Rückreise


Um die Mittagszeit haben wir unsere Koffer fluggerecht gepackt und im Auto verstaut. Der ägyptische Hotelmanager macht uns noch ein Geschenk: eine schöne, handgearbeitete Schmuckschatulle aus Leder. Das hätten wir nicht erwartet und freuen uns sehr.
Für unseren Rückweg nach Amman könnten wir die über 300 Kilometer in kürzester Zeit über die Wüstenautobahn zurücklegen. Doch wir hätten dann bis zum Abflug um 4.30 Uhr am darauffolgenden Morgen noch sehr lange Zeit. Daher möchten wir ein paar Schlenker einbauen und die wunderschöne Landschaft nochmals genießen.
Zunächst nehmen wir zwar die Autobahn, doch nur bis zum Abzweig zur Königsstraße, die doch um einiges reizvoller und abwechslungsreicher ist. Außerdem kennen wir die Strecke zwischen Petra und Kerak auch nur im Dunkeln. Insgeheim hoffe ich auch noch auf einen Abstecher ins Dana Naturreservat, das ebenfalls dort in der Nähe liegt.
Die Ausfahrt noch vor dem Innenstadtbereich von Aqaba kennen wir ja jetzt, sodass wir schon bald ein letzten Mal über die palmenumsäumte Straße nach Norden stadtauswärts fahren.
Wieder lassen wir den Blick über die neuen Wohngebiete schweifen, die Stadt wächst, und man kann davon ausgehen, dass die ehrgeizigen Vorhaben das Gesicht der Stadt schon bald verändern werden.


Ein letztes Mal kommt uns die Aqababahn entgegen, ihre Waggons voll beladen mit kostbaren Bodenschätzen.
Wir passieren die Zollabfertigung (nur ein kurzer Stopp) und den Truck Compulsory. Und dann ist auch schon bald der Abzweig nach Wadi Rum erreicht. Der rote Sand und die Felsblöcke, die der Landschaft ihr charakteristisches Aussehen geben, lässt uns nochmals an unseren Ausflug in die Wüste erinnern.
Im Folgenden wird die Umgebung der Schnellstraße immer flacher und langweiliger. Über die Wüstenstraße kann man daher auch in der Regel die 110 erlaubten Stundenkilometer für PKWs und 100 für LKWs voll nutzen, da die Strecke schnurgerade und ohne Berge öder Täler nach Norden führt.


Vor tausenden von Jahren war das auch schon so, man kam einfach schneller voran. Doch häufig wurden die Karawanen überfallen, weil eben kein Schutz vorhanden war, keine Burg, in die man sich retten konnte, keine Felsenstadt wie Petra, in der man hätte Schutz suchen können.
Die Autobahn zerteilt stellenweise Orte, statt sie zu umfahren. Angekündigt werden sie durch die Schilder mit den Piktogrammen einer Ortschaft (Häuser und Moschee) und einem großen roten Ausrufezeichen.
Um auch wirklich die notwendige Geschwindigkeitsbeschränkung zu erreichen, wurden auch hier zig „Hubbel“ auf der Schnellstraße eingebaut, die man nur im Schritttempo überfahren kann.
Auch hier gibt es maximal englische Hinweisschilder auf Ortschaften, die noch in einiger Entfernung liegen, und Amman ist auch immer wieder ausgeschildert. Doch englische Bezeichnungen der gerade durchfahrenen Orte gibt es auch auf der Autobahn nicht. Nur bei Eintritt bzw. Ausfahrt aus einer Municipality kann man ein Welcome oder Good-bye lesen.
Die Dörfer gleichen sich alle: Kleine Geschäfte am Straßenrand bedienen insbesondere die passierenden LKWs. Jedes Dorf an der Durchgangstraße verfügt über Werkstätten. Auch Lebensmittel werden angeboten. Und vieles andere, was ein Brummifahrer braucht, denn zahlreiche LKWs sind über diese Strecke unterwegs, sicherlich von Aqaba nach Amman und vielleicht sogar bis nach Damaskus und zurück.


