Pílos – Methóni –
Koróni


Navaríno-Bucht und Pílos
Nach einem schon fast erschöpfenden Frühstück, bestehend aus Brot, Eiern, Käse, Räucherwurst, frisch gepresstem O-Saft, selbst hergestellter Marmelade, Grießpudding mit Zimt und Kaffee beschließen wir eine Fahrt, die uns zunächst nach Pílos (Πύλος) führen soll, einem größeren Ort, etwa 8 km südlich von Ghiálova, am südlichen Ende der Navaríno-Bucht gelegen.


Dazu geht es zunächst über eine Straße, die parallel zur Tavernengasse am Meer verläuft. Die schmale Straße ist gesäumt von hohen Bäumen und Sträuchern; rechterhand noch vor dem Ortsausgang ein Campingplatz, danach, hügelan tatsächlich ein Golfplatz zwischen Olivenhainen.



Schließlich erreicht man eine Kreuzung, auf der man nach Kalamáta oder entgegengesetzt, nach Pílos, abbiegt. Auf der höchsten Erhebung dieser Strecke gibt es einen kleinen Halteplatz mit einem famosen Blick über die gesamte Bucht und den Jachthafen von Pílos.



Wenn man den Blick über die Bucht schweifen lässt, erkennt man die strategisch einzigartige Lage. Von hier aus brachen 1644 osmanische Schiffe nach Iráklio/Kreta auf, um die Insel einzunehmen. Schon seit der Antike hat es Kämpfe um diese Bucht gegeben, doch am 20. Oktober 1827 fand eine der wichtigsten Seeschlachten in der Geschichte Griechenlands statt, in der britische, russische und französische Fregatten den Großteil der in der Bucht stationierten osmanisch-ägyptischen Flotte versenkten.
Ein Buchautor aus der Region, John A. Biris, beschreibt in seiner fast 200 Seiten starken, englischsprachigen „Touristen- und Geschichtsstudie: Chóra – Pílos – Methóni" die Ereignisse um dieses Datum herum. Nach der Seeschlacht zählte man 174 Tote und 475 Verwundete auf alliierter Seite, jedoch 6000 Tote und 4000 Verwundete sowie dutzende zerstörter Schiffe auf osmanischer. Illustriert wird die Schilderung durch zahlreiche Gemälde und alte Fotografien.

Die Stimmung nach der Schlacht wird in einem der Briefe wiedergegeben, die Nikitarás, einer der berühmten Freiheitskämpfer, an seinen Onkel, Theódoros Kolokotrónis, schrieb:

„Mein geschätzter Onkel,
(...) ich zweifle nicht, dass du über die Schlacht zwischen den Großen Mächten und unserem Feind Ibrahim, informiert bist, die letzte Nacht stattfand. Wir haben die Hoffnung niemals aufgegeben, dass die feindliche Flotte zerstört werden würde; daher solltest du glücklich sein zu hören, dass unser Land von heute an frei vom Leiden ist. Trotzdem ist der Feind noch in Messinia. Ich bin auch in Messinia, um genau zu sein, in Almira, mit unseren befreundeten Spartanern (den Maniates). (...)
P.S. In diesem Moment ist der englische Zweimaster eingetroffen, dessen Kapitän uns mitteilt, dass die feindliche Flotte zerstört ist, Niokastro ist frei und Methóni wird morgen ebenfalls frei sein. (...)“


Am 20. Oktober eines jeden Jahres wird der Befreiungsschlacht mit einer militärischen Zeremonie gedacht.

Die der Bucht vorgelagerte, ca. vier Kilometer lange Felseninsel Sfaktiría (Schlachterei) bildet einen natürlichen Wellenbrecher zum Ionischen Meer hin. Von unserem Aussichtspunkt über Pílos kann man sich (außer dem gigantischen Rundblick) mit einem fest installierten Fernglas die Denkmäler für die Helden dieses Gefechtes anschauen, die auf dieser Felseninsel und einem in der Bucht gelegenen weiteren Inselchen, Chelonáki, errichtet wurden. Mit einem Ausflugsschiff ab Pílos können sie auch von nahem besichtigt werden können.



