Nashville Zentrum,
Capitol Hill und Farmers' Market


Heute Morgen sind wir recht zeitig aus den Federn gekommen. Im Shuttle-Bus in die Stadt erhalten wir von Mitfahrenden den Tipp, das Visitor Center aufzusuchen, um Kartenmaterial und Informationen zu Besichtigungswünschen zu bekommen.
Doch zunächst führt unser Weg von der Riverfront-Bushaltestelle erneut den downtown Broadway hoch. Die Hoffnung, dass die Menge der unzähligen Taylor-Swift-Fans mittlerweile nach Hause gefahren ist - immerhin ist heute Sonntag, und morgen geht die Schule wieder los – zerschlägt sich, als wir erfahren, dass heute Abend das dritte Open-Air-Konzert der fleißigen Sängerin an diesem Wochenende stattfinden wird. Vielmehr ergießt sich ein erneuter Schwall von vorfreudigen Fans in die Innenstadt. The same procedere as yesterday: Pedal Cars, Herumgekreische, schillernde Pailletten, alles SEHR LAUT und irgendwie surrealistisch. Nichts wie weg aus der Innenstadt, denke ich mir.
Also zunächst zum Besucherzentrum, das sich in einer Art Glaskegel an der Ecke Broadway/5th Avenue befindet, gleich neben der Bridgestone-Arena.


Hier werden wir von einer jüngeren, sehr freundlichen Mitarbeiterin, die es versteht, auf unsere Interessen einzugehen, mit ausgezeichnetem Kartenmaterial und wertvollen Tipps versorgt.
Unsere heutigen Ziele im Zentrum der Stadt werden zunächst einige legendäre Orte sein, die in der Musikgeschichte von Nashville eine große Rolle gespielt haben und immer noch spielen. Danach werden wir das Musikzentrum verlassen und den Capitol Hill, auf dem das Landesparlament von Tennessee steht, sowie den dahinterliegenden Bauernmarkt aufsuchen.
Zuvor versuchen wir nochmal, auf den nahe liegenden Country Music Walk of Fame zu gelangen, umrunden den Platz und erkennen, dass er auch heute weiträumig abgesperrt ist. Schade! Also zurück zur Ecke Broadway/5th Avenue.


Ecke Broadway/5th Avenue mit Ryman Auditorium und Tootsie's Orchid Lounge

„Nashville bezeichnet sich gern selbst als Stadt der Musik. Für mich war es nur das Kaufhaus. Ins Kaufhaus geht man, um einzukaufen. Und als Musikproduzent geht man dahin, um Songs einzukaufen. Ich musste dafür sorgen, dass meine Ware im Kaufhaus feilgeboten wurde“, schreibt Willie Nelson in seiner Biografie. (Willie Nelson S. 151, s. Literaturliste) Das war Anfang der 1960er Jahre, kurz nach Eröffnung des Mom’s durch Hattie Louise „Tootsie” Bess, das erst später den blumigen Namen World Famous Tootsie’s Orchid Lounge erhielt. Tootsie’s stimmungsvolles Lokal wurde im Laufe der Jahre zum Anlaufpunkt eines jeden, der in Nashville von einer Karriere träumte, davon, von der eigenen Musik leben zu können, indem man mit einem der renommierten Platten-Label einen lukrativen Vertrag schloss. Dazu brauchte man Beziehungen. „Tootsie’s war ideal, um Beziehungen zu knüpfen.“ (Willie Nelson, ebd., S. 166 ).
Tootsie Bess selbst wurde im Laufe der Jahre zu einer Legende, die jeder in Nashville kannte, nicht nur, weil sich hier bereits etablierte Country-Musiker trafen. „Tootsie hatte auch ein Herz für ganz normale Leute wie mich, die mit den Taschen voller Träume nach Nashville gekommen waren. Sie war unsere Glucke – geduldig, gütig und immer aufmunternd.“ (Willie Nelson, ebd., S. 154).

Zu Beginn hatte die Honky-Tonk-Bar nicht diesen auffälligen, fliederfarbenen Anstrich, und die Rooftop Bar wurde auch erst später hinzugefügt. Heute ist das legendäre Tootsie's eines von vielen Lokalen, das mit lauter Live-Musik und einer Dachterrasse mit den anderen um die Gunst des Vorbeigehenden wetteifert und aufgrund seiner Geschichte ein absoluter Publikumsmagnet ist. Die großen Namen der Vergangenheit, insbesondere der früheren Eigentümerin, leben in den Räumlichkeiten weiter und werden ständig um weitere ergänzt, die hier Gast sind oder einen Auftritt haben.