Touristen halten aber eher nicht an. Als wir auf eine Zigarettenlänge in einem der für uns namenlosen Dörfer pausieren, kommen drei Jungs spontan auf uns zu, um uns kennenzulernen. Für sie ist es offensichtlich etwas Ungewöhnliches. Sie betrachten die Farbe meiner Augen und stellen sich vor. Als wir die Namen wiederholen, kichern sie schüchtern. Auch ihnen fällt es schwer, unsere Namen auszusprechen, doch es macht ihnen Spaß. Das Treiben wird von Erwachsenen in einem Geschäft hinter uns sorgfältig beobachtet.
In einigen Dörfern hat man Schutzmauern um die Wohnhäuser gezogen, die etwas abseits der Straße liegen. Sie verhindern Einblicke in die Privatsphäre.
Viele Einheimische sind noch per Anhalter unterwegs. Sie nutzen die langsame Durchfahrt der Wagen durch die Orte für eine Mitfahrgelegenheit. Einige warten noch darauf, andere haben sie bereits erhalten.



Wieder kommt uns ein Abschleppwagen mit einem völlig zerbeulten Auto entgegen. Einige Unfälle haben wir gesehen, bei denen die Fahrer offenkundig die Kontrolle über den Wagen verloren hatten. Sie landeten im Graben, die Kutsche kaputt, sie selbst aber nur schockiert, ansonsten unverletzt.
Statt in Richtung Ma’an weiterzufahren, biegen wir auf der Höhe von Ras an Naqab wieder auf die Königsstraße ein. Gleich führt die Straße bergan, sodass wir schon bald links im Dunst wieder das unter dem Meeresspiegel gelegene Wadi Araba ausmachen können, sicherlich auch heute wieder mit sehr hohen Temperaturen, wie im Jordantal.
Al Tayyibah erleben wir bei der Durchfahrt als ein sehr grünes, wohl wasserreiches Dorf mit Olivenhainen. Die Ernte hat bereits begonnen. Vor einem Gebäude, auf einer Freifläche, wurden Oliven in der Sonne flach ausgelegt. (Oder sind es Trauben, aus denen jetzt Rosinen entstehen?)
Noch vor Wadi Musa queren Kamele die Fahrbahn. Sie sehen so gutmütig aus. Die meisten haben eine herabhängende, samtige Unterlippe, die beim Daherschreiten immer auf- und niederhüpft.
Und dann öffnet sich der Kessel von Petra mit den Shara Bergen, eine grandiose Aussicht!


Im Randbezirk von Wadi Musa erhalten wir neben dem touristischen doch noch einen anderen Blick auf den Ort, nämlich den des Alltags der Bewohner.



Nur wenige Meter weiter halten wir an einem Krämerladen, um Wasser zu kaufen. Doch der Besitzer hat noch ganz andere Köstlichkeiten. Er kann zwar kein Englisch, doch ein Freund hilft sprachlich aus.
So erstehen wir z.B. ein Pfund Gewürzmischung aus Thymian, geröstetem Sesam und Weizen, Salz und weiteren Gewürzen. Desweiteren kaufen wir auch noch ein Pfund schwarzen Ceylontee (Al Mizan Tea) und ein weiteres Pfund wohlduftenden Curry, der in einem Plastikbeutel eingeschweißt wird. Perfekt! Zusammen mit dem Wasser und zwei Tüten trockenem Sesamgebäck für den ramponierten Magen bezahlen wir noch nicht mal 7 JOD.
Nach Wadi Musa fahren wir nicht mehr hinein, sondern biegen direkt in Richtung Shobak ab, wo es eine weitere Festung zu besichtigen gibt, die zur Zeit der Kreuzritter großen Einfluss hatte. Bekannt war sie unter dem Namen Montreal.
Hinter einem Beduinenzelt taucht sie unvermittelt auf, vielleicht nicht ganz so mächtig und längst nicht so gut erhalten wie Kerak, doch nicht weniger imposant auf einem Bergkegel gelegen und mit dem Auto problemlos erreichbar.



