Nashville Music Valley,
Willie Nelson & Friends Museum


Das stundenlang andauernde Gewitter vom Vorabend hat die Temperaturen um mehr als 10 Grad fallen lassen, sodass wir heute Morgen von einem regnerischen, windigen und recht kühlen Wetter begrüßt werden.
Es ist unser letzter Tag in Nashville. Was kann man bei diesen Bedingungen so unternehmen? Nochmals in die Innenstadt möchten wir nicht, denn der Aufwand erscheint uns zu groß, angesichts dessen, dass wir heute noch packen und unser vorbestelltes Auto am Flughafen abholen müssen.

Wir könnten ins „Opryland“ und uns die Grand Ole Opry ansehen, die berühmte Veranstaltungshalle, die nach ihrem Umzug aus dem Ryman Auditorium hier ihre Heimat gefunden hat. Sie wäre sogar fußläufig erreichbar. Ich hatte erwogen, uns für einen Abend zwei Tickets für irgendeine Country-Show hier zu buchen, doch die Preise erschienen mir im Vergleich zu allem anderen dann doch zu ambitioniert, insbesondere, da wir die Auftretenden auch nicht kannten. Und nach einer Backstage-Tour steht uns heute nicht der Sinn. Nur, um ein Außenfoto des Gebäudes zu schießen, haben wir keine Lust, neben der Schnellstraße herumzulaufen. Also traben wir wieder ins näher gelegene Music Valley Village, in dem wir uns am ersten Abend so gut amüsiert haben. Auch heute sind alle Läden um den Parkplatz herum weitestgehend geschlossen, was zusammen mit dem dunklen Wetter an Trostlosigkeit kaum zu überbieten ist.


Doch ein Schmankerl befindet sich dort um die Ecke, das ich um keinen Preis versäumen will: das Willie-Nelson-and-Friends-Museum, das einem der größten Country-Musiker der USA gewidmet ist. Ich selbst bin ein großer Fan von Willie und freue mich daher umso mehr auf diesen Besuch.


Nach dem Ticketkauf (10 USD pro Person) durchquert man zunächst einen Merch-Bereich, dann öffnen sich die Pforten in den kleinen, feinen, gemütlichen Ausstellungsraum, der mit allerlei Gegenständen aus der Karriere von Willie Nelson und einigen seiner Freunde gespickt ist. Die Raummitte nimmt ein Pool-Tisch ein, der offenbar in Willies Leben eine Rolle gespielt hat und eigens für ihn angefertigt wurde. Viele Jahre lang stand er im Studio von Pedernales in Texas. „Schade, dass er nicht sprechen kann – weil man sich sicherlich vorstellen kann, welche Geschichten er erzählen würde, wenn er könnte!“, heißt es auf einer Begleittafel. Das hätte tatsächlich was!


Was hat die Musik von Willie Nelson und den Künstler selbst über die Jahrzehnte und über Generationen hinweg so beliebt und berühmt macht? Vielleicht sind es die Texte, die aus seiner Feder stammen, wie in den beiden Songs On the road again oder Blue Eyes Crying in the Rain, Songs, die in ihrer Einfachheit nie banal, sondern emotional nachvollziehbar sind, sodass der Künstler und das Lied in seiner Gesamtheit dem Zuhörer richtig nah erscheinen. Willies einzigartiger Gesang und sein Gitarrenspiel passen perfekt dazu.
Dieses besondere Instrument, das nach dem jahrzehntelangen Gebrauch entsprechend ramponiert aussieht, wurde für ihn von dem Gitarrenbauer Shot Jackson in Nashville gefertigt, und erzeugte genau den Klang, den er gesucht hatte. Klassische Gitarren sind eher zum Zupfen konzipiert, nicht zum Schlagen, wie Willie es gemacht hat, und so entstand über die Jahre in der Decke ein Loch. „Aber dieses Loch und der Aluminium-Amp – in Würde gealtert mit genau der richtigen Menge an verschüttetem Bier – schienen den warmen Ton noch zu verstärken. Ich nannte meine Gitarre Trigger, in Erinnerung an Roy Rogers und sein geliebtes Pferd.“ (Willie Nelson, S. 215, s. Literaturliste).