Von den Naturgewalten des Meeres einzigartig geformt sind neben Sfakiría der kleinere „Eingangsriegel“ zur Navaríno-Bucht, Tsichli-Baba, mit seinen beiden kleineren Begleitern, den Koutsoúnes. Tsichli-Baba mit den steil abfallenden Felswänden und dem schmalen, bogenförmigen Durchlass Tripito beherbergt einen Leuchtturm, daher auch der andere Name Fanári.


Die Hauptstraße windet sich in Pílos in Kurven bergab in Richtung Hafen, vorbei an zahlreichen Gästeunterkünften, Geschäften und einigen Hotels. Auch ein archäologisches Museum gibt es, das bereits 1961 eröffnet wurde. Doch der 2000-Einwohner-Ort ist nicht nur auf Tourismus ausgerichtet. Zahlreiche Wohnhäuser deuten daraufhin, dass das Leben auch außerhalb der Tourismussaison seinen Gang geht.


Auf Meereshöhe angekommen gelangen wir zunächst zu einem Platz, der an seinen Seiten von Geschäften und Arkadenreihen umstanden ist. Stühle und Tische in der Mitte laden zum Verweilen ein. Auf einer Seite öffnet sich die Platía zum Hafen hin, wo man gastronomisch ebenfalls gut versorgt wird. Wir nehmen am äußeren Ende eines Restaurants Platz für einen Kaffee und schauen einem Angler zu, wie ihm eine bereits an Land gebrachte Sardine vom Haken wieder ins Meer entkommt.
Im Innern des Lokals sitzen Einheimische mit wettergegerbten Gesichtern, wohl Fischer. Wir mögen die einfache und freundliche Atmosphäre sehr.
Bei einem anschließenden Spaziergang durch den überschaubaren Hafenbereich tobt eine griechische Schulklasse herum; sicherlich haben sie ihre Geschichtskenntnisse hier erweitert.
Ein berühmter Sohn der Stadt war Kóstas Tsiklitiras, der vier olympische Medaillen gewann, und zwar im Weit- und Hochsprung aus dem Stand. Im April 1912 stellte er mit 3,47 Meter Weite sogar einen neuen Weltrekord auf. Sein Haus steht ganz in der Nähe.
Der Blick vom Hafen auf die Häuser, die sich an den Hügel schmiegen, ist wahrlich malerisch. Hoch oben thronen die Überreste einer Burg, dem Niókastro, das besichtigt werden kann.



Methóni - erste Besichtigung
Hinter Pílos begleitet der schöne Blick auf das tiefblaue Wasser des Ionischen Meeres. Nach nur 15 Kilometern erreichen wir am frühen Nachmittag Methóni.
Der Ort mit seiner gigantischen Burganlage verzaubert uns auf den ersten Blick. Die seichte Bucht neben dem Fort, ganz langsam heranschwappendes Wasser, man möchte direkt hineinspringen, hätte man Badesachen dabei.
Die Burganlage selbst zieht uns aufgrund ihres Ausmaßes magisch an (obwohl ich wirklich kein ausgewiesener Burgenfan bin), ist aber nur bis 15.00 Uhr geöffnet. Eintrittsgeld muss zu dieser Zeit nicht entrichtet werden, das Kassenhäuschen ist verwaist. Aufgrund der kurzen Zeit bekommen wir nur einen kleinen Einblick in das Gelände. Den Eingang erreicht man über eine imposante Brückenkonstruktion.


Es bleibt gerade soviel Zeit, den großen Platz mit seiner Kapelle zu erkunden. Doch viele Abzweigungen in andere Teile der Burg versprechen interessante Einsichten. Auch das Terrain um die Burg herum ist sehenswert, weil direkt am Meer gelegen. Ein weiterer Besuch an einem anderen Tag und zu einer früheren Uhrzeit steht daher jetzt schon fest.


Morosini-Säule aus rotem Granit
Der Löwe von San Marco: Methoni stand im Mittelalter zweimal unter Venezianischer Herrschaft

Als wir Methóni verlassen, werfen wir einen Blick zurück und erkennen die wirklich riesigen Ausmaße des Burggeländes.


Über Finikoúnda und Akritochóri nach Koróni
Weiter fahren wir am Meer entlang, gegenüber nun die beiden größeren Inseln Sapienza und Schísa. Einfach herrlich, durch die üppige Landschaft zu rollen, immer das kräftige Blau des Ionischen Meeres zur Seite.