Der Tennessean hat die Geschichte des Lokals reich bebildert veröffentlicht. Gerne hätten wir uns in den Räumlichkeiten dieses historischen Ortes etwas umgeschaut, doch schon früh geht es ohrenbetäubend laut zu. Uns genügt daher die Außenansicht.
Das Ecklokal nebenan, das Legends Corner, bietet ebenfalls eine Bühne für Live-Musik. Auffällig ist ein großes Gemälde an einer der Außenmauern, auf dem legendäre Größen der Countrymusik dargestellt sind, die selbst aus Nashville stammen oder zu der Music City einen Bezug hatten.


Durch eine schmale Gasse getrennt steht das Ryman Auditorium (der ehemalige „Union Gospel Tabernacle“), eine über 130 Jahre alte und von außen unverwechselbare Veranstaltungshalle.


Zunächst als Ort für religiöse Zusammenkünfte erbaut, wurde sie später die „Mutterkirche der Country-Musik“, wie auf einem Schild neben dem Gebäude zu lesen ist, denn die landesweit bekannte Radioshow Grand Ole Opry wurde über dreißig Jahre lang, von 1943 bis 1974, live von hier gesendet. Manchmal wich man auch ins Tootsie’s aus, das dadurch einen enormen Bekanntheitsgrad gewann, und diesen umgekehrt auch einbüßte, als die Show aus Platzgründen 1974 in den Opryland-Komplex (in der Nähe unseres Hotels!) umzog. Doch immer mal wieder, bis heute, findet die Liveshow im Ryman statt.


Auch bekannte Musiker anderer Musikrichtungen treten hier auf, der Veranstaltungskalender ist voll. Gerne hätten wir ein Konzert besucht, doch während unseres Aufenthaltes war das nicht möglich, da alle Tickets für John Mellencamp recht teuer und bereits ausverkauft waren, als ich nachschaute. Auch Back-Stage-Touren werden entgeltlich angeboten, mit Führung oder self-guided (36 USD), doch das passt nicht in unser heutiges Programm.

An einer Seite im Außenbereich wird der Entstehung des Bluegrass gedacht, ein Subgenre des Country. Banjo, Mandoline und Fiddle heben diese Musikgattung von den anderen Country-Arten ab. Berühmte Vertreter der Bluegrass-Szene waren Loretta Lynn und Charley Pride. Ihnen und anderen hat man mit einer figürlichen Darstellung an dieser Stelle ein Denkmal gesetzt.



Loretta Lynn mit ihrem Song Coal Miner's Daughter in der Ed Sullivan Show. Im Hintergrund ist das Banjo gut zu hören.

Weiter oberhalb, die 5th Avenue hinauf, steht die Downtown Presbyterian Church aus dem Jahr 1814, die im Laufe ihrer Geschichte zweimal abgebrannt ist und wieder aufgebaut wurde. Der jetzige Bau steht in dieser Form seit 1851. Im Jahr 1993 wurde die Kirche als National Historic Landmark registriert.
Von der freundlichen Frau im Visitor Center wurde uns die Kirche empfohlen, denn sie hat geschichtliche Meilensteine erlebt: Präsident Andrew Jackson wurde 1838 in die First Presbyterian Church aufgenommen, die 1955 hier ihren religiösen Versammlungsort hatte, und James K. Polk wurde im Jahr 1839 als Gouverneur in diesem Kirchengebäude eingeführt.
Wir haben Glück, denn der Property Manager weist uns zwar darauf hin, dass er die Kirche eigentlich schließen möchte, lässt uns aber noch einen Blick hinein werfen.


Das Interieur erscheint recht dunkel, die Ausstattung ist schlicht. Figürliche Abbildungen fehlen vollkommen. Während ich einen kurzen Rundgang mache, plaudern Alex und der Manager ein wenig miteinander, und ich komme gerade zurück, als er von seiner internationalen Herkunft erzählt: teilweise deutsch (mag er überhaupt nicht), schweizerisch, sizilianisch, spanisch und Maya (Letzteres mit Stolz in der Stimme). Wir danken dem netten Man nochmals, dass er uns hat in die Kirche schauen lassen und machen uns dann wieder auf die Socken.