Nur eine kleine Reisegruppe hält sich hier auf. Im Eingangsbereich, dem Visitor Center, langweilen sich ein paar Verkäufer vor einem Getränkeausschank. Im Schatten schlürfen wir einen köstlichen Tee.


Zu uns gesellt sich noch ein junges jordanisch-belgisches Paar. Der freundliche, junge Mann kommt aus Madaba, und er erzählt uns noch ein wenig über seine Stadt. Madaba ist auf dieser Reise zu meiner Lieblingsstadt geworden, wegen seiner Ursprünglichkeit und als guter Ausgangspunkt für mannigfache Unternehmungen. Der jordanische Junge erzählt, er sei griechisch-orthodox, und seine Kirche würde bald wegen dringender Renovierungsarbeiten geschlossen. Wir sollten sie uns unbedingt anschauen. Vielleicht schaffen wir ja später noch einen Abstecher dorthin! So gern würde ich heute noch die Apostelkirche mit den berühmten Mosaiken besichtigen!
Die tätowierte, junge Frau, die ganz landesuntypisch ein T-Shirt mit dünnen Trägerchen und tiefem Ausschnitt trägt, erzählt, wie häufig sie sich in der Region aufhält. Alleine in Ägypten sei sie fünf Mal gewesen. Sie könne einfach nicht genug bekommen.
Ein etwas wackeliger, älterer Herr wird vom jordanischen Wirt an unseren Tisch geführt und am Kopfende, schräg neben mir, platziert. Er trinkt etwas aus einer Flasche, das irgendwie ungesund süß aussieht. Ein anderer Mann kommt zu ihm und in feinstem Oxford-English erzählt unser Tischnachbar mir fester Stimme: „I was looking for a beer, but they gave me this bottle. This is no beer.“ Beide grinsen sich eins. Später fragt mich der ältere Herr, woher wir kämen. Umgekehrt vermute ich ihm gegenüber, dass er Engländer sei. Kurz vor unserem Aufbruch fragt er mich, wie ich seine Nationalität erraten hätte, und ich antwortete wahrheitsgetreu, weil er um diese Tageszeit nach einem Bier gefragt habe. Diese Antwort amüsiert ihn königlich, er lacht sich halb schlapp.
Leider werden wir die Königsstraße jetzt verlassen müssen, denn es ist schon 16.00 Uhr geworden. Bis zum Einbruch der Dunkelheit möchten wir am Flughafen sein, sodass wir noch etwas über zwei Stunden zur Verfügung haben. Die Erfahrung des Autofahrens bei Dunkelheit möchte ich Alex nicht noch einmal zumuten.
Ade Dana Nature Reserve und good-bye Madaba. Wir sind jetzt definitiv auf der Rückreise, die Besichtigungstouren sind zu Ende.
Zwischen Shobak und der Wüstenautobahn gibt es eine Stichstraße (so wie es an vielen anderen Orten auch weitere Verbindungsstraßen zwischen Kings Way und Autobahn gibt). Im Nullkommanichts befinden wir uns wieder im Flachland und rollen entspannt über den gut ausgebauten Highway dahin.


Rechterhand eine Sandstein-Hügelkette, danach ist der Blick wieder frei auf die Ausläufer der Großen Syrischen Wüste. Sehr fremd wirken die Ortschaften jetzt beidseitig der Straße auf uns: Einfache, beige-braune Kuben, zum Teil hinter Mauern in der flachen Geröllwüste. In einem Dorf hat man als Begrenzung zur Autobahn hin eine Vielzahl von „Steinmännchen" aufgestellt.


