Γεια χαρά – Auf die Freude
Eindrücke von meiner zweiwöchigen Reise,
West- und Südkreta

(September 2004)



Aus vollem Berufsstress und keiner Sekunde Schlaf bin ich in Iráklion gelandet und gleich weiter mit dem Stadtbus zum Standardpreis von 65 Cent zur Platía Eleftherías gefahren, zu Fuß die paar Meter zur Bushaltestelle und mit einem klimatisierten, bequemen, neuen Bus auf nach Georgioúpolis, das von hohen Wellen und üblen Gerüchen umspült wird.

Frage mich, ob der starke Nordwind vielleicht irgendwelche geruchsintensiven Abfälle wieder an Land zurücktreibt.

Wohne wieder wie im Mai bei Elísavet, der netten Vermieterin aus dem fernen nordgriechischen Ioánnina. Noch bevor ich das Gepäck aufs Zimmer bringen kann, steht bereits eine Riesenportion Gefülltes Allerlei auf dem Tisch im Hof, das ich mit großem Appetit meinem vorwurfsvoll knurrenden Magen zuführe.

Das kleine gerettete Kätzchen wächst und gedeiht, es ist zwar immer noch sehr menschenscheu, bettelt jedoch lautstark am Kücheneingang herum und sieht schon richtig gut aus – kein Wunder, bei der Pflege.

Georgioúpolis als Ausgangspunkt für einen längeren Besuch in Argiroúpolis am nächsten Tag, dem Hauptsitz der früheren Polis Láppa. Da zur Vormittagszeit kein Bus dorthin fährt, gehe ich erst ein Stück zu Fuß zum Kournás-See, werde dann von einem netten deutschen Paar nach Argiroúpolis mitgenommen.

Ausstieg bei den Kaskaden, Besuch der kleinen Felsenkapelle, durch die ein Teil des Wassers fließt, das bis nach Réthimnon geleitet wird. Auf meine Frage nach dem Ursprung des vielen Wassers meint man in einer angrenzenden Taverne: „Thaúma íne!“ (Ein Wunder!). Es handelt sich aber wohl eher um mehrere Quellen, die hier entspringen.

Zum Glück gibt es in Argiroúpolis das Avocado-Kosmetik-Geschäft. Neben der faltenglättenden Wirkung der selbst produzierten Salben, Cremes und Lotionen bietet die Kanadierin auch eine gute, kostenlose Dorfkarte an, die mich über die vielen Sehenswürdigkeiten aufklärt. Auch den Weg nach Nekrópolis beschreibt sie mit Akribie, gespickt mit ganz vielen Informationen. Stelle fest, dass ein Tag nicht ausreicht, um alles zu erforschen, allá: ti na kánoume (was soll man schon machen)?

Der Weg zur Nekropole führt durch eine friedliche, stille Landschaft. Höhlengräber in allen Größen begleiten den Spaziergang bergab auf vermutlich uraltem Pfad. (Noch) keine touristische Attraktion, nichts ist gekennzeichnet, nichts ausgeschildert. Weiß auch gar nicht, wann ich angekommen bin.

Der große Platz um die angeblich 2000jährige Platane neben dem Brunnen war wahrscheinlich das Zentrum der Gräberstadt. Hier befinden sich auch die größten Höhlen und die Kirche der fünf Jungfrauen. Ein wunderbarer Ort zum Verweilen, der Frieden ausstrahlt.

Bei meiner Rückkehr in den Ort möchte ich noch die vielen anderen Sehenswürdigkeiten anschauen. Das verstaubte Fußbodenmosaik aus römischer Zeit, die ionischen Säulen, die man beim Bau der Agia-Paraskeví-Kirche ausgegraben und nun im Vorhof dieser Kirche aufgestellt hat. Eine Stufe im Eingang zum Hof besteht aus der Abdeckung eines Babysarkophags. Ein wenig morbide find ich`s schon. Ausgrabungen rund um die Agios-Ioánnis-Kirche haben Fundamente aus 6 verschiedenen Epochen zu Tage gefördert.

Die Rückkehr nach Georgioúpolis nach einem kleinen Imbiss über die Landstraße via Episkopí durch eine gemütliche Mitfahrgelegenheit könnte besser nicht sein.

Abends beschließe ich, in meinem neu erworbenen Buch spannende Geschichten über Láppa zu lesen, als es an meiner Zimmertür klopft. Meine Vermieterin möchte mir noch ein kleines kulinarisches Schmankerl vorbeibringen. Ich empfange – wie einst John Lennon und Yoko Ono – im Bett. Sie setzt sich ganz selbstverständlich auf die Kante und so plaudern wir noch ein halbes Stündchen.

