Pinakothek Brera


Eines der bedeutendsten Museen Oberitaliens befindet sich im Mailänder Stadtteil Brera, in der Nähe des Castello Sforzesco. Es beherbergt eine große Gemäldegalerie insbesondere von italienischen Meistern des Mittelalters, die wir uns heute anschauen möchten. Bilder berühmter Künstler wie Raffael, Tintoretto, Bellini und Caravaggio, aber auch Rubens und van Dyck erwarten uns.

Bei Sonnenschein schlendern wir entlang des Foro Buonaparte, einer bogenförmig angelegten Avenue, die das Castello in einem Halbkreis umringt.


Mehrstöckige Gebäudereihen im neoklassizistischen Stil säumen die Straßen, die in den Foro münden. Die Gebäude umschließen häufig Innenhöfe, die jedoch vor unseren neugierigen Blicken mit Sichtblenden geschützt sind.
Über Kopfsteinpflaster rumpelt der Autoverkehr um uns herum; breite, gut befahrene Radwege queren und kreuzen die Bürgersteige. E-Bikes und Pedelecs können an vielen Stellen in der Stadt auch gemietet werden und scheinen hier voll im Trend zu liegen.
Nicht weit, nachdem wir das Garibaldi-Denkmal in der Mitte des Foro Buonaparte passiert haben, biegen wir nach rechts in eine der Seitenstraßen ein und gelangen zur Piazza del Carmine und der gleichnamigen Kirche.




Ihre Geschichte geht ins 14. Jahrhundert zurück, als an dieser Stelle ein Karmeliter-Kloster mit benachbarter Kirche errichtet wurde. Wie so häufig zu jener Zeit stürzte das Gewölbe aufgrund schlechter Statik wieder ein. Erst in der Neuzeit erhielt sie ihre jetzige Form, die Fassade stammt aus dem Jahr 1880.
Rechts führt eine Gasse, die Via del Carmine, an der Kirche vorbei, hin zur Via Brera. Das Eckhaus, der prächtige im 17. Jahrhundert errichtete Bau des Palazzo Cusani mit seiner barocken Fassade, beherbergt heute das Militärkommando der lombardischen Armee.


Ein unscheinbares Fleckchen Grün ist als „Giardino“ der Graziella (Lalla) Romano (1906 – 2001) gewidmet ist, einer Schriftstellerin, Dichterin, Journalistin, Malerin, die in dem benachbarten Haus ab 1946 bis zu ihrem Tode lebte.


Schräg gegenüber befindet sich der Palazzo di Brera. Hervorgegangen aus einem Kloster wurde das Gebäude ab Ende des 18. Jahrhunderts erweitert und umgebaut, bis es die jetzige Form erhielt. Ziel war die Unterbringung verschiedener Mailänder Kulturinstitute wie die Pinakothek, die Akademie der Schönen Künste, eine der Nationalbibliotheken Italiens, ein astronomisches Observatorium und einen Botanischen Garten.


Napoleon als Friedensstifter Mars, nach einem Entwurf von Antonio Canova in Bronze gegossen, thront seit 1859 auf einem Sockel mitten im Innenhof, den man durchquert, bevor man die Treppen zu den Museumsräumen emporsteigt. Er war es, der viele der Gemälde im Laufe der Zeit nach Mailand, in dieses Museum, brachte.


12 Euro (Stand: 2019) kostet der Eintritt, Spinde stehen im Eingang für Taschen und Jacken bereit. Voller Erwartung auf die schönen Künste starten wir unseren Rundgang. Noch bevor wir so richtig in der Gemäldegalerie angekommen sind, passieren wir einen Raum, den Maria-Theresia-Saal der Biblioteca Nazionale Braidense, der nur durch eine Glastür vom Flur getrennt einen Blick auf einen stimmungsvollen und altehrwürdigen Raum wiedergibt. Mit einem Leseausweis käme man sogar hinein.


Es fällt schon schwer, eine Auswahl aus den fotografierten Bildern aus unserem Rundgang durch die Gemäldegalerie zu treffen. An dieser Stelle kann ich jedoch nur einige der Exponate zeigen, die mir persönlich mit am besten gefallen haben. Einen leibhaftigen Besuch des Museums, so wie überall, vermag das hier Dargebrachte natürlich nicht zu ersetzen.

Prachtvoll ausgestaltete Altaraufsätze und Einzelgemälde bestimmen den Beginn unseres Rundgang. In einem tiefen, warmen Rot, Braun- und Beigetönen oder auch goldfarben glänzend sind viele der Figuren aus biblischen Szenen dargestellt.







