Zu den Kataráktes
von Polilímnio




Spät, erst gegen 14.00 Uhr, brechen wir auf zu einer Gegend, die man uns dringend ans Herz gelegt hat: Polilímnio, die Gegend der „vielen Seen“, sei wunderschön, eine herausragende Sehenswürdigkeit der Region.


Ab Ghiálova fahren wir zur großen Kreuzung vor Pílos, biegen nach links ab in Richtung Kalamáta und gleiten dann über die Landstraße 82 bis Kazárma. Dort nehmen wir den Abzweig nach Charavghí, einem kleinen Dörfchen, von wo Polilímnio ausgeschildert ist. Außerhalb des Weilers fährt man auf einem ca. einen Kilometer langen Schotter- und Erdweg durch Oliven-, Eichen- und Zypressenland. Jetzt im Oktober findet man die länglichen Eicheln, an denen sich auch kleines Getier gütlich tut. Auch viele Sträucher haben am Wegesrand ausgebreitet. Welcher bornierte Autofahrer stört hier das friedliche Wanderglück? Ähm, hüstel!

Schließlich erreicht man einen Parkplatz. Sicherlich ist im Sommer hier mit höherem Verkehrsaufkommen zu rechnen, doch jetzt, am Ende der Saison, sind gerade einmal zwei Wagen abgestellt.
Ein von der Sonne gebleichtes Schild gibt Auskunft über die Namen der verschiedenen Teiche, die sich unten im Tal entlang eines Bachlaufes aufgestaut haben: der Panaghós-, Stathoúla-, der Italian, Kadoúla- und Kadi-Lake sowie die Mavrólimna (Schwarzseen). Auch auf einen Wasserfall wird hingewiesen. Nichts wie rein ins Vergnügen!
Ein etwa 500 Meter langer Erdweg führt zunächst an Olivenhainen vorbei bergab. In der nassen Jahreszeit wird er von Wasserströmen durchfurcht, so sieht er jedenfalls aus.


Sitzgelegenheiten in einer kleinen Schutzhütte und rund um eine angelegte Wasserzapfstelle werden für diejenigen gedacht sein, die für den Rückweg bergauf nochmal Schwung holen müssen.


Schon von weitem hört man es plätschern. Wir folgen dem Geräusch und tauchen in einen grünen, saftigen Wald ein. Nach links geht es zum Panaghós- und zum Stathoúlasee, doch wir schlagen zunächst die entgegengesetzte Richtung ein. Am Bachlauf entlang führt ein schmaler Pfad, gesäumt von Pflanzen, die in der Feuchtigkeit üppig gedeihen.



Das Bachwasser ist glasklar, manchmal färbt der Untergrund es grün, bläulich oder ganz dunkel. Pflanzen spiegeln sich darin.



Wir kommen zu einer kleinen Holzbrücke, die uns auf die andere Seite des Wasserlaufs bringt. Über glitschige Steine strömt und fließt es, ein Gefühl der Frische macht sich breit. Die Gegend erinnert ein wenig an den Wald von Samothráki bei Thérma, nur die Bäume sind nicht so riesig. Im Sommer ist es hier sicherlich auch sehr gut auszuhalten, wenn die Sonne außerhalb des Waldes erbarmungslos vom Himmel knallt.


Unmerklich haben die Felsen rechts und links des Bachlaufes an Höhe gewonnen. Wo das Wasser vorher träge dahinglitt, rauscht es jetzt mit Getöse herab.


Der Weg wird immer schmaler. Direkt neben dem Wasserlauf klettern wir über Felsgestein, in das gelegentlich Steigeisen für einen besseren Halt getrieben wurden.


Schon bald weitet sich der Bachlauf zu einem Becken, in das sich das klare Wasser über ein Gefälle ergießt. Es müsste der sogenannte Italienische See sein.



Ein wenig verweilen wir an dieser Stelle, genießen die Ruhe, die Erholung, unser Hiersein.


Rechts des Teiches führt unser Weg zu einem weiteren Becken, dem Kadoúla Lake, mit seinem türkisfarben leuchtenden Wasser.


Und dann sehen wir ihn: einen etwa 30 Meter hohen Wasserfall, die Kataráktes, Ziel unseres Spazierganges, der sich in das dritte Becken, den Kádi Lake ergießt.


Über einen steinernen Pfad erreicht man dieses Paradies. In der Regenzeit werden Teilabschnitte wohl unerreichbar sein, da die Wassermassen über das Gestein schießen. Doch an diesem lieblichen Herbsttag, der zunächst nach Regen aussah und dann doch genug Sonne lieferte, können wir uns trockenen Fußes an dem Naturschauspiel erfreuen.