Vielleicht ist es auch seine Unbeirrbarkeit, die ihn vor dem Abgleiten ins Seichte bewahrt hat, die ihn an der Auswahl seiner Texte sowie die künstlerische Darbietung mit Gitarre und Gesang festhalten ließ. Letztendlich blieb er eben nicht im vermeintlichen Mekka der Countrymusik, sondern sein Weg führte ihn nach finanziell sehr mageren Jahren in Nashville zurück nach Texas, wo sein musikalischer Output und damit seine Karriere so richtig in Schwung kamen.
Seine Erfolgsgeschichte währt nun schon seit Jahrzehnten. Eine meiner Lieblings-CDs ist First Rose of Spring aus dem Jahr 2020 mit dem Billy-Joe-Shaver-Song We are the Cowboys, und hier insbesondere die Zeile „Cowboys are average American people, Texicans, Mexicans, black men and Jews“ – also weg vom Hollywood-Film-Image, dass Cowboys weiße, harte Kerle sind, hin zum Verständnis der amerikanischen Gesellschaft als eine multikulturelle. Cowboys, die echten Söhne der Freiheit, die den Job erledigen, wie es im Song heißt, stehen hier als Sinnbild für die Herausforderungen an uns alle:

The world will breathe easy when we stop the bleeding.
The fighting will end when all hunger is gone.
There's those who are blind so will all have to lead 'em.
It's everyone's job 'til we get the work done.


Deutsche Übersetzung:
Die Welt wird leichter atmen, wenn wir das Bluten stoppen.
Das Kämpfen wird enden, wenn es keinen Hunger mehr gibt.
Es gibt jene, die blind sind, die wir alle daher führen müssen.
Es ist die Aufgabe eines jeden, bis die Arbeit erledigt ist.


Willie ist jemand, der sich nicht mit den Gegebenheiten abfindet und sich einmischt. Das Lied Vote 'Em Out (Tenor: Wenn dir die jetzigen Politiker nicht passen, geh‘ zur Wahl und wähle sie ab) brachte er zur Wahl 2020 heraus. Im Gegensatz zu den Wünschen des damaligen Präsidenten nach einer Mauer an der texanisch/mexikanischen Grenze veröffentlichte Willie genau in dieser Diskussionsperiode im Jahr 2019 den Guy-Clark-Song Immigrant Eyes, der in seinem begleitenden Video eine Parallele zwischen den Hoffnungen der Einwanderer des 18./19. Jahrhunderts und den Träumen und der Entschlossenheit der heutigen Migranten aus Lateinamerika zieht.
1985 rief er zusammen mit Neil Young und John Mellencamp die gemeinnützige Organisation Farm Aid ins Leben. Weil sich große Industriefirmen zur Lebensmittelproduktion im Laufe der Zeit immer weiter ausbreiteten, wurde es für die kleineren Landwirtschaftsbetriebe entsprechend schwieriger, dem Konkurrenzdruck zu widerstehen und die Familien von der Farmarbeit zu ernähren. Farm Aid versucht, in finanzielle Schieflage geratene und von Zwangsvollstreckung bedrohte bäuerliche Familienbetriebe mit Spendengeldern zu unterstützen und ihr Überleben zu sichern. Bisher (2023) sind durch die Aktivitäten der Organisation mehr als 78 Millionen Dollar zusammengekommen.
Darüber hinaus unterstützt Farm Aid auch die logistische Anbindung von landwirtschaftlichen Familienbetrieben an regionale Märkte und den Ausbau weiterer Infrastruktur und Vernetzung. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Nashville Farmers‘ Market ebenfalls auf diesem Konzept beruht. Seit der Gründung von Farm Aid findet jährlich in jeweils einem anderen Bundesstaat ein über die Grenzen der USA hinweg bekanntes Festival statt. Es wird landesweit im Radio, Fernsehen und per Stream übertragen. In unserem Reisejahr 2023 traten die drei Gründungs- und (neben Dave Matthews und Margo Price) ebenfalls Vorstandsmitglieder wieder gemeinsam neben befreundeten Musikern auf.
Im Museum in Nashville hängt an den Wänden eine Sammlung von Fotos, Geschichten und einem gerahmten Unterschriftenblatt, auf dem sich viele der Künstler verewigt haben, die bei Farm-Aid aufgetreten sind, wie Randy Newman, Carole King, John Fogerty, Nils Lofgren, Kenny Rogers, sogar die Beach Boys und viele andere.

