Anreise nach Messenien


Am Flughafen Athen angekommen nehmen wir am Abend den abfahrbereiten 95er Expressbus für 5 Euro und scheppern mit Lichtgeschwindigkeit durch die Outskirts von Athen in Richtung Síntagma. An Bord: fast ausschließlich Flughafenbedienstete (alle anderen nehmen wohl die Metro). Bald schon müssen wir uns unserer Jacken entledigen, es ist sehr warm. Grinsend sitzen wir auf der Rückbank und halten während der rasenden Fahrt unsere Koffer fest. Vom Síntagma aus ist es mit der Metro nur noch ein Stopp bis zur Haltestelle Akrópolis; unser Hotel liegt von dort direkt um die Ecke.
Natürlich können wir nach dem Einchecken im Airotel Parthenon trotz fortgeschrittener Stunde nicht so einfach schlafen gehen, viel zu aufgeregt sind wir dazu. Alex hat sich eh schon sehr auf die Pláka gefreut, jenen Ort, an dem man früher in Bouzoúkia und Rembetiko-Kneipen seinen Gefühlen freien Lauf ließ, trank, sang, tanzte und vor Begeisterung Teller zerwarf.
Heute ist das Tellerzerwerfen verboten, viel der Läden sind durchgestylt und eher auf Touristen oder jugendliche Nachtschwärmer ausgerichtet. Aber ein paar dieser traditionellen Lokale gibt es noch. Manchmal muss man einfach nur den Essensdüften nachgehen.
Es ist schon Mitternacht, als wir durch die Gässchen am Fuße der Akropolis bummeln. Obwohl es Wochenende ist, sind um diese Uhrzeit fast alle Lokale geschlossen, und dort, wo wir Platz nehmen, ist man gerade dabei aufzuräumen. Doch einen Tsatzíki und einen Táramo bekommen wir noch, und wir können draußen sitzen. Herrlich! Langsam verlassen wir innerlich den Transitbereich des Fluges.

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Nach nur kurzer Erholung frühstücken wir am Vormittag ausgiebig und sind um die Mittagszeit bereit für den Aufbruch in den Südwesten des Peloponnes, in den Distrikt Messenien (Μεσσηνία) am Ionischen Meer. Die Gegend war uns wärmstens empfohlen worden: Tolle Strände und nicht überlaufen - soll es das wirklich noch geben?
Gegen Mittag, nachdem der in der Síngroú-Straße ansässige Autovermieter (Ansa International) den Kleinwagen zum Hotel gebracht hat (Preis 28,50 €/Tag bei 10 Tagen Mietdauer - auf unsere Nachfrage vorgeschlagen und problemlos gebucht durch eine Hotelmitarbeiterin), starten wir also in Richtung Korinth. Irgendwie verfransen wir uns mehrfach, Ausschilderungen führen ins Nichts. Bei Fragen werden wir von Passanten hin und her geschickt, landen irgendwann in Piräus. Wahrscheinlich sind wir heute einfach nur überfordert. Unserer guten Laune kann das allerdings keinen Abbruch tun.
Die Rettung naht durch einen LKW-Fahrer mit guten Ortskenntnissen, mit dem wir an einer Ampel durch die Seitenscheibe Kontakt aufgenommen haben. Er bedeutet uns, ihm zu folgen. Eine ganze Weile geht es über verschiedene Autobahnen, bis er an einer Ausfahrt abbiegt und uns zuwinkt, ab hier einfach weiterzufahren. Und tatsächlich sind wir jetzt auf der richtigen Strecke. Eine geschlagene Stunde haben wir vom Hotel aus bis hierher gebraucht.

Nicht weit ist es bis zum Istmos von Korinth, dem Nadelöhr zum Peloponnes, wo wir eine Pause einlegen, um den schnurgeraden Kanal zu bestaunen, der eine Schiffspassage zwischen dem Golf von Korinth und weiter nach Westen dem Ionischen Meer auf der einen Seite und der Ägäis auf der Ostseite ermöglicht, ohne dass man den Peloponnes umrunden muss.
Auf einer Steintafel gedenkt man der beiden Ungarn István Türr und Béla Gerster, die den Bau des Kanals zwischen 1881 und 1893 planten, organisierten und leiteten, mit über 6 Kilometern Länge und 8 Metern Tiefe ein Meisterwerk technischer Baukunst. Die Breite am Grund beträgt 21 Meter, auf Meeresniveau 24,60 Meter. Von dort misst die Höhe der Seitenwände knapp 80 Meter.



