Louvre-Komplex
Bastille-Viertel
zurück nach Montmartre


Vom Jardin des Tuileries führt der Weg in Richtung Louvre-Komplex zunächst über einige Stufen hinauf auf einen Platz. Auch von hier aus kann man zurückblickend den Arc de Triomphe in schnurgerader Linie am Ende der Champs-Élysées erkennen.
Gleichsam befindet sich ein weiterer Triumpfbogen vor uns auf dem Place du Carrousel, vor dem Louvre-Areal, der diesem kleineren Bogen seinen Namen gab. Auch er beinhaltet Motive in den Reliefdarstellungen, die denen des Arc de Triomphe ähneln.



Weithin sichtbar steht die Darstellung eines Vierergespanns auf einem Absatz über dem Bogen.


Eine lange Reise hätte sie hinter sich, würde es sich noch um die Original-Quadriga handeln. Ursprünglich wurden die Pferde nämlich während der Plünderungen des Vierten Kreuzzugs im Jahr 1204 aus dem Hippodrom in Konstantinopel geraubt und auf Befehl des Dogen Enrico Dandolo nach Venedig gebracht. Dort thronten sie über dem Portal des Markusdoms.
Von hier aus gelangten sie 1798, ebenfalls als Beutekunst, nach Paris und fanden ihren Platz für wenige Jahre auf diesem Triumphbogen. Später wurden sie durch eine Kopie ersetzt und an Venedig zurückgegeben. Erneut fanden sie ihren Platz über dem Haupteingang des Markusdoms, wo sie zwischen all den Schnörkeln und bemalten Bögen allerdings kaum auffielen. Die heute dort über dem Portal angebrachte Quadriga ist auch nur eine Kopie.

Haupteingang des Markusdoms (Venedig, 2015)

Die bronzenen Originalpferde kann man seit den 1980er Jahren in einem kleinen Museum, gleich neben der Markuskirche, bewundern. Wann genau sie gegossen wurden, ist nicht bekannt; man datiert ihre Entstehung auf die Zeit zwischen dem zweiten und vierten Jahrhundert n.Chr.




Hinter dem Place du Caroussel beginnt das große Gelände des Louvre-Museums. Links und rechts befinden sich zwei langgezogene Flügel, die sich in der Fortsetzung, auf Höhe der Pyramide, zu weiteren Gebäudekomplexen um kleine Höfe, zur Außenseite hin, erweitern; vor Kopf wird die dazwischen liegende Freifläche, der Cour Napoléon, quer von einem weiteren Flügel begrenzt, sodass sich die Form eines gestreckten Hufeisens ergibt.


Auf der vierten Seite, dem Tuileriengarten zugewandt, stand von 1564 bis 1882 das Tuilerienschloss, das einem Feuer zum Opfer fiel und schließlich abgerissen wurde.
Gerade als wir auf dem zentralen Platz des ehemaligen Königspalastes ankommen, packen auf ein Signal hin alle Souvenirverkäufer eilig ihre Decken zusammen und schwirren ab. Der Verkauf scheint nicht ganz legal zu sein. Im Angebot waren Pelzkappen, Handy-Sticks für tolle Selfies, Eiffeltürme aus Metall in verschiedenen Größen und herumfliegendes Spielzeug.
Auch am späten Nachmittag steht noch eine beachtliche Menschenmenge vor der Glaspyramide, dem Haupteingang zum wohl größten Museum der Welt. In architektonischem Gegensatz gestaltet sich der moderne, blanke Glaskörper zu den Schnörkel-verzierten Fassaden der Louvre-Gebäude. Harmonisch allerdings fügt sich die Figur des Dreiecks in das sie umgebende Geviert ein. Vielleicht hatte der Stararchitekt Ieoh Ming Pei diese Ergänzung des geometrischen Musters im Sinn, als er in den 1980er Jahren die große Eingangs-Pyramide neben einigen benachbarten kleineren schuf, die ebenfalls für den Lichteinfall bedeutend sind, denn gleich hinter dem Eingang führen Rolltreppen zur großen Eingangshalle mit den Ticketschaltern nach unten.




