Golgothá - See von Agiá - Zoúrva - Thérisso


In der kretischen Sommerhitze verführt uns der von unserem Zimmer aus hörbare, feine Wellenschlag des Meeres zu einem Bad am gegenüber liegenden Sandstrand. Erwartungsgemäß sind am Vormittag alle Sonnenschirme und Liegen belegt, viele nur mit Handtüchern. Als Bleichgesicht ist es zwar nicht von Vorteil, sich der direkten kretischen Sonnenstrahlung auszusetzen, aber wir wollen ja auch erst mal nur ins kühle Nass. Hinein ins Vergnügen zum ersten ausgedehnten Meeresbad im klaren, warmen Wasser des Kretischen Meeres, so erfrischend und angenehm, dass wir kaum ein Ende finden wollen. Bevor wir uns jedoch einen Sonnenbrand einfangen, starten wir zu einem ersten Ausflug. Später am Nachmittag werden wir uns diesem sinnlichen Genuss ein weiteres Mal hingeben.
Wir möchten nach Westen, in Richtung Chaniá, dort nach Fournés abbiegen und hier den Abzweig nach Mesklá nehmen. Es schließt sich eine Strecke durch die Berge an, die über Zoúrva und Thérisso schließlich wieder zurück nach Kalýves führt.
Hinter Chaniá verlassen wir die Schnellstraße und befinden uns in der Umgebung von Galatás. Ziemlich planlos juckeln wir durch die schmalen Sträßchen. An einem bestimmten Haus kommen wir nun schon zum dritten Mal vorbei, ehe wir uns für eine Ausfahrt aus dem Dorf entscheiden, unsicher, ob dies der Weg nach Fournés ist.
Nicht nur das Dorf Galatás, sondern die gesamte Region eint die Geschichte des Beginns der Besatzung durch deutsche Soldaten während des Zweiten Weltkriegs. Hier war einer der Hauptlandepunkte für die Fallschirmjäger des Unternehmens Merkur, das sich zunächst sehr verlustreich für die Eroberer gestaltete. Am 20. Mai 1941 sollten zunächst die damalige Hauptstadt Chaniá und der größte Flugplatz im benachbarten Máleme bombardiert werden, einige Stunden später dann die beiden anderen großen Städte, Réthymno und Iráklio. Zusätzlich sollten jeweils nach den Zerstörungen Fallschirmjäger landen und sich weiter vorarbeiten. Der Plan wurde den alliierten Griechen, Engländern, Australiern und Neuseeländern jedoch bekannt, sodass man sich wappnen konnte. Im Verlauf der erbittert geführten Schlacht um Kreta kamen innerhalb kurzer Zeit mehrere tausend deutsche Soldaten ums Leben (ausführlich nachzulesen in der Wikipedia.)
Die nun folgende militärische Eroberung der Insel ging einher mit Todesdrohungen, Ermordungen, Zerstörungen und Brandschatzung. Fast jedes kretische Dorf hatte Opfer zu beklagen. Versteckt hinter angeblichen militärischen Befehlen und getarnt als Vergeltung für Widerstandshandlungen der Kreter wurden unfassbar brutale Taten gegen die Zivilbevölkerung begangen, nicht nur auf Kreta, sondern in ganz Griechenland. Beispielhaft genannt seien Kalávrita und Dístomo, zwei Orte, die jeder Grieche kennt und weiß, welche schmerzhaften Erinnerungen damit verbunden sind. Auf Kreta gibt es ebenfalls eine Vielzahl von Dörfern, die niedergebrannt und zerstört wurden; mit willkürlichen Erschießungen wollte man die Bevölkerung einschüchtern. Fotografisch dokumentiert von Franz Peter Weixler wurde die grausame Exekution von 25 Einwohnern in Kondomári am 2. Juni 1941, nur zwei Wochen nach dem Beginn der Besatzung. Im Bundesarchiv sind Fotos des Verbrechens hinterlegt. (Eingaben im oberen Menue unter Suche: Kondomari; Jahr: 1941-1941)
Das griechische Wort für Exekution heißt εκτέλεση (gesprochen: Ektélessi). Es begegnet dem aufmerksam Reisenden auf den zahlreichen Namenstafeln, die in fast jedem Ort aufgestellt sind, um der Opfer zu gedenken. Ein μνημείο εκτελεςθέντων (gesprochen: mnimío ektelesthéndon) ist ein Denkmal für die Hingerichteten.
Im Verlauf unserer Reise werden wir noch öfter mit der Thematik in Berührung kommen. Es ist ja nicht so, dass wir im Urlaub nicht auch gerne das Leben leicht nehmen oder auf der ständigen Suche nach den Zeugnissen jener dunklen Zeit der Besatzung wären. Vielmehr begegnen sie uns, und wir weichen nicht aus, stellen uns der Wahrheit, für die es bisher keine angemessene Entschädigung gegeben hat.
Mir persönlich fällt es schwer, der Ohnmacht zu begegnen, dass solche grausamen Vergehen nie entsprechend gesühnt wurden, dass es keinen Ausgleich gegeben hat und auf politischer Ebene nur ganz zaghafte Symbole.
Glücklicherweise ist meine Generation bisher von militärischen Kriegen in unserer unmittelbaren Umgebung und dem Leben in einer Diktatur verschont geblieben. Sich dessen bewusst zu sein bedeutet aber auch, dies nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Daher verstehe ich die Meinungen nicht, „das Thema“ endlich ad acta zu legen oder es zu ignorieren. Ich kann auch nicht begreifen, wie man achtlos oder genervt daran vorbeigehen kann oder glaubt, dass es nach der langen Zeit niemanden vor Ort mehr interessiert. In tausend Jahren wird es nicht vorbei sein, wenn es keinen adäquaten Ausgleich mit den Opferfamilien gibt, im Gegenteil, dieser Teil unserer Vergangenheit wird uns ewig anhaften.
Ulrich Kadelbach hat es in seinem Buch „Schatten ohne Mann“ (2002, Verlag Dr. Thomas Balistier) folgendermaßen ausgedrückt (S. 69):