Erfahrung mit der Ausrichtung von Festivals konnte Willie bereits seit 1979 sammeln, das erste Jahr seines Fourth of July Picnics, das seitdem fast jährlich am Nationalfeiertag stattfindet. Auch das Line-Up zu diesem Festival, insbesondere Countrybarden und –sängerinnen, lässt sich sehen, wie der sehr anerkannte Songschreiber Townes_Van_Zandt, die Sängerinnen Rita Coolidge und Emmylou Harris, neben Kris Kristoffersen, Johnny Cash und Waylon Jennings auch Jerry Jeff Walker, die Country-Legende Hank Snow, Willies Freund Merle Haggard, der Singer-Songwriter David Allan Coe und viele mehr. Im Museum hängt ein Exemplar des Plakats des allerersten Festivals von 1979.


Das Museum ist voller Kleinodien, die alle aus Willies ereignisreichen Künstlerleben erzählen, so wie eine Vitrine, die Gegenstände aus Willies Debüt in der Grand Ole Opry im November 1963 beinhaltet. Obwohl Nashville für ihn nicht das Durchstart-Pflaster war, das er sich erhofft hatte, brachten seine Auftritte in der Show dennoch Aufmerksamkeit und Prestige.
Auch Ernest Tubb, Vertreter der gröberen und lauteren Honky-Tonk-Countrymusik, der ein großer Gönner Willies in dessen Nashville-Zeit war, hat im Museum ein Extra-Plätzchen bekommen. Insbesondere mit den Einladungen von Willie in die Grand Ole Opry als Gast, nachdem er vorwiegend aus finanziellen Gründen sein eigenes Engagement dort beendet hatte, half er Willies Karriere weiter. Ernest Tubb war damals einer der angesehensten Countrymusiker und Strippenzieher in town. Ihm gehörte der 1947 gegründete Plattenladen am Broadway, in der Nähe des Ryman Auditoriums.


75 Jahre lang bestand der Shop, bis diese Legende im Jahr 2022 wohl wegen Rechtsstreitigkeiten geschlossen wurde. Es wäre schade, wenn er - wie all diese alten, traditionsreichen Institutionen mit ihrem besonderen Spirit - zu einem Teil der Ballermann-ähnlichen Partymeile verkommen würde. Nach der Schließung wurden jedenfalls umfassende Renovierungsarbeiten angekündigt. Doch wer weiß, ob sich ein Plattenladen im Zeitalter der Online-Streamingdienste überhaupt finanziell über Wasser halten kann.

Willie kann sein Publikum aufs Beste unterhalten, und das funktioniert auf der Bühne sehr gut mit seinen Freunden, denen ein Teil der Ausstellung ebenfalls gewidmet ist. Zum einen sind es die Bandmitglieder, die ihn schon lange begleiten. Zum anderen steht Willie immer wieder mit anderen Musikern auf der Bühne, die ebenfalls als Solokünstler bekannt sind und waren. Zusammen mit Johnny Cash, Kris Kristoffersen und Waylon Jennings bildete er die Highwaymen, die zusammen große Erfolge feierten.
Beispielsweise sang er mit Sheryl Crow den Merle-Haggard-Song Today I Started Lovin' You Again, mit Ray Charles während dessen Ausflug in die Countrysparte Seven Spanish Angels und mit Keith Richards (Rolling Stones) den Song We had it all.

Auf einer Wand im Museum gibt es jede Menge Fotos von Willie mit Freunden auf der Bühne, wie mit dem Bakersfield-Country-Interpreten Merle Haggard: Okie from Muskogee.
Besonderen Freunden sind ganze Vitrinen mit Originalzubehör gewidmet. Da gibt es eine größere mit Gegenständen verschiedener Country-Musiker wie Kenny Rogers, Shelly und Dottie West. Daneben widmen sich kleinere Schaufenster einzelnen Musikern, die in Willies künstlerischem Leben eine größere Rolle gespielt haben, allen voran die von Waylon Jennings mit seiner Sonnenbrille, der berühmten schwarz-weißen E-Gitarre, seiner gut strapazierten Reisetasche, die am Flughafen in Paris tatsächlich einmal mit der ähnlich aussehenden von Henry Kissinger verwechselt wurde.


