In der geöffneten Bibel steht: „Friede sei mit euch. Ich bin das göttliche Licht."


In einem letzten kleinen Gang vor dem Ausgang gibt es ebenfalls noch Dinge zu sehen, die uns sehr begeistern. Dazu gehört eine in ihrer Farbgebung unglaublich feine Deckengestaltung, die zwar etwas verwittert ist, aber dennoch einen Eindruck vermittelt, wie möglicherweise auch größere Deckenflächen früher ausgesehen haben mögen.






Und dann natürlich das sogenannte Sunu-Mosaik, für mich inhaltlich das schönste des gesamten Gebäudekomplexes, ebenfalls aus dem 10. Jahrhundert: In der Mitte Maria mit Jesus, links Kaiser Justinian, der ihr die Agia Sofia und rechts Kaiser Konstantin der Große, der ihr die gesamte Stadt darbringt. Die Buchstaben in den Medaillons rechts und links der Mariendarstellung bedeuten „Mitér Theoú“ (Muttergottes).






Für die Einrichtungen der Nebengebäude der Agia Sofía bleibt uns leider keine Zeit mehr. Auch wenn man uns großzügig noch im Inneren des Gebäudes unsere letzten Fotos schießen lässt, ist uns klar, dass die Wachleute auch irgendwann Feierabend haben möchten. Und so verlassen wir das Museum wieder, treten hinaus auf den wolkenverhangenen Platz und bewundern noch einmal die rot gefärbten Mauern und Details dieses herausragenden Gebäudes.








Schnell jetzt zu Pandelís, im Ägyptischen Basar, wo wir unser letztes Abendmahl vor der Heimreise einnehmen wollen. Dort angekommen müssen wir erfahren, dass das Lokal schon geschlossen hat. Leider hat es nur tagsüber geöffnet, da auch der Basar abends seine Pforten schließt und der Eingang zum Restaurant innerhalb des Basars liegt. Das ist sehr schade, denn man sitzt dort wirklich sehr gediegen und wird köstlichst bekocht.
Vielleicht gehen wir stattdessen noch einmal in eines der Fischrestaurants an der Galatabrücke? Kaum haben wir die Brücke betreten, erkennen wir auf der gegenüberliegenden Seite einen großen Möwenschwarm, der aufgeregt und laut kreischend über dem Wasser kreist. Angelockt von dem Spektakel mutmaßen wir, dass irgendjemand etwas Fressbares ins Meer geworfen hat, denn immer wieder stoßen die Vögel hinab auf die Wasseroberfläche, um sich kleine Brocken zu schnappen und davonzufliegen. Als sich auch der allerletzte seine Ration abgeholt hat, kehrt etwas Ruhe ein und wir sehen, dass dort am Ufer, nur wenige Schritte weg, noch andere Restaurants ihre Pforten geöffnet haben. Das wäre doch noch ein schönes Erlebnis am Abend!




Den schmalen, nassen Durchlass, rechts und links von Fischständen gesäumt, durchqueren wir relativ zügig, da es erbärmlich nach Fischresten riecht. Um eine Kurve biegen wir und gelangen zu einem Restaurant, in dem es sehr zünftig zugeht. In Wirklichkeit ist es eine Bude, in dem es Dosengetränke und eine kleine Auswahl an gebratenem Fisch gibt, als Beilage Brot. Und das macht uns heute Abend nicht mehr an. Gerne hätten wir es etwas netter gehabt. Also beschließen wir, uns das letzte Mal in der Blumenpassage beschallen zu lassen. Wie immer werden wir in unserer Lieblingstaverne freundlich empfangen und zum Platz geleitet, sehr zuvorkommend bedient und mit einer sehr leckeren Fleischplatte und gedünstetem und unglaublich gut gewürztem Reis bedacht.
Zum Abschluss sind heute Abend nicht nur zwei Musikkapellen da, sondern gleich drei. Die letzte spielt im hinteren Bereich der Passage, aber genauso laut. Die Fressmeile ist musiktechnisch also bestens aufgeteilt.
Als einer der Geiger freudestrahlend auf uns zukommt, winken wir entschieden ab. Uns ist noch erinnerlich, dass wir ihm ein paar Abende zuvor 20 TL gegeben haben und gerade mal zwei Lieder dafür bekamen. An anderen Tischen wird wesentlich ausdauernder gespielt. Außerdem freuen wir uns nach dem doch wieder sehr lang gewordenen Tag auf ein bisschen Ruhe, die wir uns im Hotel zukommen lassen wollen, bevor wir am anderen Tag früh aus den Federn und zum Flughafen müssen.