„Die Zeit rebelliert. Sie lässt sich in kein Kalendarium zwingen. Heute und morgen greift die Vergangenheit ins Leben. Hier und jetzt schmerzt die sechzigjährige Wunde. Jede Nacht schleichen die Alpträume heran. Überall und jederzeit kann der Krieg seine Opfer einholen, himmelschreiend, chronisch. Seine Schatten sind länger als das untergehende Licht historischer Fakten.“

Mit diesen Gedanken im Kopf kurven wir durch Galatás, gleichzeitig auf der Suche nach einer beschilderten Ausfahrt nach Fournés. Auf einer schmalen Landstraße verlassen wir den Ort, zuckeln weiter und passieren ein Schild mit der Aufschrift „Nach Golgothá – Hinrichtungsstätte von griechischen Landsleuten durch die Deutschen“. Einen erkennbaren Abzweig dorthin sehen wir jedoch nicht.


Auffälliger ist ein weitläufiges, ummauertes Gelände direkt gegenüber, das gut gesicherte Gefängnis von Agiá. Zwischen Mai 1941 und September 1944 wurde es laut Bundesarchiv als „Haftort für Zwangsarbeiter“ genutzt, und darüber hinaus auch als Internierungslager und Folterort, denn der Eroberung und Besatzung der Insel durch die Deutschen stand erbitterter Widerstand der Kreter gegenüber. Um der Widerstandskämpfer habhaft zu werden, bediente man sich einer Bekanntmachung vom 1.9.1941, auf deren Grundlage man willkürliche Verhaftungen auch von Personen durchführen konnte, die mit Widerstandshandlungen direkt nichts zu tun hatten.

„Tod für alle direkt und indirekt Beteiligten, im Falle ihrer Unauffindbarkeit und Verheimlichung auch Tod für zahlreiche Unbeteiligte, Strafaktionen gegen ganze Dörfer und Gemeinden, die nach dem deutschen Gemeinschaftsprinzip ‚Einer für Alle und Alle für Einen‘ für das Tun und Lassen ihrer Angehörigen mitverantwortlich sind.“
(Mitteilungsblatt für Kreta vom 27.09.1941 zitiert in Karina Raeck, Andartis – Monument für den Frieden, Berlin 1995, S. 117)

Die so in Geiselhaft Genommenen kamen ins Zuchthaus von Agiá; sie durften keinen Kontakt zu anderen Gefangenen haben und keine Post empfangen; Angehörigen wurden jegliche Auskünfte verweigert.