Neben den vielen Geschäften an dieser Einkaufsstraße (weiterhin die 5th Avenue) kommen wir auch an einer Riesendrogerie vorbei, die auf den heutigen Sonntag geöffnet hat. Auch Alex benötigt noch ein paar Artikel und so verbringen wir die nächste halbe Stunde in diesem gut besuchten Geschäft, das alle Waren aus diesem besonderen Sortiment beinhaltet, die das Herz begehrt. Fast alle Artikel derselben Marken kennen wir auch von zu Hause. Vor allem aber sind die Räume hervorragend klimatisiert, eine Wohltat zu der zunehmenden warmen Schwüle draußen.

Weiter, in Richtung Tennessee State Capitol, erkennen wir ganz unverhofft an der Ecke zur Union Street eine Bronzefigur, die „Mr. Guitar“ Chet Atkins darstellt. Er war einer der bekanntesten, berühmtesten und erfolgreichsten Gitarristen und Musikproduzenten Nashvilles. Seit über zwanzig Jahren sitzt er hier bereits auf einem Hocker und ist den Bürgern der Stadt in dieser Form ein guter Bekannter geworden. Daher waren nicht wenige Einwohner erschrocken, als die Figur plötzlich fehlte. Auf Nachfrage erfuhr man, dass sie ab Juni 2023 nicht weit entfernt einen neuen Standort im Musicians Hall of Fame & Museum (Gay Street) gefunden hat. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs jedoch saß die Figur noch an altbekannter Stelle.


Chet Atkins, „The Country Gentleman”

Willie Nelson kam zwar mit dem Mainstreamsound Nashvilles nicht zurecht, der - um richtig Geld zu verdienen - die Country-Musik aus ihrer Nische herausholen und dem breiten Publikum durch musikalische Anpassungen schmackhaft machen wollte. Das bedeutete, dass die eigenen Songs und die eigene musikalische Identität sich dem System unterordnen mussten. Dennoch schreibt er mit größtem Respekt von Chet Atkins: „Ich mochte Chet. Ich hatte großen Respekt vor seinen zahllosen Erfolgen und natürlich vor seiner genialen Musikalität.“ (Willie Nelson S. 190, s. Literaturliste)
Chet jammte auch mit anderen musikalischen Größen, wie Mark Knopfler, Jerry Reed, Roy Clark, George Benson oder Gitarrenhersteller Les Paul. Sein virtuoser Gitarren-Fingerpicking-Stil ist unverwechselbar: Chet Atkins in der Carson Tonight Show
Nashville ohne Chet Atkins ist nicht vorstellbar. Wer weiß, wie er das heutige Musikleben in der Stadt beurteilen würde. Vielleicht wäre er es gewesen, der das Potential von Taylor Swift, als sie in Nashvilles Blue Bird Cafe auftrat, erkannt hätte. Möglicherweise wäre er jetzt ihr Musikproduzent, und hätte zu ihrem märchenhaften Erfolg beigetragen. In unserem Reisejahr ist sie mit ihrer überaus erfolgreichen Welttournee, den verkauften Platten und Streams, Merch-Artikeln und allem, womit man im Musikgeschäft Geld machen kann, zur Milliardärin geworden. Hut ab, kann man da nur sagen.

Wir verabschieden uns nun kurzzeitig vom Music Business und switchen um zum Tennessee State Capitol, dem Regierungssitz des Gouverneurs des Bundesstaates Tennessee. Das Gebäude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts befindet sich auf dem Capitol Hill. Der Hügel selbst wird halbkreisförmig vom mehrspurigen James Robertson Parkway umschlossen, die Kreislinie ist die Charlotte Avenue, die die 5th Avenue schneidet. Neben dem Regierungsgebäude selbst befinden sich unterhalb des Hügels noch weitere Büros für staatliche Aufgaben, wie das des Gesundheitsamts oder des Generalstaatsanwalts.Aus verschiedenen Richtungen führen einige Treppen hinauf auf den Hügel.


Am oberen Ende eines der Aufgänge stößt man unweigerlich auf die Statue eines Soldaten mit seinem Gewehr im Anschlag. Es ist ein Denkmal für einen hoch dekorierten Soldaten, Alvin C. York, der im Ersten Weltkrieg in Europa gekämpft, bermerkenswerterweise jedoch zunächst seiner Einberufung zum Kriegsdienst widersprochen hatte.


Der erste Blick auf das wuchtige Stein-Gebäude des Tennessee State Capitols das im Greek-Revival-Stil erbaut wurde, erzeugt mit seinen Giebeln, Türmen und mächtigen Säulen einen imponierenden Eindruck. Es kann auch besichtigt werden, allerdings nicht am Wochenende.




So werden wir uns im Außenbereich, dem Victory Park, umsehen, der das Kapitol-Gebäude umgibt und herrlich ruhig und mit Standbildern, Gräbern und anderen Hinweisen auf die Geschichte Tennessees gespickt ist.