Die reifen Früchte der Feigenkakteen leuchten am Wegesrand.

Nur noch wenige Nüsse möchten von den üppigen Bäumen am Straßenrand abgeerntet werden, doch die lassen wir uns nicht entgehen. Auch reife Feigen gibt es noch, sie schmecken göttlich und zuckersüß.
Nach etwas über 10 Kilometern erreichen wir Finikoúnda. Bei der Durchfahrt erscheint der Ort aufgrund der vielen Ferienhäuser und Tavernen sehr touristisch. Er wirkt hübsch, zieht uns aber auf den ersten Blick nicht so sehr an, als dass wir heute hier verweilen wollten.
Statt dessen biegen wir von der Hauptstraße ab nach Norden in das grüne Hügelland, bergan, wo sich uns der Reichtum der Region in üppiger Vielfalt präsentiert: Hunderttausende oder Millionen von Olivenbäumen. Die Zweige biegen sich unter der Last der Früchte fast bis zum Boden, so kurz vor der Ernte. Folgerichtig erstehen wir in Akritochóri, in einem Kafenío bei einer kleinen Rast, einen 5-Liter-Kanister feinstes „Extra Virgine" Olivenöl. „Elafró“ (leicht) sei es aufgrund seiner Bewertung: 0,2% Säuregehalt und damit von hoher Qualität, sagt der Wirt, damit wir uns eine Vorstellung über die Güte seines Öls machen können. Wir dürfen auch kosten und sind uns sicher, für 3,50 € den Liter einen überaus guten Kauf getätigt zu haben.
Entspannt gleiten wir weiter durch das Olivenland. Silbrig flirren die Blätter der Bäume im Spätnachmittagslicht. Wie schön muss es auch sein, durch diese Landschaft zu wandern, kaum jemand begegnet uns.





Schließlich gelangen wir zu den ersten Häusern von Koróni und rollen bergab durch die schmalen, gewundenen Sträßchen bis zum Meer.




Das Hafenstädtchen übt mit dem Charme seiner zweistöckigen Häuser, die bereits lange Schatten werfen, eine großen Reiz aus. Gekrönt von einem Kástro und durchzogen von winzigen Gässchen wirkt der Ort zu dieser blauen Stunde anziehend und einladend. Die Tavernen am Hafen sind allerdings gähnend leer.





Bei einem Bummel gelangen wir zu einer Platía mit Palmen, mächtigen Eukalyptusbäumen und anderen grünen Riesen. Inmitten dieser Pracht steht ein Denkmal vom 4. Juni 2011, das darüber aufklärt, dass die Mediterrane Diät zum immateriellen kulturellen UNESCO-Welterbe der Menschheit gehört. Die Anerkennung erfolgte 2010, und neben Orten in Spanien (Soria), Italien (Cilento) und Marokko (Chefchaouen) wird Griechenland von Koróni vertreten.


Koróni hat mich vom ersten Augenblick eingefangen. Als wir uns mit dem Auto wieder die Gässchen hinaufschrauben, können wir uns gut vorstellen, bei einem weiteren Peloponnes-Urlaub in der Region einmal hier zu logieren, obwohl es uns in Ghiálova auch ausgesprochen gut gefällt.

Auf unserer Rückfahrt bricht im milden Oktoberlicht bereits die Dämmerung herein. Zurück in Ghiálova nehmen wir beim metaphysischen Meeresglänzen des Sonnenuntergangs in einem der Lokale am Strand Platz und ordern: 6 kleine, frittierte Fische (Koutsomoúra = Kurzschnauzen, kleiner Bruder des Barben), Kalamária, selbst gemachte Batátes, eine kleine Gemüseplatte, Vlíta und eine gegrillte Melanoúri (Brandbrasse) für uns beide als Hauptgericht.
Während unseres ausgedehnten Abendessens wetteifert die Championsleague-TV-Übertragung von Borussia Dortmund gegen Manchester City mit der von Olympiakos gegen Arsenal. So wird es ein vergnüglicher und kulinarisch wertvoller Abend. Am Ende bezahlen wir über 72 Euro, für unseren Geschmack viel zu viel, was uns ab sofort in die Nachbartaverne bringt, wo man ebenfalls sehr lecker, vielfältig und preislich angemessen essen kann.

Methóni


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