„Agia (...) diente in den Jahren der deutschen Besatzung auch als Konzentrationslager für unschuldige Bürger, die man nach schrecklicher und unmenschlicher Folter hinrichtete. Hier wurden über 1000 unserer Landsleute erschossen und weihten mit ihrem Blut dieses geheiligte Golgatha der kretischen Freiheit.“
(Apostolakis Stam., I Machi tis Kritis sto Dimotiko Tragoudi tou Nisiou, Chania 1991, S. 46 zitiert in Karina Raeck, Andartis – Monument für den Frieden, Berlin 1995, S. 117)

Im nicht weit entfernt gelegenen, gleichnamigen Dorf Agiá, fragen wir eine Frau nach dem ausgeschilderten Ort. „Golgothá“, so sagt sie ernst, „ist eine Gedenkstätte für unsere Landsleute, die während der deutschen Besatzung dort hingerichtet wurden. Einmal im Jahr pilgern wir zu der Stelle und gedenken ihrer“. Direkt beim Schild sollen wir abbiegen.
Wir fahren also wieder dorthin zurück. Der schmale Weg, der von dort abzweigt, endet an einem breiten Zaungatter. Es lässt sich leicht öffnen, und nach wenigen Metern stellen wir das Auto an einem kleinen Platz ab. Die menschenleere, sehr stille Gedenkstätte liegt etwas erhöht. Ein Betonriegel nimmt die Sicht auf den dahinter liegenden, ehemaligen Hinrichtungsplatz. An der Wand ist zu lesen:

„Golgotha – hier, vor dem Pfahl, wurden in den Jahren der deutschen Besatzung 1941 – 1945 Patrioten, Freiheitskämpfer von den Faschisten exekutiert.“


Hinter der Betonmauer betritt man über ein paar flache Stufen eine weitere Ebene. Durch die Verwendung von Beton und Granit wirkt der Ort leblos. Die sommerlich vertrocknete Landschaft drum herum tut ihr Übriges dazu.
Betonklötze befinden sich am unteren Ende des Platzes, vielleicht eine symbolhafte Darstellung der Vollstrecker, und der Hinrichtungspfahl aus totem Holz am anderen Ende. Er ragt aus einer roten Granitplatte hervor, die wohl das Blut der hier Exekutierten symbolisieren soll.
Jemand hat davor ein Gemälde mit der Darstellung des dornenbekränzten Jesus inmitten der landenden Fallschirmjäger und zur Exekution an den Pfählen Gefesselten angebracht. Die Inschrift bedeutet:

Am 20. Mai 1941
von der Besatzungsarmee
exekutierte
Landsleute
Mutter Griechenland
gaben sie zwei Blumen.
Die eine nennen wir „Freiheit“
und die andere „Tod“.


Die Leiden Jesu stehen als Sinnbild für die Qualen der hier Ermordeten, die für die Freiheit aller Kreter gekämpft, im gegenüber liegenden Gefängnis von Agiá inhaftiert und am Ende an dieser Stelle hingerichtet wurden.


Als wir uns umdrehen, schauen wir von oben auf die Ausläufer des Dorfes. Der letzte Blick derer, die hier ermordet wurden, galt der Heimat, der Landschaft Kretas, in der Ferne die Liebsten erahnend, bevor die tödliche Kugel sie traf.


„Golgota“, „Golgotha“ oder „Golgatha“ – die hebräische Bezeichnung bedeutet „Schädelstätte“, so wie auch der Kreuzigungsort Jesu genannt wird – eine weitere, nicht zufällig gewählte Parallele.

Im Boden des Platzes befindet sich eine eingelassene Tafel aus rotem Granit mit den Worten:



Ewig die Erinnerung an euch Brüder,
die ihr für den ehrenhaften Kampf gefallen seid.