Insgesamt drei ehemalige US-Präsidenten haben hier ihre Statuen bzw. ihr Grab. Mittig vor dem Gebäude und alle anderen überragend steht das Reiterstandbild des siebten US-Präsidenten und Mitbegründers der Demokratischen Partei, Andrew Jackson.


Für uns Außenstehende und aus heutiger Sicht ist es schwer, die Verehrung seiner Person angesichts der Vertreibungspolitik gegenüber der indigenen Bevölkerung durch den Indian Removal Act und seiner Haltung in der Frage der Sklaverei nachzuvollziehen. Diese beiden Aspekte fallen ins Auge, werden allein jedoch seinem Wirken und den Gesamtumständen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht gerecht. Sein einstiges Anwesen, The Hermitage, mit Herrenhaus und angeschlossenem Museum, einige Kilometer östlich von Nashville, steht Interessierten zur Besichtigung offen.

Ein weiterer – der elfte US-Präsident - James K. Polk, hat hier auf dem Capitol Hill mit seiner Familie seine Ruhestätte gefunden.



Ein anderes Standbild ist dem siebzehnten US-Präsidenten, Andrew Johnson, gewidmet.


Daneben werden weitere Einzelpersonen und Organisationen der jüngeren und älteren Geschichte auf Gedenksteinen geehrt. Auch ein Denkmal für die Opfer des Nazi-Holocausts in Form von sechs gepflanzten Zedern für die sechs Millionen Tote steht am Rand des Parks.


Eine Kopie der Liberty Bell (die Freiheitsglocke, die 1776 in Philadelphia bei der Proklamation der amerikanischen Unabhängigkeit geläutet wurde) hat ebenfalls einen Standort in diesem Park.


Eine weitere Hinweistafel gibt Auskunft über die Holy Rosary Cathedral, die 1820 von irischen Arbeitern als erste katholische Kirche von Tennessee auf diesem Hügel errichtet wurde.

Weiter unterhalb des Kapitol-Gebäudes erkennen wir einen immergrünen Magnolienbaum, nach dem Stadteile, Landschaften, Plantagen, Casinos, Restaurants, Unterkünfte und sogar der Staat Mississippi als „Magnolia State“ benannt sind.


Immer heißer und schwüler ist es geworden, doch die Ruhe, die wir bei der Besichtigung genossen haben, hat uns dafür entschädigt. Langsam verlassen wir den Hügel und freuen uns jetzt auf den Nashville Farmers' Market, der sich nicht weit entfernt, hinter dem Capitol Hill, befindet und uns ebenfalls im Visitor Center zum Besuch empfohlen worden war.
Den Markt als solches gibt es schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts, das Marktgebäude wurde 1995 renoviert. Er ist fast ganzjährig geöffnet und bietet auf diversen Abschnitten des staatseigenen Geländes verschiedene Warengruppen an.
Direkt am Eingang befindet sich ein Gartencenter. Im daneben liegenden, überdachten Bereich wird zu bestimmten Zeiten eine große Auswahl an frischem Obst und Gemüse aus der Region angeboten. Diese Stände sind bei unserem Besuch aber schon weitestgehend abgebaut.


In einem weiteren Abschnitt dieses Bereichs werden an anderen Ständen selbst hergestellte Produkte angeboten, ideal zum Einkauf von Souvenirs. Bekleidung, Kerzen, Waren aus Ton, Gehäkeltes, Eingemachtes, schöne verpackte Seifen, Mützen, Schmuck, Plektrons zum Gitarrenspiel, Honig und vieles andere sind im Sortiment, alle preislich annehmbar. Interessant finde ich auch einen Stand mit Gitarren, die recht merkwürdige Formen haben.



Manchmal finden auch Veranstaltungen zu bestimmten Themen statt, die sich um die Erzeugnisse aus der Region drehen.