Auch mit Hank Williams (Jr.), Sohn des legendären Country-Übervaters gleichen Namens, verbindet Willie künstlerische Gemeinsamkeiten. Einige Gegenstände und Fotos haben in einem kleinen Schaufenster einen Platz gefunden. Willie (geb. 1933) gehört zur Generation zwischen Hank Williams Sr. (geb. 1923) und dessen Sohn (geb. 1949). Vielleicht ist Willie Hank Sr. tatsächlich einmal begegnet.
Nicht nur für Willie, sondern für unzählige andere Countrymusiker war Hank Sr. ein künstlerisches Vorbild. Dem Alkohol sehr zugewandt und schon im Alter von dreißig Jahren gestorben, blieb ihm nur eine begrenzte Zeit für seine musikalische Karriere. Was aber genau machte das Charisma von Hank Sr. aus, dass sich Musiker selbst in ihren Liedern auf ihn bezogen?
Wahrscheinlich waren es seine Texte und deren Vortrag, die „Painsongs“ (schmerzvolle Lieder), die man mit seiner Person identifizierte und den Zuhörer stark berührten. Auf jeden Fall kamen sie als ehrliche Lieder beim Publikum an und sprachen vielen aus der Seele. Eines seiner bekanntesten bohrt sich wie ein Nagel ins Ohr: I’m so lonesome I could cry (Ich bin so einsam, dass ich schreien könnte)
Hank Williams said it best, meinte der geniale Songschreiber Guy Clark in seinem Lied über die unterschiedlichen Interpretationen ein und derselben Sache durch verschiedene Menschen. Im Refrain heißt es:

Hank said it right, he said it long time ago:
"Unless you have made no mistakes in your life
be careful of stones that you throw.”


Deutsche Übersetzung sinngemäß:
Hank sagte es richtig, er sagte es schon vor langer Zeit:
„Es sei denn, dass du in deinem Leben keine Fehler gemacht hast,
sei ansonsten vorsichtig mit den Steinen, die du wirfst.“


Waylon Jennings stellt in seinem Song Are you sure Hank done it this way die Frage, ob Hank es auch „auf diese Weise“ getan hätte:

Somebody told me, when I came to Nashville
"Son, you finally got it made.
Old Hank made it here, and we're all sure that you will."
But I don't think Hank done it this way.


Deutsche Übersetzung:
Jemand sagte mir, als ich das erste Mal nach Nashville kam:
„Sohn, letztendlich hast du es geschafft.
Der alte Hank hat es hier geschafft, und wir sind uns alle sicher, dass du es auch machst.“
Aber ich glaube nicht, dass Hank es auf diese Weise getan hat.


Auch anderen Freunden von Willie Nelson sind Ausstellungsvitrinen gewidmet, wie der berühmten Countrysängerin Dolly Parton. 1946 in Locust Ridge, TN, als eines von zwölf Kindern geboren, wuchs sie mit ihrer Familie in ärmlichen Verhältnissen in einer Ein-Raum-Hütte auf. Doch ihre Liebe zur Musik machte sie im Laufe der Jahre als Songschreiberin und Sängerin berühmt. Dazu gehört das Lied Jolene. 1999 wurde sie in die Country Music Hall of Fame eingeführt, ebenso wie in die Grammy Hall of Fame und die Songwriters Hall of Fame.