Am nächsten Morgen in der Früh möchte ich weiter. Darf in der blitzblanken Vermieter-Küche mit ihr und ihrem Mann einen stärkenden Kaffee einnehmen, urgemütlich und heimelig.

Ein gigantischer Sonnenaufgang auf dem Weg zur Bushaltestelle, der die Gipfel der Weißen Berge in ein zartes Rot taucht, lässt auf einen guten Tag hoffen, der mich nach Omalós bringen soll.

Ein griechischer Tourist bittet den Busfahrer, in Chaniá in einer Straße anzuhalten, schnell holt er eine DVD aus seinem Auto. Ein Liveauftritt einer Popsängerin, die ich nicht kenne. Gebannt schaut das Bus-Publikum auf den Bildschirm und verpasst die vorbeiziehende Landschaft, die Orangenplantagen südlich von Chaniá und die Ausblicke auf dem Weg nach Lákki, auch die unübersehbaren Relikte der beiden Brände vom letzten Herbst. Vermutlich durch Brandstiftung ausgelöst, zumindest der eine. Es tut in der Seele weh, nur noch schwarz verkohlte Stümpfe der alten Olivenriesen zu sehen. Das Feuer hatte sich bis kurz vor Lákki ausgebreitet, den Dorfbewohnern war Angst und Bang.

Auf Omalós hat sich in den vergangenen drei Jahren nichts verändert. Beziehe im „Néos Omalós“ für 18 Euro Quartier, wie eh und je professionell geführt. Ein Besuch am Schluchteingang und die Feststellung, dass ich morgen ein Stück weit Richtung Gíngilos bergan gehen möchte.

Am frühen Morgen mache ich mich auf, durch eine nur zwei Grad kalte Ebene, umringt von einer größeren Schafherde, um zum Pfad direkt hinter dem Xénia-Haus zu gelangen. Vor mir die von einer roten Morgensonne angestrahlten Gipfel der Umgebung.

Omalós, Fahrstraße Richtung Schluchteingang, den silbrig-glänzenden Gíngilos vor Augen

Zunächst geht’s in Serpentinen einen Hügel bergan, immer besser kann man die Ebene zu Füßen erkennen. Nun folge ich dem Pfad nach links, zum Sapiménos, durch ein ordentliches Felsentor, vorbei an beeindruckenden horizontalen Zypressen und Felsgebilden, die an überdimensionale Termitenhügel erinnern, und wieder ein Stück bergan bis zur Linoséli-Quelle. Von Zeus keine Spur. Auch nicht von der im Fohrer beschriebenen “Einfassung“. Es handelt sich eher um drei algige Metallwannen, die das Wasser auffangen und einen vorgelagerten, grünen Gartenschlauch, aus dem man zapfen kann. Allerdings schmeckt das Wasser wirklich außerordentlich gut. Irgendwie nach Felsen, Reinheit und Frische. Die vielen Insekten freuen sich ebenfalls.

Nun beginnt ein für mich weiterer beindruckender Teil der Wanderung, wieder in Serpentinen bergan. Auf der gegenüberliegenden Seite des Geröllfeldes eine Krähenschar, die ein übers andere Mal laut schreiend umherzieht, manchmal auch kleinere Gerölllawinen auslöst. Die Samariá-Schlucht bietet allertiefste Einblicke in ihren Wald.

Auf der anderen Seite hat man immer ganz klar den Weg zur Kallérgiehütte im Blick, so dass man abschätzen kann, auf welcher Höhe man sich ungefähr befindet. Auch der Páchnes, von dem man auf Omalós nur die Gipfelspitze sieht, rückt immer mehr ins Blickfeld. Das sind wirkliche Wunder. Hier oben verlieren die Sorgen an Bedeutung und das Herz wird weit an diesem Morgen.

Ich steige bis zum Sattel und schaue unvermittelt auf die Südküste, erkenne mit Erstaunen die unterschiedlichen Wettergebilde: Im Norden eine dicke hohe Wolkenwand, die der kräftige Nordwind in die Berge treibt, im Süden klare Sicht und ein ruhiges knallblaues Meer. Bis zum Gíngilos möchte ich nun nicht mehr gehen, genieße jedoch beim Abstieg die unendliche Schönheit der umgebenden Bergwelt, so erhebend und befreiend. Diese Wanderung war ein wirkliches Highlight, man muss ja glücklicherweise nicht immer bin ganz nach oben steigen, um zu genießen.