Für die Ausstellung der 300.000 Exponate bietet die Fläche des Museums in den alten Gebäudetrakten gerade genug Platz. Von außen eher kompakt wirkend, werden sie im Innern, in den oberen Stockwerken, durch ein Glasdachgewölbe von Licht durchflutet, sodass die Gemälde besonders gut zur Geltung kommen.
Obwohl wir schon einmal einen knappen Tag im Louvre verbracht haben, freue ich mich riesig auf einen erneuten Besuch am morgigen Tag. Einige Exponate habe ich mir schon ausgesucht. Dazu gehört auch die frisch restaurierte Nike von Samothraki, um die im Moment viel Tamtam gemacht wird. Es würde mich interessieren, ob der Louvre dem griechischen Staat oder der Inselverwaltung von Samothraki dafür Leihgebühren überweist, denn es ist nicht bekannt, dass die riesige Statue dem Museum jemals geschenkt wurde. Jedenfalls stellt sie eine der Hauptattraktionen des Louvre dar. Jeder Tourist auf der Durchreise, der für Paris genau einen Tag Zeit hat und durch Stadt und Museum hetzt, knipst auf jeden Fall: die Venus von Milo, die Mona Lisa und die Nike. Der Rest ist Zugabe, so jedenfalls haben wir unseren ersten Besuch des Museums mit im Vollsprint Haken schlagenden Touristen erlebt.
Für einen Besuch heute ist es zu spät, daher lassen wir einfach nur den monumentalen Charakter des prunkvollen Gebäudekomplexes auf uns wirken. Kaum vorstellbar, dass an der Stelle des reichlich verzierten Stadtschlosses zuvor eine Burg gestanden hat. Erst im 16. Jahrhundert wurde mit dem Bau in der heutigen Form begonnen, und peu-à-peu, über die Jahrhunderte hinweg, stetig mit den typischen Stilelementen der jeweiligen Epochen erweitert.












Durch ein Tor im erhöht gelegenen Pavillon Sully gelangt man zu einem weiteren Hof, dem Cour Carrée. Ein Cellist nutzt die gute Akustik innerhalb des Durchlasses für ein kleines Konzert, dem etliche Passanten mit Freude lauschen.
Durch einen weiteren Durchgang verlassen wir den Louvre-Komplex. Gleich gegenüber steht die gotische Kirche Saint-Germain-l'Auxerrois, einst königliche Kapelle des Louvre, daneben ein imposanter Glockenturm.




Von hier aus führt die Straße geradeaus weiter zum Place de la Bastille, der sich als lauter, dicht befahrener Kreisverkehr entpuppt. Der Begriff Bastille stand zu Zeiten der Französischen Revolution für ein finsteres Verlies, für das Eingesperrtsein, für Ungerechtigkeit und Willkür der Mächtigen gegenüber dem Volk. Der Sturm auf die Bastille beendete die Daseinsberechtigung des Gebäudes, es wurde abgerissen. Wenige Jahrzehnte später, nach der Julirevolution 1830, wurde in Gedenken an die Kämpfer an dieser Stelle die sogenannte Juli-Säule errichtet, auf der bedeutsame Namen jenes Aufstandes eingraviert sind.





Auf ihrer Spitze balanciert eine Figur, ein Symbol für die Freiheit.



Es gibt noch andere Sehenswürdigkeiten, wie das Rathaus oder der Tour St. Jacques, doch besonders gefallen uns die netten, ruhigen Sträßchen im Bastilleviertel.



Zurück am Seineufer beschließen wir, langsam zu Fuß zurück nach Montmartre zu gehen, statt mit öffentlichen Verkehrmitteln zu fahren.


Durch das Opernviertel möchten wir nämlich noch einmal streifen, es liegt auf unserem direkten Weg. Bei unserem ersten Besuch waren wir dort in einem kleinen Hotel untergekommen. Unvergessen der erste Abend in einem Bistro, wo das Glas Bier sage und schreibe 22 Euro kostete, inklusive Nachtzuschlag, versteht sich. Dieses Lokal soll dieses Mal nicht unser Ziel sein, sondern die Prachtbauten, die das Viertel prägen.
Die breite Avenue de l'Opéra führt direkt zum Platz mit zwei großen Gebäudekomplexen: der Opéra Garnier (seit 1875) und dem benachbarten Grand Hotel mit dem altehrwürdigen Café de la Paix im Erdgeschoss, das schon seit 1862 besteht. Das Café rühmt sich bedeutender Schriftsteller und Schauspieler, die hier schon ihren Kaffee genossen haben.


Die Opéra Garnier ist eines von zwei Opernhäusern in Paris (das andere liegt im Bastilleviertel). Das effektvolle Gebäude wirkt pompös wie ein Palast.


Auch wenn sich dieses Opernhaus heutzutage mehr dem Ballet verschrieben hat, wird der Haupteingang eher von Figuren des Schauspiels flankiert.








Nach dem ehemaligen Präfekten von Paris und Städteplaner Georges-Eugène Haussmann, der der Stadtarchitektur von Paris im 19. Jahrhundert einen neuen, klassizistischen Anstrich gab, ist der Boulevard benannt, an dem sowohl das Stammhaus der weltberühmten Galeries Lafayette, als auch das nicht weniger pompöse Luxuskaufhaus Grands Magasins du Printemps stehen, das aktuell (2015) einem Konsortium aus Katar gehört.