Mit Patsy Cline („the Lady, the Legend“, so steht es auf einem Plakat im Museum) und ihrem Ehemann und Manager Charlie Dick verband Willie ebenfalls eine musikalische Freundschaft. Durch die Interpretation von Willies Song Crazy gelang ihnen ein großer Erfolg. In seiner Biografie schildert Willie (S. 166, s. Literaturliste), wie er völlig abgebrannt verzweifelt versuchte, einige Lieder – darunter auch Crazy – für eine Handvoll Dollar an den nächst Besten zu verkaufen. Eines Abends traf er zu später Stunde im Tootsie‘s Charlie Dick, den der Song auf Anhieb begeisterte. Mitten in der Nacht schleifte er Willie mit zu sich nach Hause, weckte Patsy, und zusammen kamen sie überein, dass Patsy ihn singen sollte. Patsy Cline ist in Nashville eine solche Berühmtheit, dass man ihr über dem Johnny-Cash-Museum eine eigene Ausstellungsetage gewidmet hat.


Ob in dieser Sitzecke, einem Originalensemble aus dem Tootsie’s in Willies Museum,
die erfolgreiche Geschichte von Crazy ihren Lauf nahm?

Viele Auszeichnungen hat Willie für seine künstlerischen Werke erhalten. Einige davon sind hier ausgestellt. Beispielsweise war er 1979 Entertainer of the Year (CMA Award) und erhielt 1980 einen Grammy für „On the Road again”.


Last but not least kann man sich in einem kleinen Nebenraum auch der filmischen Karriere von Willie Nelson annehmen. Er spielte mit Freunden in Western wie Red Headed Stranger.


Die Eingangsfrage, was es nun ist, das Willie so beliebt und berühmt gemacht hat, kann ich aus meiner eigenen begeisterten Zusammenfassung heraus beantworten.
Ich denke, dass es eine gut zusammengefügte Mischung aus vielen Einzelteilen ist: zum einen Willies Erfahrungen im Leben, das alles andere als gradlinig verlief, die er in eigenen Songs verarbeitete; weiterhin die musikalische Interpretation von eigenen und fremden Liedern, begleitet vom Spiel seiner Gitarre; daneben seine Einstellung zu wichtigen Dingen des Lebens und sein soziales Engagement für Projekte, denen er durch seinen Bekanntheitsgrad zu finanziellen Mitteln verhilft. Dazu kommen die einzigartigen Auftritte mit seinen Freunden, die seinen Fans immer in Erinnerung bleiben werden. Seine Freundlichkeit und sein warmherziges Lächeln auf der Bühne fangen das Publikum schnell ein.
Und dann natürlich seine unzähligen Songs, die ihn unsterblich machen. Er ist ein Poet, der aus dem Herzen spricht, mit einer ehrlichen und gleichermaßen einfühlsamen Musik, die seine unzähligen Fans lieben. Auch die Lieder anderer Songschreiber hat er mit Bedacht für den eigenen Vortrag ausgewählt. Jedes erzählt eine eigene Geschichte und keines ist banal oder dem Mainstream untergeordnet. Willie ist Willie, und niemand konnte ihn in seinen mittlerweile neunzig Lebensjahren verbiegen. Diese reichhaltige Mischung macht ihn zu einer liebenswerten Persönlichkeit und einem der größten Countrymusiker aller Zeiten.

Ich finde Willies Museum wegen der vielen ausgestellten Details und den Geschichten dahinter äußerst sehenswert. Es geht nicht nur um ihn und seine Erfolge, sondern auch um die Bedeutung seiner Freunde für ihn und seine Karriere. Dieser Museumsbesuch hat uns durch die Entführung in Willies Welt den Tag sehr bereichert und unseren Besuch in Nashville abgerundet.


Nach der Besichtigung erstehen wir im Verkaufsraum noch ein paar Souvenirs. Als wir das Gebäude verlassen, meldet sich prompt der kleine Hunger. Um die Ecke kehren wir dort ein, wo unser Nashville-Aufenthalt begann: in den Music City Bar & Grill, der schon um 13 Uhr mittags geöffnet ist und einen Live-Künstler mit Gitarre auf der Bühne hat. Es ist Elijah Ocean aus dem Bundesstaat Maine, im Nordosten der USA, der nach eigenem Bekunden einige Jahre herum gereist ist, um schließlich hier heimisch zu werden; außer in diesem Lokal hat er in Nashville auch andere Engagements, wo er seine eigene Musik darbringt. Elijah Ocean mit Phoenix.