Ausklang

Der Taxifahrer, der von uns am Vorabend schon an der Rezeption geordert war, wird am Morgen, nachdem wir den Startschuss gegeben haben, antelefoniert und erreicht das Hotel nach kurzer Zeit. Rasch lassen wir das Taksim-Viertel hinter uns. Morgens um sechs Uhr ist noch nicht soviel los auf Istanbuls Straßen, und so können wir zügig in Richtung Atatürk-Flughafen gleiten. Ein paar ausgetauschte Sätze mit dem Fahrer, ein letztes Mal die Blumenbeete entlang der Schnellstraße bewundern, und im Handumdrehen erreichen wir den Flughafen. Leider versäumt auch dieser Mann es nicht, uns ein paar unangemessene Extra-Euros aus der Tasche ziehen zu wollen. Als er bemerkt, dass wir nicht dazu bereit sind, fährt er schleunigst davon. Zum Abschluss war das noch mal ein richtig schönes Highlight, und es ist noch nicht mal sieben Uhr am Morgen.
Im Flughafen gelangen wir dann in die Routine: Sicherheitshandlungen an der Gepäckaufgabe, Schlange stehen für den Ausreisestempel, auf die Schnelle noch einen Kaffee und schließlich die Handgepäckkontrolle. Gut, dass wir bereits drei! Stunden vor Abflug am Flughafen waren.

In der Rückschau haben wir unsere Reise mit sehr gemischten Gefühlen erlebt. Einerseits waren wieder sehr viele neue, schöne Eindrücke dabei. Insbesondere unser Ausflug auf die Prinzeninseln und der Spaziergang durch den Gülhane-Park werden uns in sehr lebhafter Erinnerung bleiben. Ebenso aber auch die ambivalenten Gefühle in der Agia Sofia.
Andererseits die Konfrontation mit Istanbuls Armut, die vielen bettelnden Menschen, die zu allen Listen greifen, um ein paar wenige TL abzubekommen, Kinder, die auf der Straße leben oder in den Armenvierteln, chancenlos. Mit fünf Jahren schon ausgestoßen, erfahren im Kampf ums tägliche Überleben. Für uns, in unseren Breiten unvorstellbar, auch wenn es in Mitteleuropa ebenfalls Armut gibt. So etwas wie ein staatlich garantiertes Existenzminimum, und sei es noch so gering, muss jedoch für die Ohren der Armen der Ärmsten hier in Istanbul wie das Paradies klingen.
Versuchte Betrügereien an Touristen mögen aus solchen Lebenssituationen geboren sein und sind nachvollziehbar und verständlich, auch wenn man persönlich davon betroffen ist. Betrügereien jedoch von Restaurantangestellten oder Taxifahrern können wir nicht nachvollziehen. Als Touristen haben wir uns daher oft wie Freiwild gefühlt, schon in Habachtstellung vor dem nächsten Versuch, uns eine kostenpflichtige Dienstleistung aufzuzwingen, die wir nicht bestellt haben.
Istanbul haben wir nun drei Mal besucht. Unsere Gewürzspeicher sind randvoll gefüllt und werden uns die nächsten Jahre bei unseren Kocheinlagen zu Hause sinnliche Momente des Erinnerns zurückbringen. Wer weiß, ob wir die Stadt je wieder besuchen werden, doch Istanbul als Sehnsuchtsziel hat schon so manchen vor uns wieder und wieder zurückkehren lassen...


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