Nach und nach hat der Besucher das Gefühl, aus den dunklen Farben des tiefen Mittelalters emporzusteigen. Hellere Farben und andere Motive bestimmen immer mehr die Ausstellungsräume: unzählige Portraits (auch solche mit weniger schmeichelhaften Zügen), einige Landschaftsmotive und sogar ein Stillleben mit Musikinstrumenten.



Schließlich gibt es auch Darstellungen von Szenen aus dem Volk; hier exemplarisch erwähnt seien die Maler Vincenzo und Guglio Campi aus Cremona mit Bildern aus dem 16. Jahrhundert. Anders als bei den statischen Abbildungen von Adligen in ihren protzigen Gewändern und mit feinen Gesichtszügen tritt in der bewegten Darstellung des Alltagslebens zum Teil eine rohe Derbheit, aber auch Lebendigkeit zutage.




Ein Raum ist gänzlich den Abbildungen Venedigs gewidmet, insbesondere des Canale Grande mit seinem lebhaften Gondel- und Schiffsverkehr, bis ins kleinste Detail wiedergegeben, fast schon wie auf einem Foto.
Eine Schulklasse hat sich auf dem Boden dieses Raumes niedergelassen und wird von der Kunstlehrerin über die Techniken Canalettos und Guardis sehr ausführlich instruiert. Fleißig wird mitgeschrieben, andere wiederum quasseln lieber miteinander. Die restlichen Besucher haben wegen der Belagerung in diesem Raum aber eher das Nachsehen.




Mich begeistern insbesondere die Gemälde, die Impressionen mit der Darstellung von Licht schaffen, wie Il Pergolato von Silvestro Lega aus dem 19. Jahrhundert.


An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass an sehr vielen Bildern Erläuterungen in einfacher Sprache (italienisch und englisch) angebracht sind, die die Fantasie anregen sollen. An diesem Bild steht beispielsweise:
„Der Sommerdunst verwischt die Pappeln am Horizont. Die Sonne vergoldet einige der Blätter der Pflanzen während andere im Schatten sind. (...) Was wäre, wenn eine Wolke die Sonne verstecken würde? Wie würden sich Licht und Schatten ändern?“

Auch andere Themen finden sich nun in den Darstellungen wieder. Das große Opfer von Gerolamo Induno zeigt den bewegenden Augenblick des Abschiednehmens.


Zu den Meisterwerken des Museums gehören unter anderem:

die Pieta, die Griechische Madonna und das Monumentalgemälde Die Predigt des Hl. Markus in Alexandria, Ägypten der Brüder Gentile und Giovanni Bellini (Beginn 16. Jahrhundert)







die Beweinung Christi von Andrea Mantegna



das Altarbild Madonna und Kind mit Heiligen, Engeln und Federico da Montefeltro von Piero della Francesca mit den eigentümlich ernsten und verschlossenen Mienen der dargestellten Personen



die Hochzeit der Jungfrau von Raffael




Unterwegs durchqueren wir auch kleinere Abteilungen mit Bildern aus der Neuzeit, unter anderem Portraits von Modigliano und Der Stierkopf von Picasso (eine gewaltvolle Darstellung aus dem Jahr 1942).

Neben der kleinen Auswahl der hier dargestellten Bilder bietet dieser Link Pinakothek Brera Kollektion online des Museums eine Übersicht über die große Zahl und Vielfalt der Gemälde.

Wir selbst haben uns mehrere Stunden im Museum aufgehalten und sind erfüllt und seelisch bereichert von der schöpferischen Kraft der Kunstwerke, die das Museum auf eine sehr durchdachte und ansprechende Art ausgestellt hat. Auch nach längerer Zeit, in der Rückschau, finden wir die permanente Ausstellung des Brera-Museums für den kunstliebenden Mailand-Besucher sehr empfehlenswert.

Nach der Besichtigung nehmen wir in einem der Lokale der Via Brera Platz und sehen den Kunststudenten zu, wie sie die Akademie verlassen, noch mit den Kommilitonen diskutierend oder in einem der zahlreichen Lädchen mit Malerzubehör verschwindend, um sich mit neuer Farbe oder sonstigem einzudecken. Immer wieder jedoch kehren unsere Gedanken und Empfindungen zurück zu den Kunstschöpfungen, die wir gerade betrachten und erleben durften.

Scala-Museum


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