Auch wir halten inne im Gedenken. Wenn man sich vor Augen hält, wie weit neofaschistische Tendenzen in Deutschland schon wieder fortgeschritten sind, dass es Parteien mit stramm rechtem Gedankengut gelungen ist, in die kommunalen Parlamente einzuziehen, dass in deutschen Städten eine rechtspopulistische Bewegung auf Stimmenfang geht und dabei zumindest kurzfristig recht erfolgreich ist, dass sich brutale Überfälle durch rechte Schläger auf Menschen häufen, die Schutz in Deutschland suchen, dass eben jene Nazibanden Mitglieder demokratischer Parteien und gewählte Volksvertreter bedrohen und zusammenschlagen, weil ihnen deren Meinung nicht passt, dann erscheint es uns als besonders erwähnenswert, dass wir uns alle an jene Vergangenheit erinnern sollten, die noch nicht einmal hundert Jahre her ist, und wie unvorstellbar viel Leid sie über Millionen von Menschen gebracht hat. Vielleicht würde es helfen, sich an einer dieser Gedenkstätten wie in Golgothá die Verantwortung zu vergegenwärtigen, die wir selbst heute haben, um festzustellen, wie kostbar Frieden und Freiheit sind.
Auch wenn das Herz schwer ist, so verlassen wir diesen stillen Ort in Dankbarkeit darüber, dass es in den finstersten Zeiten Menschen gegeben hat, die sich nicht gebeugt haben und die bereit waren, ihr Leben für die Freiheit zu geben, nicht nur für ihre eigene.


Sehr heiß ist uns, als wir wieder ins Auto steigen. Wie wir nach Fournés kommen, wissen wir immer noch nicht. Also folgen wir wieder der schmalen Landstraße, die uns nun zu einem ausgeschilderten See führt. Am Ufer biegt sich der langstielige Bambus, seine langen Blätter rauschen sanft in der heißen Brise. Ein Ort – ideal zum Chillen. In einem großen Café kehren wir ein und lassen uns auf der Terrasse nieder.
Bei dem Stausee – oder besser, was davon noch übrig ist – handelt es ich um den See von Agiá, einem Trinkwasserspeicher von Chaniá.


Hier kann man die Wasserknappheit, unter der weite Teile oder vielleicht sogar ganz Kreta in diesem Jahr zu leiden haben, erahnen, denn der See führt nur noch wenig Wasser. Selbst die Vögel hätten mittlerweile Probleme, erklärt der Wirt. Im Winter habe es viel zu wenig geregnet. Sorgenvolle Kommentare dieser Art werden wir im Laufe unseres Aufenthaltes auf der Insel noch häufiger hören.


Schließlich erhalten wir noch eine Richtungsangabe, die uns erneut durch das Dorf Agiá den Weg nach Fournés und Mesklá weist. Wir durchqueren üppige Orangen- und Zitronenplantagen. Während die einen noch vom letzten Winter prall und überreif an den Bäumen leuchten, sind die anderen im Stadium der Reifung, grün und fest.
Stetig bergan geht es hinter Fournés, wo sich die Wege trennen: einer führt nach Omalós, der andere nach Mesklá und weiter. Von Mesklá aus erkennt man auf dem grünen Nachbarhügel die charakteristische Dorflinie von Lákki.


Laut unserer Anavási-Karte ist die Strecke Mesklá – Zoúrva – Thérisso als „malerisch“ ausgewiesen. Das ist weit untertrieben. Atemberaubend, abwechslungsreich, mit weiten Blicken über die majestätische Berglandschaft der Lefká Ori, der Weißen Berge, erleben wir die Strecke, als wir uns auf knapp 600 Meter Höhe hinaufkurbeln. Die abgeschiedenen Häuser beherbergen nur wenige Bewohner. Wäsche hängt direkt neben der schmalen Straße zum Trocknen. Alles erscheint sehr familiär, man ist unter sich. Viele Fremde kommen hier wahrscheinlich nicht entlang. Olivenbäume gibt es auch in dieser Höhe, oft an steilen Hängen. Straff gespannte Netze am Boden weisen schon auf die Vorbereitungen der nächsten Ernte hin.

Zwischen Mesklá und Zoúrva steht exponiert auf einer Hügelspitze die Taverne Rizinia.


Der Außenbereich hinter dem Gebäude ist nicht groß, aber gemütlich. Unter schattenspendenden Bäumen sitzt man an einem der wenigen Tische, lässt sich kulinarisch verwöhnen und hat dabei einen inspirierenden Blick auf die umgebende Bergwelt.
Mit dieser Weitsicht auf die Dinge können wir wieder durchatmen und Abstand zu der Beklommenheit gewinnen, die uns nach dem Besuch von Golgothá noch anhängt.