Nach einem netten Abend in der Hoteltaverne und einer zweiten guten Nacht bringt mich der Bus morgens wieder nach Chaniá, wo schon bald die Abfahrt Richtung Paleóchora ansteht. Auf mein dahingeschmettertes „Jássas“ beim Einstieg in den Bus bietet mir eine Kreterin gleich den Platz neben sich an. Sie hat ihre erwachsenen Kinder in Iráklion besucht und befindet sich nun auf der langen Heimfahrt. Wir sitzen direkt hinter dem Fahrer mit wunderbarem Panoramablick. Nun habe ich in meiner Sitznachbarin eine gute Reisebegleitung gefunden, die mir alles Sehenswerte unterwegs beschreibt, mich auf Kapellen und Kirchen aufmerksam macht.

Als ich das Schild nach Máleme sehe, denke ich an eine leidenschaftlich geführte Diskussion in einem Internet-Forum. Werde prompt gefragt, ob ich schon mal da war. Nicht? Ich sollte mal hinfahren, meint sie. Der Krieg wäre lange vorbei, jetzt wären wir alle Freunde. Meinem ganz zarten Einwurf, dass man doch in bestimmten Dörfern vielleicht nicht ganz so denke, stimmt sie zu. Auf unserem weiteren Weg macht sie mich auf die Kriegsdenkmäler aufmerksam. (Erst als wir aus dem Bus aussteigen, zupft sie mich noch mal am Ärmel und meint, auch aus ihrer Familie wären von den deutschen Besatzern während des zweiten Weltkrieges zwei Angehörige umgebracht worden.)

Unser Bus fährt durch viele Touristenresorts bis nach Kíssamos. Hier biegen wir nach Süden ab, gelangen durch überraschend üppige Kastanienhaine schließlich nach Paleóchora. Es ist heiß. Meine Suche nach dem „Oriental Bay“ dauert nicht lange, und ich bin sehr zufrieden. Eine nette Vermieterin, die in der Nähe auch ein Café betreibt, in dem man lecker frühstücken kann. Die Unterkunft selbst mit direkt angrenzender Taverne. Mhhhhmmm, ein leckeres Briám kommt gerade richtig.

Meine Ortsbesichtigung führt mich aufgrund der Hitze erst mal ins „Almyrída“, wo ich auf einer kleinen, gemütlichen Terrasse einen eisgekühlten Frappé schlürfe.

Den Sandstrand auf der Westseite des Halbinselchens erreiche ich später, gut frequentiert, na ja, nicht so meine Welt. Lasse es mir trotzdem in einem Lokal bei einem weiteren schaumigen Frappé gut gehen.

Viel später gelange ich durch den Hafen wieder zurück. Die „Samariá“ hat bereits festgemacht, die Fähre, die ich am nächsten Morgen nehmen möchte. Freue mich schon riesig.

Mir geht’s in Pale so, wie vielen anderen wahrscheinlich in Mátala. Die alten Zeiten habe ich nicht miterlebt, die Neuen machen mich nicht an. Die Atmosphäre an der Ostseite des Halbinselchens finde ich jedoch sehr gemütlich.

Endlich können wir wenigen Reisenden tags drauf die „Samariá“ betreten. Steige gleich auf das Oberdeck. Zum Glück weht eine liebliche Brise und die Küstenfahrt kann beginnen. Einfach umwerfend. Noch viel schöner, als ich’s mir gedacht habe. Versuche, alles aufzusaugen, die Felsen und Hügel, verfolge die Fahrt auf meiner Karte mit, knipse wie blöd, um möglichst viel festzuhalten, der Wind, der die Haare zerzaust, das Brummen des Schiffsmotors, die Besatzung gut drauf, Antónis Rémos schmettert aus der Cafeteria. Der eine Matrose, der sein Che-Guevara-Shirt schließlich doch mit dem blauen Einheits-Hemd tauscht. Vereinzelt mal eine Kapelle. Soúgia ist viel kleiner und unscheinbarer, als ich es mir vorgestellt habe, scheint etwas verschlafen. Der Aufenthalt nur ganz kurz.

Nun Richtung Agia Rouméli, auf das ich mich so freue. Sanfte Wellen vor schroffen, braunen Felsen, höhlenartige Gebilde. Verschiedene Farbtöne des Gesteins, das Schiff recht nah an der Küste entlang.