Ganz in der Nähe befindet sich der 1837 eröffnete Bahnhof Saint-Lazare, der den französischen Nah- und Fernverkehr bedient.


Bevor der Anstieg zum Butte Montmartre beginnt, erreichen wir die Kirche La Trinité, in der 1869 die Trauerfeier für Hector Berlioz stattfand, bevor er auf dem Friedhof Montmartre zu Grabe getragen wurde.


Schließlich freuen wir uns, nachdem wir Montmartre wieder erreicht haben, über unseren recht veritablen Rundgang des heutigen Tages, auch wenn wir vieles schon kannten. Die drei Treppen hinauf in unsere Bleibe fallen am Ende schon schwer.
Im Vergleich zum letzten Paris-Besuch haben wir einem Appartement gegenüber einem Hotel den klaren Vorzug gegeben. Insbesondere die Möglichkeit, sich morgens nach Belieben das Frühstück selbst zubereiten zu können und auch sonst mehr Bewegungsfreiheit zu haben, bewog uns zu diesem Entschluss.
Die kleine Wohnung liegt in der dritten Etage eines nicht renovierten Altbaus. Das bedeutet bei jedem Schritt knarzende Dielen über Hohlräumen, sowohl in der eigenen Wohnung als auch in den hellhörigen Nachbarwohnungen, ein nicht eben verlaufender Fußboden und alte, übel riechende Wasserabflüsse im Bad. Irgendwie zwar passabel eingerichtet, doch mit sichtbaren Gebrauchsspuren, da fast alle Griffe an Türen und Schränken abgerissen oder beschädigt sind. Die Wohnung hat für unseren Geschmack nichts Heimeliges. Das Schlafzimmer ist so winzig, dass man sich zwischen Wand und Bett durchquetschen muss, um das Zimmer zu betreten, und am Fenster hängt lediglich ein Stoffvorhang, der den Raum entweder komplett verdunkelt oder, zur Seite geschoben, den Blick für die Nachbarschaft freigibt.
Ganz interessant sind die Zugänge zum Hinterhaus. Zunächst muss man die enge, hölzerne Wendeltreppe des Haupthauses erklimmen. In jedem Zwischengeschoss führt dann ein gemauerter, nicht überdachter Steg ins Hinterhaus. Schwindelfrei sollte man da schon sein.
Wie wohl der Mieter, der in einer Hinterhauswohnung im zweiten Stock wohnt und aufgrund fehlender Beine Rollstuhlfahrer ist, in seine Wohnung kommt? Auch auf Händen und Rumpf, wie die Treppe hinunter?

Nach einem kurzen Verschnaufer in der Wohnung beschließen wir den Tag im Viertel, speisen zunächst köstlichst beim Italiener nebenan, um am Ende in einem der Cafés auf der Rue des Abbesses zu landen, an einem der winzigen runden Tischchen Platz zu nehmen, von oben beheizt, rechts und links flankiert von schnabbelnden jungen Menschen, die sich des Lebens freuen.
Originell finde ich einen älteren Mann, der sich einer kleinen Runde französischer junger Leute nähert, die neben uns wortreich herumschwadronieren. Er spricht sie an, sie lächeln, wissen aber offenbar nicht so genau, was er von ihnen will. Eine Zigarette? Nein, das ist es nicht. Schließlich richtet er sich auf und rezitiert laut ein kurzes Gedicht. Danach wechselt ein Taler den Besitzer.

Auch wenn die Innenausstattung unseres Appartments zu wünschen übrig lässt, so ist die Lage in der Nachbarschaft wirklich ideal, weil es alles gibt, was man benötigt: Einkaufsstraßen mit mehreren Minimärkten, Bäckereien und Restaurants vielerlei Geschmacksrichtungen: französisch, italienisch, indisch, sogar tibetanisch, für jeden ist etwas dabei. Und was uns besonders gut gefällt: Das Viertel ist multikulturell geprägt und daher so interessant. Viele Einwanderer wohnen und haben ihre Geschäfte hier, und auf den Bürgersteigen mischen sich Touristen mit einheimischen Bewohnern, bunt und friedlich. Ab und an ziehen Roma mit Akkordeons durch die Straßen und sammeln vor den Cafés ein paar Münzen ein. Was wir hier nirgendwo sehen, sind Betrunkene oder vollgedröhnte Leute.
Enttäuschend ist also nur unsere Wohnung selbst, und dies auch eher wegen des fürchterlichen Geruchs im Bad. Die Umgebung jedoch macht diesen Wehrmutstropfen bei weitem wieder wett.


Louvre-Museum


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