Immer wieder passieren wir Polizeistreifen. Die Autos sind meist quer zur Fahrbahn am Straßenrand unter einem kleinen Dach geparkt. Mit modernsten technischen Mitteln werden Raser herausgepickt und zur Kasse gebeten. Auch offensichtlich überladene LKWs werden herausgewunken. Wir fahren immer langsam an den Polizisten vorbei, man schaut dabei zwar ins Innere unsere Autos, doch werden wir nicht angehalten.
Etwa 150 Kilometer von Amman entfernt werden wir mit erheblichen Bauarbeiten am rechten Straßenrand konfrontiert und über kurze Strecken umgeleitet. Eine Pipeline wird verlegt, deutlich sind die Betonröhren zu erkennen. Ob es sich hier um das Disi-Projekt handelt?
Linkerhand tauchen im flachen Gelände zahlreiche, merkwürdig futuristisch anmutende, große, runde Erdkegel ohne Spitze auf. Sie sind offensichtlich von Menschenhand gemacht. Kein Hinweis auf den Zweck.
Auf einer Parallelstraße rechts, die in ein Dorf führt, rast ein Pickup-Konvoi hupend entlang. Auf jeder Ladefläche steht ein Schaf, sicherlich ein politisches Symbol, oder doch zum Essen gedacht? In einem Monat (9. November 2010) sind Wahlen, und die Werbetrommeln werden ordentlich gerührt. Plakate hängen in allen Orten, häufig sind Aufkleber mit den Fotos einzelner Kandidaten auf die Verkehrsschilder geklebt.
Im nächsten Ort überquert ein Fußgänger die Autobahn in aller Seelenruhe, so wie wir es schon häufig erlebt haben. Der Verkehr kommt seinetwegen fast zum Erliegen, aber ich wette, dass er ein teuflischer Autofahrer ist!
Die Durchgangsstraßen aller Orte sehen irgendwie gleich aus. Immer wieder Werkstätten und Geschäfte. Und natürlich auch Tankstellen.
Nicht weit weg von Amman (wir haben es ausgesprochen immer wieder wie zwei Worte gehört: Am’ Män, mit der Betonung auf der zweiten Silbe) tauchen etwas zurückgesetzt Fabriken auf.
Ca. 45 Kilometer vor der Stadt passieren wir ein Gewerbegebiet. Rechts ein großes Werk, hochsicherheitsabgesperrt. Ein Kind überquert die Fahrbahn. Weiter hinten, auf der rechten Seite, treibt ein Schäfer seine Herde ins Dorf.
Kurz vor dem Flughafen von Amman, der ja ca. 30 Kilometer südlich der Stadt liegt, hält Alex in einer Parknische und gemeinsam beobachten wir, wie die Sonne rot und groß hinter einem Strommasten untergeht. Wir sind genau zur rechten Zeit angekommen.