Dieses Schiff ist 93 Meter lang und 16 Meter breit.


Bei einem Kaffee in einem der Lokale am Rande des Kanals breiten wir die neu gekaufte, riesige (Maßstab 1:150.000), zweisprachige Peloponnes-Karte von freitag & berndt auf dem Tisch aus.
Bis Tripoli, und von dort noch weiter bis hinter Megalópoli fährt man auf der mautpflichtigen Autobahn A7, dann weiter auf einer Landstraße (9a) und weiter nach Westen bis Kaló Neró am Ionischen Meer. Zur Bestimmung des genauen Zielortes lässt Alex den Finger auf der Karte kreisen und landet bei Ghiálova (Γιάλοβα - gesprochen Jiálowa), südlich von Kiparissiá, am Nordende der Navaríno-Bucht. Dort wollen wir also hin! (Vielleicht hat es damit zu tun, dass der Name uns kürzlich in einer anderen Gegend begegnet ist: Genauso heißt nämlich auch der türkische Hafen im Marmarameer, in dem wir im Frühjahr von Istanbul aus angelegt hatten, um nach Bursa zu gelangen.)


Nach einer unspektakulärer Fahrt erreichen wir Ghiálova am späten Nachmittag, folgen der Landstraße zum Meer hin und halten schließlich in einer grünen Oase, im Bereich des Hotels (Zoé), direkt am Strand.


Die Hotelgasse: rechts der Eingang zur Rezeption, links das Open-Air-Restaurant und der Strand.

Das familiengeführte Hotel liegt neben einer kleinen Mole mit schattigen Parkplatznischen zwischen Bäumen und Büschen. Eine Übernachtung mit Frühstück kostet zu dieser Jahreszeit im Doppelzimmer 50 Euro, ohne Frühstück 40 Euro. Die Zimmer sind in mehreren Etagen nach vorne, also in Richtung Meer gelegen und haben Balkone. Durch den dichten Pflanzenbewuchs hat man jedoch nur ab der 2. Etage eine freie Sicht aufs Meer.
Hinter dem Haupthaus befinden sich noch weitere familienfreundliche Apartments, eingebettet in eine grüne und blühende Pflanzenlandschaft mit Bananenstauden und Palmen, einem Teich, sowie einem Pool. Für uns ist es jedoch zu verlockend, uns am Strand auf einem der hoteleigenen Liegestühle zu räkeln und im warmen Meer zu baden.





Für mich sind die Essplätze am schönsten: Im offenen Erdgeschoss oder draußen, am Strand, unter Palmen und anderen Pflanzen. Zum Frühstücken einfach genial. Oder auf einen Tee am Nachmittag auf einem der Sofas. Es soll Leute geben, die hier auch schon dem einen oder anderen Nickerchen im Sitzen anheim gefallen sind.





Auch abends kann man zu einer warmen Mahlzeit einkehren. Dann sind die Tische mit Kerzen beleuchtet. Überhaupt findet man immer wieder liebevoll dekorierte Details in der Ausstattung. Selbst eine kleine Bibliothek mit verschiedensprachigen Büchern gibt es, wohl Literatur, die von Gästen zurückblieb.
Einzig die Hellhörigkeit im Haus stört etwas, doch weit über allem steht die freundliche Herzlichkeit der Familie, mit deren Mitgliedern man nach Belieben schnacken kann.

Das Örtchen Ghiálova können sich Südkretaliebhaber wie Kalamáki vorstellen, nur grüner. Es gibt eine Strandpromenade mit Tavernen und parallel und quer dazu ein paar Gassen mit Unterkünften, Geschäften und einer Bar.


Um es vorweg zu nehmen: Uns hat es in diesem Ort sehr gut gefallen, nicht zuletzt auch, weil man von hier aus viele Ausflüge in die Umgebung unternehmen kann, ohne weit fahren zu müssen. Griechische Gelassenheit und Gemütlichkeit und überall, wo wir waren, eine freundliche Offenheit gegenüber uns Gästen, Hilfsbereitschaft, wenn erforderlich: Griechenland, wie wir es lieben!
Wir wissen nicht, ob der Ort im Sommer überlaufen ist, vermuten es aber eher nicht, wenn auch die Menge der angebotenen Unterkünfte und gleich zwei Campingplätze darauf hindeuten, dass dann mehr Betrieb ist als jetzt im Oktober. Doch im Moment interessiert uns das eigentlich nicht. Wir sind ruhe- und erholungsbedürftig, freuen uns auf das Meer und hoffen auf einige interessante Touren.

Pílos – Methóni – Koróni


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