Während ich einen Burger verdrücke, lausche ich seinen Liedern, die er solo vorträgt, und der Unterhaltung, die er zwischendurch mit einigen anderen Besuchern führt, werfe ein Tip in den Blecheimer und wünsche mir einen Willie-Nelson-Song. Er liefert gleich mehrere davon, am Ende des Potpourris sogar „On the Road again“.
Dieser Ort hier ist eine wirkliche Fundgrube, wo man richtige Countrymusik hören und sehen und neue Musiker entdecken kann. Daneben gibt es in diesem Viertel auch noch andere Veranstaltungslokale mit echter Country-Live-Musik.


Downtown Nashville hat für meinen Geschmack mit Countrymusik nichts mehr zu tun. Es ist nur noch der verblichene Name des legendären Mekkas der Countrymusik, dessen Hauch durch die Straßen weht, überschrien von den Krawumm-Beats, die aus allen Kneipen für meine Ohren überall gleichermaßen eintönig und viel zu laut herausschallen. Eine wichtige Erfahrung, die ich weitergeben möchte: Sucht man in Städten wie Nashville (und später auch Memphis und New Orleans) einschlägige Kneipen mit echter Musik aus der Region (Country, Blues, Jazz), so ist man gut beraten, sich vorher kundig zu machen und gezielt darauf zuzugehen. Auf gut Glück kann man wie wir zwar fündig werden, eher aber landet man auf der Partymeile im Zentrum mit einer ganz anderen Ausrichtung und Musik.


Mittlerweile hat sich die Sonne doch noch durchgesetzt und die schwül-warme Luft auf ziemlich unerträgliche 30 Grad erwärmt. Das für 18 Uhr bestellte Taxi fährt uns zum Flughafen, um unser gebuchtes Auto abzuholen. Das klappt alles sehr gut. Wir bekommen ein kleines, spritsparendes und übersichtliches Automatik-Auto, hätten auch ohne Aufpreis ein größeres haben können, doch wozu? Unser eigenes Navi, das den Weg über den Atlantik mit uns gemacht hat, wurde schon zu Hause mit den USA-Karten bestückt. Diese Investition sollte sich noch auszahlen. Einwandfrei werden wir über ein paar Autobahnen zurück zum Hotel gelotst, und so haben wir schon ein wenig Tuchfühlung mit dem Verkehr auf den Straßen der USA aufnehmen können. Scheint doch recht einfach zu sein, auch wenn es ein paar andere Regeln gibt.
Zum Beispiel darf tatsächlich rechts überholt werden, was erst mal ein wenig verwirrend, doch bei der geringen Geschwindigkeit allerorten ganz gut einschätzbar ist.
Etwas ganz anderes stellt die Verkehrsregel an Kreuzungen ohne Vorfahrtsregel dar. Bei uns hieße es: rechts vor links. Anders in den USA. Häufig haben alle Verkehrsteilnehmer (also in allen Richtungen) ein Stopp-Schild an einer Straßenkreuzung. Nach dem Halt aller Fahrzeuge setzen sich die Autofahrer dann in der Reihenfolge der Ankunft in Bewegung. Da wir uns erst daran gewöhnen müssen, sorgt unser anfänglich zögerliches Verhalten für Missverständnisse, da wir nicht sofort losfahren, wenn wir eigentlich dran wären. Doch niemand hupt oder schimpft. Sie bleiben einfach auch stehen. Mit Handzeichen und Kopfnicken einigt man sich, und dann geht es weiter. Ich finde, neben der Geschwindigkeitsbeschränkung, insbesondere auf Autobahnen, ist das ein tolles System, mit dem man sich entspannt mit anderen Verkehrsteilnehmern arrangieren kann, statt wie bescheuert über die Straße zu hetzen oder auf die eigene Vorfahrt zu pochen. All das werden wir in den nächsten zweieinhalb Wochen während unseres Road-Trips noch ausgiebig erfahren.

An unserem letzten Abend in Nashville kehren wir zum Abschluss nochmal bei Logan’s ein. Ich genehmige mir weitere Rippen, die vom Knochen fallen, und einige Zeit später fallen wir ebenfalls, nämlich ins Bett. Morgen geht es nach Memphis.


Nach Memphis, abends zur Beale-Street