Der Rest ist schnell erzählt. Bei der Durchfahrt über das Flughafengelände passieren wir ein riesiges, abgesperrtes Areal mit neuen Gebäuden. Hier wird kräftig erweitert.
Die Autoabgabe erfolgt problemlos, alles in Ordnung. Danach begeben wir uns in unsere Abflughalle. Es gibt zur Zeit zwei Terminals die sich gegenüber liegen, je mit Ankunfts- und Abflughalle. Vielleicht für Inlands- und Auslandsflüge?
Einchecken dürfen wir erst zwei Stunden vor Abflug, und wir haben noch acht Stunden Zeit! Und so lassen wir uns in der Vorhalle nieder. Zufällig treffen wir wieder die deutsche Familie, mit der wir beim Frühstück in Aqaba zusammengegessen und geklönt haben. Wir vertreiben uns ein wenig die Zeit, trinken Tee, essen Kräcker, lassen die letzten Eindrücke nochmals Revue passieren, schauen uns die Fotos an.
Die Durchsagen auf dem Flughafen erinnern an die Schilderung des Rennverlaufs auf einer Pferderennbahn: Die Stimme ist monoton und näselnd, Ereignisse werden in schnellem Tempo vorgetragen, ich glaube, auf Arabisch und Englisch. Verstehen tun wir aber nix, außer am Ende Thank you.
Eine arabische Familie ist eingetroffen. Der Patriarch nimmt in der Mitte Platz, und etliche Frauen mit vielen Kindern wuseln um ihn herum. Einem Kind wird schlecht und es reihert ca. fünf Minuten lang. Danach geht es ihm besser und es tobt wieder mit den anderen herum.
Eine deutsche Reisende spricht mich an und fragt, ob wir ihre ungeöffnete Wasserflasche haben wollen. Nein, wir haben noch genug, bedanke ich mich. Etwas unsicher nähert sie sich der arabischen Großfamilie und fragt ebenfalls. Man begegnet ihr sehr skeptisch, die Frauen drehen sich weg. Einer der erwachsenen Söhne ergreift schließlich die Wasserflasche und bedankt sich höflich lächelnd.
Alle arabischen Frauen, die im Laufe des Abends den Terminal betreten, haben ihre Haare unter Tüchern verhüllt, einige tragen auch ein Tuch vor dem Gesicht, das nur die Augenschlitze freilässt.
Viele Frauen haben Babys auf dem Arm und bewegen sich unauffällig. Doch ich erkenne ihre Neugier, wenn sie uns gegenüber sitzen, denn sie schauen uns genau so an wie wir sie. Man macht sich so seine Gedanken, stellt Vergleiche an.
Irgendwo beim Teeverkaufsstand liegen Zeitungen herum, darunter auch eine englischsprachige Ausgabe der Jordan Times. Für unser Wertesystem unvorstellbar lesen wir zwei kleinere Artikel über die Rechtsauslegung in Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
In ersterem wird über ein Gerichtsverfahren berichtet, das eine Frau gegen ihren Vater angestrengt hatte. Auch in zweiter Instanz gab man Vater und Bruder recht, die gegen die Ehe der 42jährigen mit einem Arztkollegen waren, weil er nicht demselben Clan entstammt. Man verurteilte die Frau zur Rückkehr in ihr Vaterhaus, weil sie sich dem Patriarchen gegenüber ungehorsam gezeigt hatte.
Im zweiten Artikel wird klargestellt, dass es einem Mann gestattet ist, seine Frauen und Töchter körperlich zu züchtigen, solange man keine Blessuren auf ihrer Haut erkennen kann. Diese Welt ist uns vollkommen fremd.
Als wir eine Weile draußen sitzen, können wir auch eine indische Reisegruppe beobachten, wie sie ihr Gepäck aus dem Bus und auf Trolleys laden, sich abflugbereit machen. Ihre bunten Gewänder sind wunderschön.
Schließlich dürfen wir in die Abfertigungshalle, wo ein großes Sicherheits-Programm auf uns wartet. Immer wieder muss der Ausweis vorgezeigt werden. In der so schwierigen Region, von deren politischen Problemen wir während des gesamten Urlaubs nichts mitbekommen haben, können die vielfachen Checks nur unserer eigenen Sicherheit dienen. Geduldig lassen wir alles über uns ergehen, auch das Ausräumen des Koffers, und später des Handgepäcks (mit den Gewürzen) neben einem Hund und mehreren bewaffneten Polizisten.
