Ankunft in Amman
und Madaba



Im Gebäude des Queen-Alia-Flughafens von Amman (mit kurzer, aber ausreichender Umsteigezeit in Rom) angekommen, stellen wir uns in einer langen Schlange an. Als EU-Bürger braucht man bei der Einreise doch keinen schriftlichen Visumsantrag. Mit einem Stempelabdruck im Reisepass und der Bezahlung von 10 Jordanischen Dinaren (JOD) pro Person ist die Einreise genehmigt.
Ca. eine Stunde dauert das Prozedere, so viele andere Reisende sind um halb drei Uhr nachts Ortszeit noch mit uns angekommen. Doch schließlich können wir unsere Koffer, die schon abholbereit vom Band genommen und in einer Ecke zusammengestellt wurden, abholen. Vor dem Flughafengebäude, bei lauen Temperaturen, kann Alex endlich, nach so vielen Stunden, eine genüssliche Zigarette rauchen.
Eigentlich hatten wir uns gedacht, dass das Autoleihen zu so später Stunde (falls überhaupt ein Schalter geöffnet ist) unsere Kräfte überfordern könnte, doch wir fühlen uns beide noch frisch und beschließen kurzum, am Avis-Schalter nachzufragen.
Wir können einen Citroen C2 haben, für uns ein ideales Autochen, für zwei Personen plus Koffer sehr geeignet. Das Auto kostet 30 JOD am Tag inkl. Vollkasko mit 350 JOD Selbstbeteiligung, ohne Kilometerbeschränkung. Einer der Jungs lädt uns in seinen Wagen und bringt uns zur Auto-Abholstation, ein paar Kilometer außerhalb, irgendwo an der Autobahn. Keine Ahnung, wo wir sind, aber es stinkt hier ziemlich fürchterlich nach Chemiefabrik.
Ein weiterer, müder Mitarbeiter ohne wirkliche Englischkenntnisse macht eine Bestandsaufnahme vom Zustand des Autos, die wir unterschreiben. Das Auto sieht bei den eingeschränkten Lichtverhältnissen neu und gepflegt aus. Bis hierher hat alles gut geklappt.
Eine Anschnallpflicht gibt es, nach Aussage des Autoverleihers, in Jordanien nicht. Allerdings piept es im Auto, wenn der Fahrer sich nicht anschnallt. Solidarischerweise benutze ich auch den Gurt, ist wohl auch besser so. Wir wissen noch nicht, wie sich der Straßenverkehr hier abspielt und in welchem Zustand die Straßen sind.
Der Tank ist fast leer. Allerdings gibt es in Sichtweite eine Tankstelle, wo wir genügend Sprit nachfassen. Der Liter kostet märchenhafte 70 Cent. Fest geschnallt und mit vollgetanktem Auto machen wir uns auf den Weg nach Madaba.
Die Tankstelle liegt an einer neu erscheinenden Straße, die allerdings noch nicht offiziell an die parallel verlaufende Hauptstraße angeschlossen ist. Trotzdem rollen wir im Schritttempo hier entlang in der Hoffnung, irgendwo eine Auffahrt zu finden. Es ist dunkel. Plötzlich springen zwei laut bellende und zähnefletschende Hunde aus einem Gebüsch. Schreck lass’ nach! Zum Glück sind wir hier nicht zu Fuß unterwegs.
Endlich finden wir eine Auffahrt und können nun etwas flotter fahren. Einige Tiere liegen überfahren auf der Fahrbahn. Häufig müssen wir wegen Bodenwellen im Schritttempo fahren. Auf Anhieb finden wir kurze Zeit später den entscheidenden Abzweig nach Madaba.
Dass wir im Ort angekommen sind, erraten wir aus der Straßenkarte, denn ein englischsprachiges Ortseingangsschild haben wir nicht gesehen. Mittlerweile ist es schon fünf Uhr. Die Straßen sind um diese frühe Morgenstunde fast leer. Wo unser Hotel liegt, wissen wir nicht, denn wir haben es versäumt, uns eine entsprechende Karte auszudrucken. Die Yarmouk-Street könnte jedoch bekannt sein, schließlich ist sie nach einem der größten Nebenflüsse des Jordans benannt.
Die wenigen Menschen, die wir unterwegs treffen, sprechen kein Englisch. Vom Mosaic-City-Hotel hat auch noch niemand gehört. Und die Yarmouk-Street ist ebenfalls keinem bekannt. Langsam gewinne ich den Eindruck, dass das Wort „Mosaik" auf Arabisch ganz anders heißt, und die Kirche Saint George (in Hotelnähe) auch nicht jedem bekannt ist, obwohl die meisten Touristen ihretwegen nach Madaba kommen. Wahlweise versuche ich es mit Aghios Giórgos, ernte aber weiterhin nur Blicke des Unverständnisses.
Zwei Jungs arbeiten auf dem Mittelstreifen. Einer steht oben auf einer hohen Leiter und macht etwas an einem Mast, der andere hält unten die Leiter fest. Die beiden verstehen erst gar nicht, was wir von ihnen wollen. Allerdings ist der erste von der Leiter gestiegen und zu uns herüber gekommen, um nochmals nachzufragen.
Nur hundert Meter weiter steht eine Gruppe Männer am Straßenrand, vielleicht warten sie auf ihren Arbeitgeber. Keiner versteht uns, obwohl man sich sichtlich Mühe gibt, uns irgendwie weiterzuhelfen.
Schließlich passieren wir einen Mann in einem Wagen, der am rechten Straßenrand geparkt ist. Er sitzt am Steuer und scheint auch auf jemanden zu warten. Wir rollen heran, Seitenfenster herunter. Yarmouk-Street? – Er überlegt, schaut uns an. Er spricht arabisch und beschließt aufgrund unserer mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten, uns vorauszufahren. Alex winkt ab. Wer weiß, wo er uns hinbringt? Ich hingegen hätte ihm vertraut, diesem fremden Menschen. Was sollte uns passieren? Wir sitzen im eigenen Auto und könnten jederzeit umkehren. Für Alex aber wohl zu viel Tuchfühlung am ersten Morgen in Jordanien.
Nachdem wir viele Straßen hin und her gekrochen sind, entdecken wir im Rückspiegel ein Taxi. Im Nullkommanichts hat uns der Mann gegen wenige JODs zum Hotel gebracht.
Den Wagen können wir auf dem Hotelparkplatz abstellen. Eingecheckt ist schnell, und dann sinken wir gegen sechs Uhr in der Früh in die Kissen.



In Madaba


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