Agia Rouméli ist heiß und noch recht leer. Beziehe Quartier im „Oásis“, dessen Eingang von üppiger Pflanzenpracht fast zugewachsen ist. Auch hier kostet mich die Übernachtung nicht mehr als 20 Euro. Nun besichtige ich die wenigen Relikte des alten Tárra und erspähe auch das unscheinbare Mosaik außerhalb der kleinen Kirche. Mein Weg führt mich auch zur Agios-Adónis-Felsenkapelle. In ihrem angenehm kühlen Schatten sitzend sehe ich den Touristengruppen zu, wie sie sich aus der Schlucht dem rettenden kühlen Nass in Richtung Meer zuwenden. Morgen werde auch ich mir das Erlebnis der Pórtes gönnen, und erlebe in stiller Vorfreude den beschaulichen Abend im touristenarmen Agia Rouméli, als die Schluchtenwanderer des Tages mit den Fähren davongefahren sind.

Viele Stunden lang darf ich diese Einzigartigkeit der Schlucht am Tag darauf erleben, und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. So tiefe Empfindungen angesichts der urgewaltigen Natur. Glücklich und zufrieden stelle ich am Abend meiner langen Wanderung in der Pension fest, dass ich doch ganz schön müde bin, lege mich für ein Stündchen aufs Ohr......und wache am anderen Morgen, zwölf Stunden später wieder auf. Kann mich nicht erinnern, wann mir das zuletzt passiert ist.

Der darauffolgende Tag bringt mich per Fähre nach Chóra Sfakíon. Die Fahrt wieder ein einzigartiger Genuss. Insbesondere der Ausgang der Arádena-Schlucht beeindruckt mich sehr. Ich möchte sie mir heute auch noch von oben ansehen.

Chóra Sfakíon ist bombenheiß, knalle mein Gepäck ins Zimmer, kleine Erfrischung und dann nichts wie weg. So viele Menschen ertrage ich im Moment nicht. Auch der Weg nach Anópolis, auf der Straße, gestaltet sich schattenlos und unerträglich heiß.

Zum Glück kommt tatsächlich noch jemand vorbei. Touristen, die nur bis zum Ilíngas-Strand wollen, die mich aber bis hoch nach Anópolis bringen. Richtig nett. Zunächst mal falle ich in die erste Cafeteria rechterhand ein und übersehe fast, dass die Wirtin auf der Bank im Schatten liegt und schläft. Unterhalte mich derweil mit der netten älteren Dame, die wohl auch dazu gehört. Das Klima hier oben im Ort ist angenehm, längst nicht so heiß wie an der Küste.

So mache ich mich nach einer Weile auf den Weg zur Arádena-Schlucht. Der Ort Anópolis zieht sich noch eine Weile bergan. Bewaffne mich mit einem handlichen Stein, falls einer der Hunde, die hier auch frei herumlaufen, auf die Idee kommen sollte, mir zu nahe zu treten. Tatsächlich springen mir auch einige zähnefletschend entgegen, diese sind angebunden, jagen mir jedoch immer wieder einen ordentlichen Schrecken ein. Da vorne liegt ein schwarzes Monster faul auf der Straße herum. Äugt jetzt zu mir herüber. Keinen Millimeter rühre ich mich weiter. Nach geraumer Weile nähert sich eine Frau und begleitet mich an diesem (wahrscheinlich völlig harmlosen) Hund vorbei. Weiß man`s?

An der großen Platía mit dem Dáskalojannis-Denkmal gabelt sich die Straße. Frage in einem Kafeníon einen ausdrucksvollen älteren Dorfbewohner in schwarzer Kleidung inklusive Mandíli nach dem richtigen Weg. Gleich soll ich mich setzen und über meine Familienverhältnisse (wie schon hundert Male vorher in den letzten Tagen) Auskunft geben. Wir trinken eine Portokaláda (Limonade), plaudern noch ein wenig.

Der Weg zur Schlucht ist nun nicht mehr weit, vielleicht drei Kilometer. Menschenleer. Ein größerer Ziegenbock nimmt die Verfolgung auf, galoppiert mit gesenktem Gehörn hinter mir her. Vorsichtshalber werfe ich ein paar Steine in seine Richtung, bis er die Straßenseite wechselt. Bin froh, dass mich niemand beobachtet. Ein harmloser Ziegenbock.....

Die steinigen Hügel sind übersät mit Millionen von Meerzwiebeln. Hinter einer Kurve sehe ich Arádena, bald auch die beiden Zickzackwege, die zum Grund der Schlucht führen.