Wir freuen uns, dass wir die letzten Dinare nicht für die früher übliche Ausreisegebühr verwenden müssen, denn diese ist jetzt im Flugticket enthalten, wie uns jemand erzählt. Oder vielleicht sogar ganz abgeschafft.
Stattdessen begeben wir uns in den großen, gut bestückten Duty Free Shop, um einige Pfund Tote-Meer-Schlamm zu erstehen. An der Kasse werden wir jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass wir diese wegen der Sicherheitsbestimmungen nicht mitnehmen dürfen (nur 100 ml Flüssigkeiten)! Ich weise auf die Praxis an europäischen Flughäfen hin, doch hier ist nichts zu machen.
Wir haben ja bereits eine Sicherheitsschranke mit Ausweiskontrolle, Ausreisestempel und Handgepäckcheck passiert, doch noch eine weitere erwartet uns. Und direkt dahinter können wir zum Gate und gleich in den Flugzeugbus einsteigen. Und dann ist es soweit, unser Flugzeug hebt in den frühen Morgenstunden ab. Die Lichter Ammans verzaubern uns wie schon bei der Anreise. Gut zu erkennen die Leuchtbänder der Autobahnen, die sich kreuz und quer durch die Stadt ziehen. Noch eine Weile lassen sich die Konturen Ammans aus dem Flugzeugfenster erkennen, und man gerät ins Träumen über dieses so schöne Land.
Die nächste Teilstrecke zurück nach Rom wird dann jedoch eine sehr rumpelige Angelegenheit. Über der Ägäis, besonders über Zypern, wird die Maschine derart durchgeschüttelt, dass einem angst und bange werden kann. In einiger Entfernung sehe ich einen dicken Blitz. Doch der Flugkapitän erhält die Erlaubnis, auf fast 12.000 Meter zu steigen. Hier oben ist es ruhig, und ein wenig dahindösend gelangen wir schließlich nach dreieinviertelstündigem Flug nach Rom, erwischen unseren Flieger weiter nach Frankfurt und den Zug zurück nach Saarbrücken. Nach 30 Stunden mit nur gelegentlichem Dösen sinken wir müde, aber glücklich in die Kissen.
Wir werden noch lange brauchen, um die mannigfaltigen Eindrücke zu verarbeiten: Das grüne Jordantal mit seinen biblischen Orten, immer den Nachbarstaat Israel in Sichtweite. Die römische Stadt Jerash. Madaba mit seinen wunderschönen Mosaiken und den liebenswerten, offenen und freundlichen Menschen. Die Straße der Könige mit ihren Schätzen: Machärus, den steilen, atemberaubenden Grabenbruch des Wadi Mujib und die Kreuzritterfestung Kerak. Die außergewöhnliche und einzigartige, antike Stadt Petra, das Naturreservat des Wadi Rum mit seiner bizarren Fels- und Sandlandschaft und schließlich der wunderschöne Ausklang am Roten Meer mit den bunten Fischen und Korallen.
Was haben wir alles nicht gesehen: die Wüstenschlösser im Osten, wie Al Azrak, das Naturreservat Aijlun im Norden, weitere Dekapolisstädte wie Pella und andere Städte wie Irbid und Es-Salt, das Dana Wildlife Resort und die heißen Quellen und Wasserfälle von Hammamet Ma’in, Ma’an am Rand der Wüste und schließlich Amman. Und viele andere Orte...
Die wenigen negativen Begleiterscheinungen unserer Reise, wie das Geschäftsgebaren in und um Petra herum, verblassen schnell, als wir innerlich etwas Abstand gewinnen. In den weiteren Wochen und Monaten sollen wir noch häufig Gedanken austauschen, die sich langsam formen und helfen, die mannigfaltigen kulturellen Ausprägungen des Landes und der gesamten Region zu verstehen. Immer wieder erinnern wir uns an die wunderschönen Bilder und die vielen freundlichen Begegnungen.
Für uns ist es fast nicht vorstellbar, wie es sich anfühlt, in einem sicheren Land, jedoch sehr eng umgeben von grausamen Kriegen, Mord und Totschlag zu leben. Diese Reise nach Jordanien hat in uns eine enge Verbundenheit dem Land und seinen Menschen gegenüber erzeugt. Mit großer Trauer verfolgen wir die Fernsehberichte über Kriegshandlungen und Zerstörungen in der Region. Hoffen wir, dass Jordanien all das überdauert. Jordanien - ein unglaubliches Reiseland und ein Hoffnungsschimmer für Millionen von Flüchtlingen und Menschen, die Barbarei und Krieg ablehnen.


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