Louvre-Museum


Obwohl wir am Vorabend richtig müde in die Federn gestiegen sind, haben wir die Nacht mit recht wenig Schlaf verbracht. Schuld daran war vielleicht der Vollmond, mit Sicherheit aber auch die Hellhörigkeit des Hauses und die musikalische Wochenend-Veranstaltung im kreolischen Restaurant gegenüber. Erst gegen Morgen ist es dann endlich ruhig geworden, sodass wir noch eine Mütze voll Schlaf ergattern konnten.
Bis wir die Wohnung verlassen und schließlich den Louvre erreichen, ist es schon nach 13 Uhr. Es bleiben uns nur noch wenige Stunden für einen Besuch des Museums, denn um 18 Uhr wird es geschlossen. Die Realität holt uns ein, als wir die Menschenschlange sehen, die sich quer über den Cour Napoléon in Richtung Pyramiden-Eingang windet. Wieviele tausend Interessenten mögen es wohl sein? Nie und nimmer wird es uns gelingen, noch rechtzeitig für einen genussvollen Bummel durch das Museum Einlass zu erhalten. Das wäre nicht schlimm, wenn nicht morgen das Museum geschlossen wäre und wir tags drauf wieder die Heimreise antreten müssten. Was für eine Enttäuschung!
Alex gibt sein Bestes, sucht fieberhaft nach einer Lösung. Vielleicht könnten wir mit einer Fahrradrikscha zum Fnac, die Champs-Élysées hoch in Richtung Arc de Triomph, wo wir schon einmal Tickets im Vorverkauf erstanden hatten und der Besucherschlange am Louvre ausweichen konnten? Ich winke ab, den gestrigen Verkehrsinfarkt auf dem Boulevard in Erinnerung, wird das alles viel zu lange dauern.
Dieses Mal wird es also leider nichts mit dem Louvre, und dabei hatte ich mich gerade darauf am meisten gefreut. Nun gut, so haben wir einen weiteren Anlass, wieder hierher, nach Paris, zu kommen und uns dann richtig vorzubereiten.
Was mich zumindest ein bißchen tröstet, ist die Tatsache, dass die wenige verbliebene Zeit bei weitem nicht ausgereicht hätte, all das aufzusuchen, was mir lieb gewesen wäre, selbst wenn wir sofortigen Zugang gehabt hätten. Vor drei Jahren waren wir schon am Vormittag da, mit einem vorgekauften Ticket, und verbrachten den ganzen restlichen Tag in den Räumen, knallten uns so voller sinnlicher Eindrücke, bis wirklich nichts mehr in Schädel, Seele und Geist passte, und die Füße am Ende beinahe ihren Dienst quittierten.
Was uns damals neben der unbeschreiblichen Fülle der ausgestellten Kunstwerke imponierte, war die Art und Weise, wie sie in Szene gesetzt wurden; beispielsweise die Nike von Samothráki, die man auf einem Treppenabsatz positioniert hat, wo sie von drei Seiten aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann.







die Mona Lisa hinter Glas in einem eigens für sie eingerichteten Raum, wo man geduldig anstehen muss, um einen unverstellten Blick auf das Da-Vinci-Gemälde zu erhaschen.



weitere weltberühmte Darstellungen aus den verschiedensten Epochen der europäischen Geschichte in den roten Gemäldehallen





28. Juli 1830 - Die Freiheit führt das Volk (Eugène Delacroix)


das stets umlagerte Monumentalgemälde mit der
Krönung Napoleons (Jacques-Louis David, 1807/08)


überdimensionierte Skulpturen der ägyptischen Hochkultur



Skulpturen aus Frankreich, Italien, Spanien und anderen Herkunftsländern sowie aus der römischen und griechischen Antike.








Neben diesen Schwerpunkten gibt es auch Sammlungen mit afrikanischen, asiatischen, ozeanischen und orientalischen Kunstwerken, insbesondere aus osmanischer Zeit, und noch so vieles mehr. Tage könnte man im Louvre damit verbringen, schon Gesehens erneut zu verstehen und Neues zu entdecken. Bei aller kritikwürdiger Hinterfragung der Herkunft einzelner Kunstgegenstände ist die Gesamtsicht auf die Sammlung einfach unglaublich und begeisternd. Nur heute wird uns der Genuss leider nicht vergönnt sein. Mit einem langen Gesicht traben wir von dannen.


Seine-Inseln


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