Am Nachbartisch sitzen unter einem Baum einige ältere Kreter und lassen es sich bei ein paar Tsipourákia gut gehen. Vielleicht wird heute Nachmittag kein Lied gedichtet, doch ihre gute Stimmung ist ansteckend.
Maria, die Wirtin, ist nicht nur für ihre Kochkünste berühmt, sie verkauft auch Kräuter aus der Umgebung (mit Erlaubnisschein, der beim Stand liegt; mittlerweile ist es verboten, die Berge zu plündern und die Kräuter nach Gutdünken zu verscherbeln – auf Kreta hat man schlechte Erfahrung mit findigen Geschäftsleuten gemacht).
Kennt ihr das auch, dass sich der Geschmacks- und Geruchssinn auf Kreta verändert? Salz, Pfeffer und pulverisierte Gewürze werden eher als fad wahrgenommen, egal, wieviel man davon ins Essen tut. Aber die starken kretischen Kräuter würzen so schmackhaft, dass man nur wenige davon benötigt. Überhaupt ist die Luft erfüllt von diesen Düften, und in den Bergen erst recht.
Mehrere von Marias Kräuterpaketen aus der kretischen Bergwelt, wild gewachsen, selbst gepflückt, getrocknet, grob gebündelt und allesamt noch zu verlesen, wandern in unseren Besitz über: Oregano, Thymian, Thrýmba, Mantzurána, Bergtee und Kombóchorto. Ihr Aroma ist unbeschreiblich betörend und intensiv. Als wir schließlich weiterfahren, drehen wir nach ein paar hundert Metern wieder um, um noch ein paar Tüten Oregano mehr mitzunehmen. So schnell bekommen wir diese Qualität wahrscheinlich nicht mehr.
Von Zoúrva nach Thérisso ist es nicht weit. Hinter dem Ort geht es wieder bergab. Die schmale Straße führt nun über mehrere Kilometer durch eine langgezogene, grüne Schlucht. Glatte, hohe Sandsteinfelsen erheben sich immer wieder rechts und links der schmalen Straße, begleitet vom ausgetrockneten Flusslauf, den wir ab und an überqueren. Im Boden ist jedoch noch ausreichend Feuchtigkeit gespeichert, wie man an den blühenden Oleandersträuchern erkennt.


Die meisten Ziegen einer kleinen Herde liegen mitten auf der Straße. Sie erheben sich nur widerwillig, um uns durchzulassen. Ein Zicklein ist rege auf einen Baum gestiegen und hängt dort mit baumelnden Beinen im Geäst, um sich an den Blättern gütlich zu tun.
An einer Stelle stoppen wir in einer kleinen Haltebucht. Nur die Zikaden geben ihr ohrenbetäubendes Nachmittagskonzert, ansonsten kommt niemand hier vorbei. Durch das Laub der Bäume brechen sich bereits die Strahlen der Nachmittagssonne. Alex besteht darauf, mindestens eine halbe Stunde hier zu verbringen, einfach so, der Romantik wegen.


So langsam macht sich die Sehnsucht nach dem Meer wieder breit, wir lechzen nach einem weiteren erfrischenden Bad. Noch einmal halten wir bei Perivólia (Chaniá) zur Besichtigung einer verlassenen Ruine, die sich auf der rechten Straßenseite befindet. Es handelt sich um die Reste einer kleinen Kirche aus antiker Zeit.




Ein handgeschriebenes Schild gibt Zeugnis darüber, dass sie dem Agios Geórgios geweiht war. Die byzantinischen Wandfresken sind kaum noch zu erkennen.


Unseren ersten Urlaubstag beschließen wir am Spätnachmittag mit einem weiteren Aufenthalt am Strand, der längst nicht mehr so stark bevölkert ist wie noch am Morgen. Die Wassertemperatur ist so genial, dass man sich einfach so hineinstürzen kann. Auf den recht hohen, anbrandenden Wellen „reiten“ wir eine Weile mit, so wie es die anderen Badenden unter lautem Gelächter und Getöse ebenfalls tun. Auf den nun freien Liegen finden wir nach dem ausgiebigen Bad ein Plätzchen und genießen das goldene Licht des beginnenden Sonnenuntergangs.
Ein wohliges Gefühl der Entspannung hat uns eingefangen, während wir den Tag mit all seinen Besonderheiten und Erlebnissen noch einmal Revue passieren lassen.

Kalýves


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