Arádena, Blick auf den Fußweg hinab auf den Schluchtengrund

Auf die Brücke traue ich mich nur die ersten Meter. Allein das Geräusch meiner Trippelschritte löst ein sehr gut hörbares und vollkommen übertriebenes Echo aus. Wahnsinn, diese Akustik. Keine 10 Pferde würden mich jetzt über die Holzbohlen bringen, die natürlich ganz sicher in ihren Verankerungen liegen. Sobald ein Auto oder Motorrad über die Brücke fährt hat man den akustischen Eindruck eines vorbeirauschenden Zuges. Hier würde ich gerne mal ein Trompetenkonzert erleben!

Auf meinem Rückweg sitzt der nette Herr aus Anópolis immer noch im Kafeníon. Die nächste Portokaláda ist fällig. Sein Tischgenosse möchte erst einmal über meine Familienverhältnisse Bescheid bekommen. Also sage ich mit Geduld noch mal alles auf, auch, was ich arbeite und woher ich komme. Nachdem das alles geklärt ist, schlägt ersterer vor, mich ein Stück zu begleiten, er würde eh die Straße runter wohnen. Wir halten an einem Feigenbaum an, mit dem Krummstock angelt er nach einem Ast, von dem ich mir die reifen Feigen pflücken soll. Bin entzückt und möchte sie schon im Rucksack verstauen. Nein, die soll ich jetzt gleich essen. Also gut, sie schmecken sehr gut. Als wir an dem Haus vorbeikommen, wo er mit seiner Familie wohnt, lädt er mich auf einen Kaffee ein. Wir könnten uns doch noch ein wenig unterhalten.....Leider muss ich gehen, es ist schon reichlich spät, und falls niemand mehr mit dem Auto vorbeikommt, habe ich noch zwölf Kilometer bis Chóra Sfakíon vor mir. Ich Glückliche werde aber später doch noch mitgenommen, alles ganz easy, erlebe auch keine Hunde- oder Ziegenbockattacken mehr und kann den Tag wunderbar ausklingen lassen.

Den ersten Bus um 7 Uhr nehme ich nach Vrýsses, da die Verbindung über Plakiás, Richtung Osten, bereits eingestellt ist. Genieße einen warmen Sonnenaufgang aus dem Busfenster. Meine Verbindung über Réthimnon, Agia Galíni und Phaestós klappt hervorragend. Auf der Hauptstraße nach Mátala lässt mich der Fahrer unten an der Kurve aussteigen. Nur noch ein paar hundert Meter, und ich erreiche in heißer Nachmittagssonne Sívas. Mein Lieblingsdorf. Alles wie immer, ein paar Leute hängen vor ihren Häusern herum, die Restaurants noch geschlossen, mein Lieblingskafeníon fast leer. Begebe mich nach einer Erfrischung zu meiner Unterkunft, wo man mein Lieblingszimmer bereitet hat. Fühle mich angekommen und zu Hause, voller Freude. Alles ist vertraut. Der Esel steht immer noch oben am Hang angepflockt, so wie fast jeden Tag, Bussarde kreisen über den Olivenbäumen, die alle prall voll hängen. In anderthalb Monaten fängt die Ernte an.

Was soll man weiter berichten? Viele Freunde getroffen, gemeinsam gegessen, getrunken. Supernette Mittouristen kennen gelernt, abends beim Grillfest in der Unterkunft, quasseln bis zum Morgengrauen. Klasse Wetter, kaum Wind, nicht zu heiß. Weitere nette Dorfbewohner näher kennen gelernt, auch einen älteren Sfakioten aus Anópolis, den es in die Messará verschlagen hat. Zu viert unternehmen wir einen Ausflug nach Léntas, der es in sich hat. Zum Glück sprechen alle genug griechisch, um die Mantináden zu verstehen, mit denen wir unterwegs versorgt werden. Der Wein fließt, alles Essen wird geteilt. Auch einen Adler bekommen wir zu Gesicht. Es wird getanzt, in einer Taverne dreht man extra die Musik für uns auf. Wir lachen und lachen und lachen, alle zusammen, und dabei habe ich diese lieben Menschen erst am voran gegangenen Abend kennen gelernt. Wie befreiend, bar aller Sorgen. Es nimmt kein Ende. Auf dem Rückweg werden wir noch in ein Kafeníon in Plátanos (Nähe Míres) entführt, wo uns gar keine Touris begegnen, dafür aber einige stolze Anogiáner. Unser Tag endet in Mátala, wo gerade der Strom ausgefallen ist und wir so einen romantischen Abend bei Kerzenlicht verbringen.

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen, so prall die beiden Wochen, so viel erlebt. Immer noch voller Freude und ziemlich müde. Und morgen, reden wir nicht drüber....

Hier ist Afrika!


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