Am Kopfende des überdachten Außenbereiches befindet sich eine große Halle, die auf das Angenehmste temperiert ist. Tische und Stühle in der Hallenmitte laden dazu ein, Essen und Getränke aus den kleinen Garküchen ringsum zu verzehren oder einfach nur ein wenig vom Marktbummel zu verschnaufen. Es geht zwanglos zu, da es keine Zuordnung von Sitzgruppen zu einzelnen Lokalen gibt, man kann sich dorthin pflanzen, wo man gerade möchte. Während wir zwei Riesenportionen Eis vernaschen, nehmen wir wahr, dass eine junge Frau auf einer kleinen Bühne mit Gitarre und Gesang gegen einen Obolus Musikwünsche erfüllt. Wir sind dankbar dafür, dass sie darauf verzichtet hat, den Verstärker aufzudrehen, sodass ihr Spiel mehr eine Begleitung darstellt und man sich in normaler Lautstärke unterhalten kann.
Ich kann mir vorstellen, dass es zu anderen Zeiten voller ist. An diesem Sonntagnachmittag scheint der große Besucheransrang schon vorbei zu sein, doch einige Familien haben den freien Tag wohl dazu genutzt, einen kleinen Ausflug hierher zu machen. Auch ein paar Touristen haben sich unter die Einheimischen gemischt, Kinder spielen herum, es duftet aus allen Richtungen nach Köstlichkeiten. Die Atmosphäre ist dermaßen entspannt und angenehm, dass wir recht lange hier bleiben. Jedem, der sich ein wenig unter die Bevölkerung Nashvilles mischen und Abstand vom Getöse des Broadway nehmen möchte, sei dieser Ort empfohlen.

Nachdem wir am späten Nachmittag den Markt wieder verlassen haben, werfen noch einen Blick in einen direkt gegenüber dem Markteingang liegenden Bicentennial Mall State Park, der anlässlich der Zweihundertjahrfeier des Beitritts des Staates Tennessee zu den Vereinigten Staaten (1. Juni 1796) angelegt wurde. Zahlreiche Schautafeln informieren über Geschichtliches, ein Open-Air-Theater und weitere Sehenswürdigkeiten laden zum Verweilen ein.

Mittlerweile ist es nicht nur noch schwüler geworden, sondern es hat sich auch dunkel bewölkt. Tatsächlich schaut es mittlerweile so aus, dass die im Fernsehen angekündigte Gewitterfront im Anzug ist. Besser wird es sein, zügig zurück zur Riverfront zu gehen und den nächsten Bus zurück zum Hotel zu nehmen. Allerdings verpeilen wir zunächst die Richtung dorthin, latschen dann wieder zurück, haben noch ein längeres Gespräch mit einer hilfsbereiten Frau, die uns den Weg zeigen möchte, sich aber auch nicht wirklich auskennt, verlieren an jeder Fußgängerampel wertvolle Zeit und sind schon recht erschöpft, als wir nach der flotten Wanderung wieder zum Fluss gelangen. Unser verspäteter Bus hat schon alle Passagiere eingeladen, die Türen geschlossen und steht zur Abfahrt bereit, als Alex wild gestikulierend in seine Richtung eilt, denn der nächste Bus würde erst in einer Stunde fahren. Es ist wirklich nett, dass man auf uns wartet, und keine Sekunde zu früh entern wir das Gefährt, als ein tierischer Wolkenbruch herniedergeht, den wir auf der Rückfahrt im Trockenen erleben können. Echt Glück gehabt!

Am Abend spurten wir bei Blitz und Donner im unablässig stömenden Regen vom Hotel über den rückwärtigen Parkplatz zu Logan’s Roadhouse, wo es uns unter der laufenden Klimaanlage erst mal ordentlich friert, so sehr sind die Temperaturen gefallen. Dennoch finden wir ein Plätzchen, wo es nicht so zieht und wir uns slow-cooked Fall-off-the-Bone-Ribs, würzig mariniert und flankiert von Kartoffelpüree, Bohnen- und Brokkoli-Gemüse munden lassen. Ein absolutes Gedicht!
Uns gefällt es sehr gut im Logan’s Roadhouse mit den rustikalen Sitzgelegenheiten aus Holz, die sich um einen riesigen zentralen Tresen zu Essbereichen gruppieren. Auf zig TV-Schirmen laufen ganz zünftig ohne Ton mehrere Sportsendungen parallel. Auch am breiten Tresen kann man, wie in vielen Lokalen in den Staaten, sein Essen einnehmen. Manchmal kommt man auch mit dem Sitznachbarn ins Gespräch. Die Frauen, die uns alles an unseren Tisch herbeischleppen, sind gut drauf und haben auch noch einen guten Humor, sodass ein ordentliches Tip fällig wird. Dennoch haben wir hier preiswerter als je zuvor seit Beginn unserer Reise gegessen.
Zufrieden und müde geht es schließlich zurück ins Hotel. Für morgen sind weitere Gewitter und sogar Überflutungen aufgrund von Starkregen gemeldet. Wird schon nicht so schlimm werden.


Nashville Music Valley, Willie Nelson & Friends Museum



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