Zwei Familien halten sich am Ufer auf. Die Kinder hangeln sich an einem stabil gespannten Seil entlang bis zur äußersten Stelle, an der man noch trockene Schuhe behält. Auch wenn man bei diesen Temperaturen nicht mehr schwimmen kann, müssen die Füße auf jeden Fall einmal ins kalte Wasser. Also schnell die Schuhe aus und ins Wasser waten. Herrlich erfrischend!
Am anderen Ende des Teiches, neben dem Wasserfall, hängt eine Strickleiter am Fels. Die wohltuende Stille wird in der heißen Jahreszeit von den Schreien Jugendlicher erfüllt sein, die sich über die Leiter in die Höhe schwingen und sich von den Felsen mutig ins kalte Nass stürzen. Schwimmen ist hier allerdings „auf eigene Gefahr“.
Als beide Familien weitergegangen sind, genießen wir wieder alleine die Ruhe dieses Ortes, die nur durch das gleichmäßig herabströmende Wasser unterbrochen wird.



Weiter oberhalb soll es noch weitere Wasserfälle geben. Wenn man wollte, könnte man den Steigeisen im Fels folgend bergan klettern, doch dazu ist haltgebendes Schuhwerk angesagt. Auch für die bisherige Tour entlang des Baches wären feste Schuhe aufgrund des unebenen Untergrundes besser gewesen, doch es ging auch mit Sandalen. Einen Blick von ein paar Metern weiter oberhalb möchten wir uns allerdings noch gönnen, bevor wir wieder umkehren.


Der Nachmittag ist schon weit fortgeschritten. Langsam gehen wir wieder zurück und begegnen einem jungen Paar aus Israel, das den Peloponnes bereist und sich ebenfalls an diesem Naturwunder erfreut.
Als wir an der Gabelung ankommen, an der der Weg nach oben, zum Parkplatz abzweigt, beschließen wir, uns doch noch den Panagós- und Stathoúlasee anschauen. Im Gegensatz zu der felsigen Klamm, aus der wir gerade kommen, befinden wir uns hier in einem flachen Waldstück. Das Gehen auf dem Pfad ist mühelos, und wir freuen uns einmal mehr über das weiche Licht der Spätnachmittagssonne, deren Strahlen sich durch die Baumzweige brechen.



Unterwegs bestaunen wir winzige Anemonen, dreimannshohe Oleandersträucher und Platanen am Wegesrand, von Efeu umrankte Baumstämme und zartgrüne Farne und Gräser direkt am Ufer des Baches, der hier leise dahinströmt.



Einer der beiden Teiche versteckt sich hinter Baumästen und Sträuchern, nicht ganz so spektakulär wie die in der Schlucht gelegenen.


An dieser Stelle beschließen wir aufgrund der fortgeschritten Zeit umzukehren. Zurück an der Weggabelung beginnen wir den steilen, aber kurzen Aufstieg, nicht ohne die Wasserflasche randvoll mit dem frischen, wohlschmeckenden Quellwasser gefüllt zu haben.
Mit dem Auto zweigen wir, von Neugier beflügelt, kurz hinter dem Parkplatz noch in Richtung Mávri Límnia ab, doch drehen wir zwischenzeitlich wieder um, da der holprige Steig wieder nach unten führt, ein Wander-, aber kein Autoparadies. Wir können uns gut vorstellen, dass all die verschiedenen Wege miteinander verbunden sind.
Uns grummelt der Magen ob der körperlichen Ertüchtigung. Wieder in Charavghí angekommen kehren wir an der Hauptstraße in die Taverne Klimatária (= Weinstock) ein, die schräg gegenüber dem Weg aus Richtung Polilímnio kommend liegt.
Dort speisen wir wie die Götter: einen supercremiger Tsatsíki, Keftédes, die ihresgleichen suchen (der Wirt freut sich ob des Lobes und fügt an, alle würden das sagen), Tomatensalat und selbst hergestellte Pommes. Köstlich und erfrischend das kühle Wasser dazu.
Eine gemütliche Abendatmosphäre hat sich breit gemacht. Einige ältere Herren sind in die Taverne gekommen, sitzen schweigend auf ihre Stöcke gebeugt und beobachten uns aus den Augenwinkeln. In dem Weiler wird um diese Jahreszeit nicht viel los sein, außer dass sich der eine oder andere Tourist hierher verirrt.
Auf dem Rückweg fahren wir einem gigantischen Sonnenuntergang entgegen, eine vollendete Abrundung des heutigen Tages.
Wieder zurück im Hotel merken wir, dass es merklich abgekühlt ist. So wie unser Urlaub neigt sich auch die warme Zeit in Griechenland für dieses Jahr ihrem Ende zu. Noch einen Tag haben wir, dann müssen wir zurück nach Athen.

Über die Dörfer und Rückkehr nach Athen


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